Antidepressivum (SSRI) | Indikation: Depression und Bulimie
Handelsnamen: Fluctine, Fluxet etc.

Allgemeine Informationen

Fluoxetin wurde von der Firma Eli Lilly entwickelt und patentiert. Es wurde 1988 auf dem US-amerikanischen Markt unter dem Handelsnahmen Prozac eingeführt. 1990 erfolgte die Zulassung in der EU. Das Medikament wird vorwiegend unter den Handelsnamen Fluctine und Fluxet vertrieben. Weitere Namen sind Felicium, Floccin, Fluocim, Fluoxifar, Mutan, NuFluo und Positivum. Zudem existieren diverse Generika.

Fluoxetin ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der „selektiven Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer“ (SSRI). Es besitzt eine Zulassung zur Behandlung von Depressionen und Bulimie und ist ab 18 Jahren freigegeben. Fluoxetin kann das Lenken von Fahrzeugen und das Bedienen von Maschinen verunmöglichen. Bezüglich Alkohol sind keine Wechselwirkungen bekannt, dennoch ist Vorsicht geboten.

Mit Fluoxetin gelang Eli Lilly ein Durchbruch in der modernen medikamentösen Behandlung von Depressionen. Es war in der EU der erste selektive Wiederaufnahme-Hemmer auf dem Markt. Nur die Schweiz liess bereits 1984 ein anderes SSRI (Fluvoxamin) zu, welchem jedoch eine schlechtere Wirkung nachgesagt wird.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Morgens unabhängig der Mahlzeiten. Bei Patienten mit geringem Körpergewicht in 2 Gaben.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 20-80mg (Bulimie max. 60mg)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuell festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niedrigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 6 Stunden

Halbwertszeit: 4-6 Tage

Bioverfügbarkeit: 72%

Wirkungseintritt: nach 2-4 Wochen bei Depressionen und Bulimie

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Durchfall, Übelkeit.

Häufig (1-10%): Verminderter Appetit, Gewichtsverlust, Angst, Nervosität, Unruhe, Anspannung, Libidoverminderung, Schlafstörungen, abnormale Träume, Aufmerksamkeitsstörung, Schwindel, Geschmacksstörungen, Lethargie, Schläfrigkeit, Zittern, Sehstörungen, Herzklopfen, Erröten, Gähnen, Erbrechen, Verdauungsstörungen, Mundtrockenheit,  Nervositätsgefühl, Schüttelfrost, gynäkologische Blutungen, erektile Dysfunktion, Ejakulationsstörungen, häufiges Wasserlassen, Hautausschlag, Nesselfieber, Juckreiz, vermehrtes Schwitzen, abnormale Leberfunktionstests.

Gelegentlich (0.1-1%): Unwohlsein, Unbehagen, Hitzegefühl, Kältegefühl, sexuelle Funktionsstörungen, austreten von Muttermilch aus der weiblichen Brust (auch ausserhalb der Stillzeit), Störung der Blasenentleerung, Muskelzuckungen, Haarausfall, erhöhte Neigung zu Blutergüssen, kalter Schweiss, Hautausschläge, Schluckstörungen, Kurzatmigkeit, tiefer Blutdruck, Angina Pectoris, Herzschlag, Herzrasen, Pupillenerweiterung, Depersonalisation, gesteigerte Stimmung, euphorische Stimmung, abnormale Gedanken, abnormaler Orgasmus, Zähneknirschen, psychomotorische Hyperaktivität, Störung des Bewegungsablaufs, Gleichgewichtsstörungen, Muskelzuckungen, kurze spontane Bewusstlosigkeit.

Selten (0.01-0.1%): Mangel an Blutplättchen im Blut, Mangel an weissen Blutkörperchen, Störung der Blutbindung, krankhafte Reaktionen des Immunsystems, Überempfindlichkeit des Imunsystems, zu niederiger Natrium-Spiegel im Blut, manische/hypomanische Reaktion, Halluzinationen, Agitiertheit, Krampfanfälle, motorsche Unruhe, buccoglossales Syndrom (unkontrolliere Bewegungen von Mund, Zunge und/oder Gliedmassen), Koma, Reizleitungs- bzw. Reizbildungsstörungen des Herzens, netzartige Hautzeichnung, Erweitung der Blutgefässe, Thrombose, Entzündung der Racheinschleimhaut, Schmerzen der Speiseröhre, Ödem von von Haut und/oder Schleimhaut, Blutung der Haut, Lichtempfindlichkeitsreaktion, abnormales Harnverhalten (Urin), Erhöhung des Prolaktinspiegels im Blut.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • akute Manie
  • min. 5 Wochen vor, während und bis 2 Wochen nach irreversiblen MAO-Hemmern
  • min. 5 Wochen vor, während und bis 1 Tag nach reversiblen MAO-A-Hemmern
  • Schwangerschaft & Stillzeit

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Bei gleichzeitiger Einnahme von antidepressiven Medikamenten vom Typ der MAO-Hemmer kann es zu schwerwiegenden, manchmal tödlichen Reaktionen kommen. Nach Beendigung einer Therapie mit MAO-Hemmern sollte zwei Wochen gewartet werden, bevor man eine Therapie mit Fluoxetin beginnt. Nach Beendigung einer Therapie mit Fluoxetin sollte mindestens fünf Wochen mit der Einnahme von MAO-Hemmern gewartet werden.

