Allgemeine Informationen
  • Handelsnamen: Cymbalta, Ariclaim, Yentreve, Xeristar, Duloxalta, div. Generika
  • Kategorie: Selektiver Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer (SSNRI)
  • Indikation: Depressionen, generalisierte Angststörung (GAS) und Schmerzen bei diabetischer Neuropathie
  • Libidoverlust: Ja (häufig)
  • Gewichtsveränderung: Zunahme (gelegentlich), Abnahme (häufig)
  • Hinweis: Rauchen senkt den Plasmaspiegel und somit die Wirksamkeit des Medikamentes um bis zu 50%. Raucher brauchen somit häufig eine höhere Dosis um den gleichen Effekt wie bei Nichtrauchern zu erzielen
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Morgens unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Depressionen: 60-120mg
Generalisierte Angststörung (GAS): 30-120mg

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Halbwertszeit

Wirkungseintritt

Nach ca. 2-4 Wochen bei Depressionen
Nach ca. 4-6 Wochen bei einer generalisierten Angststörung (GAS)

 

Halbwertszeit

Die Halbwertszeit von Duloxetin beträgt 8 bis 17 Stunden. Die kombinierte Einnahme gewisser Medikamente kann die Halbwertszeit verändern.

 

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Übelkeit, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit.

Häufig (1-10%): Müdigkeit, Stürze, Libidoverlust, Harnblasenentleerungsstörungen, häufiges Wasserlassen, Schmerzen des Muskel-Skelett-Systems, Muskelkrämpfe, vermehrtes Schwitzen, Hautausschlag, Juckreiz, Verstopfung, Durchfall, Bauchschmerzen, Erbrechen, Verdauungsstörungen, Blähungen, Schmerzen im Rachen, Gähnen, Blutdruckanstieg, Erröten, Herzklopfen, Tinnitus, verschwommenes Sehen, Schwindel, Lethargie, Zittern, Kribbeln auf der Haut, Schlaflosigkeit, Angst, Agitiertheit, abnormale Träume, Gewichtsabnahme.

Gelegentlich (0.1-1%): Blutkreatinphosphokinase-Anstieg, Anstieg des Kaliumplasmaspiegels, Brustschmerzen, Hitzegefühl, Kältegefühl, Unwohlsein, Durst, Schüttelfrost, Unbehagen, Hodenschmerzen, gynäkologische Blutungen, Menstruationsstörung, nächtliches Wasserlassen, Harnverzögerung, Harnverhalten, krankhaft erhöhte Urinausscheidung, verminderter Harnfluss, Muskelsteifigkeit, Muskelzuckungen, Nachtschweiss, Nesselfieber, Ekzeme auf der Haut, Lichtüberempfindlichkeit der Haut, kalter Schweiss, erhöhte Neigung zu Blutergüssen, erhöhte Leberenzymwerte, Hepatitis, akute Leberschädigung, Blutungen im Verdauungstrakt, Aufstossen, Magen-Darm-Entzündung, Magenentzündung, Schluckstörungen, Engegefühl im Rachen, Bluthochdruck, kalte Extremitäten, tiefer Blutdruck, kurze spontane Bewusstlosigkeit, Herzrasen, Herzrythmusstörungen, Schwindel, Ohrenschmerzen, Erweiterung der Pupillen, Sehbehinderung, trockene Augen, Muskelzuckungen, motorische Unruhe, Nervosität, Aufmerksamkeitsstörung, Geschmacksstörung, Störung des Bewegungsablaufes, schlechte Schlafqualität, Restless-Legs Syndrom, Gangstörungen, Suizidgedanken, Schlafstörungen, Zähneknirschen, Verwirrtheit, Apathie, Gewichtszunahme, Blutzucker-Erhöhung, Entzündung des Kehlkopfes.

Selten (0.01-0.1%): Menopausale Symptome, Austritt von Muttermilch aus der Brust ohne Schwangerschaft/Stillzeit, Erhöhung des Prolaktinspiegels im Blut, abnormaler Uringeruch, Krampf der Kaumuskulatur, Entzündung der Mundschleimhaut, Mundgeruch, Rektalblutungen, grüner Star, Dehydratation, mangelnde Schilddrüsenhormone, Überempfindlichkeitsreaktion, Manie, Halluzinationen, Aggression, Wut, Krampfanfälle, erhöhter Blutcholesterinspiegel.

 

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen.

Eine solche Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Menschen entwickeln gar keine bis nur wenige Nebenwirkungen.

Die meisten Nebenwirkungen verschwinden zudem 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Die Nebenwirkungen wurden von den medizinischen Fachbegriffen in eine für Laien möglichst verständliche Sprache übersetzt. Trotz grösster Mühe kann die medizinische Exaktheit teilweise nicht 1:1 wiedergegeben werden. Für Ärzte empfehlen wir das Arzneimittelverzeichnis bzw. Arzneimittelkompendium zu verwenden.

Altersfreigabe

Duloxetin ist für alle Indikationen ab 18 Jahren zugelassen.

