Borderline Persönlichkeitsstörung

Die Borderline Persönlichkeitsstörung oder emotional instabile Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs ist eine psychische Erkrankung. Typisch für sie sind Impulsivität, instabile zwischenmenschliche Beziehungen, rasche Stimmungswechsel und ein schwankendes Selbstbild.

Bei dieser Persönlichkeitsstörung sind bestimmte Vorgänge in den Bereichen Gefühle, Denken und Handeln beeinträchtigt. Dies führt zu problematischen und teilweise paradox wirkenden Verhaltensweisen in sozialen Beziehungen mit anderen und sich selbst gegenüber. Dadurch kann die Borderline-Störung oft zu erheblichen Belastungen führen und die Lebensqualität schwer beeinträchtigen.

Die BPS wird häufig von weiteren psychischen Erkrankungen begleitet, es besteht z. B. eine hohe Komorbidität (gemeinsames Auftreten) mit Depressionen und der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS).

Fünf der folgenden neun Kriterien müssen erfüllt werden, damit man von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung spricht:

  • Hektisches Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden. (Beachte: Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt, die in Kriterium 5 enthalten sind.)
  • Ein Muster instabiler und intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist
  • Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung
  • Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen (z. B. Geldausgaben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, „Essanfälle“). (Beachte: Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt, die in Kriterium 5 enthalten sind.)
  • Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten
  • Affektive (emotionale)  Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung (z. B. hochgradige episodische Misslaunigkeit (Dysphorie), Reizbarkeit oder Angst, wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur selten mehr als einige Tage andauern)
  • Chronische Gefühle von Leere
  • Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren (z. B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche Auseinandersetzungen)
  • Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome

Eine US-amerikanische Untersuchung fand in einer Bevölkerungsstichprobe aus den Jahren 2004 und 2005 bei 34.653 Erwachsenen eine Lebenszeitprävalenz von 5,9%, dabei 6,2% bei Frauen und 5,6% bei Männern. Der geringe Geschlechterunterschied war statistisch nicht signifikant.

Die Daten von 6.330 11-jährigen Kindern in Bristol (England) von 2002 bis 2004 zeigten, dass 3,2% die diagnostischen Kriterien erfüllten. Auch hier war der Geschlechterunterschied unbedeutend.

Die US-amerikanische Stichprobe zeigte eine stetige Abnahme der Prävalenz mit zunehmendem Alter, 20–29 Jahre: 9,3%; 30–44 Jahre: 7,0%; 45–64 Jahre: 5,5%; 65+ Jahre: 2,0%.

Bedenken Sie, dass es bei allen Persönlichkeitsstörungen Kriterien gibt, die auf einem zutreffen können. Wichtig ist, dass die vorgeschriebenen Symptome in ausreichender Anzahl und klinischer Relevanz (Stärke) auftreten.

Paranoide Persönlichkeitsstörung

Die paranoide Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch besondere Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisung, Nachtragen von Kränkungen, übertriebenes Misstrauen sowie die Neigung, Erlebtes in Richtung auf feindselige Tendenzen gegenüber der eigenen Person zu deuten. Neutrale und freundliche Handlungen anderer werden als feindlich, herabsetzend oder verächtlich machend erlebt. In manchen Fällen kann ein Eifersuchtswahn auftreten, wobei auf unberechtigten Verdächtigungen hinsichtlich der sexuellen Treue von Partnern starrsinnig und streitsüchtig bestanden wird. Menschen mit einer paranoiden Persönlichkeitsstörung können zu überhöhtem Selbstwertgefühl und übertriebener Selbstbezogenheit neigen.

Mindestens vier der folgenden sieben Punkte müssen zutreffen, damit man von einer paranoiden Persönlicheitsstörung spricht:

  • Übertriebene Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisung
  • Neigung, dauerhaft Groll zu hegen, das heisst subjektiv erlebte Beleidigungen, Verletzungen oder Missachtungen werden nicht vergeben
  • Misstrauen und eine anhaltende Tendenz, Erlebtes zu verdrehen, indem neutrale oder freundliche Handlungen anderer als feindlich oder verächtlich missdeutet werden
  • Streitbarkeit und beharrliches, situationsunangemessenes Bestehen auf eigenen Rechten
  • häufiges ungerechtfertigtes Misstrauen hinsichtlich der sexuellen Treue des Ehe- oder Sexualpartners
  • ständige Selbstbezogenheit, besonders in Verbindung mit starker Überheblichkeit
  • häufige Beschäftigung mit unbegründeten Gedanken an Verschwörungen als Erklärungen für Ereignisse in der näheren oder weiteren Umgebung

Es wird von einer Prävalenz von 0,5 bis 2,5% Betroffenen in der Gesamtbevölkerung ausgegangen.

