Trizyklisches Antidepressivum | Indikation: Depression
Handelsname: Tofranil

Allgemeine Informationen

Imipramin war der erste moderne Arzneistoff zur Behandlung von Depressionen überhaupt und wurde zum Prototyp einer ganzen Klasse von Psychopharmaka. Entwickler und Hersteller war der Schweizer Konzern Geigy (heute Novartis). Die Markteinführung erfolgte 1958.

Das Medikament ist ein trizyklisches Antiderpressivum (Trizyklika), genauer ein nicht-selektiver Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer. Es wird unter dem Handelsnamen Torfranil vertrieben, auch als Generikum ist es erhältlich. Zugelassen ist es zur Behandlung von Depressionen und chronischen Schmerzen. Sedierend wirkt es nicht, dennoch kann die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen durch Imipramin beeiträchtigt werden. Zugelassen ist das Medikament ab dem 18. Altersjahr. Die Wirkung von Alkohol kann durch Imipramin verstärkt werden, weshalb die Einnahme von Alkohol während der Behandlung zu vermeiden ist. ​

Als Antidepressivum war es eine Zufallsentdeckung. Der Psychiater Roland Kuhn wollte es im Jahre 1957 als Neuroleptikum bei Schizophreniekranken einsetzen. Bei der klinischen Erprobung stellte man fest, dass es für diesen Zweck untauglich war, jedoch gegen depressive Symptome gut wirkte.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Morgens oder Abends unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 150-200mg (in Kliniken bis zu 300mg möglich)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 2 Stunden

Halbwertszeit: 6-19 Stunden

Bioverfügbarkeit: 22-77%

Wirkungseintritt: nach 2-4 Wochen bei Depressionen / 3-5 Wochen bei Angststörungen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) varieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Schwitzen, Mundtrockenheit, Verstopfungen, Blutdruck-Probleme, Hitzewallungen, beschleunigte Herzfrequenz, EKG-Veränderungen, Tremor, Gewichtszunahme.

Häufig (1-10%): Gewichtsabnahme, Libido- und Potenzstörungen, Störungen beim Entleeren der Harnblase, allergische Hautreaktionen, abnorme Leberfunktionstests, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Herzrhytmusstörungen, Reizleitungsstörungen, Palpitationen, Akkommodationsstörungen und verschwommenes Sehen, verminderte Tränensekretion, Kribbeln auf der Haut, Kopfschmerzen, Schwindel, Bewusstseinsstörungen, Schläfrigkeit, Müdigkeit, Ruhelosigkeit, Verwirrtheit, Delirium, Desorientiertheit, Halluzinationen, Angst, Agitiertheit, Schlafstörungen, Hypomanie, Manie.

Gelegentlich (0.1-1%): keine

Selten (0.01-0.1%): Konvulsionen, psychotische Störungen

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Einige Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

 

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • frischer Herzinfarkt
  • MAO-Hemmer-Therapie
  • angeborenes langes QT-Syndrom
  • paralytischer Ileus
  • Pylorusstenose
  • akute Harnverhaltung
  • BPH mit Restharn
  • akute Alkohol-, Barbiturat- oder Opiat-Intoxikation
  • akutes Delir
  • unbehandeltes Engwinkelglaukom
  • Schwangerschaft & Stillzeit

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Wechselwirkungen bestehen vor allem mit Wirkstoffen, die ebenfalls dämpfend auf die Gehirnfunktion wirken, wie Beruhigungs- und Schlafmittel (wie z.B. Benzodiazepine). Diese Mittel, aber auch Alkohol, werden durch Imipramin in ihrer Wirkung verstärkt.

Wirkstoffe, die eine anticholinerge Wirkung haben, werden bei Kombination in ihren Nebenwirkungen an Auge, Darm und
Harnblase, aber auch dem Gehirn (bis zum Delirium) verstärkt. Dazu gehören zum Beispiel Phenothiazine (eine Gruppe der Psychopharmaka), Antiparkinsonmittel wie Biperiden, H1-Antihistaminika (als Schlafmittel und gegen Allergien verwendet) oder Atropin (zum Beispiel in Augentropfen enthalten).

Cimetidin (gegen Magengeschwüre) und Methylphenidat (u.a. Ritalin) verstärken die Wirkungen und Nebenwirkungen des Medikamentes.

Katecholamine wie beispielsweise Epinephrin, auch wenn sie als gefässverengender Zusatz bei Mitteln zur örtlichen Betäubung vorkommen, werden durch das Medikament in ihrer Wirkung auf das Nervensystem verstärkt.

Besondere ärztliche Vorsicht ist geboten, wenn vorausgehend oder gleichzeitig Antidepressiva anderer Wirkstoffgruppen eingenommen wurden oder werden. Insbesondere die Stoffe aus der Gruppe der Sertonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI/SNRI) wie Fluoxetin und Fluvoxamin, aber auch andere trizyklische Antidepressiva verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung und ebenso hinsichtlich der Häufigkeit ihrer Nebenwirkungen. Die einzunehmende Dosis von Imipramin und/oder der anderen Antidepressiva muss daher durch den Arzt angepasst werden.

