Melitracen/Flupentixol

Kombinationspräparat (trizykl. Antidepressivum / Neuroleptikum) | Handelsname: Deanxit

Allgemeine Informationen

Das Medikament mit dem Handelsnamen Deanxit ist ein fixes Kombinationspräparat. Es beinhaltet sowohl das trizyklische Antidepressivum Melitracen sowie das klassische Neuroleptikum Flupentixol. Deanxit ist in der Schweiz und in Österreich, jedoch nicht in Deutschland erhältlich.

Zugelassen ist Deanxit zur Behandlung leichter bis mittelschwerer depressiver Gehemmtheit und Angst. Das Medikament ist ab 18 Jahren erhältlich. Die Anwendung bei Kinder und Jugendlichen wird nicht empfohlen, da keine klinischen Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit vorliegen.

Die Grundkrankheit, das Arzneimittel oder die Kombination von beiden können die Aufmerksamkeit und die Reaktionsbereitschaft beeinträchtigen. Patienten unter Deanxit sollten kein Motorfahrzeug lenken oder gefährliche Maschinen bedienen, bis sie ihre persönlichen Reaktionen auf das Arzneimittel kennen. Das Medikament kann die Wirkung von Alkohol verstärken, weshalb von Alkoholkonsum während einer Deanxit-Therapie abgeraten wird.

Der Wirkmechanismus von Melitracen beruht auf der Hemmung der Wiederaufnahme der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin. Es weist grosse Ähnlichkeit mit Amitriptylin (ebenfalls ein trizyklisches Antidepressivum) auf. Flupentixol hingegen senkt als Neuroleptikum die Verfügbarkeit des Neurotransmitters Dopamin.

Das Verhältnis der Wirkstoffe beträgt 10mg Melitracen zu 0.5mg Flupentixol.

Indikation
  • Leichte bis mittelschwere depressive Zustände mit Gehemmtheit und Angst

Die Indikation richtet sich nach den Fachinformationen für Ärzte des Schweizer Arzneimittelkompendiums. Fachinformationen des Deutschen bzw. Österreichischen Kompendiums sind für uns und auch die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Gemäss unserer Recherchen decken sich die Angaben der deutschsprachigen Arzneimittelkompendien weitgehend.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 2x täglich (Morgens und Mittags) unabhänig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 20mg/1mg-40mg/2mg (pro Tag)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuell festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Medikamente wie Deanxit werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niedrigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 5 Stunden bei Melitracen, nach 12 Stunden bei Flupentixol

Halbwertszeit: 62 Stunden bei Melitracen, 61 Stunden bei Flupentixol

Bioverfügbarkeit: bei Melitracen nicht bekannt, bei Flupentixol 24-71%

Wirkungseintritt: nach 2-4 Wochen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%): keine

Häufig (1-10%): Schlafstörungen, Unruhe, Agitation, Schwindel, Zittern (Tremor), Schläfrigkeit, Müdigkeit, Probleme beim Anpassen der Sehschärfe (Akkommodationsstörungen), Mundtrockenheit, Verstopfungen, verlängertes QT im EKG.

Gelegentlich (0.1-1%): Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, abnormale Leberfunktionstests, Hautausschläge, permanenter Haarausfall, Muskelschmerzen, Kraftlosigkeit.

Selten (0.01-0.1%): Übelkeit, Verdauungsstörungen.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • 7 Tage vor, während und bis 14 Tage nach irreversibler nicht-selektiver MAO-Hemmer-Therapie
  • 7 Tage vor, während und bis 1 Tag nach Moclobemid
  • Kreislaufkollaps
  • Depression des zentralen Nervensystems
  • komatöser Zustand
  • Phäochromozytom
  • Blutdyskrasien
  • frischer Herzinfarkt
  • Herzblock
  • Erregungsleitungsstörungen
  • Schwangerschaft & Stillzeit

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Die gleichzeitige Verabreichung mit MAO-Hemmern (nicht-selektive wie auch selektive MAO-A-Hemmer) und MAO-B-Hemmer (z.B. Selegilin) ist kontraindiziert.

Melitracen kann die kardiovaskuläre Wirkung von folgenden Wirkstoffen verstärken: Adrenalin, Ephedrin, Isoprenalin, Noradrenalin, Phenylephrin und Phenylpropanolamin (z.B. in Anästhetika und abschwellenden Mitteln für die Nasenschleimhaut enthalten).

