Allgemeine Informationen
  • Handelsnamen: Anafranil, div. Generika
  • Kategorie: Trizyklisches Antidepressivum
  • Indikation: Depressionen, Panikstörungen, Phobien, Zwangsstörungen, Narkolepisie, Enuresis nocturna und chronische Schmerzen
  • Sedierend: Nein
  • Libidoverlust: Ja (häufig)
  • Gewichtsveränderung: Zunahme (sehr häufig)
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Morgens unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Depressionen & Phobien: 25-250mg
Zwangsstörung: 25-200mg
Panikstörung: 25-100mg

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Halbwertszeit

Wirkungseintritt

Nach ca. 2-4 Wochen bei Depressionen
Nach ca. 4-6 Wochen bei Panikstörungen, Zwangsstörungen und Phobien

 

Halbwertszeit

Die Halbwertszeit von Clomipramin beträgt 12-36 Stunden. Die kombinierte Einnahme gewisser Medikamente kann die Halbwertszeit verändern.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Verstopfungen, Akkommodationsstörungen, verschwommenes Sehen, Schwindel, Tremor, Kopfschmerzen, Muskelzuckungen, Benommenheit, vorübergehende Müdigkeit, innere Unruhe, gesteigerter Appetit, Gewichtszunahme, Mundtrockenheit, Schweissausbrüche, Störungen beim Entleeren der Harnblase.

Häufig (1-10%): Libido- und Potenzstörungen, allergische Hautreaktionen, Fotosensibilität, Juckreiz, erhöhte Transaminasen, Übelkeit, Blutdruck-Störungen, Beschleunigte Herzfrequenz, Herzklopfen, Tinnitus, Delirium, Sprachstörungen, Kribbeln auf der Haut, Muskelschwäche, Muskelhypertonie, Verwirrtheit, Desorientiertheit, Halluzinationen, Angstzustände, Erregung, Schlafstörungen, Manie, Hypomanie, Aggressivität, Gedächtnisstörungen, Gähnen, Verhaltensveränderungen, Schlaflosigkeit, Alpträume, verstärkte Depression, Konzentrationsstörungen, Hitzewallungen, Erweiterung der Pupillen.

Gelegentlich (0.1-1%): Galaktorrhoe, Vergrösserung der Brustdrüsen, Erbrechen, abdominale Beschwerden, Durchfall, Mangersucht, Geschmacksstörungen, Herzrythmusstörungen, Blutdrucksteigerung, Krampfanfälle, Störung der Bewegungskoordination, Aktivierung psychotischer Symptome.

Selten (0.01-0.1%): keine

 

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen.

Eine solche Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Menschen entwickeln gar keine bis nur wenige Nebenwirkungen.

Die meisten Nebenwirkungen verschwinden zudem 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Die Nebenwirkungen wurden von den medizinischen Fachbegriffen in eine für Laien möglichst verständliche Sprache übersetzt. Trotz grösster Mühe kann die medizinische Exaktheit teilweise nicht 1:1 wiedergegeben werden. Für Ärzte empfehlen wir das Arzneimittelverzeichnis bzw. Arzneimittelkompendium zu verwenden.

Altersfreigabe

Clomipramin ist ab 18 Jahren zugelassen.

Ein Arzt darf dieses Medikament auch an jüngere Patienten verschreiben.
Die Altersfreigabe sagt nichts über die Wirksamkeit bei Minderjährigen aus.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
  • frischer Herzinfarkt
  • angeborenes langes QT-Syndrom
  • akutes Harnverhalten
  • BPH mit Restharn
  • akutes Delir
  • unbehandeltes Engwinkelglaukom
  • Pylorusstenose
  • paralytischer Ileus
  • akute Intoxikation mit zentraldämpfenden Substanzen
  • 14 Tage vor, während und 14 Tage nach irreversiblen MAO-Hemmern
  • 14 Tage vor, während und 1 Tag nach reversiblen MAO-A-Hemmern
  • gleichzeitig mit Antiarrhythmika wie Chinidin oder Propafenon und mit Linezolid
  • Fortpflanzung bei der Frau
  • Schwangerschaft & Stillzeit

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es gibt klare Hinweise für Risiken des menschlichen Fötus. Da in Einzelfällen über einen möglichen Zusammenhang zwischen trizyklischen Antidepressiva und nachteiligen Effekten (Entwicklungsstörungen) auf den Fötus berichtet wurde, ist die Anwendung von Clomipramin während der Schwangerschaft zu vermeiden und nur bei zwingender Indikation in Betracht zu ziehen, wenn keine Alternative mit geringem Risiko existiert.

Neugeborene, deren Mütter bis zur Geburt trizyklische Antidepressiva eingenommen hatten, zeigten in den ersten Stunden oder Tagen Symptome wie Atemstörungen, Lethargie, Koliken, erhöhte Reizbarkeit, Bluthoch- oder Tiefdruck, Zittern, Krämpfe und epileptische Anfälle.

Da der Wirkstoff in die Muttermilch übertritt, sollte entweder abgestillt oder das Medikament schrittweise abgesetzt werden.

Studien

In einer doppelblinden Multizenterstudie verglich man bei 102 Patienten, von denen die Mehrzahl an einer endogenen Depression litt, während 5 Wochen die Wirkung von Citalopram (40 mg/Tag) mit Clomipramin (Anafranil, 150 mg/Tag). Clomipramin ergab allgemein und besonders bei endogener Depression eine deutlich bessere Wirkung als Citalopram. Im gesamten wurde die Wirkung von Clomipramin bei 60% der Patienten als sehr gut beurteilt, währenddem dies mit Citalopram nur bei 30% der Behandelten der Fall war. Auffällig war die signifikant bessere Beeinflussung von Schlafstörungen bei endogen Depressiven durch Clomipramin.

In einem anderen Vergleich mit Paroxetin erhielten nach einer kurzen Placeboperiode 120 hospitalisierte Patienten fixe Dosen Paroxetin (30 mg pro Tag) oder Clomipramin (150 mg pro Tag). Schon nach zwei Wochen aktiver Behandlung war Clomipramin Paroxetin in seiner antidepressiven Wirksamkeit signifikant überlegen. Dieser Unterschied blieb während des weiteren Studienverlaufs bestehen. Nach vier Wochen wurde die Paroxetin-Behandlung bei 45% dieser Gruppe wegen ungenügender Wirkung abgebrochen; die Clomipramin-Behandlung war dagegen nur bei 13% erfolglos. Gesamthaft ergab sich ein hochsignifikanter Unterschied im Sinne einer höheren antidepressiven Wirksamkeit von Clomipramin.

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C19H23ClN2

3-Chlor-10,11-dihydro-N,N-dimethyl-5H– dibenzo[b,f]azepin-5-propanamin