Antidepressivum (pflanzlich) | Handelsnamen: Laif, Jarsin und weitere Präparate

Allgemeine Informationen

Johanniskraut und dessen Extrakte wurden bereits in der Antike als Heilmittel gegen Schwermut und Nervosität eingesetzt. Es gilt somit als das älteste Antidepressivum der Welt. Heute sind diverse Präparate -vor allem in Tablettenform- auf dem Markt. Bekannte Markennamen sind beispielsweise Laif und Jarsin. Die meisten Tabletten sind ohne Rezept in Apotheken erhältlich, Ausnahmen bilden hoch dosierte Präparate (wie z.B. Laif 900 in Deutschland).

Johanniskraut-Extrakt ist das einzige pflanzliche Medikament, dessen antidepressive Wirkung teilweise wissenschaftlich nachgewiesen ist. Doch diverse Studien widersprechen sich. Es gibt sowohl klinische Studien, die eine Wirksamkeit feststellten, als auch solche, die keine Überlegenheit gegenüber Placebo zeigen. Sicher ist, dass das erwähnte Extrakt die Verfügbarkeit der Botenstoffe (Neurotransmitter) Serotonin und Noradrenalin leicht erhöht. Ferner beeinflusst es die Neurotransmitter Dopamin, Glutamat und GABA bzw. führt es zu einem Anstieg derer Konzentration im synaptischen Spalt. Insofern unterscheidet es sich in seinem Wirkprinzip nicht von chemischen Antidepressiva.

Johanniskraut-Extrakt ist ab dem 18. Altersjahr verfügbar und hat keinen negativen Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit oder das Bedienen von Maschinen, dennoch sollte immer zunächst abgewartet werden wie man auf das Präparat anspricht. Wechselwirkungen mit Alkohol hat es ebenfalls nicht, dennoch ist Vorsicht geboten.

Johanniskraut-Extrakt sollte nicht mit chemischen Antidepressiva kombiniert werden, da einige Studien aufgezeigt haben, dass es die Wirksamkeit letzterer negativ beeinflussen kann. Ebenfalls besteht die Gefahr eines Serotonin-Syndroms.

Zur Behandlung von akuten und/oder mittelschweren sowie schweren Depressionen ist Johanniskraut nicht geeignet.

Indikation
  • Leichte Depression
  • Gemütsverstimmungen
  • Nervosität

 

Die Indikation richtet sich nach den Fachinformationen für Ärzte des Schweizer Arzneimittelkompendiums. Fachinformationen des Deutschen bzw. Österreichischen Kompendiums sind für uns und auch die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Gemäss unserer Recherchen decken sich die Angaben der deutschsprachigen Arzneimittelkompendien weitgehend.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: Je nach Präparat 1-3x täglich
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: je nach Präparat unterschiedlich

Johanniskraut wird wie chemische Antidepressiva grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niedrigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“).

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 2-3 Stunden

Halbwertszeit: 9-24 Stunden

Bioverfügbarkeit: ca. 5%

Wirkungseintritt: nach 1-3 Wochen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

 

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): keine

Häufig (1-10%): keine

Gelegentlich (0.1-1%): Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit, Unruhe, allergische Reaktionen der Haut

Selten (0.01-0.1%): Lichtempfindlichkeit der Haut

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • Lichtempfindlichkeit
  • Immunsuppressiva (z.B. Ciclosporin, Tacrolimus oder Sirolimus)
  • Anti-HIV-Arzneimittel aus der Gruppe der Non-Nucleosid-Reverse-Transcriptase-Inhibitoren (z.B. Nevirapin) und Proteinase-Inhibitoren (z.B. Indinavir)
  • gewisse Zytostatika (z.B. Imatinib, Irinotecan)
  • orale Antikoagulanzien vom Cumarintyp

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Interaktions-Daten weisen einerseits auf eine Induktion des Cytochrom P450-Systems durch Johanniskraut-Extrakte (besonders CYP3A4), andererseits auf eine Induktion von Transportproteinen (P-Glycoprotein z.B. bei Digoxin) hin. Dies kann zu einer Abnahme der Plasmakonzentrationen und zu einer Abschwächung der therapeutischen Wirkung einer Reihe von komedizierten Arzneimitteln sowie – vor allen bei Substanzen mit einer geringen therapeutischen Breite – zu potenziell schwerwiegenden Konsequenzen führen.

Plasmaspiegel und/oder Wirkung interagierenden Arzneimittel – insbesondere solcher mit geringer therapeutischer Breite – sollten deshalb zu Beginn und am Ende einer Therapie sowie bei einer Dosisänderung des Johanniskraut-Präparates engmaschig kontrolliert und deren Dosierungen angepasst werden.

Umgekehrt kann es beim plötzlichen Absetzen von Johanniskraut-Präparaten zu einem Anstieg der Plasmakonzentration komedizierter Arzneimittel mit evtl. toxischen Wirkungen kommen.

Im Falle einer akzidentellen Einnahme von Johanniskraut-Präparaten mit interagierenden Substanzen sollte das Johanniskraut-Präparat in der Regel schrittweise abgesetzt werden.

Johanniskraut kann die Wirkung von Methadon sowie von anderen Antidepressiva drastisch verringern. Bei der Kombination mit antidepressiven Medikamenten des Serotonin-Typs besteht zusätzlich die Gefahr eines Serotonin-Syndroms.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine klinischen Daten mit Anwendung bei Schwangeren vor. Tierexperimentelle Studien zeigten keine direkte oder indirekte Toxizität mit Auswirkung auf Schwangerschaft, Embryonalentwicklung, Entwicklung der Föten und/oder die postnatale Entwicklung. Das potenzielle Risiko für den Menschen ist jedoch nicht bekannt.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.