Opipramol

trizyklisches Antidepressivum | Handelsnamen: Insidon, Opipram sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Opipramol wurde Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre auf dem europäischen Markt eingeführt und wird heute von diversen Pharmaunternehmen angeboten.

Opipramol ist ein trizyklisches Antidepressivum (Trizyklika) und wird primär unter dem Handelsnamen Insidon und Opipram vertrieben. Als Generikum ist es ebenfalls verfügbar. Zugelassen ist es in erster Linie zur Behandlung von Angststörungen und psychosomatischen Erkrankungen. Im europäischen Ausland besitzt es zudem eine Indikation bezüglich leichter Depressionen und Nervosität mit Schlafstörungen.

Das Medikament ist ab 18 Jahren verfügbar. Opipramol kann schlaffördernd wirken, doch nicht nur aus diesem Grund sollten Sie erst Ihren Arzt kontaktieren bevor sie ein Fahrzeug lenken oder Maschinen bedienen. Die Wirkung von Alkohol kann durch Opipramol verstärkt werden, weshalb die Einnahme von Alkohol während der Behandlung zu vermeiden ist. ​

Opipramol ist ein beruhigender, stimmungshebender sowie angst- und spannungslösender Arzneistoff. Es unterscheidet sich in seiner Wirkungsweise von anderen trizyklischen Antidepressiva. Es hat im Gegensatz zu den meisten übrigen Vertretern dieser Gruppe keine hemmende Wirkung auf die Rückaufnahme von biogenen Aminen (z. B. Serotonin, Noradrenalin). Die Wirkungsweise vieler Psychopharmaka, so auch die Opipramols, ist noch nicht vollständig geklärt und deshalb nach wie vor Gegenstand der Forschung. So ist z.B. auch unklar, warum die Wirkung strukturverwandter Substanzen stark variieren kann. Aus diesem Grund wird die  Substanz heute primär als „stimmungsaufhellendes Anxiolytikum“ (stimmungsaufhellender Angstlöser) bezeichnet.

Opipramol wird folglich vorwiegend gegen Angststörungen (inkl. Spannungszustände) und weniger gegen Depressionen eingesetzt. Es gilt als eines der angstlösendsten Medikamente auf dem Markt, welches nicht abhängig macht.

Indikation
  • Angststörungen
  • Psychosomatische Erkrankungen
  • Leichte Depression (keine Zulassung in Deutschland)
  • Nervosität mit Schlafstörungen (keine Zulassung in Deutschland)
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1-3x täglich unabhängig der Mahlzeiten (höchste Dosis vorzugsweise Abends).
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Zieldosis: 50-300mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden. 

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 2-4 Stunden

Halbwertszeit: 7-11 Stunden

Bioverfügbarkeit: 90-98%

Wirkungseintritt: nach 2-5 Wochen täglicher Einnahme (Sedierung bereits nach 1-2 Stunden)

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%): keine

Häufig (1-10%): Sehstörungen, Schwindel, Schläfrigkeit, Benommenheit, Müdigkeit.

Gelegentlich (0.1-1%): Gewichtszunahme, Gewichtsabnahme, sexuelle Funktionsstörungen (inkl. Libidoverlust), Übelkeit, Erbrechen, Magenbeschwerden, Geschmacksstörungen, Mundtrockenheit, niedriger Blutdruck, verstopfte Nase, Herzrasen, Herzklopfen, EKG-Veränderungen, Schlafstörungen, Erregung, Unruhe, allergische Hautreaktionen (inkl. Hautausschlag, Nesselsucht, Juckreiz), Ödeme.

Selten (0.01-0.1%): Schwitzen, Probleme beim Wasserlassen, Verstopfungen, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, verschwommenes Sehen, grosse Pupillen, Kopfschmerzen, Zittern (Tremor), Missempfindungen der Haut (Kribbeln, Taubheitsgefühle etc.).

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen/Einzelfälle/Häufigkeit unbekannt): Veränderungen von Blutwerten (Leukopenie, Thrombozytopenie), Angioödem, Angst, Delirium, Angstträume, Störungen der Bewegungskoordination, epileptische Anfälle, Bewegungsstörungen, Überleitungsstörungen (Herz), Leberfunktionsstörungen, Gelbsucht, Leberschäden (nach Langzeitanwendung), Haarausfall, Milchfluss ohne Schwangerschaft/Stillzeit, Suizidgedanken, erhöhtes Risiko von Knochenbrüchen.

Warnung: Eine gravierendere Nebenwirkung vor allem zu Beginn der Einnahme oder bei einer Dosiserhöhung kann das Auftreten bzw. die Verstärkung von Suizidgedanken sein. Suizidalität als vorübergehende Nebenwirkung ist bei tri- und tetrazyklischen Antidepressiva nicht die Regel, kann jedoch auch nicht vollständig ausgeschlossen werden. Wenden Sie sich gesetztenfalls sofort an einen Arzt!

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Einige Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Opipramol:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Opipramol-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen), Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen).
  • Wenn Sie kürzlich einen Herzinfarkt hatten.
  • Bei akuter Alkohol-, Schlafmittel-, Schmerzmittel- und Psychopharmaka-Vergiftungen.

 

Bei der Einnahme von Opipramol ist Vorsicht geboten…

  • Wenn bei Ihnen ein erhöhter Augeninnendruck (Glaukom) festgestellt wurde.
  • Wenn Sie Probleme beim Wasserlassen haben.
  • Wenn Sie unter schweren Leber- oder Nierenerkrankungen leiden.
  • Wenn Sie Epileptiker/in sind oder früher Krampfanfälle hatten.
  • Wenn Sie unter Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems leiden.
  • Wenn bei Ihnen eine Fehlfunktion der Schilddrüse festgestellt wurde.
  • Wenn Sie zu allergischen Hautreaktionen neigen.
  • Wenn Sie unter Zuckerunverträglichkeit leiden.

 

Opipramol soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Andere Antidepressiva (inkl. Johannniskraut)
  • Antiepileptika
  • Anti-Parkinson-Medikamente
  • Antihistaminika (gegen Allergien)
  • Neuroleptika
  • Arzneimittel gegen Herzrhythmusstörungen
  • Barbituriate
  • Benzodiazepine und Z-Drugs
  • Blutverdünner
  • Magensäurehemmer
  • Blutdrucksteigernde oder -senkende Arzneimittel

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

Es gibt klare Hinweise für Risiken von Entwicklungsstörungen für den menschlichen Fötus. Daher ist die Anwendung von Opipramol während der Schwangerschaft zu vermeiden und nur dann in Betracht zu ziehen, wenn der therapeutische Nutzen das potentielle Risiko für den Föten überwiegt.

Opipramol soll in der Stillzeit nicht angewendet werden, da der Wirkstoff in geringen Mengen in die Muttermilch übertritt. Bei zwingender Indikation ist abzustillen.

Studien

Vergleich mit Placebo: Bei somatoformen Störungen, die sich in wechselnden körperlichen Beschwerden ausdrücken, zeigte sich Opipramol einer Placebogabe signifikant überlegen.

Vergleich mit Alprazolam: Bei der generalisierten Angststörung erwies sich Opipramol als gleich gut wirksam wie Alprazolam, wobei das Benzodiazepin (Alprazolam) stärker sedierte.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.