Imipramin

trizyklisches Antidepressivum | Handelsnamen: Tofranil sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Imipramin war der erste moderne Arzneistoff zur Behandlung von Depressionen überhaupt und wurde zum Prototyp einer ganzen Klasse von Psychopharmaka. Entwickler und Hersteller war der Schweizer Konzern Geigy (heute Novartis). Die Markteinführung erfolgte 1958.

Das Medikament ist ein trizyklisches Antiderpressivum (Trizyklika), genauer ein nicht-selektiver Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer. Es wird unter dem Handelsnamen Torfranil vertrieben, auch als Generikum ist es erhältlich. Zugelassen ist es zur Behandlung von Depressionen, chronischen Schmerzen, Bettnässen und nächtlichen Angstanfällen. Schlaffördernd wirkt es in der Regel nicht, dennoch kann die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen durch Imipramin beeinträchtigt werden. Zugelassen ist das Medikament ab dem 18. Altersjahr. Die Wirkung von Alkohol kann durch Imipramin verstärkt werden, weshalb die Einnahme von Alkohol während der Behandlung zu vermeiden ist. ​

Als Antidepressivum war es eine Zufallsentdeckung. Der Psychiater Roland Kuhn wollte es im Jahre 1957 als Neuroleptikum bei Schizophreniekranken einsetzen. Bei der klinischen Erprobung stellte man fest, dass es für diesen Zweck untauglich war, jedoch gegen depressive Symptome gut wirkte.

Indikation
  • Depression
  • Chronische Schmerzen
  • Bettnässen
  • Nächtliche Angstanfälle
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 2-3x täglich unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Zieldosis: 50-300mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 2-3 Stunden

Halbwertszeit: 6-19 Stunden

Bioverfügbarkeit: 25-50%

Wirkungseintritt: nach 2-4 Wochen täglicher Einnahme

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%): Benommenheit, Zittern (Tremor), Schwindel, Mundtrockenheit, verstopfte Nase, Schwitzen, verschwommenes Sehen, Hitzewallungen, Verstopfungen, niedriger Blutdruck, schneller Puls, EKG-Veränderungen, Anstieg der Leberenzyme, Gewichtszunahme.

Häufig (1-10%): Müdigkeit, Schlafstörungen, innere Unruhe, Angstzustände, Hypomanie/Manie, Verwirrtheit, Desorientierung, Halluzinationen, Missempfindungen der Haut (Taubheitsgefühl, Kribbeln etc.), verzögertes Wasserlassen, Herzrhythmusstörungen, Reizleitungsstörungen (Herz), Herzstolpern, Übelkeit, Durst, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Hautausschlag, Nesselsucht, sexuelle Funktionsstörungen (inkl. Libidoverlust).

Gelegentlich (0.1-1%): Psychosen, Krampfanfälle, Harnverhalt, Kollaps, Herzleistungsschwäche, Darmverschluss, Leberfunktionsstörungen, Milchfluss ohne Schwangerschaft/Stillzeit, veränderter Blutwert (Leukopenie).

Selten (0.01-0.1%): Aggression, motorische Unruhe, Bewegungsstörungen, EEG-Veränderungen, Muskelkrämpfe, Schwächeanfälle, Sprachstörungen, Nervenschmerzen, Fieber, grosse Pupillen, grüner Star, hoher Blutdruck, Gefässverengungen in Armen und Beinen, Bauchschmerzen, Entzündung der Rachenschleimhaut, Leberentzündung (inkl. Gelbsucht), Juckreiz, Ödeme, SIADH, erhöhter Blutzucker, niedriger Blutzucker, Gewichtsabnahme, Brustdrüsenvergrösserung bei Männern, Lungenentzündung, Tinnitus.

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen/Einzelfälle/Häufigkeit unbekannt): Hyperpigmentierung der Haut, Suizidgedanken, Absetzsymptome, erhöhtes Risiko für Knochenbrüche.

Warnung: Eine gravierendere Nebenwirkung vor allem zu Beginn der Einnahme oder bei einer Dosiserhöhung kann das Auftreten bzw. die Verstärkung von Suizidgedanken sein. Suizidalität als vorübergehende Nebenwirkung ist bei tri- und tetrazyklischen Antidepressiva nicht die Regel, kann jedoch auch nicht vollständig ausgeschlossen werden. Wenden Sie sich gesetztenfalls sofort an einen Arzt!

