Allgemeine Informationen
  • Handelsnamen: Fluctin, Fluxet, Fluctine, Felicium, Floccin, Fluocim, Fluoxifar, Mutan, NuFluo, Positivum, div. Generika
  • Kategorie: Selektiver Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI)
  • Indikation: Depressionen und Bulimie
  • Libidoverlust: Ja (häufig)
  • Gewichtsveränderung: Abnahme (häufig)
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Morgens unabhängig der Mahlzeiten. Bei Patienten mit geringem Körpergewicht in 2 Gaben.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Depressionen: 20-80mg
Bulimie: 20-60mg

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Halbwertszeit

Wirkungseintritt

Nach ca. 2-4 Wochen bei Depressionen
Nach ca. 4-6 Wochen bei Bulimie

 

Halbwertszeit

Die Halbwertszeit von Fluoxetin beträgt 4-6 Tage. Die kombinierte Einnahme gewisser Medikamente kann die Halbwertszeit verändern.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Durchfall, Übelkeit.

Häufig (1-10%): Verminderter Appetit, Gewichtsverlust, Angst, Nervosität, Unruhe, Anspannung, Libidoverminderung, Schlafstörungen, abnormale Träume, Aufmerksamkeitsstörung, Schwindel, Geschmacksstörungen, Lethargie, Schläfrigkeit, Zittern, Sehstörungen, Herzklopfen, Erröten, Gähnen, Erbrechen, Verdauungsstörungen, Mundtrockenheit,  Nervositätsgefühl, Schüttelfrost, gynäkologische Blutungen, erektile Dysfunktion, Ejakulationsstörungen, häufiges Wasserlassen, Hautausschlag, Nesselfieber, Juckreiz, vermehrtes Schwitzen, abnormale Leberfunktionstests.

Gelegentlich (0.1-1%): Unwohlsein, Unbehagen, Hitzegefühl, Kältegefühl, sexuelle Funktionsstörungen, austreten von Muttermilch aus der weiblichen Brust (auch ausserhalb der Stillzeit), Störung der Blasenentleerung, Muskelzuckungen, Haarausfall, erhöhte Neigung zu Blutergüssen, kalter Schweiss, Hautausschläge, Schluckstörungen, Kurzatmingkeit, tiefer Blutdruck, Angina Pectoris, Herzschlag, Herzrasen, Pupillenerweiterung, Depersonalisation, gesteigerte Stimmung, euphorische Stimmung, abnormale Gedanken, abnormaler Orgasmus, Zähneknirschen, psychomotorische Hyperaktivität, Störung des Bewegungsablaufs, Gleichgewichtsstörungen, Muskelzuckungen, kurze spontane Bewusstlosigkeit.

Selten (0.01-0.1%): Mangel an Blutplättchen im Blut, Mangel an weissen Blutkörperchen, Störung der Blutbindung, krankhafte Reaktionen des Immunsystems, Überempfindlichkeit des Imunsystems, zu niederiger Natrium-Spiegel im Blut, manische/hypomanische Reaktion, Halluzinationen, Agitiertheit, Krampfanfälle, motorsche Unruhe, buccoglossales Syndrom (unkontrolliere Bewegungen von Mund, Zunge und/oder Gliedmassen), Koma, Reizleitungs- bzw. Reizbildungsstörungen des Herzens, netzartige Hautzeichnung, Erweitung der Blutgefässe, Thrombose, Entzündung der Racheinschleimhaut, Schmerzen der Speiseröhre, Ödem von von Haut und/oder Schleimhaut, Blutung der Haut, Lichtempfindlichkeitsreaktion, abnormales Harnverhalten (Urin), Erhöhung des Prolaktinspiegels im Blut.

 

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen.

Eine solche Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Menschen entwickeln gar keine bis nur wenige Nebenwirkungen.