Bedenken Sie, dass es bei allen Persönlichkeitsstörungen Kriterien gibt, die auf einem zutreffen können. Wichtig ist, dass die vorgeschriebenen Symptome in ausreichender Anzahl und klinischer Relevanz (Stärke) auftreten.

Schizoide Persönlichkeitsstörung

Die schizoide Persönlichkeitsstörung (nicht mit der schizotypischen Persönlichkeitsstörung zu verwechseln) zeichnet sich durch einen Rückzug von gefühlsbetonten und zwischenmenschlichen Kontakten aus. Typisch dafür sind eine übermässige Vorliebe für Fantasie und Selbstbeobachtung, Einzelgängertum und eine in sich gekehrte Zurückhaltung. Die Betroffenen verfügen nur über ein begrenztes Vermögen, Gefühle auszudrücken und Freude zu zeigen.

Mindestens vier der folgenden neun Kriterien müssen bei einer schizoiden Persönlichkeitsstörung zutreffen:

  • wenn überhaupt, dann bereiten nur wenige Tätigkeiten Freude
  • zeigt emotionale Kühle, Distanziertheit oder abgeflachte Affektivität
  • reduzierte Fähigkeit, warme, zärtliche Gefühle für andere oder Ärger auszudrücken
  • erscheint gleichgültig gegenüber Lob oder Kritik von anderen
  • wenig Interesse an sexuellen Erfahrungen mit einem anderen Menschen (unter Berücksichtigung des Alters)
  • fast immer Bevorzugung von Aktivitäten, die allein durchzuführen sind
  • übermässige Inanspruchnahme durch Fantasien und Introspektion
  • hat keine oder wünscht keine engen Freunde oder vertrauensvollen Beziehungen (oder höchstens eine)
  • deutlich mangelndes Gespür für geltende soziale Normen und Konventionen. Wenn sie nicht befolgt werden, geschieht das unabsichtlich

Bezüglich Häufigkeit wird von 0,4 bis 0,9% Betroffener in der Bevölkerung ausgegangen. Das heisst, dass die Störung im Vergleich zu anderen Persönlichkeitsstörungen relativ selten ist: Sie macht ca. 3,8% aller diagnostizierten Persönlichkeitsstörungen aus. Frauen und Männer sind ungefähr gleich häufig betroffen.

Bedenken Sie, dass es bei allen Persönlichkeitsstörungen Kriterien gibt, die auf einem zutreffen können. Wichtig ist, dass die vorgeschriebenen Symptome in ausreichender Anzahl und klinischer Relevanz (Stärke) auftreten.

Schizotypische Persönlichkeitsstörung

Die schizotypische Persönlichkeitsstörung (nicht zu verwechseln mit der schizoiden Persönlichkeitsstörung) zeichnet sich durch ein tiefgreifendes Verhaltensdefizit im zwischenmenschlichen und psychosozialen Bereich aus. Das äussert sich in Verhaltenseigentümlichkeiten, mangelnder Fähigkeit zu engen persönlichen Beziehungen und Verzerrungen in Denken und Wahrnehmung. Das Auftreten ist oft schrullig und exzentrisch.

