Antidepressivum (SSRI) | Indikation: Depression, Panikstörung, GAS, Zwangsstörung und PTBS
Handelsnamen: Paroxat, Deroxat etc.

Allgemeine Informationen

Paroxetin wurde von der Firma GlaxoSmithKline entwickelt und 1992 auf den Markt gebracht.

Paroxetin ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der „selektiven Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer“ (SSRI). Es wird heute vorwiegend unter den Handelsnamen Paroxat und Deroxat vertrieben. Weiter Namen sind llenopar, Dropax, Parexat, Parocetan, ParoLich, Paronex, Paroxalon,  Paroxetop, Seroxat, Stiliden und Tagonis. Auch als Generika ist es erhältlich. Paroxetin ist zur Behandlung von Depressionen, Panikstörungen, generalisierten Angststörungen, Zwangsstörungen und Posttraumatischen-Belastungsstörungen (PTBS) zugelassen. Es ist ab 18 Jahren erhältlich. Paroxetin kann das Lenken einen Fahrzeuges oder das Bedienen einer Maschine verunmöglichen. Bezüglich Alkohol sind keine Wechselwirkungen bekannt, dennoch ist Vorsicht geboten.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich während des Frühstücks.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 20-60mg

Die Dosierung muss von einem Arzt individuell festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niedrigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 5 Stunden

Halbwertszeit: 4-65 Stunden (Mittelwert 1 Tag)

Bioverfügbarkeit: 90-100%

Wirkungseintritt: nach 2-4 Wochen bei Depressionen / 3-5 Wochen bei Angststörungen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Bewusstseinsstörungen, Schlaflosigkeit, Übelkeit, sexuelle Funktionsstörungen.

Häufig (1-10%): Erhöhte Cholesterin-Werte, Appetitverlust, Agitiertheit, abnormale Träume,  Schwindel, Zittern, Kopfschmerzen, Gähnen, Verstopfung, Durchfall, Erbrechen, Mundtrockenheit, Schwitzen, Kraftlosigkeit, Gewichtszunahme, Absetzsymptome.

Gelegentlich (0.1-1%): Abnormale Blutungen, Verwirrtheit, Halluzinationen, Störung im Bewegungsablauf, verschwommenes Sehen, Erweiterung der Pupillen, Herzrasen, EKG-Veränderungen, Erweiterung der Blutgefässe, Regulatonsprobleme des Blutdrucks, kurze spontane Bewusstlosigkeit, Hautausschlag, Juckreiz, Probleme beim Entleeren der Harnblase, Austreten von Urin, Sehstörungen, Herzklopfen, Reizbarkeit, Durchfall.

Selten (0.01-0.1%): Niedriger Natrium-Spiegel im Blut, manische Reaktionen, Angstzustände, Depersonalisation, Panikattacken, motorische Unruhe, Krampfanfälle, Restless-Legs-Syndrom, grüner Star, tiefe Herzschlagfrequenz, Erhöhung von Leberenzymwerten, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Erhöhung des Prolaktinspiegels im Blut.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • 14 Tage vor, während und bis 14 Tage nach MAO-Hemmer-Therapie
  • gleichzeitig mit Thioridazin oder Pimozid
  • Schwangerschaft & Stillzeit

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Bei gleichzeitiger Einnahme von antidepressiven Medikamenten von Typ der MAO-Hemmer, von Lithium und Johanniskraut sowie unter anderem von Triptanen gegen Migräne kann es zu schwerwiegenden Reaktionen einschließlich des Serotonin-Syndroms kommen. Ebenso kann es bei gleichzeitiger Gabe des Hustenmittels Dextromethorphan ebenfalls zu einem Serotonin-Syndrom kommen. Anzeichen eines Serotonin-Syndroms sind: Pulsanstieg, Blutdruckanstieg, Schwitzen, „Grippegefühl“, Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, schnelle Atmung, Pupillenerweiterung, Unruhe, Wahnvorstellungen, Bewußtseins- und Bewegungsstörungen, Zittern und Muskelkrämpfe.

Der Blutspiegel und damit Wirkung und Nebenwirkungen von Neuroleptika wie Thioridazin, Pimozid und tri- und tetrazyklischen Antidepressiva kann durch Paroxetin-Einnahme erhöht werden.

Bei gleichzeitiger Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten (Antikoagulanzien) und nicht-steroidalen Antirheumatika sowie Acetylsalicylsäure und anderen Thrombozytenaggregationshemmern kann das Blutungsrisiko erhöht sein.

