Antidepressivum (SNRI) | Indikation: Depression und generalisierte Angststörung
Handelsnamen: u.a. Cymbalta, Ariclaim etc.

Allgemeine Informationen

Duloxetin wurde von der Firma Eli Lilly entwickelt und 2004 auf dem europäischen Markt zugelassen. Es wird vorwiegend unter dem Handelsnamen Cymbalta vertrieben. Weitere Namen sind Ariclaim, Yentreve, Xeristar und Duloxalta. Zudem gibt es diverse Generika.

Duloxetin ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der „selektiven Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer“ (SNRI) und zur Behandlung von Depressionen, generalisierten Angststörungen und Schmerzen bei diabetischer Neuropathie zugelassen. Das Medikament ist ab 18 Jahren freigegeben. Auf die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen hat es keinen Einfluss. Dennoch sollte immer zunächst abgewartet werden, bis man weiss, wie man auf ein Medikament reagiert. Bezüglich Alkohol sind keine Wechselwirkungen bekannt, dennoch ist Vorsicht geboten.

Speziell an Duloxetin ist, dass der Raucherstatus die Bioverfügbarkeit des Medikamentes beeinflusst. Eine bis zu 50% niederigere Bioverfügbarkeit lässt sich bei Rauchern feststellen. Diese brauchen somit häufig eine siginifikant höhere Dosis um die gleiche Wirksamkeit wie bei Nichtrauchern zu erzielen.

Im Vergleich mit anderen Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer hat Duloxetin eine 10-fach grössere Selektivität für Serotonin als für Noradrenalin. Während Milnacipran die Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme ungefähr gleich stark blockiert, hat Venlafaxin eine 30-fach grössere Selektivität für Serotonin.

Im Vergleich zu Venlafaxin (jedoch nicht zu Milnacipran) hemmt Duloxetin die Noradrenalin-Wiederaufnahme bereits von Beginn weg und nicht erst bei der Einnahme einer höheren Dosis.

 

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Morgens unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 60-120mg

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 6-10 Stunden

Halbwertszeit: 12-13 Stunden

Bioverfügbarkeit: 32-80%

Wirkungseintritt: nach 2-4 Wochen bei Depressionen / 3-5 Wochen bei Angststörungen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) varieren. Die Bioverfügbarkeit bei Duloxetin hängt auch stark vom Raucherstatus ab.

 

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Übelkeit, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit.

Häufig (1-10%): Müdigkeit, Stürze, Libidoverlust, Harnblasenentleerungsstörungen, häufiges Wasserlassen, Schmerzen des Muskel-Skelett-Systems, Muskelkrämpfe, vermehrtes Schwitzen, Hautausschlag, Juckreiz, Verstopfung, Durchfall, Bauchschmerzen, Erbrechen, Verdauungsstörungen, Blähungen, Schmerzen im Rachen, Gähnen, Blutdruckanstieg, Erröten, Herzklopfen, Tinnitus, verschwommenes Sehen, Schwindel, Lethargie, Zittern, Kribbeln auf der Haut, Schlaflosigkeit, Angst, Agitiertheit, abnormale Träume, Gewichtsabnahme.

Gelegentlich (0.1-1%): Blutkreatinphosphokinase-Anstieg, Anstieg des Kaliumplasmaspiegels, Brustschmerzen, Hitzegefühl, Kältegefühl, Unwohlsein, Durst, Schüttelfrost, Unbehagen, Hodenschmerzen, gynäkologische Blutungen, Menstruationsstörung, nächtliches Wasserlassen, Harnverzögerung, Harnverhalten, krankhaft erhöhte Urinausscheidung, verminderter Harnfluss, Muskelsteifigkeit, Muskelzuckungen, Nachtschweiss, Nesselfieber, Ekzeme auf der Haut, Lichtüberempfindlichkeit der Haut, kalter Schweiss, erhöhte Neigung zu Blutergüssen, erhöhte Leberenzymwerte, Hepatitis, akute Leberschädigung, Blutungen im Verdauungstrakt, Aufstossen, Magen-Darm-Entzündung, Magenentzündung, Schluckstörungen, Engegefühl im Rachen, Bluthochdruck, kalte Extremitäten, tiefer Blutdruck, kurze spontane Bewusstlosigkeit, Herzrasen, Herzrythmusstörungen, Schwindel, Ohrenschmerzen, Erweiterung der Pupillen, Sehbehinderung, trockene Augen, Muskelzuckungen, motorische Unruhe, Nervosität, Aufmerksamkeitsstörung, Geschmacksstörung, Störung des Bewegungsablaufes, schlechte Schlafqualität, Restless-Legs Syndrom, Gangstörungen, Suizidgedanken, Schlafstörungen, Zähneknirschen, Verwirrtheit, Apathie, Gewichtszunahme, Blutzucker-Erhöhung, Entzündung des Kehlkopfes.