Ein Arzt darf dieses Medikament auch an jüngere Patienten verschreiben.
Die Altersfreigabe sagt nichts über die Wirksamkeit bei Minderjährigen aus.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
  • Leberinsuffizienz
  • schwere Niereninsuffizienz (Clcr <30 ml/Min.)
  • unkontrollierte Hypertonie
  • gleichzeitig mit CYP1A2-Hemmern (wie Fluvoxamin, Ciprofloxacin, Enoxacin)
  • 5 Tage vor, während und bis 14 Tage nach irreversibler MAO-Hemmer-Therapie (wie Selegilin)
  • Schwangerschaft & Stillzeit

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine ausreichenden Daten über die Anwendung von Duloxetin bei schwangeren Frauen vor. Das potenzielle Risiko für den Menschen ist unbekannt.

Nach Einnahme von Duloxetin bzw. anderen SSNRI’s am Ende der Schwangerschaft, traten bei einigen Neugeborenen folgende Absetzsymptome auf: Ess- und Schlafstörungen, Atmungsschwierigkeiten, bläuliche Verfärbung der Haut, Atemunterbrüche, Krampfanfälle, Temperaturschwankungen, zu niederiger Blutzuckerspiegel, Tremor, abnormale Muskelspannungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Erbrechen, abnormale Irritabilität, Überspanntheit, Lethargie, Schläfrigkeit und anhaltendes Weinen.

Eine SSNRI-Exposition in der späten Schwangerschaft kann das Risiko für eine persistierende pulmonale Hypertonie beim Neugeborenen (PPHN) erhöhen.

Duloxetin geht in die Muttermilch über. Die von einem Säugling pro kg Körpergewicht aufgenommene Menge liegt bei etwa 0,14% der von der Mutter eingenommenen Dosis. Da keine Information über die Verträglichkeit von Duloxetin bei Säuglingen und Kindern vorliegt, wird die Anwendung von Duloxetin während der Stillzeit nicht empfohlen.

Studien

Über 3000 Personen mit einer leichten bis mittelschweren Depression haben an den bisher veröffentlichten Doppelblindstudien teilgenommen, in denen Duloxetin gegen Placebo geprüft wurde. In mehreren Studien wurde eine Duloxetin-Tagesdosis von 60 mg während 9 Wochen mit Placebo verglichen. In der Mehrzahl dieser Studien fand sich gemäss verschiedenen Skalen eine gegenüber Placebo signifikante antidepressive Wirkung. Als Beispiel kann eine Studie bei 267 Personen genannt werden, in der 65% der Behandelten auf Duloxetin ansprachen, jedoch nur 42% auf Placebo. Am Ende der Studie hatte die Punktezahl in der Hamilton-Depressionsskala unter Duloxetin um 10,5 Punkte, unter Placebo jedoch nur um 8,3 Punkte abgenommen.

In mehreren Studien wurden besonders auch die begleitenden Schmerzsymptome (z.B. Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Schulterschmerzen) erfasst; dabei fand sich unter Duloxetin teilweise eine deutliche schmerzlindernde Wirkung, jedoch nicht immer eine signifikante antidepressive Aktivität.

In einer längeren Studie wurde bei 278 Personen, die auf die Tagesdosis von 60 mg angesprochen hatten, das Medikament oder ein Placebo doppelblind während 6 Monaten weiter verabreicht. Unter der aktiven Behandlung traten Rückfälle signifikant später auf und es liessen sich noch weitere Vorteile (z.B. bezüglich Lebensqualität) feststellen.

Andere Studien dienten einerseits dem Vergleich mit Placebo, anderseits dem Nachweis, dass Duloxetin anderen Antidepressiva – insbesondere Paroxetin– nicht unterlegen sei. In diesen wurde Duloxetin höher dosiert.

Zwei Doppelblindstudien mit identischem Protokoll umfassten zusammen 759 Personen mit einer Depression; die Behandlung erfolgte in ungefähr gleich grossen Gruppen mit Duloxetin (eine Gruppe mit 80 mg/Tag, die andere mit 120 mg/Tag), Paroxetin (20 mg/Tag) oder Placebo. Nach 8 Wochen wurden nur diejenigen für weitere 6 Monate weiterbehandelt, die bis dahin deutlich auf die Behandlung angesprochen hatten. Die Resultate einer dieser Studien (mit 392 Teilnehmenden) zeigen auf, wie prekär der Nachweis einer antidepressiven Wirksamkeit ist: Nach der Anfangsphase von 8 Wochen war der Hamilton- Punktewert in keiner «aktiv» behandelten Gruppe signifikant mehr gesunken als in der Placebogruppe. Nur wenn die Zahlen über die ganzen 8 Wochen interpoliert wurden («mixed-effects repeated measures»), ergab sich für die beiden Duloxetingruppen ein signifikant besseres Resultat. Aus allen Gruppen wurden rund drei Viertel der Teilnehmenden in die Fortsetzungsphase aufgenommen. In den folgenden 6 Monaten zeigten sich in Bezug auf Rückfälle keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen; auch in der Placebogruppe konnte der Therapieerfolg der akuten Phase bei 84% aufrechterhalten werden.

Andere publizierte Studien bestätigen die Regel, dass Duloxetin scheinbar immer besser wirkt als SSRI’s.

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C18H19NOS

(+)-(S)-N-Methyl-3-(1-naphthyloxy)- 3-(2-thienyl)propylamin