Als Depression bezeichnet man eine affektive Störung, welche durch krankhafte Stimmungs- und Antriebsschwäche gekennzeichnet ist. Die Betroffenen klagen über extreme Zustände der Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und die Unfähigkeit Freude zu empfinden. Je nach Schweregrad der Erkrankung ist eine Teilnahme am alltäglichen Leben unmöglich bzw. können auch einfachste Aufgaben (z.B. Einkaufen, Kochen, Duschen etc.) nicht mehr bewältigt werden. Neben diesen Hauptsymptomen kommen mehrere Begleitbeschwerden (Nebensymptome) hinzu, die sich beispielsweise durch Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Hoffnungslosigkeit usw. äussern (siehe Diagnosekriterien). Eine klinisch (medizinisch) relevante Depression hat folglich mit dem, was man im Alltag unter „depri sein“ versteht nicht viel gemein. Sie ist eine absolut ernstzunehmende psychische Erkrankung, die mit enormen Qualen verbunden ist und im Extremfall sogar tödlich verlaufen kann (Suizid). Professionelle Hilfe ist bei einer Depression unabdingbar.

Es gibt zwei Erklärungsansätze wie Depressionen entstehen, welche sich jedoch nicht widersprechen.

Das neurobiologische Erklärungsmodell geht davon aus, dass Depressionen auf ein Ungleichgewicht der Botenstoffe (Neurotransmitter) im Gehirn zurückgehen. Allen voran soll ein Mangel des Botenstoffs Serotonin im synaptischen Spalt die Ursache sein. Ebenfalls häufig betroffen sei der Neurotransmitter Noradrenalin. Ferner gibt es Hinweise, dass auch die Botenstoffe Dopamin, Glutamat und Melatonin einen Einfluss haben.

Die sogenannte „Serotonin-Hypothese“ wurde in Tierversuchen und in-vitro-Studien belegt, ist jedoch nach wie vor umstritten. Wäre es nur das Serotonin (so die Aussage der Kritiker), so müssten Antidepressiva allen Menschen helfen, was nachweislich nicht der Fall ist. Nur rund 30% der Betroffenen sprechen ausreichend auf ihre Erstmedikation an. 40 weitere Prozent erst nach mehreren Medikamentenumstellungen und teilweise der Einnahme ganzer Kombinationen. Die restlichen 30% sprechen gar nicht oder nur stark unzureichend auf Antidepressiva an.

Sicher ist jedoch, dass bei Depressionen die Chemie im Gehirn der Betroffenen nicht mehr richtig funktioniert. Ob dabei auch Botenstoffe betroffen sind, welche dem Menschen noch unbekannt sind, ist wahrscheinlich.

Wie es zu diesem Ungleichgewicht kommt, versucht das psychologische Erklärungsmodell zu ergründen. Es wurden diverse Studien mit dem Ziel die auslösenden Faktoren für eine Depression zu finden durchgeführt. Die Forscher haben festgestellt, dass Menschen mit familiären Vorbelastungen häufiger von Depressionen betroffen sind als jene, welche keine Verwandten mit Depressionen haben (Stichwort: genetische Veranlagung).

Des Weitern ist Stress ein stark depressionsfördender Faktor. Heute nennt man eine Erschöpfungsdepression „burn-out“. Insbesondere Menschen die längere Zeit über ihrer Belastungsgrenze Tätigkeiten ausüben, sind vermehrt von Depressionen betroffen. Auch Traumata (inkl. Mobbing und Schicksalsschläge) sind nicht von unerheblicher Bedeutung. Diese Traumata können bis in die frühe Kindheit zurückreichen oder aktuell auftreten. Es wird vermutet, dass ein Trauma hirnorganische Veränderungen auslöst, welche das Risiko von Depressionen betroffen zu sein steigert. Nicht zuletzt kann auch der Missbrauch von Betäubungsmitteln ausschlaggebend sein. Gemeint sind dabei nicht nur serotonerge Substanzen (wie z.B. MDMA), sondern auch sogenannt „leichte“ Drogen wie übermassigen Alkohol-Konsum und Cannabis-Konsum im generellen.

Depressionen treten sehr häufig gemeinsam mit Angststörungen auf (Komorbidität).

Statistische Zahlen:

  • Die Wahrscheinlichkeit einmal im Leben an einer Depression zu erkranken liegt bei 15-25%
  • Der Geschlechtsunterschied zwischen Frauen und Männern beträgt 2:1 „zugunsten“ der Frauen
  • Das durchschnittliche Erkrankungsalter (Peak) liegt bei 35 Jahren
  • 50% der Betroffenen erkranken vor ihrem 40. Lebensjahr an einer Depression
  • Das durchschnittliche Erkrankungsalter bei jenen über 40 liegt zwischen 50 und 60 Jahren
  • Im Verlaufe der Zeit wurde (und wird immer noch) das Alter der Ersterkrankungen immer tiefer bzw. jünger
  • Mindestens 50% aller Depressionen sind rezidivierend (also wiederkehrend)
  • Eine depressive Episode dauert im Durchschnitt 6 Monate ohne Therapie
  • Die Suizidrate beträgt zwischen 10 und 15 Prozent (1% pro Jahr)
  • Bis zu 81% der Patienten, die eine affektive Störung (Depression und bipolare Störung) haben, leiden unter einer weiteren psychischen Erkrankung (z.B. Angststörung, Persönlichkeitsstörung, Suchterkrankung, ADHS etc.).