Antidepressivum (MAO-Hemmer) | Indikation: Depression und soziale Phobie
Handelsname: Aurorix

Allgemeine Informationen

Moclobemid wurde Ende der 1980er Jahre/Anfang der 1990er Jahre auf dem europäischen Markt zugelassen. Heute wird es u.a. von der Firma MEDA angeboten.

Das Medikament ist ein Antidepressivum bzw. ein selektiver und reveribler Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer) und wird unter dem Handelsnamen Aurorix vertrieben. Durch die Selektivität und die Reversiblität ist keine MAO-Hemmer übliche Diät einzuhalten. Zugelassen ist das Medikament zur Behandlung von Depressionen und sozialer Phobie ab 18 Jahren. Eine Einschränkung der Fahrtüchtigkeit und dem Bedienen von Maschinen ist nicht bekannt. Dennoch sollten Sie zunächst abwarten um zu sehen, wie Sie auf das Medikament reagieren. Bezüglich Alkohol sind keine Wechselwirkungen bekannt, dennoch ist Vorsicht geboten.

Moclobemid ist ein weitgehend selektiver reversibler Inhibitor der Monoaminooxidase A, der die Monoaminoxidase B zu etwa 30 % reversibel hemmt. Das bewirkt eine geringere Metabolisierung der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin, ihre Konzentration nimmt zu, was zu einer Verbesserung von Stimmung und Antrieb bei Depressionen führt. Moclobemid wirkt nicht sedierend und kaum anticholinerg.

Gegen soziale Phobie wird es heute praktisch nicht mehr eingesetzt.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 2-3x täglich unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 300-600mg

Die Dosierung muss von einem Arzt individuell festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niedrigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 1 Stunde

Halbwertszeit: 2 Stunden

Bioverfügbarkeit: 40-80%

Wirkungseintritt: nach 1-3 Wochen bei Depressionen / 3-5 Wochen bei Angststörungen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): keine

Häufig (1-10%): keine

Gelegentlich (0.1-1%): Geringer Anstieg der Leberenzyme ohne klinische Auswirkung, Hautreaktionen (Ausschläge), Übelkeit, trockener Mund, Schwindel, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Angstgefühle.

Selten (0.01-0.1%): Völlegefühl, Magenbrennen, Durchfall, Verstopfungen, Flushing, Blutdruckveränderung, Sehstörungen, periphere Neuropathien, Verwirrtheitszustände, Unruhe, Agitiertheit, Reizbarkeit.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

 

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • akute Verwirrtheit
  • gleichzeitig mit Selegilin oder Pethidin
  • während und nach Therapie mit serotoninergen Medikamenten
  • Schwangerschaft & Stillzeit

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Die gleichzeitige Behandlung mit Selegilin, anderen Antidepressiva, dem Hustenmittel Dextromethorphan, den Schmerzmitteln Pethidin, Tramadol oder Triptanen (gegen Migräne) ist nicht erlaubt.

Die Kombination mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI/SNRI) kann ein lebensbedrohliches Serotonin-Syndrom mit Verwirrtheit, Zittern, Schwitzen, Fieber und Blutdruckabfall bis zum Koma auslösen. Daher sollten diese Wirkstoffe nicht gemeinsam mit Moclobemid eingenommen werden.

Auch starke opioide Schmerzmittel wie Tramadol oder Pethidin werden in ihrer Wirkung durch Moclobemid verstärkt und dürfen daher nicht gleichzeitig mit Moclobemid eingesetzt werden.

Die Kombination mit dem Hustendämpfer Dextromethorphan kann zu schweren Störungen des Nervensystems führen und sollte daher ebenso nicht gleichzeitig verwendet werden.

Triptane, die gegen Migräne eingesetzt werden, andere MAO-Hemmer sowie der angstlösende Wirkstoff Buspiron können zusammen mit Moclobemid gefährliche Blutdrucksteigerungen auslösen und sollten daher gleichfalls nicht gemeinsam verabreicht werden.

Alpha-Sympathomimetika wie Ephedrin, Pseudoephedrin und Phenylpropanolamin werden in ihrer Wirkung durch Moclobemid verstärkt. Die Patienten sollten daher bei gleichzeitiger Gabe regelmässig ärztlich überwacht werden.

Der magensäurehemmende Wirkstoff Cimetidin verlangsamt den Abbau von Moclobemid im Körper und verstärkt so seine Wirkung. Bei einer Kombination muss deswegen die Dosis von Moclobemid durch den Arzt verringert werden.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es gibt bislang keine kontrollierten Studien bei schwangeren Frauen. Da die Erfahrungen mit der Anwendung von Moclobemid in der Schwangerschaft noch ungenügend sind, wird die Anwendung vorderhand nicht empfohlen.

Obschon nur geringe Mengen von Moclobemid in die Muttermilch übergehen sollte Moclobemid während der Stillzeit nicht angewendet werden.

Studien

Bisher wurden schon über 2’000 Patienten mit Moclobemid behandelt. Etwa 800 Personen erhielten das Medikament in Doppelblindstudien, die dem Vergleich mit trizyklischen und tetrazyklischen Antidepressiva dienten. In allen Untersuchungen stufte man Schweregrad und Verlauf der Depression mit Hilfe der Hamilton-Skala und anderen Bewertungssystemen ein; bei Schlafstörungen waren Hypnotika (meistens Benzodiazepine) als begleitende Psychopharmaka zugelassen; Patienten, bei denen ein Suizidrisiko bestand, schloss das Studienprotokoll in der Regel aus.

