Ich will bei diesem Erfahrungsbericht weniger meine individuelle Situation erläutern sondern relativ objektiv darauf eingehen, wie sich die Depressionen bei mir und äusserten.

Jede Person hat ab und zu einen schlechten Tag, ist traurig, abgekämpft und/oder missmutig. Dies sind normale Gefühlsreaktionen von uns Menschen. Mit der Krankheit „Depression“ hat dies allerdings wenig zu tun.

Ich empfand nur noch negative Gefühle, dauerhaft, bis hin zum „Gefühl“ der Gefühllosigkeit. Nichts konnte mich aufheitern. Jede Aufgabe stellte sich als ein fast unzuerklimmender Berg dar, und war sie noch so klein. Ich konnte mich zu nichts mehr aufraffen, auch nicht um alltägliche Dinge zu erledigen, wie kochen oder abzuwaschen.

Ich verlor das Interesse an meiner Umgebung. Nichts was mich früher mal interessierte bereitete mir eine Abwechslung. Es war mir fast unmöglich mich abzulenken, da ich auch keine Freude an jenen Sachen empfand, die mir früher einmal Freude bereitet hatten. Ich fühlte mich innerlich tot. Dies führte u.a. zu einem starken sozialen Rückzug.

Dieser unaushaltbare Zustand wurde dadurch verstärkt, dass ich eine negative Zukunftsperspektive (vor allem für sich selbst) sah. Diese Hoffnungslosigkeit spiegelte sich vor allem in den Gefühlen wieder, doch teilweise auch im kognitiven Denken. Diese (objektiv zwar nicht begründete) Perspektivlosigkeit und die Qualen der Krankheit führten dazu, dass ich suizidal wurde (es glücklicherweise jedoch nie umsetzte).

Doch damit nicht genug. Zu diesem ohnehin schon katastrophalen Zustand kommen noch Begleitbeschwerden hinzu. Eine Depression Tags durch auszuhalten ist mit einem enormen Kraftakt verbunden. Es geht jeden Tag ums nackte Überleben. Umso wichtiger wäre es Nachts gut schlafen zu können, doch weit gefehlt. Ich hatte Schlafstörungen, eine der häufigsten Nebenerscheinungen von Depressionen. Ich konnte fast nicht einschlafen und wachte mitten in der Nacht auf. Hinzu kamen starke Konzentrationsstörungen, ein vermindertes Selbstwertgefühl, Entscheidungsschwierigkeiten, Appetitstörungen, Schuldgefühle und psychomotorische Probleme (stetige Unruhe). Zudem verschwand mein Interesse für Sexualität. Ich wollte weinen, konnte es aber nicht, da ich innerlich so leer war.

Dieser Zustand kann man nur als „die Hölle auf Erden“ beschreiben und mit Folter vergleichen. Jemand der noch nie eine (schwere) Depression hatte, kann unmöglich nachvollziehen wie es ist, unter dieser Krankheit zu leiden.

Es braucht Geduld in einem Zustand, indem „Geduld haben“ wohl das Letzte ist, was man gebrauchen kann. Dennoch gibt es Hoffnung. Depressionen, so schlimm sie sich anfühlen, sind behandelbar. Es kann lange, sehr lange dauern, doch irgendwann sieht man Licht am Ende des Tunnels.

Der Dank geht an Beatrice (42)
Ihre Diagnose: Schwere rezidivierende Depression