Atypisches Neuroleptikum | Indikation: Akuttherapie gegen Manie bei bipolarer Störung (inkl. Phasenprophylaxe)
Handelsnamen: Zyprexa und Zypadhera

Allgemeine Informationen

Olanzapin wurde Mitte der 1990er Jahre vom Pharmaunternehmen Eli Lilly in Europa auf den Markt gebracht. Berüchtigt ist es vor allem aufgrund der massiven Gewichtszunahme im Zuge einer Olanzapin-Therapie.

Das Medikament ist ein atypisches Neuroleptikum und wird unter den Handelsnamen Zyprexa und Zypadhera vertrieben, auch als Generika ist es erhältlich. Zugelassen ist es zur Akutbehandlung und Phasenprohylaxe bei Manie im Zuge einer bipolaren Störung und Psychosen. Die Anwendung im off-lable use bei unipolaren Depressionen kommt vor, ist jedoch seit der Markteinführung von Quetiapin (auch ein atypisches Neuroleptikum) selten. Olanzapin wirkt sedierend und kann u.a. deshalb die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen beeinträchtigen. Freigegeben ist das Medikament ab dem 18. Altersjahr. Da Olanzapin dämpfend auf das zentrale Nervensystem (ZNS) wirkt, ist beim Konsum von Alkohol Vorsicht geboten.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Abends 1-2 Stunden vor dem Schlafengehen unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme gegen bipolare Störungen und Manie sollte täglich erfolgen.

Dosierung: 5-20mg

Die Dosierung muss von einem Arzt individuell festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Neuroleptika werden meist langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niedrigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden. Selten (z.B. bei akuter Manie) wird von Anfang an die Zieldosis verabreicht.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 5-8 Stunden

Halbwertszeit: 35-55 Stunden

Bioverfügbarkeit: 80%

Wirkungseintritt: nach 1-2 Tagen bei Depressionen, Manie bzw. Hypomanie und als Rezidivprophylaxe / 1-2 Stunden Sedation

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) varieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Blutwert-Probleme (erhöhte Plasmaprolaktinspiegel), Blutdruck-Probleme, Schläfrigkeit, Gewichtszunahme.

Häufig (1-10%): Erhöhung der alkalischen Phosphatase, hohe Kreatin-Phosphokinase Werte, hohe Gamma-Glutamyltransferase Werte, hohe Harnsäure Werte, Kraflosigkeit, Ödeme, Müdigkeit, Fieber, Ausschlag, Gelenkschmerzen, vorübergehende Erhöhungen von Leberaminotransferasen, Verstopfungen, Mundtrockenheit, Schwindelgefühl, motorische Unruhe, Parkinsonismus, Störungen des Bewegungsablaufes, Zunahme des Appetits, erhöhte Glukosespiegel, erhöhte Triglyceridspiegel, erhöhte Cholesterinspiegel, Ausscheidung des Traubenzuckers (Glukose) über den Harn, abnormale Blutwerte (Eosinophilie, Leukopenie, Neutropenie).

Gelegentlich (0.1-1%): Erhöhung des Gesamtbilirubins, spontanes Wasserlassen, Probleme beim Entleeren der Harnblase (Schwierigkeiten beim Wasserlassen), Lichtüberempfindlichkeitsreaktionen, Haarausfall, Blähungen, tiefe Herzschlagfrequenz, QTc-Verlängerung, Nasenbluten, Krampfanfälle, Bewegungsstörungen, Störung des Bewegunsablaufes, Amnesie, Auftreten oder  Verschlechterung eines Diabetes, allergische Reaktion (z.B. anaphylaktoide Reaktion, Angioödem, Juckreiz oder Nesselsucht).

Selten (0.01-0.1%): Dauererrektion, Auflösung quergestreifter Muskelfasern, Hepatitis, Bauchspeicheldrüse-Entzündung, Thrombose, Herzrasen, plötzlicher Tod, malignes neuroleptisches Syndrom, Unterkühlung, Blutwert-Probleme (Thrombozytopenie).

Manische Personen haben oft keine Krankheitseinsicht und verweigern die Einnahme von Medikamenten. Nehmen sie schlussendlich doch welche und ihre Stimmung stabilisiert sich (oder kippt gar ins Depressive) gehen sie davon aus, dass sie die schlimmsten und stärksten Nebenwirkungen haben. Dies ist objektiv nicht begründet. Viele Nebenwirkungen verschwinden nach einigen Wochen der Therapie.

 

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • Engwinkelglaukomrisiko
  • Schwangerschaft & Stillzeit

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Einige tri- und tetrazyklische Antidepressiva sowie Fluvoxamin hemmen den Abbau von Olanzapin, können so dessen Wirkung verstärken und erhöhen zudem das Risiko für Herzrhythmusstörungen.

Rauchen sowie die Behandlung mit dem Wirkstoff Carbamazepin verkürzen die Wirkungsdauer von Olanzapin. Die Gabe von Aktivkohle verringert die Aufnahme von Olanzapin aus dem Darm.

Der Wirkstoff vermindert die Wirksamkeit von Dopaminrezeptor-Agonisten zur Behandlung der Parkinson-Krankheit.

Bei gleichzeitiger Therapie mit weiteren Neuroleptika oder Anticholinergika können sich Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Verstopfung und Herzrasen verstärken und zudem Pupillenverengungen und Sehstörungen auftreten. Auch MAO-Hemmer können diese und andere Nebenwirkungen von Olanzapin verstärken.

Opioide Schmerzmittel, Betablocker oder Antiarrhythmika können durch Olanzapin in ihrer Wirkung verstärkt werden.

Bei gleichzeitiger Gabe von Valproinsäure (zur Behandlung von Epilepsien und Manie) besteht ein erhöhtes Risiko für einen Mangel an weissen Blutkörperchen (Leukopenie).

 

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine ausreichenden und kontrollierten Studien bei schwangeren Frauen vor. Da die Erfahrung bei Menschen begrenzt ist, darf Olanzapin in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn dies absolut erforderlich ist.

Sehr selten gab es Spontanberichte über Zittern, Hypertonie, Lethargie und Schläfrigkeit bei Kindern, deren Mütter während des 3. Trimenon der Schwangerschaft Olanzapin angewendet hatten.

In einer Studie mit stillenden Frauen wurde Olanzapin in der Muttermilch ausgeschieden. Die Patientin sollte desshalb abstillen.

Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden!

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