Bei gleichzeitiger Einnahme von Tryptophan kann es zu Erregung, Unruhe und Magen-Darm-Störungen kommen. Die Ausscheidung von Diazepam kann verzögert und so seine Wirkung verlängert werden. Der Blutspiegel von Lithium, von Neuroleptika und trizyklischen Antidepressiva und damit deren Wirkung kann erhöht sein. Veränderungen der Phenytoin-Blutspiegel (gegen Epilepsie) wurden bei der gleichzeitigen Gabe mit Fluoxetin beobachtet.

Werden Medikamente eingenommen, die die Blutgerinnung beeinflussen (Antikoagulanzien), so kann es bei gleichzeitiger Gabe von Fluoxetin zu einer erhöhten Blutungsneigung kommen. Werden pflanzliche Zubereitungen, die Johanniskraut enthalten, eingenommen, ist ebenfalls ein gehäuftes Auftreten von Nebenwirkungen möglich.

Die gleichzeitige Gabe von Arzneimitteln wie Tramadol oder den Triptanen (gegen Migräne) kann das Risiko eines Serotoninsyndroms mit Hitzewallungen und Herzmuskelveränderungen erhöhen. Bei der gleichzeitigen Anwendung von Triptanen besteht das zusätzliche Risiko einer Verengung der Herzkranzgefäße und von Bluthochdruck.

Werden Brustkrebs-Patientinnen mit dem Zytostatikum Tamoxifen behandelt, kann Fluoxetin dessen Wirksamkeit einschränken. Der Wirkstoff behindert nämlich das Enzym für die Umwandlung von Tamoxifen in dessen aktive Form Endoxifen. Als Folge dieser Wechselwirkung steigt die Sterblichkeit bei der betroffenen Patientinnengruppe. Um den Erfolg einer Tamoxifen-Behandlung nicht zu gefährden, sollte der Arzt Venlafaxin als Antidepressivum wählen, da es das Enzym nicht behindert.

Schwangerschaft & Stillzeit

Fluoxetin sollte während der Schwangerschaft nur verabreicht werden, wenn es zwingend erforderlich ist.

Nach Einnahme von Fluoxetin bzw. anderen SSRI’s am Ende der Schwangerschaft, traten bei einigen Neugeborenen folgende Absetzsymptome auf: Ess- und Schlafstörungen, Atmungsschwierigkeiten, bläuliche Verfärbung der Haut, Atemunterbrüche, Krampfanfälle, Temperaturschwankungen, zu niederiger Blutzuckerspiegel, Tremor, abnormale Muskelspannungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Erbrechen, abnormale Irritabilität, Überspanntheit, Lethargie, Schläfrigkeit und anhaltendes Weinen.

Eine SSRI-Exposition in der späten Schwangerschaft kann das Risiko für eine persistierende pulmonale Hypertonie beim Neugeborenen (PPHN) erhöhen.

Fluoxetin wird in menschliche Milch ausgeschieden. Falls eine Behandlung mit Fluoxetin notwendig ist, soll abgestillt werden.

Studien

Viele Fluoxetin-Studien sind in Nordamerika durchgeführt worden, wobei meistens ambulante Patienten mit «Major Depressive Disorder» ausgewählt wurden. Es handelte sich in der Regel um Patienten mit mittelschwerer oder schwerer depressiver Symptomatik exogener oder endogener Ursache. Die Wirksamkeit wurde anhand von Bewertungsskalen (z.B. «Hamilton Rating Scale») beurteilt.

Vergleich mit Placebo: Zwei placebokontrollierte Studien mit fixen Tagesdosen weisen darauf hin, dass die Fluoxetindosis in den bisher erwähnten Studien unnötig rasch gesteigert wurde: Eine Tagesdosis von 20 mg ist im Vergleich mit Placebo ebenso wirksam wie Tagesdosen von 40 oder von 60 mg. Auch eine niedrigere Dosis (5mg/Tag) ist in mancher Hinsicht wirksamer als ein Placebo. Die vorliegenden Studien erlauben keine zuverlässige Aussage über die niedrigste wirksame Dosis oder über einen allfälligen Nutzen der Dosissteigerung bei bestimmten Patienten.

Bei Patienten mit leichten depressiven Symptomen zeigte Fluoxetin (in fixen Tagesdosen von 20, 40 oder 60 mg) in einer grossen Multizenterstudie mit 372 Personen keine signifikant bessere Wirkung als Placebo. Über die Wirksamkeit von Fluoxetin bei langfristiger Einnahme liegen bis jetzt keine Ergebnisse aus kontrollierten Studien vor.

