Anxiolytika (Antihistaminika) | Handelsnamen: Atarax, AH3 sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Der Wirkstoff Hydroxyzin stammt aus der Gruppe der Histamin-H1-Antagonisten und ist somit ein Antihistaminikum der ersten Generation (Markteinführung in den 1950er Jahren). Es wird primär unter dem Handelsnamen Atarax vertrieben, allerdings sind auch diverse Generika erhältlich.

Zugelassen ist Hydroxyzin zur Behandlung von Angststörungen und Pruritus (Juckreiz) bei Erwachsenen und Kindern (ab 12 Monaten). Es wurden keine Studien zur Auswirkung auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen durchgeführt. Hydroxyzin kann Müdigkeit, Schwindel, Sedierung und Sehstörungen verursachen und dadurch, insbesondere in höheren Dosen, einen mässigen bis starken Einfluss auf die Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit ausüben. Die gleichzeitige Einnahme mit Alkohol ist generell zu vermeiden.

Biologisch gesehen beeinflusst der Arzneistoff als klinisch wirksamer Antagonist die Botenstoffsysteme Histamin H1, Serotonin 5-HT2, Dopamin D1/D2 und die α1-Adrenozeptoren im Gehirn und im übrigen Körper.

Heute gehört Hydroxyzin nicht mehr zu den Mitteln erster Wahl bei Angststörungen und wird vor allem dann verwendet, wenn die Therapie mit anderen Arzneimitteln fehl schlug.

 

Indikation
  • Angststörungen
  • Pruritus (Juckreiz)

 

Die Indikation richtet sich nach den Fachinformationen für Ärzte des Schweizer Arzneimittelkompendiums. Fachinformationen des Deutschen bzw. Österreichischen Kompendiums sind für uns und auch die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Gemäss unserer Recherchen decken sich die Angaben der deutschsprachigen Arzneimittelkompendien weitgehend.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 3x täglich unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 50-100mg (pro Tag)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuell festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Hydroxyzin muss langsam „eingeschlichen“ werden. Das heisst, dass im Normalfall mit der niedrigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 2 Stunden

Halbwertszeit: 9-17 Stunden

Bioverfügbarkeit: 80%

Wirkungseintritt: nach 1-5 Tagen (bei Juckreiz früher)

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

 

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Bewusstseinsstörungen

Häufig (1-10%): Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Müdigkeit.

Zusätzlich zu den Nebenwirkungen, die während klinischer Studien berichtet wurden und oben aufgeführt sind, sind folgende Nebenwirkungen in der Zeit nach der Zulassung aufgetreten. Eine zuverlässige Schätzung der Häufigkeit ihres Auftretens ist nicht möglich: Hypersensitivitätsreaktion, anaphylaktischer Schock, Erregungszustände, Verwirrtheit, Desorientierung, Halluzinationen, Krampfanfälle, Störung der Bewegungsabläufe, Bewusstseinsverlust, Akkommodationsstörungen, verschwommenes Sehen, Erhöhung des Augeninnendrucks, Herzrasen, Verlängerung der QT-Zeit, Herzrhythmusstörungen, niedriger Blutdruck, Bronchospasmen (Verkrampfen der Muskeln, welche die Atemwege umgeben), Übelkeit, Verstopfungen, Erbrechen, Gelbsucht, Hauterkrankungen (verstärkter Juckreiz, Ausschläge, Nesselsucht etc.) Ödeme, erhöhte Schweissbildung, Harnverhalt, Unbehagen, Fieber.

 

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • bekannter Überempfindlichkeit auf Hydroxyzin-dihydrochlorid, Cetirizin und anderen Piperazinderivaten, Aminophyllin oder Ethylendiamin oder einem Hilfsstoff gemäss Zusammensetzung
  • schwerer Leber- oder Niereninsuffizienz
  • Prostataadenom mit Restharnbildung
  • Engwinkelglaukom
  • an Porphyrie erkrankten Patienten
  • Kindern unter 1 Jahr
  • gleichzeitiger Therapie mit MAO–Hemmern
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Patienten mit vorbestehender erworbener oder kongenitaler Verlängerung des QT-Intervalls
  • Patienten mit vorbestehendem Risikofaktor einer Verlängerung des QT-Intervalls, einschliesslich einer vorbestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankung, einem erheblich gestörten Elektrolytgleichgewicht (Hypokaliämie, Magnesiummangel), plötzlichem Herztod in der Familienvorgeschichte, einer signifikanten Bradykardie, bei konkomitanter Gabe von Arzneimitteln, von denen bekannt ist, dass sie das QT-Intervall verlängern und/oder eine Torsade de Pointes verursachen

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Die Wirkung von Atarax wird durch Alkohol verstärkt.

