Atypisches Neuroleptikum | Indikation: Akuttherapie gegen Manie bei bipolarer Störung (inkl. Phasenprophylaxe)
Handelsname: Abilify

Allgemeine Informationen

Aripiprazol wurde 2004 in Form von Tabletten, Schmelztabletten, Injektionslösung und Lösung zum Einnehmen europaweit zugelassen. Zulassungsinhaberin ist die Ōtsuka Pharmaceutical.

Aripiprazol ist ein atypisches Neuroleptikum, welches zur Phasenprophylaxe und der Akutbehandlung von Manien bei bipolaren Störungen sowie Psychosen zugelassen ist. Der Einsatz bei unipolaren Depressionen ist nicht selten, doch besitzt das Medikament dafür keine Indikation (off-lable use). Vertrieben wird es unter dem Handelsnamen Abilify, auch Generika sind erhältlich. Es ist das einzige Neuroleptikum das nicht sedierend bzw. sogar antriebssteigerd wirkt, es wird auch als Neuroleptika der dritten Generation bezeichnet. Dennoch kann das Medikament die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen einschränken. Zugelassen ist Aripiprazol ab dem 13. Altersjahr. Da das Medikament dämpfend auf das zentrale Nervensystem (ZNS) wirkt, ist beim Konsum von Alkohol Vorsicht geboten.

Es gibt mehrere Hinweise, dass Aripiprazol auch gegen Depersonalisation/Derealisation wirksam ist. Dafür besteht jedoch keine Zulassung.

 

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Morgens unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf) erfolgen.

Dosierung: 5-30mg (1ml enstpricht 1mg bei Sirup)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Aripiprazol wird grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 3-5 Stunden

Halbwertszeit: 3 Tage

Bioverfügbarkeit: 87%

Wirkungseintritt: nach 1-7 Tagen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) varieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit.

Häufig (1-10%): Müdigkeit, Erbrechen, Verdauungsstörungen, Verstopfung, erhöhter Speichelfluss, Blutdruck-Probleme, Herzrasen, verschwommenes Sehen, motorische Unruhe, Schwindel, Sedation, Tremor, Schläfrigkeit, extrapyramidale Symptome, Angst, innere Unruhe.

Gelegentlich (0.1-1%): Bewegungsstörungen im Gesicht, Krampfanfälle.

Selten (0.01-0.1%): Malignes neuroleptisches Syndrom (MNS)

Manische Personen haben oft keine Krankheitseinsicht und verweigern die Einnahme von Medikamenten. Nehmen sie schlussendlich doch welche und ihre Stimmung stabilisiert sich (oder kippt gar ins Depressive) gehen sie davon aus, dass sie die schlimmsten und stärksten Nebenwirkungen haben. Dies ist objektiv nicht begründet. Viele Nebenwirkungen verschwinden nach einigen Wochen der Therapie.

 

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert ist:

  • Schwangerschaft & Stillzeit

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Das Medikament sollte mit anderen Wirkstoffen, die die Reizleitung am Herzen verändern nur besonders vorsichtig kombiniert werden. Zu diesen Wirkstoffen gehören sowohl solche, die eine QT-Verlängerung bewirken (das Malaria-Mittel Chinidin, der Blutdrucksenker Sotalol, manche Neuroleptika und Antibiotika) oder Störungen des Mineralhaushalts im Körper (Entwässerungsmittel).

Der Magensäure-Blocker Famotidin verringert die Aufnahme des Medikaments in den Körper und damit die Wirkung ein wenig.

Chinidin, die Antidepressiva Fluoxetin und Paroxetin sowie die Pilzmittel Itraconazol und Ketoconazol und HIV-1-Proteasehemmer (gegen AIDS) hemmen den Abbau von Aripiprazol und fördern seine Wirkung stark. Daher sollte der Arzt bei entsprechenden Wirkstoff-Kombination Nutzen und Risiko sorgfältig abwägen und die Aripiprazol-Dosis auf etwa die Hälfte verringern. Nach Absetzen der genannten Wirkstoffe sollte die Dosierung des Medikamentes dann wieder auf die Dosishöhe vor Beginn der Begleittherapie angehoben werden. Der Blutdrucksenker Diltiazem und das Antidepressivum Escitalopram steigern die Wirkung von Aripiprazol hingegen nur mässig.

Die Antiepileptika Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital und Primidon fördern den Abbau des Medikamentes im Körper und verringern dessen Wirkung so stark, dass die Aripirazol-Dosierung bei gemeinsamer Gabe verdoppelt werden muss. Ähnliches gilt für die Tuberkulose-Mittel Rifampicin und Rifabutin, die HIV-Mittel Efavirenz und Nevirapin sowie für Johanniskraut. Nach Absetzen dieser Substanzen sollte der Arzt die Dosierung von Aripiprazol wieder auf die normale Dosis verringern.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es gibt keine hinreichenden Daten zur Anwendung bei Schwangeren.

Bei Neugeborenen, die während des dritten Trimenons der Schwangerschaft Antipsychotika (einschliesslich Aripiprazol) exponiert sind, besteht nach der Geburt die Gefahr von Entzugssymptomen. Diese Symptome beim Neugeborenen können Agitation, ungewöhnlich erhöhten oder verminderten Muskeltonus, Tremor, Schläfrigkeit, Atemnot und Störungen bei der Nahrungsaufnahme/Probleme beim Füttern einschliessen.

Aripiprazol geht in die menschliche Muttermilch über. Während der Therapie mit Aripiprazol soll nicht gestillt werden.

Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden!

share it!Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+
Zur Werkzeugleiste springen