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Einige Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Imipramin:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Imipramin-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen), Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen).
  • Wenn Sie kürzlich einen Herzinfarkt hatten oder an einer schweren Herzkrankheit leiden.
  • Bei akuter Alkohol-, Schlafmittel-, Schmerzmittel- und Psychopharmaka-Vergiftungen
  • Wenn sie unter Harnverhalt (Unvermögen Wasser zu lassen) leiden.
  • Bei akuten Delirien (Verwirrtheits- und Erregungszustände mit Sinnestäuschungen und z. T. schweren körperlichen Störungen). 
  • Bei unbehandeltem erhöhtem Augeninnendruck (Engwinkelglaukom).
  • Bei Vergrößerung der Vorsteherdrüse mit Restharnbildung (Prostatahypertrophie mit Restharnbildung).
  • Bei Verengung des Magenausgangs (Pylorusstenose).
  • Bei Darmlähmung (paralytischer Ileus).

 

Bei der Einnahme von Imipramin ist Vorsicht geboten…

  • Wenn Sie eine Vergrösserung der Vorsteherdrüse ohne Restharnbildung (Prostatahypertrophie ohne Restharnbildung) aufweisen.
  • Wenn Sie unter einer Störungen der Blutbildung leiden.
  • Wenn Sie unter Nebennierenmarktumoren (Phäochromozytom, Neuroblastom) leiden.
  • Wenn Sie an einer Leber- oder Nierenfunktionsstörung leiden.
  • Wenn Sie an Epilepsie (Anfallserkrankungen) leiden oder früher Krampfanfälle hatten.
  • Wenn Sie unter Herzbeschwerden leiden.

 

Imipramin soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Andere Antidepressiva (inkl. Johannniskraut)
  • Medikamenten zur Regulierung des Herzschlags (Antiarrhythmika)
  • Neuroleptika
  • Cimetidin (Mittel gegen Magengeschwüre)
  • Antiepileptika
  • Barbituriate
  • Hormonelle Empfängnisverhütung („Pille“)
  • Medikamente die Östrogen enthaltenden
  • Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung (Antikoagulantien, Coumarin-Derivate)
  • Phenothiazine (eine Gruppe der Psychopharmaka)
  • Antiparkinsonmittel
  • H1-Antihistaminika (als Schlafmittel und gegen Allergien verwendet)
  • Atropin (u.a. in Augentropfen enthalten)
  • Methylphenidat (z.B. Ritalin)
  • Katecholamine
  • Thioridazin
  • Antihypertensiva wie beispielsweise Guanethidin, Betanidin, Clonidin, Reserpin oder Alpha-Methyldopa
  • Schilddrüsenhormone

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

Schwangerschaft & Stillzeit

Die Erfahrungen mit Imipramin in der Schwangerschaft sind begrenzt. Da in Einzelfällen über einen möglichen Zusammenhang zwischen Imipramin und nachteiligen Effekten auf den Fötus berichtet wurde, ist die Anwendung von Imipramin während der Schwangerschaft zu vermeiden und nur bei zwingender Indikation in Betracht zu ziehen, wenn keine Alternative mit geringerem Risiko existiert.

Neugeborene, deren Mütter bis zur Geburt Imipramin eingenommen hatten, zeigten in den ersten Stunden oder Tagen Symptome wie Atemstörungen, Lethargie, Koliken, Reizbarkeit, zu hoher oder zu tiefer Blutdruck, Zittern oder Krämpfe. Zur Vermeidung dieser Symptome sollte Imipramin – soweit vertretbar – mindestens 7 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin abgesetzt werden.

Imipramin tritt in kleinen Mengen in die Muttermilch über. Da über die klinische Relevanz für den Säugling nichts bekannt ist, sollte abgestillt oder das Medikament abgesetzt werden.

