Opioid (Partialagonist) | Handelsnamen: Subutex, Temgesic, Norspan sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

1981 wurde Buprenorphin erstmals in den USA zur Behandlung von mittelstarken bis starken Schmerzen zugelassen. Die Markteinführung in Europa erfolgte kurze Zeit später. Seit Mitte der 1990er Jahre wird das Medikament primär zur Substitutionbehandlung von Opiat/Opioid-Abhängigen eingesetzt. Buprenorphin ist ebenfalls ein Opioid, wirkt jedoch als Partialagonist (Abhängige konsumieren primär reine Agonisten). Folglich sind auch die Nebenwirkungen, das Abhängigkeitspotenzial und die Toleranzentwicklung in der Regel weniger stark ausgeprägt und besser kallullierbar.

Bereits mehrere Studien (welche in den USA durchgeführt wurden) haben ergeben, dass Buprenorphin einen starken antidepressiven Effekt haben kann. Dies auch bei Personen, die zuvor weder auf herkömmliche Medikamente noch auf eine Elektrokonvulsionstherapie (EKT) ansprachen. Dabei wurden erste Verbesserungen der Symptomatik bereits bei einer sehr niedrigen Dosierung (ab 0.4mg) des Arzneimittels beobachtet. Aktuell wird in den USA ein Medikament für therapieresistente Depressionen entwickelt, welches auf Buprenorphin und Samidorphan (einem μ-Rezeptor-Antagonisten) basiert. Mittels Samidorphan soll das Abhängigkeitspotenzial reduziert werden. In wie weit dies gelingt wird sich erst noch erweisen.

Wechselwirkungen mit Alkohol sind bekannt. Je nach Dosierung kann es sogar zu einer potenziell tödlichen Atemdepression kommen. Auch auf das führen eines Fahrzeuges oder das Bedienen von komplexen Maschinen muss während einer Buprenorphin-Therapie verzichtet werden. Das Medikament ist ab 18 Jahren erhältlich.

In Europa ist Buprenorphin nicht zur Behandlung von Depressionen zugelassen (off-label use) und wird nur in Ausnahmefällen abgegeben, wenn sämtliche andere Therapiemethoden versagt haben. Die Substanz ist in der EU sowie in der Schweiz offiziell als Betäubungsmittel klassifiziert. Der Besitz ohne ärztliches Rezept ist somit strafbar. Ebenfalls strafbar ist der Verkauf oder die kostenlose Weitergabe ohne entsprechende Lizenz.

Indikation
  • Substitutionsbehandlung Opiat/Opioid-Abhängiger
  • Mittelstarke bis starke Schmerzen
  • Depressionen (off-label use)

 

Die Indikation richtet sich nach den Fachinformationen für Ärzte des Schweizer Arzneimittelkompendiums. Fachinformationen des Deutschen bzw. Österreichischen Kompendiums sind für uns und auch die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Gemäss unserer Recherchen decken sich die Angaben der deutschsprachigen Arzneimittelkompendien weitgehend.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1-2x täglich

Dosierung: 0,4 – 2mg pro Tag (gemäss Studien)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuell festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Buprenorphin wird langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niedrigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). Dennoch kann es zu starken Entzugssymptomen kommen.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 80-100 Minuten

Halbwertszeit: 2-5 Stunden

Bioverfügbarkeit: 51-66% (sublingual)

Wirkungseintritt: einige Minuten bis wenige Tage

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

 

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwitzen, Arzneimittel-Entzugssyndrom (mit Schmerzen).

Häufig (1-10%): Bronchitis, Infektionen, Grippe, Entzündung der Rachenschleimhaut, Schnupfen, Schwellung der Lymphknoten, Appetitlosigkeit, Unruhe, Angst, (Verstärkung der) Depression, Feindseligkeit, Nervosität, Paranoia, anomales Denken, Ohnmacht, Schwindel, Hypertonie, Migräne, Kribbeln auf der Haut, Schläfrigkeit, Zittern (Tremor), Tränenflussstörung, Vergrösserung der Pupillen, Herzklopfen, Erweiterung der Blutgefässe, Husten, Gähnen, Kurzatmigkeit, Verstopfungen, Durchfall, Mundtrockenheit, Verdauungsstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Blähungen, Zahnerkrankungen, Erbrechen, Bauchschmerzen, Hautausschlag, Gelenkschmerzen, Rückenschmerzen, Knochenschmerzen, Muskelschmerzen, Muskelzuckungen, Nackenschmerzen, Menstruationsbeschwerden, Kraftlosigkeit, Brustschmerzen, Schüttelfrost, Unwohlsein, Ödeme, Fieber.

Gelegentlich (0.1-1%): keine Daten vorhanden

Selten (0.01-0.1%): keine Daten vorhanden

 

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • Überempfindlichkeit gegen Buprenorphin oder gegen einen anderen Bestandteil des Präparates
  • Kombinationsbehandlung mit µ-Rezeptor-Agonisten wie Methadon oder Heroin
  • Asthma oder respiratorische Insuffizienz (Fälle von Atemdepression unter Buprenorphin sind aufgetreten)
  • Schwere hepatische Insuffizienz
  • Alkohol
  • Kinder/Jugendliche unter 16 Jahren

