Anxiolytika (Antiepileptika) | Indikation: Generalisierte Angststörung (GAS)
Handelsname: Lyrica

Allgemeine Informationen

Pregabalin wurde mitte der Nullerjahre als Antiepileptika von der Firma Pfizer auf den europäischen Markt gebracht. Die anxiolytische (angstlösende) Wirkung wurde relativ rasch erkannt, jedoch die Indikation (Zulassung) erst einige Jahre später erweitert.

Pregabalin ist ein Anxiolytika bzw. ein Antiepileptikum mit angstösender Wirkung. Es ist ab dem 18. Altersjahr zur Behandlung einer generalisierter Angststörung, neurophatisches Schmerzen und Epilepsie zugelassen. Der off-lable use bei weiteren Angststörungen ist häufig. Pregabalin wird unter dem Handelsnamen Lyrica vertrieben, es sind jedoch auch Generika erhältlich. Bezüglich Fahrtüchtigkeit und dem Bedienen von Maschinen kann Pregabalin dies negativ beeinflussen. Bezüglich Alkohol sind keine Wechselwirkungen bekannt, es gibt jedoch Berichte, dass das Medikament die Wirkung von Alkohol verstärken kann.

Der Wirkmechanismus von Pregabalin wurde erst vor wenigen Jahren entdeckt. Er unterscheidet sich von demjenigen der γ-Aminobuttersäure (GABA), denn Pregabalin wirkt nicht an den GABA-Rezeptoren, sondern die GABA-ähnliche Wirkung wird über andere Mechanismen hervorgerufen.

Dies könnte erklären, wieso Pregabalin im Unterschied zu Benzodiazepinen nicht abhängig macht noch eine Toleranzentwicklung stattfindet. Allerdings gibt es dennoch Berichte bei denen Menschen mit einer vorgängig bestehenden Suchterkrankung abhängig wurden.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 2-3x täglich unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 300-600mg (bei hoher Dosierung in 2-3 Gaben)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Pregabalin wird grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 1 Stunde

Halbwertszeit: 6-7 Stunden

Bioverfügbarkeit: 92%

Wirkungseintritt: nach 2-3 Wochen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) varieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Benommenheit, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen.

Häufig (1-10%): Gewichtszunahme, Ödeme, Stürze, Gangstörungen, Trunkenheitsgefühl, Gefühlsstörung, Erschöpfung, Muskelkrämpfe, Gelenkschmerzen, Rückenschmerzen, Schmerzen in den Extremitäten, Zuckungen, Erbrechen, Verstopfungen, Blähungen, Mundtrockenheit, Schwindel, verschwommenes Sehen, Doppelbilder, Euphorie, Verwirrung, Reizbarkeit, Depression, Desorientierung, Schlaflosigkeit, verringerte Libido, gesteigerter Appetit, Entzündung von Nase und Rachen, Störung der Bewegungskoordination, Koordinationsstörungen, Tremor, Sprechstörungen, Amnesie, Gedächtnisstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, Kribbeln auf der Haut, Verminderung der Berührungs- und Drucksensibilität der Haut, Sedierung, Gleichgewichtstörungen, Lethargie.

Gelegentlich (0.1-1%): Blutwert-Probleme (Erhöhung der Kreatininphosphokinase, Alanin-Aminotransferase und Aspartat-Aminotransferase, erniedrigte Thrombozytenzahl, Hypokaliämie, Neutropenie), Gewichtsverlust, Engegefühl in der Brust, Schmerzen, Fieber, Durst, Frösteln, Kraftlosigkeit, Störungen der Sexualfunktion, verzögerte Ejakulation, Menstruationsbeschwerden, spontanes Wasserlassen, Störung der Blasenentleerung, Gelenkschwellung, Muskelschmerzen, Muskelzuckungen, Nackenschmerzen, Muskelsteife, Ausschläge, Nesselfieber, Schwitzen, Rückfluss vom Magen in die Speiseröhre, vermehrter Speichelfluss, Kurzatmigkeit, Nasenbluten, Husten, verstopfte Nase, Schnupfen, Schnarchen, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Herz-Probleme (Sinusbradykardie), Verlust des peripheren Sehvermögens («Tunnelblick»), Sehstörungen, geschwollene Augen, Gesichtsfeldausfälle, verminderte Sehschärfe, Augenschmerzen, Schwachsichtigkeit, Wahrnehmung von Lichterscheinungen, Augentrockenheit, verstärkter Tränenfluss, Augenreizungen, kurze spontane Bewusstlosigkeit, Muskelzuckungen, psychomotorische Hyperaktivität, Störung des Bewegungsablaufes, Zittern, unkontrollierbare, rhythmisch verlaufende Bewegungen eines Organs (Nystagmus); kognitive Störungen, Sprachstörungen, verringerte Reflexe, Überempfindlichkeit auf Berührungen, brennendes Gefühl, Halluzinationen, Ruhelosigkeit, Agitiertheit, Niedergeschlagenheit, gehobene Stimmung, Stimmungsschwankungen, Depersonalisation, abnormale Träume, Wortfindungsstörungen, gesteigerte Libido, Anorgasmie, Magersucht, niederiger Blutzuckerspiegel, hoher Blutzuckerspiegel, tierfer Blutdruck, hoher Blutdruck, Erröten, Hitzewallungen, kalte Extremitäten.

Selten (0.01-0.1%): Schmerzen in den Brüsten, Ausbleiben der Menstruation, Absonderungen aus der Brust, Brustvergrösserung, Nierenversagen, Nierenfunktionsstörungen, Auflösung quergestreifter Muskelfasern, kalter Schweiss, Flüssigkeitsansammlung in der freien Bauchhöhle, Bauchspeicheldrüseentzündung, Schluckstörungen, Engegefühl im Hals, trockene Nase, beschleunigte Herzfrequenz, Schallempfindlichkeit, verwackeltes Sehen, verändertes räumliches Sehen, Erweiterung der Pupillen, Schielen, Lichtempfindlichkeit, Starrezustände, Geruchsstörungen, verminderte Beweglichkeit, Geschmaksstörungen, Unfähigkeit zu Schreiben, Panikattacken, Enthemmung, Apathie, Blutwert-Probleme (erniedrigte Leukozytenzahl, erhöhte Kreatininwerte).

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Einige Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

 

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • Fortpflanzung bei der Frau
  • Schwangerschaft & Stillzeit

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Pregabalin kann die Wirkung von Alkohol und dem Benzodiazepinen verstärken. Nach der Markteinführung des Wirkstoffs traten Fälle von Atembeschwerden und Koma auf, wenn Pregabalin zusammen mit anderen Substanzen eingenommen wurde, die die Gehirntätigkeit abdämpfen. Auch verstärkt Pregabalin bei dem opioiden Schmerzmittel Oxycodon möglicherweise unerwünschte Störungen des Denkens und der Bewegung.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine kontrollierten klinischen Studien zur Anwendung von Pregabalin bei schwangeren Frauen vor. Desshalb ist die Einnahme von Pregabalin während der Schwangerschaft nicht zu empfehlen.

Pregabalin tritt in die Muttermilch über. Die Sicherheit von Pregabalin bei Säuglingen ist nicht bekannt, daher wird empfohlen, während der Behandlung nicht zu stillen.

Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden!

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