Studien

Vergleich mit Fluoxetin: In einer grossen Studie wurde -in fünf Zentren- bei insgesamt 540 Personen die Wirkung von Fluoxetin, Imipramin und Placebo verglichen. Die mit Fluoxetin behandelten Patienten erhielten fast alle 60 oder 80 mg täglich; die entsprechenden Imipramin- Dosen betrugen 125 bis 300 mg/Tag. Nach sechs Wochen unterschieden sich Fluoxetin und Imipramin in der Gesamtbewertung nicht voneinander, waren aber beide signifikant besser antidepressiv wirksam als Placebo. Schlafstörungen und Angst wurden von Fluoxetin jedoch nicht besser als von Placebo beeinflusst.

Vergleich mit Paroxetin: In sechs placebokontrollierten Studien wurde Imipramin bei insgesamt 645 Patienten mit Paroxetin verglichen. Die zwischen 18 und 65 Jahre alten Patienten erhielten nach einer Placeboperiode Paroxetin (10 bis 50 mg/Tag), Imipramin (65 bis 275 mg/Tag) oder Placebo. In vier der sechs Studien ergab sich eine gleichwertige antidepressive Wirkung von Imipramin und Paroxetin.

In einer weiteren Studie waren zwar beide Medikamente dem Placebo überlegen, Imipramin zeigte sich aber gemäss den meisten Bewertungsskalen signifikant wirksamer als Paroxetin. Von 118 behandelten Patienten sprachen 48% aus der Paroxetingruppe auf die Therapie an, in der Imipramingruppe waren es 64% und in der Placebogruppe 33%.4 In der Gesamtbeurteilung der sechs Studien zeichnete sich Paroxetin gegenüber Imipramin durch eine tendenziell früher einsetzende Wirkung aus, insbesondere auch in der Beeinflussung von begleitenden Angstsymptomen.

Vergleich mit Reboxetin: In einer sechswöchigen Studie wurde Reboxetin (8 bis 10 mg/Tag) oder Imipramin (150 bis 200 mg/Tag) verabreicht. Von 256 Behandelten brachen in beiden Gruppen rund ein Viertel die Studie vorzeitig ab. Unter Reboxetin fiel die durchschnittliche Punktezahl auf der HAM-D-Skala von 29 auf 10, unter Imipramin von 28 auf 10. Mit Reboxetin erzielte man eine Ansprechrate von 69% und eine Remissionsrate von 52%; mit Imipramin waren es 56% und 46%. Diese Unterschiede sind nicht signifikant, und auch in Bezug auf andere Parameter wirkten beide Mittel gleich gut.

Vergleich mit Venlafaxin: In einer  sechs Wochen dauernden Doppelblindstudie erhielten 224 ambulante Patienten mit «Major Depression» Venlafaxin, Imipramin oder Placebo. Als Beurteilungsgrundlage dienten die vier Beurteilungsskalen HAM-D, MADRS, CGI und HSCL. Die Medikamente wurden dreimal täglich eingenommen und im Verlauf der ersten zwei Wochen (soweit verträglich) allmählich gesteigert. Von der dritten Woche an betrug die Venlafaxin-Tagesdosis durchschnittlich etwa 175 mg, die Imipramin-Tagesdosis etwa 170 mg. Sowohl Venlafaxin als auch Imipramin führten zu einer gegenüber Placebo signifikanten Abnahme der Punktezahl in den verschiedenen Skalen. Dagegen ergab sich kein eindeutiger Unterschied zwischen Venlafaxin und Imipramin. Über ein Drittel der aktiv Behandelten brach die Studie vorzeitig ab; dies erfolgte in der Imipramin-Gruppe deutlich häufiger wegen unerwünschten Wirkungen.

Venlafaxin ist auch in einer Langzeit-Doppelblindstudie mit Imipramin verglichen worden. Auch hier handelte es sich um Personen mit «Major Depression». 290 Patienten erhielten Venlafaxin, 91 Imipramin. Die Tagesdosen der verwendeten Medikamente konnten zwischen 75 und 225 mg betragen. In dieser Studie galt das Hauptinteresse den unerwünschten Wirkungen. Nur 30% der mit Venlafaxin und 20% der mit Imipramin Behandelten beendeten die Studie planmässig erst nach einem vollen Jahr; schon nach einem Vierteljahr hatte rund die Hälfte der Patienten die Studie verlassen. Unerwünschte Wirkungen waren jedoch in beiden Gruppen nur bei etwa einem Drittel der Patienten für den Abbruch verantwortlich. Die antidepressive Wirksamkeit wurde mit der CGI-Skala beurteilt; es ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Medikamenten.