Mindestens fünf der folgenden neun Kriterien müssen bei einer schizotypischen Persönlichkeitsstörung vorhanden sein:

  • Inadäquater oder eingeschränkter Affekt (der Patient erscheint kalt und unnahbar)
  • Seltsame(s), exzentrische(s) und eigentümliche(s) Verhalten und Erscheinung
  • Wenig soziale Bezüge und Tendenz zu sozialem Rückzug
  • Seltsame Glaubensinhalte und magisches Denken, die das Verhalten beeinflussen und im Widerspruch zu (sub)kulturellen Normen stehen
  • Misstrauen oder paranoide Ideen
  • Zwanghaftes Grübeln ohne inneren Widerstand, oft mit dysmorphophoben, sexuellen oder aggressiven Inhalten
  • Ungewöhnliche Wahrnehmungsinhalte mit Körpergefühlsstörungen oder anderen Illusionen, mit Depersonalisations- oder Derealisationserleben
  • Denken und Sprechen vage, umständlich, metaphorisch, gekünstelt, stereotyp oder anders seltsam, ohne ausgeprägte Zerfahrenheit
  • Gelegentlich vorübergehende quasi-psychotische Episoden mit intensiven Illusionen, akustischen und anderen Halluzinationen und wahnähnlichen Ideen; diese Episoden treten im Allgemeinen ohne äussere Veranlassung auf

Die Störung ist insgesamt noch wenig erforscht. Es wird von 0,5–3 % Betroffenen in der Bevölkerung ausgegangen. Manche Autoren gehen davon aus, dass diese Störung, vor allem in ihrer hochgradigen Ausprägung, sogar nur 0,05–0,1 % der Bevölkerung ausmacht.

Bedenken Sie, dass es bei allen Persönlichkeitsstörungen Kriterien gibt, die auf einem zutreffen können. Wichtig ist, dass die vorgeschriebenen Symptome in ausreichender Anzahl und klinischer Relevanz (Stärke) auftreten.

Dissoziale Persönlichkeitsstörung

Typisch für diese Persönlichkeitsstörung sind Verantwortungslosigkeit und Missachtung sozialer Normen, Regeln und Verpflichtungen, fehlendes Schuldbewusstsein sowie geringes Einfühlungsvermögen in andere. Oft besteht eine niedrige Schwelle für aggressives oder gewalttätiges Verhalten, eine geringe Frustrationstoleranz sowie mangelnde Lernfähigkeit aufgrund von Erfahrung. Beziehungen zu anderen Menschen werden eingegangen, sind jedoch nicht stabil.

Mindestens drei der folgenden sieben Kriterien müssen erfüllt sein, damit man von einer dissozialen Persönlichkeitsstörung spricht:

  1. Mangelnde Empathie und Gefühlskälte gegenüber anderen
  2. Missachtung sozialer Normen
  3. Beziehungsschwäche und Bindungsstörung
  4. Geringe Frustrationstoleranz und impulsiv-aggressives Verhalten
  5. Mangelndes Schulderleben und Unfähigkeit zu sozialem Lernen
  6. Vordergründige Erklärung für das eigene Verhalten und unberechtigte Beschuldigung anderer
  7. Anhaltende Reizbarkeit

Menschen mit dissozialer Persönlichkeitsstörung kommen häufiger als im Bevölkerungsdurchschnitt mit dem Gesetz in Konflikt. Etwa drei Prozent der Männer und ein Prozent der Frauen betroffen. Am häufigsten findet sich die dissoziale Persönlichkeitsstörung in Suchtbehandlungszentren und forensischen Gefängnissen (grösser als 70%).

Bedenken Sie, dass es bei allen Persönlichkeitsstörungen Kriterien gibt, die auf einem zutreffen können. Wichtig ist, dass die vorgeschriebenen Symptome in ausreichender Anzahl und klinischer Relevanz (Stärke) auftreten.

Histrionische Persönlichkeitsstörung

Das Störungsbild ist gekennzeichnet durch eine übertriebene Emotionalität und ein übermässiges Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Bestätigung, Anerkennung und Lob. Bereits geringfügige Anlässe führen zu extrem anmutenden Gefühlsveränderungen, die ihrerseits eine Veränderung des affektiven (emotionalen) Erlebens, kognitiven Urteilens und Handelns anderer in der Situation mitbewirken.

Mindestens vier der folgenden sechs Kriterien müssen erfüllt sein:

  • Dramatische Selbstdarstellung, theatralisches Auftreten oder übertriebener Ausdruck von Gefühlen
  • Suggestibilität, leichte Beeinflussbarkeit durch Andere oder durch Ereignisse (Umstände)
  • oberflächliche, labile Affekte
  • ständige Suche nach aufregenden Erlebnissen und Aktivitäten, in denen die betreffende Person im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht
  • unangemessen verführerisches Erscheinen oder Verhalten
  • übermässige Beschäftigung damit, äußerlich attraktiv zu erscheinen.