Der Abbau von Paroxetin im Körper wird durch die Antiepileptika Carbamazepin, Phenobarbital und Phenytoin sowie das Tuberkulose-Mittel Rifampicin beschleunigt. Gegebenenfalls ist bei Kombination eine Dosisanpassung durch den Arzt nötig.

Die tägliche Einnahme von Paroxetin führt zu einem deutlichen Anstieg der Blutkonzentration von Procyclidin (gegen Parkinson-Krankheit). Falls bei der Parkinson-Behandlung mit diesem Wirkstoff starke Nebenwirkungen auftreten, sollte der Arzt die Procyclidin-Dosis vermindern.

Werden Brustkrebs-Patientinnen mit dem Zytostatikum Tamoxifen behandelt, kann Paroxetin dessen Wirksamkeit einschränken. Der Wirkstoff behindert nämlich das Enzym für die Umwandlung von Tamoxifen in dessen aktive Form Endoxifen. Als Folge dieser Wechselwirkung steigt die Sterblichkeit bei der betroffenen Patientinnengruppe. Um den Erfolg einer Tamoxifen-Behandlung nicht zu gefährden, sollte der Arzt Venlafaxin als Antidepressivum wählen, da es das Enzym nicht behindert.

Schwangerschaft & Stillzeit

Neuere Studien zur Anwendung von Antidepressiva während des ersten Schwangerschaftstrimenons berichten über ein erhöhtes Risiko kongenitaler Missbildungen im Zusammenhang mit der Anwendung von Paroxetin.

Nach Einnahme von Paroxetin bzw. anderen SSRI’s am Ende der Schwangerschaft, traten bei einigen Neugeborenen folgende Absetzsymptome auf: Ess- und Schlafstörungen, Atmungsschwierigkeiten, bläuliche Verfärbung der Haut, Atemunterbrüche, Krampfanfälle, Temperaturschwankungen, zu niederiger Blutzuckerspiegel, Tremor, abnormale Muskelspannungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Erbrechen, abnormale Irritabilität, Überspanntheit, Lethargie, Schläfrigkeit und anhaltendes Weinen.

Eine SSRI-Exposition in der späten Schwangerschaft kann das Risiko für eine persistierende pulmonale Hypertonie beim Neugeborenen (PPHN) erhöhen.

Geringe Mengen Paroxetin gehen in die Muttermilch über. Es wurden keine Anzeichen von Arzneimittelwirkungen bei Kindern beobachtet. Trotzdem sollte Paroxetin während der Stillzeit nicht angewendet werden. Ist die Verabreichung des Präparates unabdingbar, sollte abgestillt werden.

Studien

Die antidepressive Wirksamkeit von Paroxetin ist gut dokumentiert. Das Medikament wurde in kontrollierten Studien mit Placebo, trizyklischen Antidepressiva, Mianserin, aber auch mit anderen Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) verglichen.

Alle im folgenden beschriebenen Studien wurden randomisiert und doppelblind durchgeführt und dauerten 6 Wochen. Einbezogen waren Patienten mit einer schweren unipolaren Depression gemäss den Kriterien des amerikanischen «Diagnostic and Statistical Manual of MentalDisorders» (DSM-III-R). Die Gewichtung der Depression und die Beurteilung der medikamentösen Wirkung erfolgte aufgrund anerkannter psychometrischer Bewertungssysteme (z.B. «Hamilton Depression Rating Scale», «Montgomery Asberg Depression Rating Scale»). In der Regel wurde ein Behandlungserfolg als eine Abnahme der Skalenpunkte um 50% definiert.

Vergleich mit Imipramin: In sechs placebokontrollierten Studien wurde Paroxetin bei insgesamt 645 Patienten mit Imipramin verglichen. Die zwischen 18 und 65 Jahre alten Patienten erhielten nach einer Placeboperiode Paroxetin (10 bis 50 mg/Tag), Imipramin (65 bis 275 mg/Tag) oder Placebo. In vier der sechs Studien ergab sich eine gleichwertige antidepressive Wirkung von Imipramin und Paroxetin.

In einer Studie allerdings waren zwar beide Medikamente dem Placebo überlegen, Imipramin zeigte sich aber gemäss den meisten Bewertungsskalen signifikant wirksamer als Paroxetin. Von 118 behandelten Patienten sprachen 48% aus der Paroxetingruppe auf die Therapie an, in der Imipramingruppe waren es 64% und in der Placebogruppe 33%.4 In der Gesamtbeurteilung der sechs Studien zeichnete sich Paroxetin gegenüber Imipramin durch eine tendenziell früher einsetzende Wirkung aus, insbesondere auch in der Beeinflussung von begleitenden Angstsymptomen.