Vergleich mit Mirtazapin: Bei 107 hospitalisierten Kranken mit einer schweren Depression wurde die Wirksamkeit von Imipramin mit derjenigen von Mirtazapin verglichen, und zwar 2 und 4 Wochen nachdem vordefinierte Plasmaspiegel erreicht worden waren. Die mittlere Dosierung von Mirtazapin betrug 77 mg/Tag, diejenige von Imipramin 235 mg/Tag. Imipramin war in dieser Studie signifikant wirksamer: 50% der mit Imipramin Behandelten, aber nur 22% der mit Mirtazapin Behandelten sprachen auf die Therapie an.

Vergleich mit Moclobemid: In einer doppelblinden Multizenterstudie, die sich über 6 Wochen erstreckte, bekamen 466 Patienten mit endogener oder reaktiver Depression sowie mit manisch- depressiver Krankheit entweder Moclobemid, Imipramin oder Placebo. Durchschnittliche Tagesdosen von 509 mg Moclobemid respektive 159 mg Imipramin bewirkten eine vergleichbare Zustandsverbesserung: bei rund 70% der Patienten wurde das Ergebnis als gut bis sehr gut taxiert. Beide Medikamente erwiesen sich gegenüber Placebo als signifikant überlegen.

Eine andere Multizenterstudie (359 Patienten) bestätigte, dass Moclobemid bei endogener wie bei nicht-endogener Depression ebenso wirksam ist wie Imipramin: Nach 4 Wochen hatten bei beiden Medikamenten knapp 60% der Patienten auf die Therapie angesprochen (Senkung der Gesamtpunktzahl in der Hamilton-Skala um mindestens 50%).

Verleich mit Milnacipran: Bei einer Methaanalyse der Vergleichsstudien zwischen Milnacipran und Imipramin bei hostpitalisierten Patienten mit major Depression, fand sich eine ähnlich gute Wirksamkeit. Rund 66% sprachen auf Imipramin an, ca. 64% auf das Milnacipran. Die Remissionsrate (nahzu vollstände Beseitigung aller Sympome) war mit 41 % bei Imipramin und 38% bei Milnacipran jedoch einiges geringer.

Vergleich mit Tianeptin: In zwei Studien zeigte sich eine vergleichbare Wirksamkeit zwischen Imipramin und Tianeptin.

Vergleich mit Johanniskraut: In einer Multizenter-Doppelblindstudie wurde Johanniskraut (LI 160) mit Imipramin (Tofranil®) verglichen. 135 ambulante Patienten erhielten während sechs Wochen entweder LI 160 (3x 300 mg/Tag) oder Imipramin (3x 25 mg/Tag). Als Aufnahmekriterien galten verschiedene depressive Zustandsbilder. Die Wirkung der Behandlung wurde anhand von drei Depressions-Skalen (Fremd- und Selbstbeurteilung) beurteilt. Zu Beginn der Studie betrug der Punktewert auf der Hamilton-Skala in beiden Gruppen durchschnittlich ungefähr 20. Während der Studie konnte in beiden Gruppen eine vergleichbare allmähliche Besserung des Zustandes beobachtet werden. Am Ende der Studie hatten LI-160-Behandelte auf der Hamilton-Skala durchschnittlich noch eine Punktzahl von 8,8, die Imipramin-Behandelten eine Punktzahl von 10,7 (kein signifikanter Unterschied).

Gemäss vorläufigen Berichten ist LI 160 ferner in einer Doppelblindstudie bei 209 Personen mit schwerer Depression (Hamilton-Punktezahl über 20) in einer höheren Dosis (3x 600 mg/Tag) mit Imipramin (3mal 50 mg/Tag) verglichen worden. Beide Medikamente waren wirksam, Imipramin tendenziell besser.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.

