Eine Psychotherapie ist elementarer Bestandteil jeder Behandlung. Sie kann als Monotherapie (einzige Therapie) oder im Zusammenhang mit Medikamenten bzw. sogar einer Elektro-Krampf-Therapie (EKT) stattfinden. Eine Psychotherapie gilt als hoch effektiv und ist mit keinerlei Nebenwirkungen verbunden. Der Nachteil einer Psychotherapie ist, dass man Geduld haben muss in einer Situation, in der „Geduld haben“ das Letzte ist was man gebrauchen kann. Denn bis eine Psychotherapie wirkt vergehen meist mehrere Monate, wenn nicht Jahre. Die Behandlung sollte so intensiv wie möglich durchgeführt werden (1-3 Mal die Woche, je häufiger desto effektiver).

Bei einer Psychotherapie ist es wichtig, eine Therapie mit einem Konzept zu bevorzugen. Ein oberflächliches Gespräch bei einem Psychologen oder einem Arzt, der einfach Medikamente verordnet, hat nicht den gleichen Effekt wie eine richtige Psychotherapie. Es gibt verschiedene Schulen der Psychotherapie. Die bekanntesten sind wohl die Verhaltenstherapie und die Psychoanalyse.

In einer (kognitiven) Verhaltenstherapie geht man meist vom  SORKC-Schema aus.

  • S (Stimulus) bezeichnet eine äußere oder innere Reizsituation. Der Stimulus erfasst die das Verhalten auslösenden Bedingungen (In welcher Situation tritt das Verhalten auf?).
  • O (Organismus) bezeichnet die individuellen biologischen und lerngeschichtlichen Ausgangsbedingungen bzw. Charakteristika der Person auf den Stimulus.
  • R (Reaktion) bezeichnet das beobachtbare Antwortverhalten, das dem Stimulus und seiner Verarbeitung im Organismus folgt.
  • K (Kontingenz) bezeichnet die zeitliche Aufeinanderfolge des Verhaltens, bzw. der Verhaltensweisen oder Reaktionen.
  • C (Konsequenz) bezieht sich auf das Einsetzen einer Verstärkung oder Bestrafung als Folge eines Verhaltens (Was folgt auf das Verhalten?).

Nach diesem Schema wirkt ein Reiz auf einen Organismus ein und löst bei diesem eine emotionale-physiologische Reaktion aus. Nachfolgend ergibt sich eine Konsequenz aus der Reaktion, z.B. eine Erleichterung durch Vermeidung. Läuft ein solcher Vorgang wiederholt ab, verstärkt sich diese Reaktion, d.h., es wird gelernt. Auf diese Weise können psychische Krankheiten sowohl entstehen als auch behandelt werden, etwa durch das gezielte Einüben anderer Verhaltensweisen oder durch die Veränderung der Stimuli.

Der Kerngedanke ist also, dass (problematisches) Verhalten erlernt wurde und auch wieder „verlernt“ werden kann, bzw. neue, angemessenere Verhaltensmuster erlernt werden können. Folglich trainiert man sich z.B. das vermeidende Verhalten (wie z.B. bei Angststörungen) ab. In einer Verhaltenstherapie lernt man, sich in geschütztem Rahmen langsam seinen Ängsten zu stellen und diese Schritt für Schritt zu überwinden. Bei Depressionen und bipolaren Störungen versucht man die auslösenden Faktoren zu finden und zu diese handhaben bzw. weitere Tiefschläge zu verhindern.

Typische Elemente einer Verhaltenstherapie sind z.B. Problem- und Bedingungsanalysen für eine genaue Diagnose und Klärung des Problems. Die Arbeit ist Ziel- und Lösungsorientiert, häufig werden Verhaltensübungen eingesetzt, die sowohl offen (in der Sitzung oder als Hausaufgaben) oder auch verdeckt, d.h. nur in der Vorstellung der Patienten/Klienten durchgeführt werden können. Klassische therapeutische Techniken der Verhaltenstherapie sind Konfrontation mit beispielsweise angstauslösenden Reizen (z.B. Exposition, systematische Desensibilisierung), Verstärkung („Belohnung“) von erwünschten und Löschung („Nichtbeachtung“) unerwünschten Verhaltens.

 

Die Psychoanalyse hingegen hat das Ziel das Unterbewusstsein zu erreichen und so tiefgreifende Veränderungen zu bewirken. Im Unterschied zu übenden bzw. trainierenden Verfahren (wie die Verhaltenstherapie) zählt sie zu den aufdeckenden Therapien, die versuchen, dem Patienten ein vertieftes Verständnis der ursächlichen (meist unbewussten) Zusammenhänge seines Leidens zu vermitteln.

Alle analytischen Behandlungsmethoden gehen von bestimmten grundlegenden Annahmen aus, die die therapeutische Arbeit steuern. Es wird davon ausgegangen, dass der Patient die verdrängten Gefühle, Wünsche, Erwartungen oder Ängste in der sozialen Interaktion mit dem Therapeuten unbewusst zeigt und auf diesen überträgt (die sogenannte Übertragung). Ferner hält der Patient an seiner Störung fest und fürchtet sich vor der Überwindung der Erkrankung, was sich in der Therapie als Widerstand bemerkbar macht. Des Weiteren wird angenommen, dass sich der Patient während der Behandlung auf die Entwicklungsstufe zurückversetzt (Regression), auf der der Konflikt entstanden ist, um diesen in Zusammenarbeit mit dem Therapeuten mit „erwachsenen“ Strategien zu lösen.

Im Mittelpunkt der therapeutischen Arbeit steht die sogenannte Gegenübertragung. Damit ist eine emotionale Antwort des Therapeuten auf die vom Patient gezeigten Verhaltensweisen gemeint. Die beim Therapeuten ausgelösten Emotionen helfen ihm, die unbewussten Prozesse und Konflikte des Patienten besser zu verstehen und zu deuten.

Eine Psychoanalyse gilt als langfristiges aber hoch effektives Verfahren, das selbst bei Versagen einer Verhaltenstherapie helfen kann.

Neben der Verhaltenstherapie und der Psychoanalyse gibt es noch duzende andere Therapieformen wie z.B. Körperpsychotherapie, systemische Psychotherapie, Existenzanalysen etc. Eine kleine Übersicht finden Sie hier.

Wichtig bei allen Therapieformen ist das Verhältnis zwischen Therapeut und Patient. Nur wenn die „Chemie“ stimmt kann man sich wirklich auf eine Psychotherapie einlassen und sich öffnen. Zudem muss der Patient offen für eine Psychotherapie sein und Veränderungen bewirken wollen. Eine Zwangstherapie ist oft (aber nicht immer) bereits vor Beginn der eigentlichen Behandlung zum Scheitern verurteilt.