Die meisten Nebenwirkungen verschwinden zudem 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Die Nebenwirkungen wurden von den medizinischen Fachbegriffen in eine für Laien möglichst verständliche Sprache übersetzt. Trotz grösster Mühe kann die medizinische Exaktheit teilweise nicht 1:1 wiedergegeben werden. Für Ärzte empfehlen wir das Arzneimittelverzeichnis bzw. Arzneimittelkompendium zu verwenden.

Altersfreigabe

Fluoxetin ist für alle Indikationen ab 18 Jahren zugelassen.

Ein Arzt darf dieses Medikament auch an jüngere Patienten verschreiben.
Die Altersfreigabe sagt nichts über die Wirksamkeit bei Minderjährigen aus.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
  • akute Manie
  • min. 5 Wochen vor, während und bis 2 Wochen nach irreversiblen MAO-Hemmern
  • min. 5 Wochen vor, während und bis 1 Tag nach reversiblen MAO-A-Hemmern
  • Schwangerschaft & Stillzeit

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Schwangerschaft & Stillzeit

Fluoxetin sollte während der Schwangerschaft nur verabreicht werden, wenn es zwingend erforderlich ist.

Nach Einnahme von Fluoxetin bzw. anderen SSRI’s am Ende der Schwangerschaft, traten bei einigen Neugeborenen folgende Absetzsymptome auf: Ess- und Schlafstörungen, Atmungsschwierigkeiten, bläuliche Verfärbung der Haut, Atemunterbrüche, Krampfanfälle, Temperaturschwankungen, zu niederiger Blutzuckerspiegel, Tremor, abnormale Muskelspannungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Erbrechen, abnormale Irritabilität, Überspanntheit, Lethargie, Schläfrigkeit und anhaltendes Weinen.

Eine SSRI-Exposition in der späten Schwangerschaft kann das Risiko für eine persistierende pulmonale Hypertonie beim Neugeborenen (PPHN) erhöhen.

Fluoxetin wird in menschliche Milch ausgeschieden. Falls eine Behandlung mit Fluoxetin notwendig ist, soll abgestillt werden.

Studien

Viele Fluoxetin-Studien sind in Nordamerika durchgeführt worden, wobei meistens ambulante Patienten mit «Major Depressive Disorder» ausgewählt wurden. Es handelte sich in der Regel um Patienten mit mittelschwerer oder schwerer depressiver Symptomatik exogener oder endogener Ursache. Die Wirksamkeit wurde anhand von Bewertungsskalen (z.B. «Hamilton Rating Scale») beurteilt.

Die Studien, welche die antidepressive Wirksamkeit von Fluoxetin dokumentieren, dauerten jeweils fünf oder sechs Wochen. In einer grossen Studie wurde — in fünf Zentren — bei insgesamt 540 Personen die Wirkung von Fluoxetin, Imipramin und Placebo verglichen. Die mit Fluoxetin behandelten Patienten erhielten fast alle 60 oder 80 mg täglich; die entsprechenden Imipramin- Dosen betrugen 125 bis 300 mg/Tag. Nach sechs Wochen unterschieden sich Fluoxetin und Imipramin in der Gesamtbewertung nicht voneinander, waren aber beide signifikant besser antidepressiv wirksam als Placebo. Schlafstörungen und Angst wurden von Fluoxetin jedoch nicht besser als von Placebo beeinflusst.

Fluoxetin ist in zahlreichen weiteren Studien mit Amitriptylin verglichen worden. Diese Studien umfassten jeweils 30 bis 100 Patienten und wurden nach ähnlichen Protokollen durchgeführt wie die erwähnte Studie mit Imipramin. Eine initiale Tagesdosis von 20 mg wurde innerhalb von zwei bis drei Wochen meistens auf 60 bis 80 mg gesteigert. In der Gesamtbeurteilung ergaben sich keine wesentlichen Differenzen zwischen Fluoxetin und den anderen Antidepressiva. Schlafstörungen wurden allerdings von Fluoxetin weniger gut beeinflusst als von den Vergleichsmedikamenten. In der Beurteilung durch die Patienten war Amitriptylin das wirksamere Medikament.

