Trizyklisches Antidepressivum | Indikation: Depression, Panikstörung, Phobien, Zwangsstörung
Handelsname: Anafranil

Allgemeine Informationen

Clomipramin wurde in den 1960er-Jahren vom Schweizer Pharmaunternehmen Geigy (heute Novartis) entwickelt. Es war längere Zeit das einzige Medikament, welches gegen Zwangsstörungen zugelassen war. Desshalb wurde es in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsbehörde (WHO) aufgenommen.

Clomipramin ist ein trizyklisches Antidepressium (Trizyklika) bzw. ein nicht-selektiver Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahmehemmer. Es wird unter dem Handelsnamen Anafranil vertrieben, zusätzlich ist es auch als Generikum erhältlich. Clomipramin besitzt ein enorm breites Wirkspektrum und ist zur Behandlung von Depressionen, Panikstörungen, Phobien, Zwangsstörungen, Narkolepsie, Enuresis nocturna und chronische Schmerzen zugelassen. Obwohl es nicht sedierend wirkt, kann die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen verunmöglicht werden.

Clompiramin ist ab dem 18. Altersjahr zugelassen. Eine Ausnahme bilden die Zwangsstörungen, da ist Clomipramin bereits ab dem 10. Altersjahr verfügbar.

Das Medikament hat zahlreiche Nebenwirkungen. Besonders zu Beginn der Einnahme können Unruhezustände auftreten, welche sich jedoch im Verlauf der Medikation verringern bzw. ganz wegbleiben. Es gilt heute noch als Alternative zu den selektiven Wiederaufnahme-Hemmern (wie z.B. den SSRI’s). Zwar sind die Nebenwirkungen stärker ausgeprägt, doch die Wirkung ist meist besser als bei den neueren Medikamenten.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Morgens unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 100-250mg (bei hoher Dosierung in 3 Gaben/bei Angststörungen niederiger Dosieren)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 2-8 Stunden

Halbwertszeit: 24-50 Stunden

Bioverfügbarkeit: 50%

Wirkungseintritt: nach 2-4 Wochen bei Depressionen / 3-5 Wochen bei Anststörungen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) varieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Verstopfungen, Akkommodationsstörungen, verschwommenes Sehen, Schwindel, Tremor, Kopfschmerzen, Muskelzuckungen, Benommenheit, vorübergehende Müdigkeit, innere Unruhe, gesteigerter Appetit, Gewichtszunahme, Mundtrockenheit, Schweissausbrüche, Störungen beim Entleeren der Harnblase.

Häufig (1-10%): Libido- und Potenzstörungen, allergische Hautreaktionen, Fotosensibilität, Juckreiz, erhöhte Transaminasen, Übelkeit, Blutdruck-Störungen, Beschleunigte Herzfrequenz, Herzklopfen, Tinnitus, Delirium, Sprachstörungen, Kribbeln auf der Haut, Muskelschwäche, Muskelhypertonie, Verwirrtheit, Desorientiertheit, Halluzinationen, Angstzustände, Erregung, Schlafstörungen, Manie, Hypomanie, Aggressivität, Gedächtnisstörungen, Gähnen, Verhaltensveränderungen, Schlaflosigkeit, Alpträume, verstärkte Depression, Konzentrationsstörungen, Hitzewallungen, Erweiterung der Pupillen.

Gelegentlich (0.1-1%): Galaktorrhoe, Vergrösserung der Brustdrüsen, Erbrechen, abdominale Beschwerden, Durchfall, Mangersucht, Geschmacksstörungen, Herzrythmusstörungen, Blutdrucksteigerung, Krampfanfälle, Störung der Bewegungskoordination, Aktivierung psychotischer Symptome.

Selten (0.01-0.1%): keine

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Einige Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

 

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
  • frischer Herzinfarkt
  • angeborenes langes QT-Syndrom
  • akutes Harnverhalten
  • BPH mit Restharn
  • akutes Delir
  • unbehandeltes Engwinkelglaukom
  • Pylorusstenose
  • paralytischer Ileus
  • akute Intoxikation mit zentraldämpfenden Substanzen
  • 14 Tage vor, während und 14 Tage nach irreversiblen MAO-Hemmern
  • 14 Tage vor, während und 1 Tag nach reversiblen MAO-A-Hemmern
  • gleichzeitig mit Antiarrhythmika wie Chinidin oder Propafenon und mit Linezolid
  • Fortpflanzung bei der Frau
  • Schwangerschaft & Stillzeit

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es gibt klare Hinweise für Risiken des menschlichen Fötus. Da in Einzelfällen über einen möglichen Zusammenhang zwischen trizyklischen Antidepressiva und nachteiligen Effekten (Entwicklungsstörungen) auf den Fötus berichtet wurde, ist die Anwendung von Clomipramin während der Schwangerschaft zu vermeiden und nur bei zwingender Indikation in Betracht zu ziehen, wenn keine Alternative mit geringem Risiko existiert.

