Anästhetikum | Handelsnamen: Ketalar, Ketanest etc.

Allgemeine Informationen

Ketamin ist ein Anästhetikum (Narkosemittel) wessen antidepressive Wirkung erst vor wenigen Jahren entdeckt wurde. Bis heute hat es keine offizielle Zulassung zur Behandlung von Depressionen, wird aber im off-lable use bei schwer depressiven und suizidalen Patienten in Kliniken verwendet. Studien, die eine Zulassung im Rahmen einer Depression offiziell ermöglichen sind im Gange.

Ketamin hat starken Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen. Nach einer Ketamininfusion ist das Lenken eines Fahrzeuges oder die Bedienung einer potenziell gefährlichen Maschine nicht erlaubt. Die Einnahme von Alkohol vor oder nach einer Ketamininfusion ist kontraindiziert. Es kann zu einer potenziell tödlichen Atemdepression kommen.

Ketamin ist schwierig mit Antiepileptika wie z.B. Lamotrigin kombinierbar, da beide den Botenstoff Glutamat beeinflussen und sich so neutralisieren.

 

Indikation
  • Depression (off-lable use)
  • Einleitung und Erhalt einer Vollnarkose

 

Die Indikation richtet sich nach den Fachinformationen für Ärzte des Schweizer Arzneimittelkompendiums. Fachinformationen des Deutschen bzw. Österreichischen Kompendiums sind für uns und auch die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Gemäss unserer Recherchen decken sich die Angaben der deutschsprachigen Arzneimittelkompendien weitgehend.

Dosierung & Anwendung

Injektion
Die Wirkung hält in der Regel 7 Tage an

Dosierung: individuell

Die Dosierung muss von einem Arzt individuell festgelegt werden. Bei Depressionen wird eine sehr geringe Dosis verabreicht, so dass man bei Bewusstsein bleibt.

Ketamin muss nicht langsam aufdosiert werden. Auch ist keine langsame Reduktion der Dosis notwendig.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach ca. 5 Minuten

Halbwertszeit: 79-186 Minuten

Bioverfügbarkeit: 93%

Wirkungseintritt: nach wenigen Minuten bis hin zu 2 Stunden

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

 

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): keine

Häufig (1-10%): Halluzinationen, lebhafte Träume, Albträume, Verwirrung, motorische Unruhe, auffälliges Verhalten, Agitation, Nystagmus, tonische und klonische Bewegungen, erhöhter Muskeltonus, intrakranieller Druckanstieg, Doppelbilder, verschwommenes Sehen, Herzrasen, Bluthochdruck, Steigerung der Atemfrequenz, Übelkeit, Erbrechen, Hautrötungen, Hautausschlag.

Gelegentlich (0.1-1%): Angstzustände, Schwindel, Herzrhythmusstörungen, verlangsamter Herzschlag, niedriger Blutdruck, Atemwegsverengung, Atemdepression, verminderter Appetit, vermehrter Speichelfluss, lokale Schmerzempfindlichkeit, Rötung der Injektionsstelle.

Selten (0.01-0.1%): Allergische Reaktionen, Delirium, Flashback, gedrückte Stimmung, Schlaflosigkeit, Desorientierung, Atemstillstand.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Sprechen Sie vor einer Ketamininfusion unbedingt mit Ihrem Arzt über allfällige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Gegenanzeigen. Absolut kontraindiziert sind:

  • Schlecht eingestellter oder nicht behandelter Bluthochdruck
  • Patienten, bei denen eine Blutdrucksteigerung eine erhebliche Gefährdung bedeutet
  • Schwangerschaftserkrankungen (Präeklampsie und Eklampsie)
  • nicht oder ungenügend behandelte Überfunktion der Schilddrüse
  • Überempfindlichkeit gegenüber Ketamin oder Benzethoniumchlorid

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Die gleichzeitige Anwendung von Ketamin mit halogenierten Anästhetika kann die Eliminationshalbwertszeit von Ketamin verlängern sowie die Erholungsphase verzögern. Besonders bei hoher Dosierung oder schneller Verabreichung zusammen mit halogenierten Anästhetika kann das Risiko für Bradykardie, Blutdruckabfall oder verminderte Herzleistung erhöht sein.