Deanxit kann der blutdrucksenkenden Wirkung von Guanethidin, Betanidin, Reserpin, Clonidin und Methyldopa entgegen wirken. Während der Therapie mit einem trizyklischen Antidepressivum sollte die antihypertensive Behandlung überwacht werden.

Trizyklische Antidepressiva können die Wirkung dieser Arzneimittel auf Auge, ZNS, Herz, Darm und Harnblase verstärken. Die gleichzeitige Verabreichung sollte wegen erhöhtem Risiko von paralytischem Ileus, erhöhtem Augeninnendruck, Harnverhalt, Hyperpyrexie etc. vermieden werden.

Deanxit kann die Wirkung von Alkohol, Barbituraten sowie von anderen das ZNS dämpfenden Arzneimitteln (z.B. Benzodiazepine und Z-Drugs, Antihistaminika, Opiate, Anästhetika) verstärken.

Eine durch Neuroleptika induzierte QT-Intervall Verlängerung könnte sich bei der Gabe von anderen signifikanten QT-Intervall verlängernden Arzneimitteln verschlimmern. Die gleichzeitige Gabe von solchen Arzneimitteln sollte vermieden werden.

Zu diesen Arzneimitteln zählen:

  • Antiarrhythmika der Klasse Ia und III (z.B. Chinidin, Amiodaron, Sotalol, Dofetilid)
  • einige Neuroleptika (z.B. Thioridazin, Haloperidol, Quetiapin)
  • einige Makrolide (z.B. Erythromycin)
  • einige Antihistaminika (z.B. Terfenadin, Astemizol)
  • einige Chinolonantibiotika (z.B. Gatifloxacin, Moxifloxacin)

Diese Liste ist nicht vollständig; einzelne andere Arzneimittel, die bekanntlich auch das QT-Intervall verlängern (z.B. Cisaprid, Lithium), sollten ebenfalls vermieden werden.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, die zu einem Elektrolyt-Ungleichgewicht führen, wie z.B. Diuretika aus der Gruppe der Thiazide (Hypokaliämie) und bei Arzneimitteln, die die Plasmakonzentration von Flupentixol erhöhen, sollte Vorsicht geboten sein. Das Risiko einer QT-Intervall Verlängerung und Arrhythmien könnte erhöht sein.

Die gleichzeitige Verabreichung von Flupentixol und Lithium erhöht das Risiko einer Neurotoxizität.

Deanxit kann die Wirkung von Levodopa vermindern und das Risiko für kardiale Nebenwirkungen erhöhen.

Schwangerschaft & Stillzeit

Bei Neugeborenen, deren Mütter während des dritten Trimenons der Schwangerschaft Antipsychotika (einschliesslich Flupentixol) einnahmen, besteht nach der Geburt das Risiko für extrapyramidalmotorische Symptome und/oder Entzugssymptome. Diese Symptome bei Neugeborenen können Agitation, ungewöhnlich erhöhten oder verminderten Muskeltonus, Tremor, Schläfrigkeit, Schwierigkeiten beim Atmen oder Probleme beim Füttern einschliessen. Diese Komplikationen können einen unterschiedlichen Schweregrad aufweisen. Bei einigen Fällen waren sie selbst limitierend, in anderen Fällen benötigten die Neugeborenen eine Überwachung auf der Intensivstation oder eine längere Hospitalisation.

Deanxit soll während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, es ist klar notwendig. Ist während der Schwangerschaft ein Absetzen der Behandlung erforderlich, so soll dies möglichst nicht abrupt geschehen.

Flupentixol wird mit der Muttermilch in kleinen Mengen ausgeschieden. Das Verhältnis Milchkonzentration/Serumkonzentration ist bei Frauen im Durchschnitt 1:3. Bei therapeutischer Dosierung ist eine Einwirkung auf das Kind unwahrscheinlich. Die vom Kind aufgenommene Menge ist weniger als 0.5% der gewichtsbezogenen (mg/kg) Dosis der Mutter.

Zur Ausscheidung von Melitracen in der Muttermilch gibt es weder Studien am Tier noch am Menschen. Folglich sollte abgestillt oder der Säugling medizinisch eng überwacht werden.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.