Vergleich mit Amitriptylin: Amitriptylin und Paroxetin wurden in verschiedenen Studien bei über 500 spitalexternen Patienten miteinander verglichen, wobei die beiden Substanzen in ihrer Wirkung als gleichwertig beurteilt wurden. Diese Ergebnisse konnten auch in einer Multizenterstudie mit hospitalisierten Patienten bestätigt werden, in der die Patienten nach einer Placeboperiode Amitriptylin (150 mg/Tag) oder Paroxetin (30 mg/Tag) erhielten. Von den mit Paroxetin behandelten Personen sprachen 74% auf die Therapie an, in der Vergleichsgruppe mit Amitriptylin waren es 87%.

Vergleich mit Clomipramin: Im Vergleich mit Clomipramin erhielten nach einer kurzen Placeboperiode 120 hospitalisierte Patienten fixe Dosen Paroxetin (30 mg pro Tag) oder Clomipramin (150 mg pro Tag). Schon nach zwei Wochen aktiver Behandlung war Clomipramin Paroxetin in seiner antidepressiven Wirksamkeit signifikant überlegen. Dieser Unterschied blieb während des weiteren Studienverlaufs bestehen. Nach vier Wochen wurde die Paroxetin-Behandlung bei 45% dieser Gruppe wegen ungenügender Wirkung abgebrochen; die Clomipramin-Behandlung war dagegen nur bei 13% erfolglos. Gesamthaft ergab sich ein hochsignifikanter Unterschied im Sinne einer höheren antidepressiven Wirksamkeit von Clomipramin.

Ein anderer Vergleich mit Clomipramin, bei Patienten im Alter von über 60 Jahren, zeigte dagegen gleichwertige Resultate mit den beiden Antidepressiva.

Vergleich mit Fluoxetin: In einer multizentrischen Studie erhielten zum Beispiel 178 hospitalisierte Patienten 20 mg Paroxetin oder 20 mg Fluoxetin täglich. Beide Serotonin-Wiederaufnahmehemmer erbrachten eine ähnliche antidepressive Wirkung. In anderen Vergleichen zwischen den beiden Medikamenten zeigte Paroxetin eine rascher einsetzende, schliesslich aber gleichwertige Wirkung wie Fluoxetin.

Vergleich mit Duloxetin: Weitere Studien erbrachten den Nachweis, dass Paroxetin im Vergleich Duloxetin leicht unterlegen ist. Zwei Doppelblindstudien mit identischem Protokoll umfassten zusammen 759 Personen mit einer Depression; die Behandlung erfolgte in ungefähr gleich grossen Gruppen mit Duloxetin (eine Gruppe mit 80mg/Tag, die andere mit 120mg/Tag), Paroxetin (20mg/Tag) oder Placebo. Nach 8 Wochen wurden nur diejenigen für weitere 6 Monate weiterbehandelt, die bis dahin deutlich auf die Behandlung angesprochen hatten. Die Resultate einer dieser Studien (mit 392 Teilnehmenden) zeigen auf, wie prekär der Nachweis einer antidepressiven Wirksamkeit ist: Nach der Anfangsphase von 8 Wochen war der Hamilton- Punktewert in keiner «aktiv» behandelten Gruppe signifikant mehr gesunken als in der Placebogruppe. Nur wenn die Zahlen über die ganzen 8 Wochen interpoliert wurden («mixed-effects repeated measures»), ergab sich für die beiden Duloxetingruppen ein signifikant besseres Resultat. Aus allen Gruppen wurden rund drei Viertel der Teilnehmenden in die Fortsetzungsphase aufgenommen. In den folgenden 6 Monaten zeigten sich in Bezug auf Rückfälle keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen; auch in der Placebogruppe konnte der Therapieerfolg der akuten Phase bei 84% aufrechterhalten werden.

Vergleich mit Agomelatin: In einer doppelblinden Dosis-Findungsstudie wurden bei insgesamt 711 Personen Agomelatin-Tagesdosen von 1 mg, 5 mg und 25 mg während 8 Wochen mit Placebo und mit Paroxetin (20 mg/Tag) verglichen. Gegenüber Placebo war die Punktezahl auf der HAM-D17 unter der 25-mg-Dosis und unter Paroxetin im Studiendurchschnitt signifikant kleiner. Die Zahl der sogen. «Responder» (Personen, bei denen die Punktezahl um mindestens 50% abgenommen hatte) war am Ende der Studie in der 1-mg-Agomelatin-Gruppe am grössten (62,5%) und in der 25-mg-Gruppe annähernd gleich hoch (61,5%); in der Placebo-Gruppe waren 46,3% Responder.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden!

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