Untersuchungen zur Häufigkeit gibt es nicht. Es wird davon ausgegangen, dass die etwa 2% der Bevölkerung betrifft.

Bedenken Sie, dass es bei allen Persönlichkeitsstörungen Kriterien gibt, die auf einem zutreffen können. Wichtig ist, dass die vorgeschriebenen Symptome in ausreichender Anzahl und klinischer Relevanz (Stärke) auftreten.

Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

Die zwanghafte (anankastischen) Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch Gefühle von Zweifel, Perfektionismus, übertriebener Gewissenhaftigkeit, ständige Kontrollen, allgemein grosse Vorsicht und Starrheit in Denken und Handeln, die sich als Unflexibilität, Pedanterie und Steifheit zeigt.

Typisch ist des Weiteren die übermässige Beschäftigung mit Details und Regeln, so dass die eigentliche Aktivität oftmals in den Hintergrund tritt. Es können beharrliche und unerwünschte Gedanken oder Impulse auftreten, die nicht die Schwere einer Zwangsstörung erreichen.

Die Fähigkeit zum Ausdruck von Gefühlen ist häufig vermindert. In zwischenmenschlichen Beziehungen wirken Betroffene dementsprechend kühl und rational. Die Anpassungsfähigkeit an die Gewohnheiten und Eigenheiten der Mitmenschen ist eingeschränkt. Vielmehr wird die eigene Prinzipien- und Normentreue von anderen erwartet.

Menschen mit zwanghafter Persönlichkeitsstörung sind meist übermässig leistungsorientiert und perfektionistisch. Daher erweisen sie sich im Arbeitsleben als fleissig, übermässig gewissenhaft und übergenau, wobei der überstrenge Perfektionismus die Aufgabenerfüllung mitunter verhindert. Ihre Angst vor Fehlern behindert die Entscheidungsfähigkeit der Betroffenen.

Mindestens vier der folgenden 8 Kriterien müssen erfüllt werden, damit man von einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung spricht:

  • Übermässiger Zweifel und Vorsicht
  • Ständige Beschäftigung mit Details, Regeln, Listen, Ordnung, Organisation und Planungen
  • Perfektionismus, der die Fertigstellung von Aufgaben behindert
  • Überzogene Gewissenhaftigkeit, Skrupelhaftigkeit und unverhältnismässige Leistungsbezogenheit unter Vernachlässigung von Vergnügen und zwischenmenschlichen Beziehungen
  • Übermässige Pedanterie und Befolgung von Konventionen
  • Rigidität und Eigensinn
  • Unbegründetes Bestehen auf Unterordnung Anderer unter eigene Gewohnheiten oder unbegründetes Zögern, Aufgaben zu delegieren
  • Aufdrängen beharrlicher und unerwünschter Gedanken oder Impulse

Etwa 1% der Gesamtbevölkerung ist von einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung betroffen.

Bedenken Sie, dass es bei allen Persönlichkeitsstörungen Kriterien gibt, die auf einem zutreffen können. Wichtig ist, dass die vorgeschriebenen Symptome in ausreichender Anzahl und klinischer Relevanz (Stärke) auftreten.

Ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung

Die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch übermässige Sorge bis hin zur Überzeugung, abgelehnt zu werden, unattraktiv oder minderwertig zu sein. Folgen sind andauernde Angespanntheit und Besorgtsein, der Lebensstil ist wegen des starken Bedürfnisses nach Sicherheit starken Einschränkungen unterworfen. Teilweise sind Betroffene überempfindlich gegenüber Ablehnung oder Kritik.