Vergleich mit Imipramin: Die Studien, welche die antidepressive Wirksamkeit von Fluoxetin dokumentieren, dauerten jeweils fünf oder sechs Wochen. In einer grossen Studie wurde — in fünf Zentren — bei insgesamt 540 Personen die Wirkung von Fluoxetin, Imipramin und Placebo verglichen. Die mit Fluoxetin behandelten Patienten erhielten fast alle 60 oder 80 mg täglich; die entsprechenden Imipramin- Dosen betrugen 125 bis 300 mg/Tag. Nach sechs Wochen unterschieden sich Fluoxetin und Imipramin in der Gesamtbewertung nicht voneinander, waren aber beide signifikant besser antidepressiv wirksam als Placebo. Schlafstörungen und Angst wurden von Fluoxetin jedoch nicht besser als von Placebo beeinflusst.

Vergleich mit Amitriptylin: Fluoxetin ist in zahlreichen weiteren Studien mit Amitriptylin verglichen worden. Diese Studien umfassten jeweils 30 bis 100 Patienten und wurden nach ähnlichen Protokollen durchgeführt wie die erwähnte Studie mit Imipramin. Eine initiale Tagesdosis von 20 mg wurde innerhalb von zwei bis drei Wochen meistens auf 60 bis 80 mg gesteigert. In der Gesamtbeurteilung ergaben sich keine wesentlichen Differenzen zwischen Fluoxetin und Amitriptylin. Schlafstörungen wurden allerdings von Fluoxetin weniger gut beeinflusst als vom Vergleichsmedikament. In der Beurteilung durch die Patienten jedoch war Amitriptylin das wirksamere Medikament.

Vergleiche mit Paroxetin: In einer multizentrischen Studie erhielten 178 hospitalisierte Patienten 20mg Paroxetin oder 20mg Fluoxetin täglich. Beide Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) erbrachten eine ähnliche antidepressive Wirkung.

Vergleich mit Reboxetin: 128 Personen verordnete man während acht Wochen Reboxetin (8 bis 10 mg/Tag) oder Fluoxetin (20 bis 40 mg/Tag). Unter Reboxetin besserten sich die depressiven Symptome auf der HAM-D-Skala um 19,2, unter Fluoxetin um 16,8 Punkte; dieser Unterschied ist nicht signifikant. Auch Ansprech- und Remissionsraten waren in beiden Gruppen gleich.

In einer anderen, placebokontrollierten Studie mit 381 Personen waren Reboxetin (8 bis 10 mg/Tag) und Fluoxetin (20 bis 40 mg/Tag) ebenfalls praktisch gleichwertig. Die Studie gilt jedoch als umstritten, da die Hersteller von Reboxetin eine eigene Depressionsskala verwendet haben.

Vergleich mit Sertralin: In deiner achtwöchigen Doppelblindstudie erhielten 48 Personen Sertralin (mittlere Dosis: 72mg/Tag) und 40 Fluoxetin (mittlere Dosis: 28 mg/Tag). In beiden Gruppen konnte schon nach einer Woche eine deutliche Besserung der Depression festgestellt werden. Ein signifikanter Unterschied zwischen Fluoxetin und Sertralin fand sich während der ganzen Studie nicht.

Vergleich mit Venlafaxin: In einer multizentrischen Doppelblindstudie wurde Venlafaxin mit Fluoxetin verglichen. Für diese Studie wurden 68 hospitalisierte Patienten mit «melancholischer» Depression ausgewählt. Diese Patienten erhielten täglich entweder 200 mg Venlafaxin oder 40 mg Fluoxetin. Die Beurteilung erfolgte nach den drei Skalen MADRS, HAM-D und CGI; die Patienten wurden insgesamt sechs Wochen behandelt und während dieser Zeit siebenmal untersucht. Gegenüber den Ausgangswerten konnte schon nach wenigen Tagen unter beiden Medikamenten eine deutliche Besserung gezeigt werden. Venlafaxin war bei allen Untersuchungsdaten Fluoxetin überlegen; dieser Unterschied erreichte jedoch erst nach vier und sechs Wochen statistische Signifikanz. Es scheint also, dass Venlafaxin – ähnlich wie die trizyklischen Antidepressiva – bei dieser besonders schweren Form der Depression wirksamer ist als Fluoxetin.

Vergleich mit Agomelatin: In einer 8-wöchigen Doppelblindstudie mit 515 Behandelten wurde Fluoxetin (20-40mg/Tag) mit Agomelatin (25-50mg/Tag) verglichen. In dieser Studie hatte es keine Placebogruppe. Am Studienende war der HAM-D17-Wert unter Agomelatin – statistisch signifikant – um 1,49 niedriger als unter Fluoxetin. In Bezug auf die Zahl der Responder fand sich kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Agomelatin hatte insbesondere eine vorteilhafte Wirkung auf den Schlaf.

Vergleich mit Milnacipran: In einer Vergleichsstudie zwischen Milnacipran (100mg/Tag) und Fluoxetin (20mg/Tag) sprachen mehr Personen auf Milnacipran an. Konkret waren es 61% und bei Fluoxetin nur 49%.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden!

share it!Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+
Zur Werkzeugleiste springen