Antidepressiva aus der Gruppe der MAO-Hemmer dürfen wegen schwerer Nebenwirkungen keinesfalls zusammen mit dem Medikament eingenommen werden. Die MAO-Hemmer müssen mindestens 14 Tage vor der Einnahme abgesetzt werden. Auch bei einem umgekehrten Wechsel von MAO-Hemmern zu Imipramin gilt dieser Mindestabstand von 14 Tagen.

Neuroleptika, die ebenfalls auf die Psyche wirken, verstärken das Medikament in seiner Wirkung. Bei Kombination von Imipramin und Thioridazin sind schwere Herzrhythmusstörungen beobachtet worden.

Das Medikament kann die Wirkung von manchen Wirkstoffen gegen zu hohen Blutdruck (Antihypertensiva) wie beispielsweise Guanethidin, Betanidin und Clonidin, aber auch Reserpin oder Alpha-Methyldopa verringern oder aufheben.

Wirkstoffe gegen Herzrhythmusstörungen vom Typ des Chinidin oder Amiodaron werden in ihrer Wirkung durch das Medikament verstärkt.

Wirkstoffe, die den Abbau des Medikamentes in der Leber beschleunigen, wie Antiepileptika (Barbiturate, Carbamazepin und Phenytoin), aber auch Nikotin oder die „Pille“ verringern die Wirkung von Imipramin. Carbamazepin und Phenytoin werden dabei gleichzeitig in ihrer Wirkung durch diesen Effekt verstärkt.

Bei gleichzeitiger Gabe von Blutgerinnungsmitteln vom Cumarin-Typ wie beispielsweise Phenprocoumon kann es zu Veränderungen der Blutgerinnung kommen. Die Gerinnungswerte müssen daher regelmässig ärztlich überprüft werden.

Bei gleichzeitiger Gabe von Schilddrüsenhormonen ist besondere ärztliche Vorsicht geboten, da unerwünschte herzschädigende Effekte verstärkt werden können.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

Die Erfahrungen mit Imipramin in der Schwangerschaft sind begrenzt. Da in Einzelfällen über einen möglichen Zusammenhang zwischen Imipramin und nachteiligen Effekten auf den Fötus berichtet wurde, ist die Anwendung von Imipramin während der Schwangerschaft zu vermeiden und nur bei zwingender Indikation in Betracht zu ziehen, wenn keine Alternative mit geringerem Risiko existiert.

Neugeborene, deren Mütter bis zur Geburt Imipramin eingenommen hatten, zeigten in den ersten Stunden oder Tagen Symptome wie Atemstörungen, Lethargie, Koliken, Reizbarkeit, zu hoher oder zu tiefer Blutdruck, Zittern oder Krämpfe. Zur Vermeidung dieser Symptome sollte Imipramin – soweit vertretbar – mindestens 7 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin abgesetzt werden.

Imipramin tritt in kleinen Mengen in die Muttermilch über. Da über die klinische Relevanz für den Säugling nichts bekannt ist, sollte abgestillt oder das Medikament abgesetzt werden.

Studien

Vergleich mit Fluoxetin: In einer grossen Studie wurde -in fünf Zentren- bei insgesamt 540 Personen die Wirkung von Fluoxetin, Imipramin und Placebo verglichen. Die mit Fluoxetin behandelten Patienten erhielten fast alle 60 oder 80 mg täglich; die entsprechenden Imipramin- Dosen betrugen 125 bis 300 mg/Tag. Nach sechs Wochen unterschieden sich Fluoxetin und Imipramin in der Gesamtbewertung nicht voneinander, waren aber beide signifikant besser antidepressiv wirksam als Placebo. Schlafstörungen und Angst wurden von Fluoxetin jedoch nicht besser als von Placebo beeinflusst.

Vergleich mit Paroxetin: In sechs placebokontrollierten Studien wurde Imipramin bei insgesamt 645 Patienten mit Paroxetin verglichen. Die zwischen 18 und 65 Jahre alten Patienten erhielten nach einer Placeboperiode Paroxetin (10 bis 50 mg/Tag), Imipramin (65 bis 275 mg/Tag) oder Placebo. In vier der sechs Studien ergab sich eine gleichwertige antidepressive Wirkung von Imipramin und Paroxetin.

In einer weiteren Studie waren zwar beide Medikamente dem Placebo überlegen, Imipramin zeigte sich aber gemäss den meisten Bewertungsskalen signifikant wirksamer als Paroxetin. Von 118 behandelten Patienten sprachen 48% aus der Paroxetingruppe auf die Therapie an, in der Imipramingruppe waren es 64% und in der Placebogruppe 33%.4 In der Gesamtbeurteilung der sechs Studien zeichnete sich Paroxetin gegenüber Imipramin durch eine tendenziell früher einsetzende Wirkung aus, insbesondere auch in der Beeinflussung von begleitenden Angstsymptomen.