Die anästhetische Wirkung von Halothan wird durch Gabe von Ketamin verstärkt, so dass niedrigere Dosierungen ausreichend sein können.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Ketamin und Halothan kann sich das Risiko erhöhen, durch die zusätzliche Gabe von Epinephrin Herzrhythmusstörungen auszulösen.

Bei Einsatz von Ketamin im Rahmen von Anästhetikakombinationen sind die Nebenwirkungen, vor allem diejenigen psychotomimetischer Art, deutlich geringer ausgeprägt.

Wird Ketamin gleichzeitig mit anderen ZNS-dämpfenden Arzneimitteln und Wirkstoffen angewendet (z.B., Ethanol, Phenothiazinen, sedierenden H1-Blockern oder Skelett-Muskelrelaxantien), kann dies die ZNS Sedierung potenzieren und/oder das Risiko für eine Atemdepression erhöhen. Bei gleichzeitiger Anwendung mit anderen Anxiolytika, Sedativa und Hypnotika  können daher verminderte Dosen von Ketamin erforderlich sein.

Insbesondere bei Kombination mit Benzodiazepinen oder Neuroleptika, kommt es unter Ketamin zu einer Verlängerung der Wirkungsdauer. So ist beispielsweise bekannt, dass Diazepam die Halbwertszeit von Ketamin erhöht und dessen pharmakodynamische Wirkung verlängert. Es können deshalb Dosisanpassungen notwendig sein.

Es wurde gemeldet, dass Ketamin den hypnotischen Effekt von Thiopental antagonisiert.

Die Wirkung nichtdepolarisierender aber auch depolarisierender Muskelrelaxantien kann verlängert sein.

Die gleichzeitige Verabreichung von Antihypertensiva und Ketamin erhöht das Risiko für einen Blutdruckabfall.

Die gleichzeitige Einnahme von Schilddrüsenhormonen, direkt und indirekt wirkenden Sympathomimetika sowie Vasopressin kann die sympathomimetischen Wirkungen von Ketamin verstärken und zum Auftreten einer arteriellen Hypertonie und einer Tachykardie führen.

Eine gleichzeitige Anwendung mit Ergometrin kann zu erhöhtem Blutdruck führen.

Bei gleichzeitiger Gabe von Ketamin und Theo- bzw. Aminophyllin kann es zu einer Senkung der Krampfschwelle kommen.

Arzneimittel, welche die CYP3A4 Enzymaktivität inhibieren, reduzieren in der Regel die Leberclearance. Dies führt zu erhöhter Plasmakonzentration von CYP3A4 Substraten wie Ketamin. Gleichzeitige Anwendung von Ketamin mit Arzneimitteln, welche CYP3A4-Enzyme hemmen, kann daher eine Reduktion der Ketamindosierung nötig machen.

Arzneimittel, welche die CYP3A4 Enzymaktivität induzieren, erhöhen in der Regel die Leberclearance. Dies führt zu einer Abnahme der Plasmakonzentration von CYP3A4 Substraten wie Ketamin. Gleichzeitige Anwendung von Ketamin mit Arzneimitteln, welche CYP3A4-Enzyme induzieren, kann eine Erhöhung der Ketamindosierung nötig machen.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

Ketamin ist unzureichend bezüglich Schwangerschaft und Stillzeit geprüft worden, es liegen keine klinischen Studien vor. Es gibt jedoch Hinweise, dass Ketamin bei Neugeborenen eine Atemdepression auslösen kann, welche eine Reanimation notwendig macht. Zudem ist Ketamin plazentagängig und findet sich rasch im Plasma des Fetus wieder. Berichte über Bluthochdruck liegen ebenfalls vor.

Zu der Frage des Übertritts von Ketamin in die Muttermilch liegen keine Unterlagen vor.

Das Medikament soll in der Schwangerschaft sowie in der Stillzeit nicht angewendet werden.

 

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Eine Ketamininfusion muss ärztlich eng überwacht werden.