Neugeborene, deren Mütter bis zur Geburt trizyklische Antidepressiva eingenommen hatten, zeigten in den ersten Stunden oder Tagen Symptome wie Atemstörungen, Lethargie, Koliken, erhöhte Reizbarkeit, Bluthoch- oder Tiefdruck, Zittern, Krämpfe und epileptische Anfälle.

Da der Wirkstoff in die Muttermilch übertritt, sollte entweder abgestillt oder das Medikament schrittweise abgesetzt werden.

Studien

Vergleich mit Citalopram: In einer doppelblinden Multizenterstudie verglich man bei 102 Patienten, von denen die Mehrzahl an einer endogenen Depression litt, während 5 Wochen die Wirkung von Citalopram (40 mg/Tag) mit Clomipramin (150 mg/Tag). Clomipramin ergab allgemein und besonders bei endogener Depression eine deutlich bessere Wirkung als Citalopram. Im gesamten wurde die Wirkung von Clomipramin bei 60% der Patienten als sehr gut beurteilt, währenddem dies mit Citalopram nur bei 30% der Behandelten der Fall war. Auffällig war die signifikant bessere Beeinflussung von Schlafstörungen bei endogen Depressiven durch Clomipramin.

Vergleich mit Paroxetin: In einem anderen Vergleich mit Paroxetin erhielten nach einer kurzen Placeboperiode 120 hospitalisierte Patienten fixe Dosen Paroxetin (30 mg pro Tag) oder Clomipramin (150 mg pro Tag). Schon nach zwei Wochen aktiver Behandlung war Clomipramin Paroxetin in seiner antidepressiven Wirksamkeit signifikant überlegen. Dieser Unterschied blieb während des weiteren Studienverlaufs bestehen. Nach vier Wochen wurde die Paroxetin-Behandlung bei 45% dieser Gruppe wegen ungenügender Wirkung abgebrochen; die Clomipramin-Behandlung war dagegen nur bei 13% erfolglos. Gesamthaft ergab sich ein hochsignifikanter Unterschied im Sinne einer höheren antidepressiven Wirksamkeit von Clomipramin.

Vergleich mit Mirtazapin und Doxepin: Clomipramin wurde in einer weiteren Studien über 6 Wochen lang mit Mirtazapin und Doxepin verglichen. Die Medikamente waren bezüglich ihrer Wirksamkeit ebenbürdig.

Vergleich mit Moclobemid: In drei Doppelblindstudien — alle stützten sich auf dasselbe Protokoll — erhielten insgesamt 103 Patienten 6 Wochen lang Moclobemid (3mal 100 mg/Tag) oder Clomipramin (3mal 50 mg/Tag). Eine Untersuchung umfasste Patienten mit verschiedenen Depressionsformen; bei den beiden anderen hatte man sich im einen Fall auf Patienten mit endogener, im anderen auf solche mit reaktiver Depression beschränkt. Mit beiden Substanzen war der antidepressive Effekt etwa gleich gut. Je nach Studie trat die Wirkung im Verlauf von 2-4 Wochen ein; Moclobemid und Clomipramin unterschieden sich in den einzelnen Untersuchungen auch in dieser Hinsicht nicht. Bei reaktiver Depression wirkten die beiden Mittel nicht signifikant besser als Placebo (das in jener Studie bei einer Kontrollgruppe von 13 zusätzlichen Patienten eingesetzt worden war).

Vergleich mit Milnacipran: In einer weiteren Studie über 4-12 Wochen fand sich unter Milnacipran (100mg/Tag) eine vergleichbare Wirkung wie unter Clomipramin (150mg/Tag).

Vergleich mit Fluvoxamin: Gemäss einer 10 Wöchengen Studie von 1996 wirkt Fluvoxamin (255mg/Tag) bei Zwangsstörungen gleich gut wie Clomipramin (201mg/Tag).

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

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