Vergleich mit Reboxetin: In einer sechswöchigen Studie wurde Reboxetin (8 bis 10 mg/Tag) oder Imipramin (150 bis 200 mg/Tag) verabreicht. Von 256 Behandelten brachen in beiden Gruppen rund ein Viertel die Studie vorzeitig ab. Unter Reboxetin fiel die durchschnittliche Punktezahl auf der HAM-D-Skala von 29 auf 10, unter Imipramin von 28 auf 10. Mit Reboxetin erzielte man eine Ansprechrate von 69% und eine Remissionsrate von 52%; mit Imipramin waren es 56% und 46%. Diese Unterschiede sind nicht signifikant, und auch in Bezug auf andere Parameter wirkten beide Mittel gleich gut.

Vergleich mit Venlafaxin: In einer  sechs Wochen dauernden Doppelblindstudie erhielten 224 ambulante Patienten mit «Major Depression» Venlafaxin, Imipramin oder Placebo. Als Beurteilungsgrundlage dienten die vier Beurteilungsskalen HAM-D, MADRS, CGI und HSCL. Die Medikamente wurden dreimal täglich eingenommen und im Verlauf der ersten zwei Wochen (soweit verträglich) allmählich gesteigert. Von der dritten Woche an betrug die Venlafaxin-Tagesdosis durchschnittlich etwa 175 mg, die Imipramin-Tagesdosis etwa 170 mg. Sowohl Venlafaxin als auch Imipramin führten zu einer gegenüber Placebo signifikanten Abnahme der Punktezahl in den verschiedenen Skalen. Dagegen ergab sich kein eindeutiger Unterschied zwischen Venlafaxin und Imipramin. Über ein Drittel der aktiv Behandelten brach die Studie vorzeitig ab; dies erfolgte in der Imipramin-Gruppe deutlich häufiger wegen unerwünschten Wirkungen.

Venlafaxin ist auch in einer Langzeit-Doppelblindstudie mit Imipramin verglichen worden. Auch hier handelte es sich um Personen mit «Major Depression». 290 Patienten erhielten Venlafaxin, 91 Imipramin. Die Tagesdosen der verwendeten Medikamente konnten zwischen 75 und 225 mg betragen. In dieser Studie galt das Hauptinteresse den unerwünschten Wirkungen. Nur 30% der mit Venlafaxin und 20% der mit Imipramin Behandelten beendeten die Studie planmässig erst nach einem vollen Jahr; schon nach einem Vierteljahr hatte rund die Hälfte der Patienten die Studie verlassen. Unerwünschte Wirkungen waren jedoch in beiden Gruppen nur bei etwa einem Drittel der Patienten für den Abbruch verantwortlich. Die antidepressive Wirksamkeit wurde mit der CGI-Skala beurteilt; es ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Medikamenten.

Vergleich mit Mirtazapin: Bei 107 hospitalisierten Kranken mit einer schweren Depression wurde die Wirksamkeit von Imipramin mit derjenigen von Mirtazapin verglichen, und zwar 2 und 4 Wochen nachdem vordefinierte Plasmaspiegel erreicht worden waren. Die mittlere Dosierung von Mirtazapin betrug 77 mg/Tag, diejenige von Imipramin 235 mg/Tag. Imipramin war in dieser Studie signifikant wirksamer: 50% der mit Imipramin Behandelten, aber nur 22% der mit Mirtazapin Behandelten sprachen auf die Therapie an.

Vergleich mit Moclobemid: In einer doppelblinden Multizenterstudie, die sich über 6 Wochen erstreckte, bekamen 466 Patienten mit endogener oder reaktiver Depression sowie mit manisch- depressiver Krankheit entweder Moclobemid, Imipramin oder Placebo. Durchschnittliche Tagesdosen von 509 mg Moclobemid respektive 159 mg Imipramin bewirkten eine vergleichbare Zustandsverbesserung: bei rund 70% der Patienten wurde das Ergebnis als gut bis sehr gut taxiert. Beide Medikamente erwiesen sich gegenüber Placebo als signifikant überlegen.

Eine andere Multizenterstudie (359 Patienten) bestätigte, dass Moclobemid bei endogener wie bei nicht-endogener Depression ebenso wirksam ist wie Imipramin: Nach 4 Wochen hatten bei beiden Medikamenten knapp 60% der Patienten auf die Therapie angesprochen (Senkung der Gesamtpunktzahl in der Hamilton-Skala um mindestens 50%).

Verleich mit Milnacipran: Bei einer Methaanalyse der Vergleichsstudien zwischen Milnacipran und Imipramin bei hostpitalisierten Patienten mit major Depression, fand sich eine ähnlich gute Wirksamkeit. Rund 66% sprachen auf Imipramin an, ca. 64% auf das Milnacipran. Die Remissionsrate (nahzu vollstände Beseitigung aller Sympome) war mit 41 % bei Imipramin und 38% bei Milnacipran jedoch einiges geringer.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden!

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