Stimmungsstabilisator | Indikation: Depression und Manie bei bipolarer Störung (inkl. Phasenprophylaxe),
Augmentation von Antidepressiva bei therapieresistenter Depression
Handelsnamen: Lithiofor, Quilonum etc.

Allgemeine Informationen

Lithium wird bereits seit der Mitte des 20. Jahrhunderts als Medikament in der Psychiatrie eingesetzt und ist deshalb in der Anwendung (Nebenwirkungen, Verträglichkeiten, Wechselwirkungen) sehr gut erforscht.

Die Substanz ist ein Stimmungsstabilisator (mood-stabilizer) bzw. ein toxisches Salz mit antimanischer und antidepressiver Wirkung. Es wird unter diversen Handelnamen vertrieben, so z.B. Lithiofor, Hypnorex, Litarex, Neurolepsin, Quilonum und Quilonorm. Ebenfalls ist es als Generikum erhältlich. Zugelassen ist es als Phasenprophylaktika und Akuttherapie gegen Manie und Depressionen bei bipolaren Störungen. Auch als Augmentation von Antidepressiva bei therapieresistenten Depressionen besitzt das Medikament eine Zulassung. Bei affektiven Störungen wie der bipolaren Erkrankung oder Depressionen ist die Lithiumtherapie die einzige medikamentöse Behandlung, für die eine suizidverhütende Wirkung eindeutig nachgewiesen ist.

Lithium kann ab dem 12 Altersjahr verabreicht werden, jedoch mit Einschränkungen. Die Therapie mit der Substanz ist bei Minderjährigen nur im Rahmen eines stationären Aufenthalts erlaubt. Das Medikament kann die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen einschränken. Bezüglich Alkohol sind keine Wechselwirkungen bekannt, dennoch ist Vorsicht geboten.

Lithiumsalze machen nicht körperlich abhängig und sind bei richtiger Dosierung indikationsbezogen ausreichend verträglich. Um die richtige Dosis zu finden, ist es erforderlich, regelmässig die Lithiumkonzentration im Blut zu kontrollieren. Die therapeutische Breite von Lithium ist gering, das heisst: Eine giftige Menge ist nur wenig höher als die, bei der die gewünschte Wirkung eintritt, weshalb eine Selbstbehandlung sehr gefährlich, wenn nicht lebensgefährlich ist.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 2x täglich Morgens und Abends unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: Individuel bzw. richtet sich nach Bluttests. Achtung! Der Lithumspiegel muss regelmässig von einem Arzt überwacht werden. Einen zu hoher Lithiumspiegel ist lebensgefährlich!

Mood-Stabilizers werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 2-4 Stunden

Halbwertszeit: 23-24 Stunden

Bioverfügbarkeit: 89%

Wirkungseintritt: nach 8-10 Wochen bei allen Indikationen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) varieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Symptome eines nephrogenen Diabetes insipidus, Mundtrockenheit, EKG-Veränderungen, Gewichtszunahme.

Häufig (1-10%): Magersucht, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Tremor, Vergrösserung der Schilddrüse, Hypothyreose.

Gelegentlich (0.1-1%): Akne, Follikulitis.

Selten (0.01-0.1%): Überfunktion der Schilddrüse, Hyperparathyreose, Ödeme, Ausschläge, Haarausfall, Juckreiz, Auslösen oder Verstärkung der Psoriasis, Angioödem.

Manische Personen haben oft keine Krankheitseinsicht und verweigern die Einnahme von Medikamenten. Nehmen sie schlussendlich doch welche und ihre Stimmung stabilisiert sich (oder kippt gar ins Depressive) gehen sie davon aus, dass sie die schlimmsten und stärksten Nebenwirkungen haben. Dies ist objektiv nicht begründet. Viele Nebenwirkungen verschwinden nach einigen Wochen der Therapie.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden 6-8 Wochen nach Beginn der Therapie.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • Nierenerkrankung
  • Herzkreislauferkrankungen
  • verlängertes QT-Intervall
  • unbehandelter Hypothyreodismus
  • gestörter Na-Haushalt
  • kochsalzarme Diät
  • M. Addison
  • Schwangerschaft & Stillzeit

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Antiepileptika wie Phenytoin, Carbamazepin, Methyldopa sowie tri-und tetrazyklische Antidepressiva erhöhen den Lithiumgehalt im Blut und steigern dadurch die Gefahr von Nervenschädigungen. Auch Diuretika wie Thiazide und andere kaliumsparende Entwässerungsmittel sowie Schleifendiuretika führen zu einer Erhöhung des Lithiumspiegels und damit zu einer Wirkungsverstärkung. Das Antibiotikum Metronidazol, nicht-steroidale Antirheumatika wie Indometazin, blutdrucksenkende ACE-Hemmer wie Captopril oder Enalapril sowie ebenfalls blutdrucksenkende Kalziumkanalblocker wie Diltiazem oder Verapamil können die Wirkstärke von Lithium sogar so stark erhöhen, dass es zu Vergiftungserscheinungen kommt.

Dagegen erniedrigen andere Diuretika aus der Gruppe der Carboanhydrasehemmer wie Azetazolamid den Lithiumgehalt im Blut und schwächen dessen Wirkung ab. Dies gilt auch für Harnstoff, säurebindende Mittel und Xanthinderivate wie Theophyllin und Koffein (im Kaffee).

Antibiotika aus der Gruppe der Tetrazykline können den Lithiumspiegel erhöhen oder erniedrigen.

Die gleichzeitige Anwendung von Neuroleptika (Haloperidol, Chlorpromazin oder Clozapin) führt vor allem bei hoher Dosierung zu einem gehäuften Auftreten von unerwünschten Wirkungen. Auch die Kombination mit MAO-Hemmern und selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI/SNRI) kann verstärkt zu Bewusstseinsstörungen, Ruhelosigkeit, Muskelzucken, gesteigerten Reflexen, Schweissausbrüchen, Frösteln und Zittern führen. In diesem Falle ist die gesamte Behandlung abzubrechen und gegebenenfalls eine Einweisung ins Krankenhaus einzuleiten.

Lithium verlängert die Wirkung von Muskelrelaxanzien, wie sie etwa vor Operationen verabreicht werden. Die Behandlung mit dem Wirkstoff sollte deshalb etwa 48 Stunden vor dem Eingriff abgebrochen werden.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es gibt klare Hinweise für Risiken des menschlichen Fötus.

Daten deuten darauf hin, dass Lithium das fötale Risiko für kardiale Anomalien, insbesondere das Ebstein-Syndrom und andere Anomalien, erhöht. Lithium darf deshalb nicht während der Schwangerschaft verabreicht werden.

Muss eine Lithiumtherapie durchgeführt werden, ist vor Behandlungsbeginn eine Schwangerschaft auszuschliessen und während der Behandlung eine sichere Empfängnisverhütung zu gewährleisten.

Lithium wird in die Muttermilch ausgeschieden. Es muss zwingend abgestillt werden!

Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden!

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