Die graphische und inhaltliche Aktualisierung dieser Seite wurde aufgrund dessen eingestellt, da das Medikament entweder sehr selten gebraucht wird oder ausser Handel ist.

Antidepressivum (SSRI) | Indikation: Depression und Zwangsstörung
Handelsnamen: Fevarin, Flox-Ex & Floxyfral

Allgemeine Informationen

Fluvoxamin wurde vom Chemieunternehmen Solvay entwickelt und 1984 zunächst in der Schweiz eingeführt. Die Markteinführung in den USA und Japan erfolgte wenig später. Das Medikament wird unter den Handelsnamen Fevarin, Flox-Ex und Floxyfral vertrieben. Ein weiterer Name ist Lovox, auch als Generikum ist es erhältlich.

Fluvoxamin ist ein Antidepressivum und gehört zur Gruppe der „selektiven Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer“ (SSRI). Zugelassen ist es ab dem 18. Altersjahr zur Behandlung von Depressionen und bereits ab dem 8. Altersjahr zur Behandlung von Zwangsstörungen. Bezüglich der Fahrtüchtigkeit und dem Bedienen von Maschinen gibt es keine Einschränkungen. Dennoch sollten Sie zunächst abwarten um zu sehen, wie Sie auf das Medikament reagieren.

Fluvoxamin unterscheidet sich durch seine chemische Struktur von den meisten anderen SSRI. Dennoch wirkt es genauso wie alle anderen SSRI, indem es nur selektiv die Wiederaufnahme von Serotonin hemmt, jedoch die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Dopamin so gut wie nicht beeinflusst. Auch hat es kaum anticholinerge oder antihistaminische Eigenschaften.

Eine Besonderheit von Fluvoxamin ist seine hohe Affinität zu dem σ-Rezeptor, was besonders bei der Behandlung von wahnhaften Depressionen oder stark angstbesetzten Depressionen von Vorteil ist.

Im off-lable use wird es selten auch gegen Angststörungen eingesetzt.

Studien

Vergleich mit Placebo: Für die Studie wurden 128 Kinder im Alter von 6 bis 17 Jahren ausgewählt, die an einer sozialen Phobie, krankhaften Trennungsängsten oder generalisierten Ängsten litten und bei denen eine dreiwöchige psychologische Behandlung keinen Erfolg zeigte. Die Kinder erhielten randomisiert während acht Wochen Fluvoxamin (bis zu maximal 300 mg/Tag) oder ein Placebo. Zur Beurteilung der Krankheit wurden verschiedene psychiatrische Mess-Skalen wie die Pediatric Anxiety Rating Scale (0 bis 25 Punkte; die hohen Punkte zeigen die starken Ängste an) und die Clinical Global Impressions-Improvement Scale zu Grunde gelegt.

Die zweimonatige Therapie mit Fluvoxamin zeigte einen deutlichen Erfolg: So sank bei den Kindern der mit Fluvoxamin das Ausmass der Angst um 9,7 Punkte (beurteilt nach der Pediatric Anxiety Rating Scale), bei den Kindern der Vergleichsgruppe um 3,1 Punkte (p kleiner als 0,001). Beurteilte man die Therapie nach der Clinical Global Impressions-Improvement Scale, so sprachen 76% der Verumgruppe auf die Therapie an, in der Vergleichsgruppe waren es hingegen nur 29% (p kleiner als 0,001).

Vergleich mit Clomipramin: Gemäss einer 10 Wöchengen Studie von 1996 wirkt Fluvoxamin (255mg/Tag) bei Zwangsstörungen gleich gut wie Clomipramin (201mg/Tag).

 

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1-2x täglich unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung Kinder: 25-100 mg (bei hoher Dosis in 2 Gaben)
Dosierung Jugendliche: 50-200mg (bei hoher Dosis in 2 Gaben)
Dosierung Erwachsene: 100-300mg (bei hoher Dosis in 2 Gaben).

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 3-8 Stunden

Halbwertszeit: nach 15 Stunden

Bioverfügbarkeit: 53%

Wirkungseintritt: nach 2-4 Wochen bei Depressionen / 3-5 Wochen bei Zwangsstörungen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) varieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): keine

Häufig (1-10%): Magersucht, Erregung, Angst, Benommenheit, Schlaflosigkeit, Zittern, Bewusstseinsstörungen, Nervosität, Kopfschmerzen, Herzklopfen, Herzrasen, Bauchchmerz, Verstopfung, Durchfall, Mundtrockenheit, Verdauungsstörungen, Übelkeit, Erbrechen, vermehrtes Schwitzen, Kraftlosigkeit, Unwohlsein.

Gelegentlich (0.1-1%): Halluzinationen, Verwirrung, Aggression, Störung der Bewegungskoordination, Störung des Bewegungsablaufes, Blutdruckprobleme, Überempfindlichkeitsreaktionen wie z.B. Ausschläge oder Ödeme, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Libidoverlust,

Selten (0.01-0.1%): Manie, Krämpfe, Leberfunktionsstörungen, Lichtempfindlichkeit, Austreten von Milch aus der weiblichen Brust ohne Schwangerschaft/Stillzeit.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
  • gleichzeitig mit Tizanidin, Agomelatin oder Ramelteon
  • 7 Tage vor, während und bis 2 Wochen nach irreversiblen MAO-Hemmern
  • 7 Tage vor, während und bis 1 Tag nach reversiblen MAO-Hemmern
  • Schwangerschaft & Stillzeit

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Schwangerschaft & Stillzeit

Fluvoxamin sollte während der Schwangerschaft nur verabreicht werden, wenn es zwingend erforderlich ist.

Nach Einnahme von Fluvoxamin bzw. anderen SSRI’s am Ende der Schwangerschaft, traten bei einigen Neugeborenen folgende Absetzsymptome auf: Ess- und Schlafstörungen, Atmungsschwierigkeiten, bläuliche Verfärbung der Haut, Atemunterbrüche, Krampfanfälle, Temperaturschwankungen, zu niederiger Blutzuckerspiegel, Tremor, abnormale Muskelspannungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Erbrechen, abnormale Irritabilität, Überspanntheit, Lethargie, Schläfrigkeit und anhaltendes Weinen.

Eine SSRI-Exposition in der späten Schwangerschaft kann das Risiko für eine persistierende pulmonale Hypertonie beim Neugeborenen (PPHN) erhöhen.

Fluvoxamin tritt in die Muttermilch über. Es wird angenommen, dass das gestillte Kind ca. 5% der täglichen Dosis der Mutter erhält. Falls eine Behandlung mit Fluvoxamin notwendig ist, soll abgestillt werden.

share it!Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+
Zur Werkzeugleiste springen