Atypisches Neuroleptikum | Indikation: Depression oder Manie bei bipolarer Störung (inkl. Phasenprophylaxe)
Handelsname: Seroquel

Allgemeine Informationen

Quetiapin wurde Ende der 1990er Jahre auf den europäischen Markt gebracht. Es wird u.a. von der Firma Astra Zeneca vertrieben. Es ist noch heute das meist verwendete Neuroleptikum bei Manien und Depressionen.

Quetiapin ist ein atypisches Neuroleptikum und wird unter dem Handelsnamen Seroquel vertrieben. Auch als Generikum ist es erhältlich. Das Medikament an ein weites Wirkspektrum und ist zur Akutbehandlung von Manie oder Depressionen bei bipolaren Störungen und Psychosen zugelassen. Ebenfalls wird es Phasenprophylaktikum verwendet. Der Einsatz bei unipolaren Depressionen ist sehr häufig, jedoch besteht diesbezüglich keine offizielle Indikation (off-lable use). Quetiapin wirkt stark sedierend wesshalb es die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen einschränkt. Das Medikament ist bereits ab dem 10. Altersjahr zugelassen.

 

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Abends unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme sollte täglich (also nicht nur bei Bedarf) erfolgen.

Dosierung Depression: 300mg
Dosierung Manie: 400-800mg (in 2 Gaben / Jugendliche max. 600mg)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Neuroleptika werden meist langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden. Selten (z.B. bei akuter Manie) wird von Anfang an die Zieldosis verabreicht.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 1-2 Stunden

Halbwertszeit: 10 Stunden

Bioverfügbarkeit: ist umstritten da keine Studien vorliegen. Erste Schätzungen sprechen von 9%

Wirkungseintritt: nach 1-4 Tagen bei bipolaren Störungen, Depressionen, Manien bzw. Hypomanien und als Rezidivprophylaxe / 1-2 Stunden Sedation

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) varieren.

 

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Kopfschmerzen, Entzugssymptome, trockener Mund, Erbrechen, erhöhter Blutdruck, Bewustseinsstörungen, Schwindel, muskuläre Störungen, Gewichtszunahme.

Häufig (1-10%): Kraftlosigkeit, Ödeme, Reizbarkeit, Fieber, Hautausschlag, Anstieg der abnormale Lerberenzymwerte (Serum-Alaninaminotransferase), Anstiege der γ-GT-Spiegel, Verstopfung, Verdauungsstörungen, Bauchschmerzen, Erbrechen, Rachenentzündung, verstärkter Husten, Kurzatmigkeit, Schnupfen, Herzrasen, Herzklopfen, Blutdruck-Probleme, unscharfes Sehen, Sprechstörungen, kurze spontane Bewusstlosigkeit, ungewöhnliche Träume und Albträume, Suizidgedanken und suizidales Verhalten, erhöhter Appetit, Blutwert-Probleme (Leukopenie, Neutropenie).

Gelegentlich (0.1-1%): Probleme beim Entleeren der Harnblase, Asthma, Nasenbluten, Erweiterung der Blutgefässe, Migräne, tiefe Herzschlagfrequenz, Minderdurchblutung der Organe, unregelmässiger Puls, T-Welle Abnormalität, Herzrhythmusstörungen, zerebrovaskuläres Ereignis, tiefe Venenthrombose, T‑Welle Inversion, Krampfanfälle, Restless legs Syndrom, akute Bewegungsstörungen, Störung des Bewegungsablaufes, kurze spontane Bewusstlosigkeit, Gewichtsverlust, Hypersensitivität, Blutarmut, Blutwert-Probleme (Thrombozytopenie), Anstieg der Serum-Aspartataminotransferase.

Selten (0.01-0.1%): Malignes neuroleptisches Syndrom, Unterkühlung, Dauererrektion, Austritt von Muttermilch aus der Brust ohne Schwangerschaft/Stillzeit, Hepatitis, CPK-Erhöhung, Darmverschluss, Hyperventilation, Schluckauf, Angina Pectoris, Herzprobleme (Vorhofflimmern, AV-Block ersten Grades, kongestive Herzinsuffizienz, ST-Hebung), Thrombose, Abflachung der T-Welle, ST-Abnormalität, QRS-Verlängerung, QTc-Verlängerungen, Schlafwandeln und andere ähnliche Aktivitäten während des Schlafens, Blutwert-Probleme (Agranulozytose).

Manische Personen haben oft keine Krankheitseinsicht und verweigern die Einnahme von Medikamenten. Nehmen sie schlussendlich doch welche und ihre Stimmung stabilisiert sich (oder kippt gar ins Depressive) gehen sie davon aus, dass sie die schlimmsten und stärksten Nebenwirkungen haben. Dies ist objektiv nicht begründet. Viele Nebenwirkungen verschwinden nach einigen Wochen der Therapie.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
  • Gleichzeitig mit CYP3A4-Inhibitoren wie Azol-Antimykotika, HIV-Proteasehemmer, Erythromycin, Clarithromycin, Nefazodon
  • Schwangerschaft & Stillzeit

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine klinischen Daten mit Anwendung bei Schwangeren vor. Quetiapin sollte deshalb während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, es ist klar notwendig.

Bei Neugeborenen, deren Mütter während des dritten Trimenons der Schwangerschaft Antipsychotika (einschliesslich Quetiapin) einnahmen, besteht nach der Geburt das Risiko für Entzugssymptome. Diese Symptome bei Neugeborenen können Agitation, ungewöhnlich erhöhten oder verminderten Muskeltonus, Tremor, Schläfrigkeit, Schwierigkeit beim Atmen oder Probleme beim Füttern einschliessen. Diese Komplikationen können einen unterschiedlichen Schweregrad aufweisen. Bei einigen Fällen waren sie selbst limitierend, in anderen Fällen benötigten die Neugeborenen eine Überwachung auf der Intensivstation oder eine längere Hospitalisation.

Publizierten Berichten ist zu entnehmen, dass Quetiapin in die Muttermilch ausgeschieden wird, belegt werden konnte dies jedoch nicht. Während einer Behandlung mit Quetiapin sollten Mütter vorsichtshalber nicht stillen.

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