Imipramin

trizyklisches Antidepressivum | Handelsnamen: Tofranil sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Imipramin war der erste moderne Arzneistoff zur Behandlung von Depressionen überhaupt und wurde zum Prototyp einer ganzen Klasse von Psychopharmaka. Entwickler und Hersteller war der Schweizer Konzern Geigy (heute Novartis). Die Markteinführung erfolgte 1958.

Das Medikament ist ein trizyklisches Antiderpressivum (Trizyklika), genauer ein nicht-selektiver Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer. Es wird unter dem Handelsnamen Torfranil vertrieben, auch als Generikum ist es erhältlich. Zugelassen ist es zur Behandlung von Depressionen, chronischen Schmerzen, Bettnässen und nächtlichen Angstanfällen. Schlaffördernd wirkt es in der Regel nicht, dennoch kann die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen durch Imipramin beeinträchtigt werden. Zugelassen ist das Medikament ab dem 18. Altersjahr. Die Wirkung von Alkohol kann durch Imipramin verstärkt werden, weshalb die Einnahme von Alkohol während der Behandlung zu vermeiden ist. ​

Als Antidepressivum war es eine Zufallsentdeckung. Der Psychiater Roland Kuhn wollte es im Jahre 1957 als Neuroleptikum bei Schizophreniekranken einsetzen. Bei der klinischen Erprobung stellte man fest, dass es für diesen Zweck untauglich war, jedoch gegen depressive Symptome gut wirkte.

Indikation
  • Depression
  • Chronische Schmerzen
  • Bettnässen
  • Nächtliche Angstanfälle
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 2-3x täglich.
Die Einnahme muss täglich erfolgen.

Zieldosis: 50-300mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: 2-3 Stunden

Halbwertszeit: 6-19 Stunden

Bioverfügbarkeit: 25-50%

Wirkungseintritt: 2-4 Wochen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%):

  • Benommenheit
  • Zittern (Tremor)
  • Schwindel
  • Mundtrockenheit
  • Verstopfte Nase
  • Schwitzen
  • Verschwommenes Sehen
  • Hitzewallungen
  • Verstopfungen
  • Niedriger Blutdruck
  • Schneller Puls
  • EKG-Veränderungen
  • Anstieg der Leberenzyme
  • Gewichtszunahme

Häufig (1-10%):

  • Müdigkeit
  • Schlafstörungen
  • Innere Unruhe
  • Angstzustände
  • Hypomanie/Manie
  • Verwirrtheit
  • Desorientierung
  • Halluzinationen
  • Missempfindungen der Haut (Taubheitsgefühl, Kribbeln etc.)
  • Verzögertes Wasserlassen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Reizleitungsstörungen (Herz)
  • Herzstolpern
  • Übelkeit
  • Durst
  • Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Hautausschlag
  • Nesselsucht
  • Sexuelle Funktionsstörungen (inkl. Libidoverlust)

Gelegentlich (0.1-1%):

  • Psychosen
  • Krampfanfälle
  • Harnverhalt
  • Kollaps
  • Herzleistungsschwäche
  • Darmverschluss
  • Leberfunktionsstörungen
  • Milchfluss ohne Schwangerschaft/Stillzeit
  • Veränderter Blutwert (Leukopenie)

Selten (0.01-0.1%):

  • Aggression
  • Motorische Unruhe
  • Bewegungsstörungen
  • EEG-Veränderungen
  • Muskelkrämpfe
  • Schwächeanfälle
  • Sprachstörungen
  • Nervenschmerzen
  • Fieber
  • Grosse Pupillen
  • Grüner Star
  • Hoher Blutdruck
  • Gefässverengungen in Armen und Beinen
  • Bauchschmerzen
  • Entzündung der Rachenschleimhaut
  • Leberentzündung (inkl. Gelbsucht)
  • Juckreiz
  • Ödeme
  • SIADH
  • Erhöhter Blutzucker
  • Niedriger Blutzucker
  • Gewichtsabnahme
  • Brustdrüsenvergrösserung bei Männern
  • Lungenentzündung
  • Tinnitus

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen / Einzelfälle / Häufigkeit unbekannt):

  • Hyperpigmentierung der Haut
  • Suizidgedanken
  • Absetzsymptome
  • Erhöhtes Risiko für Knochenbrüche

Warnung: Eine gravierendere Nebenwirkung vor allem zu Beginn der Einnahme oder bei einer Dosiserhöhung kann das Auftreten bzw. die Verstärkung von Suizidgedanken sein. Suizidalität als vorübergehende Nebenwirkung ist bei tri- und tetrazyklischen Antidepressiva nicht die Regel, kann jedoch auch nicht vollständig ausgeschlossen werden. Wenden Sie sich gesetztenfalls sofort an einen Arzt!