Selten (0.01-0.1%): Menopausale Symptome, Austritt von Muttermilch aus der Brust ohne Schwangerschaft/Stillzeit, Erhöhung des Prolaktinspiegels im Blut, abnormaler Uringeruch, Krampf der Kaumuskulatur, Entzündung der Mundschleimhaut, Mundgeruch, Rektalblutungen, grüner Star, Dehydratation, mangelnde Schilddrüsenhormone, Überempfindlichkeitsreaktion, Manie, Halluzinationen, Aggression, Wut, Krampfanfälle, erhöhter Blutcholesterinspiegel.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

 

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • Leberinsuffizienz
  • schwere Niereninsuffizienz (Clcr <30 ml/Min.)
  • unkontrollierte Hypertonie
  • gleichzeitig mit CYP1A2-Hemmern (wie Fluvoxamin, Ciprofloxacin, Enoxacin)
  • 5 Tage vor, während und bis 14 Tage nach irreversibler MAO-Hemmer-Therapie (wie Selegilin)
  • Schwangerschaft & Stillzeit

 

Wechselwirkung mit anderen Medikamenten

Innerhalb der ersten 14 Tage nach Beendigung der Behandlung mit einem MAO-Hemmer darf kein Duloxetin eingenommen werden; es müssen mindestens fünf Tage nach Beendigung der Duloxetin-Einnahme vergehen, bevor mit der Einnahme eines MAO-Hemmers begonnen werden darf.

Fluvoxamin (ein altes SSRI), darf auf keinen Fall zusammen mit Duloxetin eingenommen werden, weil es den Abbau von Duloxetin im Körper stark hemmt und zu mehr Nebenwirkungen führt.

Nur mit Vorsicht dürfen Substanzen mit Wirkung auf das Gehirn (beispielsweise Benzodiazepine (Schlafmittel), opiode Schmerzmittel, Antipsychotika, Phenobarbital (gegen Epilepsie), H1-Antihistaminika, Beruhigungsmittel) eigenommen werden. Auch bei weiteren SSRI’s und SNRI’s, trizyklische Antidepressiva, Triptane (gegen Migräne), Tramadol (Schmerzmittel) und Tryptophan (Schlafmittel) ist Vorsicht geboten. Selbst das pflanzliche Antidepressivum Johanniskraut kann zu vermehrten Nebenwirkungen führen.

Duloxetin steigert seinerseits die Blutkonzentration anderer Substanzen, was zu mehr Wirkung und Nebenwirkungen führt. Dies ist der Fall bei Desipramin (Psychopharmakon) und Tolterodin (ebenfalls gegen Harndrang), Risperidon (Neuroleptikum), bei Flecainid und Propafenon (Antiarrhythmika) und dem Betablocker Metoprolol. Bei Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmern steigert Duloxetin die Blutungsgefahr.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine ausreichenden Daten über die Anwendung von Duloxetin bei schwangeren Frauen vor. Das potenzielle Risiko für den Menschen ist unbekannt.

Nach Einnahme von Duloxetin bzw. anderen SNRI’s am Ende der Schwangerschaft, traten bei einigen Neugeborenen folgende Absetzsymptome auf: Ess- und Schlafstörungen, Atmungsschwierigkeiten, bläuliche Verfärbung der Haut, Atemunterbrüche, Krampfanfälle, Temperaturschwankungen, zu niederiger Blutzuckerspiegel, Tremor, abnormale Muskelspannungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Erbrechen, abnormale Irritabilität, Überspanntheit, Lethargie, Schläfrigkeit und anhaltendes Weinen.

