Zunächst gilt es festzuhalten, dass es nicht einfach die Angststörung gibt. Angststörungen können sich enorm vielfältig äussern. Ihr gemeinsamer Nenner ist die unnatürlich und klinisch relevante Angst, welche völlig ausser Kontrolle gerät. Jemand mit einer Panikstörung erlebt andere Symptome als beispielsweise jemand mit einer Zwangsstörung.

An der Entstehung von Angststörungen sind bestimmte Gehirnregionen beteiligt. Dazu gehören zum Beispiel die Amygdala, der Hippocampus und der präfrontale Cortex. Die Amygdala (Mandelkern) ist direkt an der Entstehung von Angst beteiligt, während der Hippocampus mit Lern- und Gedächtnisprozessen zu tun hat – zum Beispiel, dass eine  bestimmte Situation gefährlich ist. Der präfrontale Cortex (Stirnhirn) ist dagegen für die Bewertung von Angstreizen und die Planung entsprechender Reaktionen zuständig.

Auf der Ebene der Nervenzellen (Neurone) spielen verschiedene Neurotransmitter – also Botenstoffe, die die Signale von einer Gehirnzelle zur anderen weitergeben – bei der Entstehung von Angst eine Rolle. Man nimmt an, dass bei Angststörungen bestimmte Botenstoffe in verminderter Menge vorhanden sind. Dazu gehören die Neurotransmitter Serotonin und der hemmende Neurotransmitter GABA (γ-Aminobuttersäure). Serotonin ist ein Glückshormon, welches für die Ausgeglichenheit des Menschen zuständig ist. Der Botenstoff GABA hingegen ist für die Beruhigung verantwortlich.

Wie es psychologisch zu Angststörungen kommt ist nicht abschliessend definiert, jedoch konnten schon mehrere Indikatoren festgestellt werden. Wie bei Depressionen und bipolaren Störungen kann die Genetik einen grossen Einfluss haben. Menschen mit Angststörungen haben/hatten oft in der Verwandtschaft mind. eine weitere Person die unter diesen Zuständen leidet/litt. Weitere Indikationen sind Stress, ein überbehütetes Elternhaus, Traumata (inkl. Mobbing oder Schicksalsschläge) und Rauschmittelkonsum (inkl. Cannabis und Alkohol) .

Angststörungen können im Vergleich zu anderen psychischen Erkrankungen in der Regel gut behandelt werden, dies sagt jedoch nichts über den Einzelfall aus. Sie treten zudem häufig im Zusammenhang mit Depressionen auf (Komorbidität).

Statistische Zahlen:

  • Die Wahrscheinlichkeit einmal im Leben an einer Angststörung zu erkranken liegt bei ca. 15%
  • 7% der Bevölkerung leiden aktuell unter einer Angststörung
  • Frauen sind rund doppelt so häufig betroffen wie Männer (2:1)
  • Das Erkrankungsalter von spezifischen Phobien liegt meist bereits in der Kindheit
  • Eine soziale Phobie beginnt in der Regel in der Pubertät
  • Das durchschnittliche Erkrankungsalter einer Agoraphobie liegt zwischen 20 und 30 Jahren
  • Die Ersterkrankung einer generalisierten Angststörung liegt meist in der Kindheit oder Jugend
  • Häufig treten Panikattacken erstmals im Teenageralter oder frühen Erwachsenenalter auf
  • Die mittlere Dauer zwischen Ersterkrankung und Diagnose liegt bei 5-15 Jahren
  • Angsterkrankungen verschwinden in der Regel nicht von alleine bzw. ohne Behandlung
  • 57% der Patienten mit Angststörungen haben eine weitere psychische Erkrankung