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Einige Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Imipramin:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Imipramin-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen), Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen).
  • Wenn Sie kürzlich einen Herzinfarkt hatten oder an einer schweren Herzkrankheit leiden.
  • Bei akuter Alkohol-, Schlafmittel-, Schmerzmittel- und Psychopharmaka-Vergiftungen
  • Wenn sie unter Harnverhalt (Unvermögen Wasser zu lassen) leiden.
  • Bei akuten Delirien (Verwirrtheits- und Erregungszustände mit Sinnestäuschungen und z. T. schweren körperlichen Störungen). 
  • Bei unbehandeltem erhöhtem Augeninnendruck (Engwinkelglaukom).
  • Bei Vergrößerung der Vorsteherdrüse mit Restharnbildung (Prostatahypertrophie mit Restharnbildung).
  • Bei Verengung des Magenausgangs (Pylorusstenose).
  • Bei Darmlähmung (paralytischer Ileus).

 

Bei der Einnahme von Imipramin ist Vorsicht geboten…

  • Wenn Sie eine Vergrösserung der Vorsteherdrüse ohne Restharnbildung (Prostatahypertrophie ohne Restharnbildung) aufweisen.
  • Wenn Sie unter einer Störungen der Blutbildung leiden.
  • Wenn Sie unter Nebennierenmarktumoren (Phäochromozytom, Neuroblastom) leiden.
  • Wenn Sie an einer Leber- oder Nierenfunktionsstörung leiden.
  • Wenn Sie an Epilepsie (Anfallserkrankungen) leiden oder früher Krampfanfälle hatten.
  • Wenn Sie unter Herzbeschwerden leiden.

 

Imipramin soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Andere Antidepressiva (inkl. Johannniskraut)
  • Medikamenten zur Regulierung des Herzschlags (Antiarrhythmika)
  • Neuroleptika
  • Cimetidin (Mittel gegen Magengeschwüre)
  • Antiepileptika
  • Barbituriate
  • Hormonelle Empfängnisverhütung („Pille“)
  • Medikamente die Östrogen enthaltenden
  • Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung (Antikoagulantien, Coumarin-Derivate)
  • Phenothiazine (eine Gruppe der Psychopharmaka)
  • Antiparkinsonmittel
  • H1-Antihistaminika (als Schlafmittel und gegen Allergien verwendet)
  • Atropin (u.a. in Augentropfen enthalten)
  • Methylphenidat (z.B. Ritalin)
  • Katecholamine
  • Thioridazin
  • Antihypertensiva wie beispielsweise Guanethidin, Betanidin, Clonidin, Reserpin oder Alpha-Methyldopa
  • Schilddrüsenhormone

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

Schwangerschaft & Stillzeit

Die Erfahrungen mit Imipramin in der Schwangerschaft sind begrenzt. Da in Einzelfällen über einen möglichen Zusammenhang zwischen Imipramin und nachteiligen Effekten auf den Fötus berichtet wurde, ist die Anwendung von Imipramin während der Schwangerschaft zu vermeiden und nur bei zwingender Indikation in Betracht zu ziehen, wenn keine Alternative mit geringerem Risiko existiert.

Neugeborene, deren Mütter bis zur Geburt Imipramin eingenommen hatten, zeigten in den ersten Stunden oder Tagen Symptome wie Atemstörungen, Lethargie, Koliken, Reizbarkeit, zu hoher oder zu tiefer Blutdruck, Zittern oder Krämpfe. Zur Vermeidung dieser Symptome sollte Imipramin – soweit vertretbar – mindestens 7 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin abgesetzt werden.

Imipramin tritt in kleinen Mengen in die Muttermilch über. Da über die klinische Relevanz für den Säugling nichts bekannt ist, sollte abgestillt oder das Medikament abgesetzt werden.

