Die Elektro-Krampf-Therapie (EKT), auch Elektro-Konvulsations-Therapie genannt, ist die mit Abstand wirksamste Methode zur Behandlung von Depressionen. Sie wird vor allem bei schwerem und therapieresitentem Krankheitsverlauf eingesetzt. Auf Angststörungen hat die EKT keinen Einfluss.

Im Vorfeld der Behandlung müssen eine ganze Reihe von medizinischen Untersuchungen stattfinden. EKG (Herzuntersuchung), MRI (Hirnscan), Laborwerte und ev. ein EEG (Messung der Hirnstörme) werden benötigt. In der unmittelbaren Zeit vor einer EKT darf man 6 Stunden lang nichts essen (auch keine Bonbons oder Kaugummis). Bis zwei Stunden vor der Therapie kann in kleineren Mengen Wasser (aber nicht Kaffee, Fruchtsäfte oder andere Getränke) getrunken werden. Dies hat mit der Narkose zu tun.

Die heutige Form der EKT (die sogenannt modifizierte EKT) ist nicht mit jener der frühen 60er Jahre zu vergleichen. Vor der Behandlung wird der Patient vollnarkotisiert (Kurznanästhesie), damit er von der eigentlichen Behandlung nichts mitbekommt und so auch keine Schmerzen hat. Zudem erhält er ein muskelrelaxierenden Mittel, so dass es zu keinen Verletzungen kommt. Anschliessen wird ein schwacher Stromstoss durch das Gehrin geleitet, welcher ein künstlicher Krampfanfall auslöst.

In den ersten 1-2 Wochen sind wöchentlich 2-3 EKT-Sitzungen nötig, danach werden die Intervalle zwischen den Behandlungsterminen grösser. Üblich sind als Erstbehandlung rund 8-12 Sitzungen (Richtwert). Im Anschluss bzw. in den ersten Monaten nach der EKT-Serie muss, selbst wenn der Patient symptomfrei ist, alle 2-3 Monate eine Erhaltungs-EKT (eine Behandlung, also keine ganze Serie) gemacht werden. Der Nachteil einer EKT ist, dass die Betroffenen oft unter Erinnerungslücken leiden. Elementares wird dabei in der Regel nicht vergessen, vorwiegend das Kurzzeitgedächtnis rund um die Behandlungstage ist betroffen.

EKT wurde in unzähligen Studien mit Scheinbehandlungen (Narkose ohne Behandlung) und Medikamenten verglichen. Bei sämtlichen Studien war die EKT sowohl gegenüber Scheinbehandlungen sowie Medikamenten signifikant überlegen.

Das Risiko bezüglich Mortalität (tödlicher Ausgang) einer EKT ist nicht grösser als bei einer jeder anderen Vollnarkose. Statistisch gesehen liegt die narkosebedingte Sterblichkeit bei 1:150’000 und damit auf sehr tiefem Niveau. Unter anderem desshalb ist die EKT in der Fachwelt, anders als in der breiten Bevölkerung, fast unumstritten. Gemäss der Gesundheitsbehörden diverse Länder würde ein Verzicht auf auf die EKT eine medizinisch nicht zumutbare Situation zur Behandlung von Schwerstkranken ergeben.

Es gibt jedoch auch Kontraindikationen (Gegenanzeigen) bei einer EKT. Dazu gehören:

  • kürzlich überstandener Herzinfarkt (3 Monate)
  • Lungenprobleme die eine Narkose verunmöglichen
  • erhöhter Hirndruck
  • frischer Schlaganfall (3 Monate)
  • Gehirntumor
  • grüner Star mit erhöhtem Augeninnendruck
  • schwere Blutgerinnungsstörung
  • gewisse Medikamente

Erstaundlicherweise sind Schwangerschaft, Alter und ein Herzschrittmacher keinen Grund um auf eine EKT zu verzichten.

Bei Patienten, welche zuvor keine Medikamente eingenommen haben, beträgt die Ansprechrate ca. 80-90%. Bei Patienten, welche zuvor diverse Therapieversuche mittels Psychopharmaka hinter sich haben etwas mehr als 50%. EKT wird nur dann eingesetzt, wenn die Behandlung mittels Psychotherapie und Medikamenten versagt hat. EKT basiert immer auf freiwilliger Basis bzw. muss der Patient (oder ggf. auch Vormund) in die Behandlung einwilligen.

Wie genau ein Elektrokrampf funktioniert ist nicht abschliessend erforscht, sicher ist jedoch, dass durch den Krampfanfall im Gehirn massiv unzählige Botenstoffe ausgeschüttet werden. Da das Gehirn plastisch ist, also sich die Nervenbahnen wieder neu formieren, besteht auch die Möglichkeit, dass Medikamente und Psychotherapie besser wirken.

Patienteninformationen (PDF)