Mindestens vier der folgenden sechs Kriterien müssen erfüllt sein:

  • andauernde und umfassende Gefühle von Anspannung und Besorgtheit
  • Überzeugung, selbst sozial unbeholfen, unattraktiv oder im Vergleich mit anderen minderwertig zu sein
  • übertriebene Sorge, in sozialen Situationen kritisiert oder abgelehnt zu werden
  • persönliche Kontakte nur, wenn Sicherheit besteht, gemocht zu werden
  • eingeschränkter Lebensstil wegen des Bedürfnisses nach körperlicher Sicherheit
  • Vermeidung beruflicher oder sozialer Aktivitäten, die intensiven zwischenmenschlichen Kontakt bedingen, aus Furcht vor Kritik, Missbilligung oder Ablehnung

Die Häufigkeit der selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung liegt bei nur 1–2%. Männer sind ebenso häufig betroffen wie Frauen.

Bedenken Sie, dass es bei allen Persönlichkeitsstörungen Kriterien gibt, die auf einem zutreffen können. Wichtig ist, dass die vorgeschriebenen Symptome in ausreichender Anzahl und klinischer Relevanz (Stärke) auftreten.

Abhängige Persönlichkeitsstörung

Die abhängige Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch überstarke Trennungsängste, klammerndes Verhalten, geringes Selbstbewusstsein und depressive Grundstimmung. Typisch für diese Persönlichkeitsstörung sind zusätzlich mangelndes Durchsetzungsvermögen und geringe Eigeninitiative.

Betroffene Personen fühlen sich schwach, hilflos und inkompetent, weswegen sie häufig ihre Mitmenschen für sich entscheiden lassen. Anderen gegenüber erscheinen sie passiv, unterwürfig und anhänglich. Aus Angst verlassen zu werden, äussern sie Ihre eigene Meinung oft nicht. Anders jedoch als etwa bei Personen mit ängstlich-vermeidender Persönlichkeitsstörung steht das Bedürfnis des Umsorgt-Werdens im Vordergrund.

Mindestens vier der folgenden sechs Kriterien müssen erfüllt sein:

  • Ermunterung oder Erlaubnis an andere, die meisten wichtigen Entscheidungen für das eigene Leben zu treffen
  • Unterordnung eigener Bedürfnisse unter die anderer Personen, zu denen eine Abhängigkeit besteht, und unverhältnismässige Nachgiebigkeit gegenüber deren Wünschen
  • Mangelnde Bereitschaft zur Äusserung selbst angemessener Ansprüche gegenüber Personen, von denen man abhängt
  • Unbehagliches Gefühl, wenn die Betroffenen alleine sind, aus übertriebener Angst, nicht für sich alleine sorgen zu können.
  • Häufiges Beschäftigtsein mit der Furcht, verlassen zu werden und auf sich selbst angewiesen zu sein
  • Eingeschränkte Fähigkeit, Alltagsentscheidungen zu treffen, ohne zahlreiche Ratschläge und Bestätigungen von anderen

Weniger als 1% der Gesamtbevölkerung sind von dieser Persönlichkeitsstörung betroffen.

Bedenken Sie, dass es bei allen Persönlichkeitsstörungen Kriterien gibt, die auf einem zutreffen können. Wichtig ist, dass die vorgeschriebenen Symptome in ausreichender Anzahl und klinischer Relevanz (Stärke) auftreten.

Narzistische Persönlichkeitsstörung

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung zeichnet sich durch einen Mangel an Empathie, Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und gesteigertes Verlangen nach Anerkennung aus. Sie suchen ständig neue Bestätigung, um ihr Selbstwertgefühl weiter zu stärken. Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung werden oftmals als arrogant, überheblich, snobistisch oder herablassend beschrieben. Sie können jedoch leistungsstark (in Schule, Beruf, Hobby) sein und haben bisweilen gepflegte und statusbewusste Umgangsformen. Betroffene sind immer auf der Suche nach Bewunderung und Anerkennung, wobei sie anderen Menschen wenig echte Aufmerksamkeit schenken. Es fällt ihnen schwer, auf die Bedürfnisse anderer Menschen einzugehen und sie verfügen über ein unrealistisches Selbstbild, wodurch sie unfähig sind, sich selbst anzunehmen. Sie haben ein übertriebenes Gefühl von Wichtigkeit, hoffen eine Sonderstellung einzunehmen und zu verdienen. Betroffene sind häufig sehr stolz und besitzen eine hohe Anspruchshaltung an sich selbst. Betroffene zeigen ein meist ausbeutendes Verhalten und einen Mangel an Empathie. Es können wahnhafte Störungen mit Größenideen auftreten. Die Betroffenen überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten und zerstören aus Missgunst, was Andere aufgebaut haben. Zudem zeigen Betroffene eine auffällige Empfindlichkeit gegenüber negativer Kritik, die sie oft global verstehen, was in ihnen Gefühle der Wut, Scham oder Demütigung hervorruft. Häufig wird deshalb, gerade im familiären Bereich, ein Netz aus Intrigen gesponnen, um sich ins rechte Licht zu rücken. Dies geschieht meist aus Selbstschutz und Angst vor weiterer Kritik. Hierbei werden als bedrohlich wahrgenommene Menschen durch teils erfundene oder übertriebene Geschichten herabgestuft.