Studien

Vergleich mit Fluoxetin: In einer grossen Studie wurde -in fünf Zentren- bei insgesamt 540 Personen die Wirkung von Fluoxetin, Imipramin und Placebo verglichen. Die mit Fluoxetin behandelten Patienten erhielten fast alle 60 oder 80 mg täglich; die entsprechenden Imipramin- Dosen betrugen 125 bis 300 mg/Tag. Nach sechs Wochen unterschieden sich Fluoxetin und Imipramin in der Gesamtbewertung nicht voneinander, waren aber beide signifikant besser antidepressiv wirksam als Placebo. Schlafstörungen und Angst wurden von Fluoxetin jedoch nicht besser als von Placebo beeinflusst.

Vergleich mit Paroxetin: In sechs placebokontrollierten Studien wurde Imipramin bei insgesamt 645 Patienten mit Paroxetin verglichen. Die zwischen 18 und 65 Jahre alten Patienten erhielten nach einer Placeboperiode Paroxetin (10 bis 50 mg/Tag), Imipramin (65 bis 275 mg/Tag) oder Placebo. In vier der sechs Studien ergab sich eine gleichwertige antidepressive Wirkung von Imipramin und Paroxetin.

In einer weiteren Studie waren zwar beide Medikamente dem Placebo überlegen, Imipramin zeigte sich aber gemäss den meisten Bewertungsskalen signifikant wirksamer als Paroxetin. Von 118 behandelten Patienten sprachen 48% aus der Paroxetingruppe auf die Therapie an, in der Imipramingruppe waren es 64% und in der Placebogruppe 33%.4 In der Gesamtbeurteilung der sechs Studien zeichnete sich Paroxetin gegenüber Imipramin durch eine tendenziell früher einsetzende Wirkung aus, insbesondere auch in der Beeinflussung von begleitenden Angstsymptomen.

Vergleich mit Reboxetin: In einer sechswöchigen Studie wurde Reboxetin (8 bis 10 mg/Tag) oder Imipramin (150 bis 200 mg/Tag) verabreicht. Von 256 Behandelten brachen in beiden Gruppen rund ein Viertel die Studie vorzeitig ab. Unter Reboxetin fiel die durchschnittliche Punktezahl auf der HAM-D-Skala von 29 auf 10, unter Imipramin von 28 auf 10. Mit Reboxetin erzielte man eine Ansprechrate von 69% und eine Remissionsrate von 52%; mit Imipramin waren es 56% und 46%. Diese Unterschiede sind nicht signifikant, und auch in Bezug auf andere Parameter wirkten beide Mittel gleich gut.

Vergleich mit Venlafaxin: In einer  sechs Wochen dauernden Doppelblindstudie erhielten 224 ambulante Patienten mit «Major Depression» Venlafaxin, Imipramin oder Placebo. Als Beurteilungsgrundlage dienten die vier Beurteilungsskalen HAM-D, MADRS, CGI und HSCL. Die Medikamente wurden dreimal täglich eingenommen und im Verlauf der ersten zwei Wochen (soweit verträglich) allmählich gesteigert. Von der dritten Woche an betrug die Venlafaxin-Tagesdosis durchschnittlich etwa 175 mg, die Imipramin-Tagesdosis etwa 170 mg. Sowohl Venlafaxin als auch Imipramin führten zu einer gegenüber Placebo signifikanten Abnahme der Punktezahl in den verschiedenen Skalen. Dagegen ergab sich kein eindeutiger Unterschied zwischen Venlafaxin und Imipramin. Über ein Drittel der aktiv Behandelten brach die Studie vorzeitig ab; dies erfolgte in der Imipramin-Gruppe deutlich häufiger wegen unerwünschten Wirkungen.

Venlafaxin ist auch in einer Langzeit-Doppelblindstudie mit Imipramin verglichen worden. Auch hier handelte es sich um Personen mit «Major Depression». 290 Patienten erhielten Venlafaxin, 91 Imipramin. Die Tagesdosen der verwendeten Medikamente konnten zwischen 75 und 225 mg betragen. In dieser Studie galt das Hauptinteresse den unerwünschten Wirkungen. Nur 30% der mit Venlafaxin und 20% der mit Imipramin Behandelten beendeten die Studie planmässig erst nach einem vollen Jahr; schon nach einem Vierteljahr hatte rund die Hälfte der Patienten die Studie verlassen. Unerwünschte Wirkungen waren jedoch in beiden Gruppen nur bei etwa einem Drittel der Patienten für den Abbruch verantwortlich. Die antidepressive Wirksamkeit wurde mit der CGI-Skala beurteilt; es ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Medikamenten.