Bei Anwendung gemeinsam mit anderen Arzneimitteln mit zentral Nervensystem dämpfenden oder anticholinergen Eigenschaften ist die verstärkende Wirkung von Hydroxyzin zu berücksichtigen. Die Dosis sollte individuell angepasst werden.

Durch die gleichzeitige Einnahme von Hemmstoffen der Monoaminoxidase (MAO-Hemmer) kann die anticholinerge Wirkung von Hydroxyzin ebenfalls verstärkt werden. Dies kann sich z. Bsp. durch paralytischen Ileus, Harnretention oder Glaukomanfall äussern. Durch kombinierte Anwendung von Hydroxyzinmit MAO–Hemmern kann es ausserdem zu Hypotension und einer verstärkten Depression von ZNS und Atemfunktion kommen, so dass von einer gleichzeitigen Therapie mit beiden Substanzen Abstand zu nehmen ist.

Hydroxyzin antagonisiert die Wirkung von Betahistin und Cholinergika.

Hydroxyzin wirkt dem pressorischen Effekt von Adrenalin entgegen.

Bei gleichzeitiger Gabe von Hydroxyzin und Phenytoin wird die Phenytoin-Wirkung abgeschwächt.

Bei gleichzeitiger Gabe von Cimetidin (2× 600 mg täglich) wird die Plasmakonzentration von Hydroxyzin um 36% erhöht, während der maximale Plasmaspiegel des Metaboliten Cetirizin um 20% verringert wird.

Hydroxyzin ist ein CYP 2D6-Inhibitor und kann daher in hohen Dosen Wechselwirkungen mit CYP 2D6-Substraten (z.B. Fluoxetin) verursachen.

Die Anwendung von Hydroxyzin mit Antihypertensiva kann zu einer verstärkten Sedierung führen.

Die gleichzeitige Verabreichung von Hydroxyzin mit Arzneimitteln, von denen bekannt ist, dass sie die QT-Zeit verlängern und/oder Torsade de Pointes auslösen, wie z.B. Antiarrhythmika der Klasse IA (z.B. Chinidin. Disopyramid) und der Klasse III (Amiodaron, Sotalol), einige Antihistamine, einige Neuroleptika, einige Antidepressiva (z.B. Citalopram, Escitalopram), einige Arzneimittel zur Prophylaxe und Behandlung von Malaria (z.B. Mefloquin und Hydroxychloroquin), einige Antibiotika (z.B. Erythromycin, Levofloxacin, Moxifloxacin), einige antimykotische Wirkstoffe (z.B. Pentamidin), einige Medikamente zur Behandlung von Gastrointestinalerkrankungen, einige Medikamente zur Krebsbehandlung (Toremifen, Vandetanib), Methadon, erhöhen das Risiko von kardialer Arrhythmie. Daher ist die Kombination kontraindiziert.

Vorsicht ist bei Arzneimitteln geboten, die eine Bradykardie und Hypokaliämie auslösen können.

Schwangerschaft & Stillzeit

In Neugeborenen, deren Mütter Hydroxyzin während der späten Schwangerschaft und/oder während der Geburt erhielten, wurde gleich nach der Geburt oder erst einige Stunden danach niedriger Blutdruck, Bewegungsstörungen, Krampfbewegungen, Dämpfung des ZNS, Sauerstoffmangel und/oder Harnverhalt beobachtet.

In einer Studie wurde bei Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft Hydroxyzin erhalten hatten, im Alter von 5 Jahren eine gestörte Entwicklung des Wahrnehmungsempfindens beobachtet.

Aus diesen Gründen ist Hydroxyzin während der Schwangerschaft und des Geburtsvorgangs sowie in Anbetracht der nicht vitalen Indikationen kontraindiziert.

Cetirizin, der Hauptmetabolit von Hydroxyzin, geht in die Muttermilch über. Obwohl keine konkreten Studien zum Übergang von Hydroxyzin in die Muttermilch durchgeführt wurden, haben gestillte Neugeborene/Säuglinge von Müttern, die mit Hydroxyzin behandelt wurden, schwere Nebenwirkungen gezeigt.

Aus diesem Grund ist Hydroxyzin während der Stillzeit kontraindiziert. Das Stillen muss sofort unterbrochen werden, wenn eine Behandlung mit Hydroxyzin erforderlich sein sollte.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.