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

  • Benzodiazepine: Diese Kombination kann zum Tod in Folge einer zentralen Atemdepression führen. Deshalb müssen die Patienten eng überwacht werden, wenn diese Kombination verschreiben wird, und sie sollte vermieden werden, wenn das Risiko einer missbräuchlichen Anwendung besteht. Die Patienten sind zu warnen, dass es extrem gefährlich ist, nicht verordnete Benzodiazepine gleichzeitig mit diesem Arzneimittel einzunehmen. Die Patienten sind ausserdem darauf hinzuweisen, dass Benzodiazepine zusammen mit diesem Arzneimittel nur auf Anweisung ihres Arztes eingenommen werden dürfen.
  • Anderen ZNS Hemmstoffe: Die Kombination von ZNS Hemmstoffen und Buprenorphin verstärkt die zentral hemmenden Wirkungen. Beispiele für ZNS Hemmstoffen sind: andere Opioidderivate (z.B. Methadon, Analgetika und Antitussiva), bestimmte (nicht alle) Antidepressiva, sedative H1-Rezeptor Antagonisten, Barbiturate, Anxiolytika, Neuroleptika, Clonidin und verwandte Substanzen.
  • Anderen Opioid Analgetika: Die analgetischen Eigenschaften anderer Opioide (wie Methadon oder Analgetika der Stufe III) können reduziert sein bei Patienten, die mit Buprenorphin bei Opioidabhängigkeit behandelt werden. Es kann schwierig sein, eine ausreichende Analgesie zu erreichen, wenn Patienten, die Buprenorphin erhalten, ein Opioid-Vollagonist verabreicht wird. Umgekehrt ist die Möglichkeit der Überdosierung in Betracht zu ziehen mit höheren als den üblichen Dosen eines Vollagonisten, wie z.B. Methadon oder Analgetika der Stufe III, insbesondere wenn versucht wird, die partiell agonistische Wirkung von Buprenorphin zu überwinden oder wenn die Buprenorphin-Plasmaspiegel sinken. Patienten die eine analgetische Behandlung und eine Behandlung der Opioidabhängigkeit benötigen, werden am besten von multidisziplinäre Teams betreut, mit Experten der Schmerzbehandlung als auch der Opioidabhängigkeit.
  • Naltrexon: Naltrexon ist ein Opioid-Antagonist, der die pharmakologischen Wirkungen von Buprenorphin blockieren kann. Bei opioidabhängigen Patienten, die derzeit mit Buprenorphin behandelt werden, kann der Antagonist Naltrexon zum plötzlichen Einsetzen anhaltender und starker Opioidentzugssymptome führen. Bei Patienten, die derzeit mit Naltrexon behandelt werden, können die beabsichtigten therapeutischen Wirkungen der Buprenorphingabe durch den Antagonisten Naltrexon blockiert werden.
  • CYP3A4-Inhibitoren: Patienten, die Buprenorphin erhalten, sind engmaschig zu überwachen und bedürfen bei kombinierter Anwendung mit starken CYP3A4- Inhibitoren möglicherweise einer Dosisreduktion. In einer Studie zur Wechselwirkung von Buprenorphin mit Ketoconazol (einem starken CYP3A4-Inhibitor) wurden erhöhte Cmax– und AUC-Werte (Fläche unter der Kurve) für Buprenorphin (ungefähr 50% bzw. 70%) und zu einem geringeren Grad für Norbuprenorphin gemessen. Beispiele für übliche CYP3A4- Inhibitoren sind Antibiotika wie Erythromycin oder andere Makrolidantibiotika, Imidazol-Antimykotika wie Ketoconazol oder Itraconazol, HIV-Protease-Inhibitoren wie Ritonavir, Saquinavir, Nelfinavir oder Indinavir, oder Antidepressiva wie Fluvoxamin und Fluoxetin.
  • CYP3A4-Induktoren: Die gleichzeitige Anwendung von CYP3A4-Induktoren mit Buprenorphin kann die Buprenorphin-Plasmakonzentrationen senken und somit möglicherweise zu einer suboptimalen Behandlung der Opioidabhängigkeit mit Buprenorphin führen. Es wird empfohlen, Patienten, die Buprenorphin zusammen mit CYP3A4-Induktoren (z.B. Phenobarbital, Carbamazepin, Phenytoin, Rifampicin) erhalten, engmaschig zu überwachen. Die Buprenorphin- oder CYP3A4-Induktor-Dosis muss gegebenenfalls entsprechend angepasst werden.
Schwangerschaft & Stillzeit

Buprenorphin darf während der Schwangerschaft nur verabreicht werden, wenn der potentielle Nutzen das potentielle Risiko für den Fötus rechtfertigt.

Gegen Ende der Schwangerschaft kann Buprenorphin auch nach kurzer Anwendungsdauer eine Atemdepression beim Neugeborenen hervorrufen. Eine Langzeitanwendung von Buprenorphin während der letzten drei Schwangerschaftsmonate kann zu Entzugserscheinungen beim Neugeborenen führen. Das Syndrom tritt im Allgemeinen mit einer Verzögerung von einigen Stunden bis einigen Tagen nach der Geburt auf.

Buprenorphin und seine Metaboliten gehen in die Muttermilch über. Untersuchungen an Ratten haben gezeigt, dass Buprenorphin die Laktation hemmt. Ist eine Anwendung absolut notwendig, sollte abgestillt werden.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Buprenorphin ist in allen deutschsprachigen Ländern gesetzlich als Betäubungsmittel klassifiziert. Der Besitz
ohne ärztliches Rezept sowie der Handel und die kostenlose Weitergabe ohne Lizenz sind strafbar.
Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.