Zwei placebokontrollierte Studien mit fixen Tagesdosen weisen darauf hin, dass die Fluoxetindosis in den bisher erwähnten Studien unnötig rasch gesteigert wurde: Eine Tagesdosis von 20 mg ist im Vergleich mit Placebo ebenso wirksam wie Tagesdosen von 40 oder von 60 mg. Auch eine niedrigere Dosis (5 mg/Tag) ist in mancher Hinsicht wirksamer als ein Placebo. Die vorliegenden Studien erlauben keine zuverlässige Aussage über die niedrigste wirksame Dosis oder über einen allfälligen Nutzen der Dosissteigerung bei bestimmten Patienten.

Bei Patienten mit leichten depressiven Symptomen zeigte Fluoxetin (in fixen Tagesdosen von 20, 40 oder 60 mg) in einer grossen Multizenterstudie mit 372 Personen keine signifikant bessere Wirkung als Placebo. Über die Wirksamkeit von Fluoxetin bei langfristiger Einnahme liegen bis jetzt keine Ergebnisse aus kontrollierten Studien vor. Auch Vergleiche mit anderen Serotonin-Wiederaufnahmehemmern fehlen bisher.

Vergleiche mit Paroxetin: In einer multizentrischen Studie erhielten zum Beispiel 178 hospitalisierte Patienten 20 mg Paroxetin oder 20 mg Fluoxetin täglich. Beide Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) erbrachten eine ähnliche antidepressive Wirkung.

Vergleich mit Reboxetin: 128 Personen verordnete man während acht Wochen Reboxetin (8 bis 10 mg/Tag) oder Fluoxetin (20 bis 40 mg/Tag). Unter Reboxetin besserten sich die depressiven Symptome auf der HAM-D-Skala um 19,2, unter Fluoxetin um 16,8 Punkte; dieser Unterschied ist nicht signifikant. Auch Ansprech- und Remissionsraten waren in beiden Gruppen gleich. In einer anderen, placebokontrollierten Studie mit 381 Personen waren Reboxetin (8 bis 10 mg/Tag) und Fluoxetin (20 bis 40 mg/Tag) ebenfalls praktisch gleichwertig. Die Studie gilt jedoch als umstritten, da die Hersteller von Reboxetin eine eigene Depressionsskala verwendet haben.

Vergleich mit Sertralin: In deiner achtwöchigen Doppelblindstudie erhielten 48 Personen Sertralin (mittlere Dosis: 72mg/Tag) und 40 Fluoxetin (mittlere Dosis: 28 mg/Tag). In beiden Gruppen konnte schon nach einer Woche eine deutliche Besserung der Depression festgestellt werden. Ein signifikanter Unterschied zwischen Fluoxetin und Sertralin fand sich während der ganzen Studie nicht.

Vergleich mit Venlafaxin: In einer multizentrischen Doppelblindstudie wurde Venlafaxin mit Fluoxetin verglichen. Für diese Studie wurden 68 hospitalisierte Patienten mit «melancholischer» Depression ausgewählt. Diese Patienten erhielten täglich entweder 200 mg Venlafaxin oder 40 mg Fluoxetin. Die Beurteilung erfolgte nach den drei Skalen MADRS, HAM-D und CGI; die Patienten wurden insgesamt sechs Wochen behandelt und während dieser Zeit siebenmal untersucht. Gegenüber den Ausgangswerten konnte schon nach wenigen Tagen unter beiden Medikamenten eine deutliche Besserung gezeigt werden. Venlafaxin war bei allen Untersuchungsdaten der Vergleichssubstanz überlegen; dieser Unterschied erreichte jedoch erst nach vier und sechs Wochen statistische Signifikanz. Es scheint also, dass Venlafaxin – ähnlich wie die trizyklischen Antidepressiva – bei dieser besonders schweren Form der Depression wirksamer ist als die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI).

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C17H18F3NO

(RS)-N-Methyl-3-phenyl-3-(4-trifluormethyl phenoxy)propylamin