Vergleich mit Clomipramin: In drei Doppelblindstudien — alle stützten sich auf dasselbe Protokoll — erhielten insgesamt 103 Patienten 6 Wochen lang Moclobemid (3mal 100 mg/Tag) oder Clomipramin (3mal 50 mg/Tag). Eine Untersuchung umfasste Patienten mit verschiedenen Depressionsformen; bei den beiden anderen hatte man sich im einen Fall auf Patienten mit endogener, im anderen auf solche mit reaktiver Depression beschränkt. Mit beiden Substanzen war der antidepressive Effekt etwa gleich gut. Je nach Studie trat die Wirkung im Verlauf von 2-4 Wochen ein; Moclobemid und Clomipramin unterschieden sich in den einzelnen Untersuchungen auch in dieser Hinsicht nicht. Bei reaktiver Depression wirkten die beiden Mittel nicht signifikant besser als Placebo (das in jener Studie bei einer Kontrollgruppe von 13 zusätzlichen Patienten eingesetzt worden war).

Vergleich mit Imipramin: In einer doppelblinden Multizenterstudie, die sich ebenfalls über 6 Wochen erstreckte, bekamen 466 Patienten mit endogener oder reaktiver Depression sowie mit manisch- depressiver Krankheit entweder Moclobemid, Imipramin oder Placebo. Durchschnittliche Tagesdosen von 509 mg Moclobemid respektive 159 mg Imipramin bewirkten eine vergleichbare Zustandsverbesserung: bei rund 70% der Patienten wurde das Ergebnis als gut bis sehr gut taxiert. Beide Medikamente erwiesen sich gegenüber Placebo als signifikant überlegen.

Eine andere Multizenterstudie (359 Patienten) bestätigte, dass Moclobemid bei endogener wie bei nicht-endogener Depression ebenso wirksam ist wie Imipramin: Nach 4 Wochen hatten bei beiden Medikamenten knapp 60% der Patienten auf die Therapie angesprochen (Senkung der Gesamtpunktzahl in der Hamilton-Skala um mindestens 50%).

Vergleich mit Diazepam: Bei Patienten mit atypischer Depression wurde Moclobemid (im Mittel 420 mg/Tag) doppelblind mit Diazepam (im Mittel 35 mg/Tag) verglichen. Nach 4 Wochen zeigte sich bei 14 Patientenpaaren in zwei von fünf Bewertungsskalen eine signifikant bessere Wirkung von Diazepam; nach 8 Wochen war keine Differenz mehr festzustellen.

Vergleich mit Tranylcypromin: Die Patienten wurden randomisiert; 81 erhielten Moclobemid bzw. 79 erhielten Tranylcypromin in individuell titrierten Dosierungen (100-300 mg/Moclobemid bzw. 10-30 mg/Tranylcypromin) unter Doppelblindbedingungen für einen Mindestzeitraum von 4 Wochen im Rahmen einer Multizenterstudie. Die antidepressive Wirkung wurde bewertet nach den Kriterien 1-17 der Hamilton Depression Rating Scale (HAMD-17), der Befindlichkeitsskala nach von Zerssen, einer visuellen Analogskala und dem globalen Eindruck des Klinikarztes. Beide Behandlungen ergaben eine signifikante Besserung der Depression nach allen Bewertungssystemen. Die HAMD-17-Einstufungen gingen um 63 bzw. 58% bei Moclobemid bzw. Tranylcypromin zurück, obwohl der Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen nicht signifikant war. Die anderen Bewertungssysteme ergaben ähnliche Ergebnisse, mit Ausnahme der Bewertung durch den Kliniker am Tag 28. Bei dieser Beurteilung wurde die Wirksamkeit als sehr gut/gut eingestuft bei 78% der mit Moclobemid behandelten und bei 88 % der mit Tranylcypromin behandelten Patienten. Es wurden jedoch nur solche Patienten bei dieser Bewertung berücksichtigt, die nicht aus der Studie ausgeschieden waren. Die Verträglichkeit beider Produkte war gut, obwohl Moclobemid in dieser Hinsicht einen kleinen Vorteil aufzuweisen schien, da in dieser Gruppe nur ein Patient wegen ungenügender Verträglichkeit/ungünstiger Nebenwirkungen ausschied, verglichen mit neun Abbruchen aus der Tranylcypromingruppe. Fast 19% der mit Moclobemid behandelten Patienten hatten keinerlei ungünstige Nebenwirkungen, gegenüber nur 9 % der Tranylcypromingruppe. Die häufigsten unangenehmen Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen Übelkeit/Erbrechen, Mundtrockenheit, Obstipation, Kopfweh und Schlafstörungen. Die vorliegende Studie deutet darauf hin, daß sowohl Moclobemid als auch Tranylcypromin wirksame Antidepressiva sind. Moclobemid hat jedoch ein etwas besseres Verträglichkeitsprofil aufzuweisen.

Weiters: Ein kurze Zusammenfassung berichtet von mehr als 100 Patienten, die Moclobemid längerfristig, d.h. ein Jahr lang, eingenommen haben. Mit einer täglichen Dosis von 300 bis 340 mg konnte die antidepressive Wirkung aufrechterhalten werden.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden!

share it!Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+
Zur Werkzeugleiste springen