Benzodiazepin | Indikation: Angststörungen (inkl. Panikattacken)
Handelsnamen: Xanax, Xanor & Tafil

Allgemeine Informationen

Alprazolam wurde in den 1970er Jahre von der Firma Pfizer entwickelt. Die Markteinführung in Europa fand anfangs der 1980er Jahre statt. Alprazolam ist das in den USA am häufigsten verschiebene Benzodiazepin. In Europa wird es seltener (jedoch immer noch häufig) eingesetzt.

Alprazolam ist ein Medikament aus der Gruppe der Benzodiazepine und wird unter den Handelsnamen Xanax, Xanor und Tafil vertrieben. Ebenfalls sind Generika erhältlich. Zugelassen ist es ab 18 Jahren zur Behandlung jeglicher Formen von Angststörungen (inkl. Panikattacken). Gegen Schlafstörungen wird es selten eingesetzt, da das Medikament den Ruf hat weniger zu sedieren als andere Benzodiazepine. Das führen eines Fahrzeuges oder das Bedienen von Maschinen ist unter Alprazolam-Einfluss enorm gefährlich! Alprazolam darf – wie alle Benzodiazepine – auf keinen Fall zusammen mit Alkohol eingenommen werden.

Das Medikament bindet sich im Gehirn an GABA-Rezeptoren. GABA ist jener Botenstoff, welcher für die Beruhigung des Menschen zuständig ist.

Alprazolam macht wie alle Benzodiazepine bereits nach kurzer und regelmässiger Einnahmedauer (nach ca. 4-8 Wochen) auch in der vom Arzt verschriebenen Dosierung schwer körperlich und psychisch abhängig. Hinzu kommt eine relativ rasche Toleranzenwicklung, welche die Einnahme immer höherer Dosen notwendig macht.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: Bei Bedarf (so selten wie möglich).
Die Einnahme sollte so niederig wie möglich dosiert werden.

Dosierung: 0,25-6mg (in mehreren Gaben bei hoher Dosierung)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 1-2 Stunden

Halbwertszeit: 13 Stunden

Bioverfügbarkeit: 80%

Wirkungseintritt: nach 15-30 Minuten

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) varieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Depression, Sedierung, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Gedächtnisschwäche, Schwindel, Sprechstörungen, Störung der Bewegungskoordinaton, Mundtrockenheit, Verstopfungen, Erschöpfung, Reizbarkeit.

Häufig (1-10%): Verminderter Appetit, Verwirrtheit, Desorientiertheit, herabgesetzte Libido, Angstgefühl, Schlaflosigkeit, Nervosität, erhöhte Libido, Gleichgewichtsstörungen, beeinträchtigte Koordination, Aufmerksamkeitsstörung, Tagesschläfrigkeit, Lethargie, Zittern, verschwommenes Sehen, Übelkeit, Hautentzündung, sexuelle Dysfunktion, Gewichtsveränderungen.

Gelegentlich (0.1-1%): Muskelschwäche, Harninkontinenz, unregelmässige Menstruation, Manie, Halluzinationen, Zorn, Agitation, Amnesie.

Selten (0.01-0.1%): Allergische Reaktionen

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Eine Ausnahme dabei spielt die Abhängigkeit. Sie tritt nach längererm und regelmässigem Konsum auf (nach ca. 4-8 Wochen) und verschwindet nicht von alleine. Das gleiche gilt für die Toleranzentwicklung.

 

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • Myasthenia gravis
  • schwere Ateminsuffizienz
  • Schlafapnoe
  • schwere Leberinsuffizienz
  • gleichzeitig mit HIV-Protease-Inhibitoren oder Azol-Antimykotika
  • Schwangerschaft & Stillzeit
  • gleichzeitig mit Alkohol

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Alprazolam und folgende Wirkstoffe verstärken sich gegeseitig in ihrer dämpfenden Wirkung auf das Gehirn:

  • Beruhigungs- und Schlafmittel, Schmerzmittel allgemein und besonders opioide Schmerzmittel, bei denen es zu beschleunigter Abhängigkeitsentwicklung kommen kann
  • Neuroleptika
  • Pregabalin
  • Antidepressiva einschliesslich Lithium
  • Antiepileptika
  • H1-Antihistaminika
  • Muskelrelaxanzien, deren muskelerschlaffende Wirkung verstärkt wird

Substanzen, die bestimmte Leber-Enzyme hemmen, die am Abbau von Alprazolam beteiligt sind, steigern dessen Wirkung. Dazu gehören:

  • Magenmittel aus den Wirkstoffgruppen der H2-Blocker wie Cimetidin und der Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol
  • Östrogen-Gestagen-Kombinationen zur Verhütung („Pille“)
  • Makrolidantibiotika wie Erythromycin
  • Pilzmittel wie Ketoconazol sowie Itraconazol oder andere Imidazole und Triazole

Ärztliche Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Anwendung von Alprazolam und dem Blutdrucksenker Diltiazem.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

Aus einigen früheren Studien mit anderen Benzodiazepinen gibt es klare Hinweise für ein erhöhtes Risiko für Missbildungen des menschlichen Fötus.

Werden Benzodiazepine in der Schwangerschaft oder während des Geburtvorgangs verabreicht, sind beim Neugeborenen pharmakologische Wirkungen wie Hypothermie, niedriger Blutdruck, niedriger Muskeltonus, Trinkschwäche, Atemdepression und neonatale Entzugssymptome zu erwarten. Kinder von Müttern, die während der Spätschwangerschaft chronisch Benzodiazepine einnahmen, können eine physische Abhängigkeit entwickeln und deshalb nach der Geburt Entzugssymptome zeigen.

Da Benzodiazepine in die Muttermilch übertreten, soll Alprazolam während der Stillperiode nicht angewendet werden bzw. muss abgestillt werden.

Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden!

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