Vergleich mit Mirtazapin: Bei 107 hospitalisierten Kranken mit einer schweren Depression wurde die Wirksamkeit von Imipramin mit derjenigen von Mirtazapin verglichen, und zwar 2 und 4 Wochen nachdem vordefinierte Plasmaspiegel erreicht worden waren. Die mittlere Dosierung von Mirtazapin betrug 77 mg/Tag, diejenige von Imipramin 235 mg/Tag. Imipramin war in dieser Studie signifikant wirksamer: 50% der mit Imipramin Behandelten, aber nur 22% der mit Mirtazapin Behandelten sprachen auf die Therapie an.

Vergleich mit Moclobemid: In einer doppelblinden Multizenterstudie, die sich über 6 Wochen erstreckte, bekamen 466 Patienten mit endogener oder reaktiver Depression sowie mit manisch- depressiver Krankheit entweder Moclobemid, Imipramin oder Placebo. Durchschnittliche Tagesdosen von 509 mg Moclobemid respektive 159 mg Imipramin bewirkten eine vergleichbare Zustandsverbesserung: bei rund 70% der Patienten wurde das Ergebnis als gut bis sehr gut taxiert. Beide Medikamente erwiesen sich gegenüber Placebo als signifikant überlegen.

Eine andere Multizenterstudie (359 Patienten) bestätigte, dass Moclobemid bei endogener wie bei nicht-endogener Depression ebenso wirksam ist wie Imipramin: Nach 4 Wochen hatten bei beiden Medikamenten knapp 60% der Patienten auf die Therapie angesprochen (Senkung der Gesamtpunktzahl in der Hamilton-Skala um mindestens 50%).

Verleich mit Milnacipran: Bei einer Methaanalyse der Vergleichsstudien zwischen Milnacipran und Imipramin bei hostpitalisierten Patienten mit major Depression, fand sich eine ähnlich gute Wirksamkeit. Rund 66% sprachen auf Imipramin an, ca. 64% auf das Milnacipran. Die Remissionsrate (nahzu vollstände Beseitigung aller Sympome) war mit 41 % bei Imipramin und 38% bei Milnacipran jedoch einiges geringer.

Vergleich mit Tianeptin: In zwei Studien zeigte sich eine vergleichbare Wirksamkeit zwischen Imipramin und Tianeptin.

Vergleich mit Johanniskraut: In einer Multizenter-Doppelblindstudie wurde Johanniskraut (LI 160) mit Imipramin (Tofranil®) verglichen. 135 ambulante Patienten erhielten während sechs Wochen entweder LI 160 (3x 300 mg/Tag) oder Imipramin (3x 25 mg/Tag). Als Aufnahmekriterien galten verschiedene depressive Zustandsbilder. Die Wirkung der Behandlung wurde anhand von drei Depressions-Skalen (Fremd- und Selbstbeurteilung) beurteilt. Zu Beginn der Studie betrug der Punktewert auf der Hamilton-Skala in beiden Gruppen durchschnittlich ungefähr 20. Während der Studie konnte in beiden Gruppen eine vergleichbare allmähliche Besserung des Zustandes beobachtet werden. Am Ende der Studie hatten LI-160-Behandelte auf der Hamilton-Skala durchschnittlich noch eine Punktzahl von 8,8, die Imipramin-Behandelten eine Punktzahl von 10,7 (kein signifikanter Unterschied).

Gemäss vorläufigen Berichten ist LI 160 ferner in einer Doppelblindstudie bei 209 Personen mit schwerer Depression (Hamilton-Punktezahl über 20) in einer höheren Dosis (3x 600 mg/Tag) mit Imipramin (3mal 50 mg/Tag) verglichen worden. Beide Medikamente waren wirksam, Imipramin tendenziell besser.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.