Allgemeine Informationen
  • Handelsnamen: Saroten, Tryptizol, div. Generika
  • Kategorie: Trizyklisches Antidepressivum
  • Indikation: Depressionen und chronischen Schmerzen
  • Sedierend: Ja
  • Libidoverlust: Ja (häufig)
  • Gewichtsveränderung: Zuname (sehr häufig), Abnahme (selten)
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich ca. 2 Stunden vor dem Schlafengehen unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Depressionen: 50-150mg

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Halbwertszeit

Wirkungseintritt

Nach ca. 2-4 Wochen bei Depressionen
Sedation ca. 1-2 Stunden nach der ersten Einnahme

 

Halbwertszeit

Die Halbwertszeit von Amitiptylin beträgt 10-24 Stunden. Die kombinierte Einnahme gewisser Medikamente kann die Halbwertszeit verändern.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Vermehrtes Schwitzen, Mundtrockenheit, Verstopfung, Übelkeit, tiefer Blutdruck, Herzklopfen, Herzrasen, Probleme beim Anpassen der Sehschärfe, Kopfschmerzen, Schwindel, Zittern, Schläfrigkeit, Gewichtszunahme.

Häufig (1-10%): Müdigkeit, EKG-Veränderungen, AV-Block, Reizleitungsstörungen beim Herzen, Erweiterung der Pupillen, Aufmerksamkeitsstörungen, Kribbeln auf der Haut, Störung der Bewegungskoordination, Geschmacksveränderung, Verwirrtheit, Libidoverlust.

Gelegentlich (0.1-1%): Probleme beim Entleeren der Harnblase, Ausschlag, Nesselfieber, Gesichtsödem, Durchfall, Erbrechen, Zungenödem, Bluthochdruck, Tinnitus, erhöhter Augeninnendruck, Krampfanfälle, Hypomanie, Manie, Ängstlichkeit, Schlaflosigkeit, Albträume.

Selten (0.01-0.1%): Fieber, Vergrösserung der Brustdrüse beim Mann, Haarausfall, Lichtempflindlichkeit, Leberfunktionsstörungen, Gelbsucht, Vergrösserung der Speicheldrüsen, Darmverschluss, Herzrythmusstörungen, Delir, Halluzinationen, Suizidgedanken oder Suizidverhalten, Gewichtsabnahme, Thrombozytopenie, Knochenmarkdepression, Agranulozytose, Leukopenie, Eosinophilie.

 

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen.

Eine solche Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Menschen entwickeln gar keine bis nur wenige Nebenwirkungen.

Die meisten Nebenwirkungen verschwinden zudem 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Die Nebenwirkungen wurden von den medizinischen Fachbegriffen in eine für Laien möglichst verständliche Sprache übersetzt. Trotz grösster Mühe kann die medizinische Exaktheit teilweise nicht 1:1 wiedergegeben werden. Für Ärzte empfehlen wir das Arzneimittelverzeichnis bzw. Arzneimittelkompendium zu verwenden.

Altersfreigabe

Amitriptylin ist ab 18 Jahren zugelassen.

Ein Arzt darf dieses Medikament auch an jüngere Patienten verschreiben.
Die Altersfreigabe sagt nichts über die Wirksamkeit bei Minderjährigen aus.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
  • frischer Herzinfarkt
  • AV-Erregungsleitungsstörungen
  • akute Alkohol-, Barbiturat- und Opiatvergiftung
  • akuter Harnverhalt
  • Pylorusstenose
  • paralytischer Ileus
  • unbehandeltes Engwinkelglaukom
  • MAO-Hemmer- oder Cisaprid-Therapie
  • Schwangerschaft & Stillzeit

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Schwangerschaft & Stillzeit

Zur Anwendung von Amitriptylin in der Schwangerschaft liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor.

Amitriptylin sollte während der Schwangerschaft, insbesondere im ersten sowie im letzten Trimenon nicht angewendet werden, es sei denn, dies ist dringend erforderlich. Nach Gabe höherer Dosierungen von Antidepressiva vor der Geburt wurden beim Neugeborenen Entzugserscheinungen in Form von Störungen der Herz- und Atemfunktion, Harn- und Stuhlentleerung sowie Unruhe beobachtet.

Amitriptylin geht zu einem geringen Anteil in die Muttermilch über. Mütter, bei denen die Anwendung von Amitriptylin indiziert ist, sollten deshalb nicht stillen.

Studien

Zwei Doppelblindstudien dienten dem Vergleich von Amitriptylin mit Citalopram. Insgesamt erhielten 87 Patienten variable Dosen von Citalopram (30 bis 60 mg) oder Amitriptylin (112,5 bis 225 mg). Die eine Studie dauerte drei Wochen und umfasste Patienten mit vorwiegend endogener Depression, die andere dauerte sechs Wochen und unterschied nicht nach verschiedenen Depressionsformen. Mit beiden Substanzen erreichte man eine vergleichbare Verbesserung des depressiven Zustandes. Citalopram schnitt jedoch bezüglich der sedierenden Wirkung bei Schlaflosigkeit schlechter ab.

Amitriptylin ist in zahlreichen Studien u.a. mit Fluoxetin verglichen worden. In der Gesamtbeurteilung ergaben sich keine wesentlichen Differenzen zwischen Amitriptylin und Fluoxetin. Schlafstörungen wurden allerdings von Fluoxetin weniger gut beeinflusst als von Amitriptylin. In der Beurteilung durch die Patienten war Amitriptylin das wirksamere Medikament.

Amitriptylin und Paroxetin wurden in verschiedenen Studien bei über 500 spitalexternen Patienten miteinander verglichen, wobei die beiden Substanzen in ihrer Wirkung als gleichwertig beurteilt wurden. Diese Ergebnisse konnten auch in einer Multizenterstudie mit hospitalisierten Patienten bestätigt werden, in der die Patienten nach einer Placeboperiode Amitriptylin (150 mg/Tag) oder Paroxetin (30 mg/Tag) erhielten. Von den mit Paroxetin behandelten Personen sprachen 74% auf die Therapie an, in der Gruppe mit Amitriptylin waren es 87%.

Im Vergleich zu Amitriptylin zeigte sich Sertralin in verschiedenen Studien ähnlich wirksam. In einer Doppelblindstudie bei 448 Patienten mit schwerer Depression wurde die Dosis initial titriert und so relativ hohe durchschnittliche Tagesdosen (Sertralin:159 mg, Amitriptylin: 111 mg) erreicht. Zwischen den beiden Medikamenten ergab sich kein signifikanter Unterschied in der antidepressiven Wirkung; gegenüber Placebo waren beide deutlich wirksamer.

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C20H23N

3-(10,11-Dihydro-5H-dibenzo[a,d] cyclohepten-5-yliden)-N,N-dimethylpropylamin