Antidepressivum (SNRI) | Indikation: Depression
Handelsnamen: Ixel und Milnaneurax

Allgemeine Informationen

Milnacipran wurde vom Herstellen Pierre Fabre Médicament patentiert und 1998 in Österreich zugelassen. Später erfolgte die Zulassung in Deutschland (jedoch nicht in der Schweiz).

Das Medikament ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der „selektiven Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer“ (SNRI) und wird unter den Handesnamen Ixel und Milnaneurax vertrieben. Zugelassen ist es ab dem 18. Altersjahr zur Behandlung von Depressionen. Auf die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen hat Milnacipran keinen Einfluss. Dennoch sollten Sie zunächst abwarten um zu sehen, wie Sie auf die Substanz reagieren.

Zur gleichen Wirkstoffgruppe (SNRI) gehören auch Venlafaxin und Duloxetin. Während Milnacipran die Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme ungefähr gleich stark blockiert, hat Duloxetin eine 10-fach grössere Selektivität für Serotonin und Venlafaxin eine 30-fach grössere Selektivität für Serotonin.

Im Unterschied zu Venlafaxin (jedoch nicht zu Duloxetin) hemmt Milnacipran die Noradrenalin-Wiederaufnahme bereits von Beginn weg und nicht erst bei der Einnahme einer höheren Dosis.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Morgens unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 25-200mg (bei hoher Dosierung in 2 Gaben)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 2 Stunden Halbwertszeit: 6-8 Stunden Bioverfügbarkeit: 85% Wirkungseintritt: nach 2-4 Wochen Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) varieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Übelkeit, Kopfschmerzen.

Häufig (1-10%): Migräne, Zittern, Schwindel, Empfindungsstörungen, Schläfrigkeit, Spüren des Herzschlags, beschleunigter Herzschlag, erhöhter Blutdruck, Hitzewallungen, Agitiertheit, Angst, Essstörungen, Schlafstörungen, suizidales Verhalten, Schmerzen, Durchfall, Verstopfung, Mundtrockenheit, Verdauungsstörung, Erbrechen, Juckreiz, Ausschlag, sehr starkes Schwitzen, Muskelschmerzen, Schwierigkeiten beim Harnlassen, häufiger Harndrang, Erektions- und Ejakulationsschwierigkeiten, Hodenschmerzen, Müdigkeit.

Gelegentlich (0.1-1%): Erhöhte Fettwerte im Blut, Gewichtsabnahme, Panikgefühl, Verwirrtheit, Wahnvorstellungen, seltsame Bilder oder Geräusche (Halluzinationen), hyperaktives Verhalten oder Gedanken (Manie), verringertes Lustgefühl, abnormale Träume, Suizidgedanken, Gedächtnisstörungen, Gefühl der Ruhelosigkeit, Gleichgewichtsstörungen, Geschmacksveränderungen, plötzlich einsetzende, kurz andauernde Bewusstlosigkeit, verschwommenes Sehen, trockene Augen, Augenschmerzen, verringertes Scharfsehen, erweiterte Pupillen, Gefühl von Schwindel oder Drehen, Klingeln in den Ohren, Herzprobleme wie zu niedriger Blutdruck oder Erregungsleitungsstörungen

Selten (0.01-0.1%): keine Daten vorhanden

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
  • Bei Verwendung von nichtselektiven MAO-Hemmern sowie selektiven MAO-A-Hemmern
  • selektiven MAO-B-Hemmern, Digitalis, 5-HT1D-Agonisten (z. B. Sumatriptan), parenteralem Adrenalin und Noradrenalin sowie Clonidin und verwandten Stoffen
  • bei Benigne Prostatahyperplasie und anderen urogenitalen Störungen
  • während der Schwangerschaft & Stillperiode

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine hinreichenden Daten zur Anwendung von Milnacipran bei schwangeren Frauen vor. Milnacipran darf nur dann in der Schwangerschaft angewendet werden, wenn es zwingend erforderlich ist.

Nach Einnahme von Milnacipran bzw. anderen SNRI’s am Ende der Schwangerschaft, traten bei einigen Neugeborenen folgende Absetzsymptome auf: Ess- und Schlafstörungen, Atmungsschwierigkeiten, bläuliche Verfärbung der Haut, Atemunterbrüche, Krampfanfälle, Temperaturschwankungen, zu niederiger Blutzuckerspiegel, Tremor, abnormale Muskelspannungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Erbrechen, abnormale Irritabilität, Überspanntheit, Lethargie, Schläfrigkeit und anhaltendes Weinen.

Eine SNRI-Exposition in der späten Schwangerschaft kann das Risiko für eine persistierende pulmonale Hypertonie beim Neugeborenen (PPHN) erhöhen.

Milnacipran geht in die Muttermilch über. Ein Risiko für das gestillte Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Daher darf während der Behandlung mit Milnacipran nicht gestillt werden.

Studien

Mit Milnacipran wurden diverse Studien durchgeführt, von welchen jedoch meist nur das Abstract vorhanden ist.

Vergleich mit Placebo: Milanipran wurde in einer 4-8 Wöchigen Studie mit Placebo verglichen. Behandelt wurden Probanden mit mittelschweren bis schweren Depressionen, welche amulant oder stationär an der Studie teilnahmen. Es wurde eine sigifikante Überlegenheit gegenüber Placebo festgelstellt.

Vergleich mit Amitriptylin: In einer Studie zeigte Milnacipran 100mg/Tag eine vergleichbare Wirkung mit Amptriptylin 150mg/Tag.

Vergleich mit Clomipramin: In einer weiteren Studie über 4-12 Wochen fand sich unter Milnacipran (100mg/Tag) eine vergleichbare Wirkung wie unter Clomipramin (150mg/Tag).

Verleich mit Imipramin: Bei einer Methaanalyse der Vergleichsstudien zwischen Milnacipran und Imipramin bei hostpitalisierten Patienten mit major Depression, fand sich eine ähnlich gute Wirksamkeit. Rund 66% sprachen auf Imipramin an, ca. 64% auf Milnacipran. Die Remissionsrate (nahzu vollstände Beseitigung aller Sympome) war mit 41 % bei Imipramin und 38% bei Milnacipran jedoch einiges geringer.

Vergleich mit Fluoxetin: In einer Vergleichsstudie zwischen Milnacipran (100mg/Tag) und Fluoxetin (20mg/Tag) sprachen mehr Personen auf Milnacipran an. Konkret waren es 61% und bei Fluoxetin nur 49%.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

 

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