medizinische Diagnose (ICD-10)

Depressionen wie Manien haben gewisse wissenschaftliche Kriteren zu „erfüllen“, damit es zu einer Diagnose der bipolaren Störung kommt. Diese sind im internationalen Diagnoseverzeichnis ICD-10 festgehalten. Zitat:

Betreffend bipolare Erkrankung (manisch-depressiven Erkrankung; dm) handelt es sich um eine Störung, die durch wenigstens zwei Episoden charakterisiert ist, in denen Stimmung und Aktivitätsniveau des Betroffenen deutlich gestört sind. Diese Störung besteht einmal in gehobener Stimmung, vermehrtem Antrieb und Aktivität (Hypomanie oder Manie), dann wieder in einer Stimmungssenkung und vermindertem Antrieb und Aktivität (Depression). Wiederholte hypomanische oder manische Episoden sind ebenfalls als bipolar zu klassifizieren.

Die Erkrankung mit einer starken Ausprägung der Manie wird auch als bipolare Störung I bezeichent. Die Erkrankung mit einer eher moderaten Ausprägung der Manie, also einer Hypomanie, als bipolare Störung II.

 

Wie äussern sich bipolare Störungen?

Jeder Mensch hat „Hochs“ und „Tiefs“. Dies sind normale Gefühlreaktionen. Eine bipolare Störung hingegen hat mit „normalen“ Hochs und Tiefs nicht viel zu tun. Die beiden Stimmungsbilder sind extrem ausgeprägt.

Menschen mit bipolaren Störungen (auch manisch-depressive Erkrankung genannt) schwanken vom einem Extremen ins Andere. Dieser Wechsel vollzieht sich meist aprupt. Eine Manie ist durch extreme Euphorie geprägt, die Depression durch tiefe Trauer und Verzweiflung. Vielfach wird eine bipolare Störung auch als „von der Hölle in den Himmel und zurück“ beschrieben. Wobei die Hölle oft länger andauert als der Himmel.

Bei Menschen mit Manien/Hypomanien ist das logische bzw. das Realitätsdenken in Takt (im Gegensatz zu Erkrankungen aus dem schizophrenen Formkreis). Sie verfügen in der manischen Phase über ein enorm gesteigertes Selbstwertbewusstsein. Dies führt dazu, dass diese Patienten oft völlig sorglos mit Geld umgehen, über einen stark gesteigerten Antrieb verfügen, oft irrationale Projekte anfangen welche komplett unrealistisch sind und ein massiv gesteigertes Sexualbedürfnis haben.

In der depressiven Phase hingegen sind die Betroffenen kaum fähig ihren Alltag zu bestreiten. Sie sind Antriebslos, empfinden keine Freude, verlieren das Interessen an ihrer Umgebung, haben oft Schlafstörungen, suizidale Gedanken etc.

Als bipolar I bezeichnet man eine sehr starke Ausprägung der Manie welche über mindestens sieben Tage anhält. Als bipolar II eine eher moderate Ausprägung der manischen Phase, welche dann Hypomanie genannt wird. Dies führt u.a. dazu, dass eine bipolare Störung II oft mit einer rezidivierenden Depression verwechselt wird.

Bipolare Störungen werden neben einer Psychotherapie oft mit Medikamenten behandelt. Allen voran sogenannte mood-stabilizer (Stimmungsstabilisatoren) wie z.B. Lithium. Auch Neuroleptika können zum Einsatz kommen. In den depressiven Episoden werden zudem häufig Antidepressiva eingesetzt.

 

Statistiken
  • Die Warscheinlichkeit einmal im Leben an einer bipolaren Störung zu erkranken liegt bei 1-5%
  • Männer sind gleich häufig betroffen wie Frauen
  • Das durchschnittliche Alter der Ersterkrankung liegt bei ca. 18 Jahren
  • Die Suizidrate bei manisch-depressiven Erkrankungen, also bipolaren Störungen, liegt bei 10-15%
Depression

Die Symptome einer Depression sind im internationalen Diagnoseverzeichnis ICD-10 festgehalten. Die depressive Episode einer bipolaren Erkankung äussert sich durch das Vorhandensein von min. 2 Haupt- und 2-3 Nebensymptome.

Hauptsymptome gemäss ICD-10 sind:

  • Depressive Stimmung, in einem für die Betroffenen deutlich ungewöhnlichen Ausmass, die meiste Zeit des Tages, fast jeden Tag, im Wesentlichen unbeeinflusst von den Umständen.
  • Interessens- und Freudeverlust an Aktivitäten, die normalerweise angenehm waren.
  • Verminderter Antrieb oder geteigerte Ermüdbarkeit

Nebensymptome gemäss ICD-10:

  • Verlust des Selbstvertrauens oder Selbstwertgefühls
  • Unbegründete Selbstvorwürfe oder ausgeprägte, unangemessene Schuldgefühle
  • Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Suizid sowie suizidales Verhalten
  • Klagen über oder Nachweis eines verminderten Denk- oder Konzentrationsvermögens, Unschlüssigkeit oder Unentschlossenheit
  • Psychomotorische Agitiertheit oder Hemmung (subjektiv oder objektiv)
  • Schlafstörungen jeder Art
  • Appetitverlust oder gesteigerter Appetit mit entsprechender Gewichtsveränderung

 

Manie/Hypomanie

Menschen mit einer Manie bzw. Hyptomanie sind oft durch folgende Verhaltensweisen geprägt:

  • Stimmungshoch oder gereizte Stimmung
  • Emotionale Erregung mit Euphorie
  • Beschleunigung und Erregung aller psychischen Abläufe – Denken, Sprache, Motorik/Handeln
  • Vermehrtes Risikoverhalten
  • Übertriebene Unternehmungslust
  • Verstärktes Kontaktbedürfnis (gesellschaftlich und/oder Sexualverhalten)
  • Kurzschlüssiges Verhalten
  • Impulsivität
  • Aggressivität
  • Antriebsteigerung, Energieüberschuss, Beschäftigungsdrang
  • Vermehrte Kreativität
  • Vermindertes Schlafbedürfnis
  • Gesteigertes Selbstbewusstsein
  • Größenideen
  • Sorgloser Umgang mit Geld

Hinzu kommt die oft fehlende Krankheitseinsicht. Menschen mit einer Manie/Hypomanie realisieren meist erst nach der manischen Episode ihre Verhaltensweise und den eventuell angerichtete Schaden.

Eine starke Ausprägung dieser Symptome nennt man Manie, eine moderate Ausprägung Hypomanie.