Eine SNRI-Exposition in der späten Schwangerschaft kann das Risiko für eine persistierende pulmonale Hypertonie beim Neugeborenen (PPHN) erhöhen.

Duloxetin geht in die Muttermilch über. Die von einem Säugling pro kg Körpergewicht aufgenommene Menge liegt bei etwa 0,14% der von der Mutter eingenommenen Dosis. Da keine Information über die Verträglichkeit von Duloxetin bei Säuglingen und Kindern vorliegt, wird die Anwendung von Duloxetin während der Stillzeit nicht empfohlen.

Studien

Vergleich mit Placebo: Über 3000 Personen mit einer leichten bis mittelschweren Depression haben an den bisher veröffentlichten Doppelblindstudien teilgenommen, in denen Duloxetin gegen Placebo geprüft wurde. In mehreren Studien wurde eine Duloxetin-Tagesdosis von 60 mg während 9 Wochen mit Placebo verglichen. In der Mehrzahl dieser Studien fand sich gemäss verschiedenen Skalen eine gegenüber Placebo signifikante antidepressive Wirkung. Als Beispiel kann eine Studie bei 267 Personen genannt werden, in der 65% der Behandelten auf Duloxetin ansprachen, jedoch nur 42% auf Placebo. Am Ende der Studie hatte die Punktezahl in der Hamilton-Depressionsskala unter Duloxetin um 10,5 Punkte, unter Placebo jedoch nur um 8,3 Punkte abgenommen.

In mehreren Studien wurden besonders auch die begleitenden Schmerzsymptome (z.B. Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Schulterschmerzen) erfasst; dabei fand sich unter Duloxetin teilweise eine deutliche schmerzlindernde Wirkung, jedoch nicht immer eine signifikante antidepressive Aktivität.

In einer längeren Studie wurde bei 278 Personen, die auf die Tagesdosis von 60 mg angesprochen hatten, das Medikament oder ein Placebo doppelblind während 6 Monaten weiter verabreicht. Unter der aktiven Behandlung traten Rückfälle signifikant später auf und es liessen sich noch weitere Vorteile (z.B. bezüglich Lebensqualität) feststellen.

Vergleich mit Paroxetin: Andere Studien dienten dem Nachweis, dass Duloxetin anderen Antidepressiva –insbesondere Paroxetin– leicht überlegen ist. In diesen wurde Duloxetin allerdings höher dosiert.

Zwei Doppelblindstudien mit identischem Protokoll umfassten zusammen 759 Personen mit einer Depression; die Behandlung erfolgte in ungefähr gleich grossen Gruppen mit Duloxetin (eine Gruppe mit 80 mg/Tag, die andere mit 120 mg/Tag), Paroxetin (20 mg/Tag) oder Placebo. Nach 8 Wochen wurden nur diejenigen für weitere 6 Monate weiterbehandelt, die bis dahin deutlich auf die Behandlung angesprochen hatten. Die Resultate einer dieser Studien (mit 392 Teilnehmenden) zeigen auf, wie prekär der Nachweis einer antidepressiven Wirksamkeit ist: Nach der Anfangsphase von 8 Wochen war der Hamilton- Punktewert in keiner «aktiv» behandelten Gruppe signifikant mehr gesunken als in der Placebogruppe. Nur wenn die Zahlen über die ganzen 8 Wochen interpoliert wurden («mixed-effects repeated measures»), ergab sich für die beiden Duloxetingruppen ein signifikant besseres Resultat. Aus allen Gruppen wurden rund drei Viertel der Teilnehmenden in die Fortsetzungsphase aufgenommen. In den folgenden 6 Monaten zeigten sich in Bezug auf Rückfälle keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen; auch in der Placebogruppe konnte der Therapieerfolg der akuten Phase bei 84% aufrechterhalten werden.

Weiteres: Andere publizierte Studien bestätigen die Regel, dass Duloxetin scheinbar besser wirkt als SSRI’s.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden!

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