Die Diagnose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung ergibt sich aus folgenden Kriterien:

  • Signifikante Beeinträchtigung in der Funktionalität der Persönlichkeit, die zum Ausdruck kommt durch Beeinträchtigung der Selbstfunktionen. Dabei müssen entweder Punkt A oder Punkt B und Punkt C oder Punkt D erfüllt werden.

    Punkt A: Exzessive Bezugnahme auf andere für die Selbst-Definition und für die Regulierung des Selbstwertgefühls; übertriebene Selbsteinschätzung, kann überhöht oder abgesenkt sein oder zwischen Extremen schwanken; emotionale Regulierung spiegelt Schwankungen im Selbstwertgefühl wider.

    oder

    Punkt B: Ziele werden abhängig von der Zustimmung anderer gesetzt; persönliche Standards sind unvernünftig hoch, damit man sich selbst als aussergewöhnlich ansehen kann, oder zu niedrig, jeweils abhängig von den Ansprüchen, zu denen man sich berechtigt fühlt.

    und

    Punkt C: Beeinträchtigte Fähigkeit, die Gefühle und Bedürfnisse anderer wahrzunehmen oder zu erkennen; übermässig auf die Reaktionen anderer abgestimmt, jedoch nur, wenn diese Reaktionen als relevant für einen selbst wahrgenommen werden; Über- oder Unterschätzung der eigenen Wirkung auf andere.

    oder

    Punkt D: Übermässiges Bemühen, die Aufmerksamkeit anderer zu erringen und zu erhalten; Heischen von Bewunderung.

  • Eine Zwiespältigkeit die durch überzogenes Selbstwertgefühl bzw. Berechtigungsdenken (entweder offen oder verdeckt), Selbstzentriertheit (fest davon überzeugt, dass man selbst besser ist als andere) und Herablassung gegenüber anderen gekennzeichnet ist. Ein weiterer Punkt ist das ¨bermässige Bemühen die Aufmerksamkeit anderer zu erringen und zu erhalten (heischen von Bewunderung).
  • Die Beeinträchtigungen der Persönlichkeitsfunktionalität und des Ausdrucks der Persönlichkeit sind über die Zeit und über unterschiedliche Situationen hinweg relativ stabil.
  • Die Beeinträchtigungen der Persönlichkeitsfunktionalität ergeben keine grössere Plausibilität, wenn man sie als Teil einer Entwicklungsphase der Person oder aus ihrer sozio-kulturellen Umgebung heraus zu erklären versucht.
  • Die Beeinträchtigungen der Persönlichkeitsfunktionalität und des Ausdrucks der Persönlichkeit gehen nicht allein auf die physiologischen Effekte einer Droge (z. B. einer Rauschdroge, eines Medikaments) oder einer allgemeinen medizinischen Gegebenheit (z. B. eines schweren Schädeltraumas) zurück.

Die Verbreitung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung wurde in unterschiedlichen Studien mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen bestimmt. Während viele Stichproben gar keine Person enthielten, die dem Symptombild entsprach, wurde in anderen eine Prävalenz von 0,4% bzw. 5,7% festgestellt.

Bedenken Sie, dass es bei allen Persönlichkeitsstörungen Kriterien gibt, die auf einem zutreffen können. Wichtig ist, dass die vorgeschriebenen Symptome in ausreichender Anzahl und klinischer Relevanz (Stärke) auftreten.

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