Allgemeine Informationen
  • Handelsnamen: Edronax, Solvex
  • Kategorie: Selektiver Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer (NARI)
  • Indikation: Depressionen
  • Libidoverlust: Ja (häufig)
  • Gewichtsveränderung: Abnahme (häufig)
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Morgens unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Depressionen: 2-6mg

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Halbwertszeit

Wirkungseintritt

Nach ca. 2-4 Wochen bei Depressionen

 

Halbwertszeit

Die Halbwertszeit von Reboxetin beträgt ca. 13 Stunden. Die kombinierte Einnahme gewisser Medikamente kann die Halbwertszeit verändern.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Mundtrockenheit, Verstopfungen, Übelkeit, vermehrtes Schwitzen.

Häufig (1-10%): Infektionen, Entzündung der Rachenschleimhaut, Harnwegsinfektion, verminderter Appetit, Ängstlichkeit, Nervosität, Agitiertheit, verminderte Libido, Depression, abnormale Träume, Denkstörungen, Kribbeln auf der Haut, Zittern, Geschmacksstörungen, erhöhter Spannungszustand der Muskulatur, motorische Unruhe, Probleme beim Anpassen der Sehschärfe, Herzrasen, Herzklopfen, Erweiterung der Blutgefässe, Blutdruck-Probleme, periphere vaskuläre Störungen, Husten, Verdauungsstörungen, Erbrechen, Hautausschlag, Juckreiz, Störungen der Blasenentleerung, Probleme beim Entleeren der Harnblase, häufiges Wasserlassen, Schwierigkeiten beim Einleiten und Beenden des Urinstrahls, Kraftlosigkeit, Schüttelfrost, Schmerzen, Brustschmerzen, Gewichtsverlust.

Gelegentlich (0.1-1%): Magen-Darm-Entzüdung, Blutarmut, allergische Reaktionen, Verwirrtheit, unwillkürliche Bewegungen, Störungen der Bewegungskoordination, trockene Augen, Erweiterte Pupillen, Sehstörungen, Schwindel, Tinnitus, Herzrhythmussstörungen, kalte Extremitäten, erhöhter Speichelfluss, Schluckstörungen, Nesselfieber, Harndrang, Veränderungen am Penis und/oder den Hoden, Fieber, Unwohlsein.

Selten (0.01-0.1%): Blutwert-Probleme (Leukopenie, Thrombozytopenie), versuchter Suizid, Muskelzuckungen, Querschnittlähmung (Paraplegie), Augenschmerzen, grüner Star, Verfärbung der Haut und/oder der Fingernägel, Venenentzündungen, Darmentzündung, erhöhte Leberenzyme, Haut und/oder Schleimhaut Entzündungen, Muskelschwäche, spontanes Wasserlassen, Nebenhodenentzündung.

 

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen.

Eine solche Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Menschen entwickeln gar keine bis nur wenige Nebenwirkungen.

Die meisten Nebenwirkungen verschwinden zudem 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Die Nebenwirkungen wurden von den medizinischen Fachbegriffen in eine für Laien möglichst verständliche Sprache übersetzt. Trotz grösster Mühe kann die medizinische Exaktheit teilweise nicht 1:1 wiedergegeben werden. Für Ärzte empfehlen wir das Arzneimittelverzeichnis bzw. Arzneimittelkompendium zu verwenden.

Altersfreigabe

Reboxetin ist ab 18 Jahren zugelassen.

Ein Arzt darf dieses Medikament auch an jüngere Patienten verschreiben.
Die Altersfreigabe sagt nichts über die Wirksamkeit bei Minderjährigen aus.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
  • MAO-Hemmer-Therapie
  • Schwangerschaft & Stillzeit

Frage, bevor du Medikamente einnimmst, immer deinen Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es sind keine Daten aus klinischen Studien über eine Reboxetin-Exposition während der Schwangerschaft verfügbar. Das Medikament sollte sicherheitshalber nicht während einer Schwangerschaft eingenommen werden.

Reboxetin geht in die Muttermilch über. Lässt sich die Behandlung mit Reboxetin nicht vermeiden, soll abgestillt werden.

Studien

Reboxetin ist in den klinischen Studien mit Placebo und mit anderen Antidepressiva verglichen worden. Die Wirkung wurde mit der „Hamilton Rating Scale for Depression“ (HAM-D) sowie zum Teil mit weiteren Skalen wie der „Clinical Global Impression Scale“ (CGI) oder „Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale“ (MADRS) gemessen.

Als ein Ansprechen auf die Therapie war definiert, wenn die HAM-D-Punktezahl mindestens um 50% abnahm, als eine Remission, wenn auf der HAM-D-Skala weniger als 11 Punkte erreicht wurden.

Die meisten Studien befassten sich mit Personen, die zwischen 18 und 65 Jahre alt waren, an einer schwerwiegenden depressiven Erkrankung („major depressive disorder“) litten und mindestens 22 Punkte auf der HAM-D-Skala aufwiesen. Bei allen Untersuchungen, die im Folgenden angeführt sind, handelte es sich um Doppelblindstudien.

Die antidepressive Wirksamkeit von Reboxetin (10 mg/Tag) wurde in einer kleinen sechswöchigen Studie im Vergleich mit Placebo dokumentiert. Signifikante Unterschiede zwischen Reboxetin und Placebo waren ab dem 10. bis 14. Behandlungstag zu verzeichnen.

In einer sechswöchigen Studie wurde Reboxetin (8 bis 10 mg/Tag) oder Imipramin (150 bis 200 mg/Tag) verabreicht. Von 256 Behandelten brachen in beiden Gruppen rund ein Viertel die Studie vorzeitig ab. Unter Reboxetin fiel die durchschnittliche Punktezahl auf der HAM-D-Skala von 29 auf 10, unter Imipramin von 28 auf 10. Mit Reboxetin erzielte man eine Ansprechrate von 69% und eine Remissionsrate von 52%; mit Imipramin waren es 56% und 46%. Diese Unterschiede sind nicht signifikant, und auch in Bezug auf andere Parameter wirkten beide Mittel gleich gut.

In zwei Studien ist Reboxetin mit dem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Fluoxetin verglichen worden: 128 Personen verordnete man während acht Wochen Reboxetin (8 bis 10 mg/Tag) oder Fluoxetin (20 bis 40 mg/Tag). Unter Reboxetin besserten sich die depressiven Symptome auf der HAM-D-Skala um 19,2, unter Fluoxetin um 16,8 Punkte; dieser Unterschied ist nicht signifikant. Auch Ansprech- und Remissionsraten waren in beiden Gruppen gleich. In einer anderen, placebokontrollierten Studie mit 381 Personen waren Reboxetin (8 bis 10 mg/Tag) und Fluoxetin (20 bis 40 mg/Tag) ebenfalls praktisch gleichwertig.

In den beiden Vergleichen mit Fluoxetin wurde auch eine Messskala eingesetzt, die in Zusammenarbeit mit der Reboxetin-Herstellerfirma entwickelt worden ist: mit der „Social Adaptation Self-evaluation Scale“ (SASS) sollen die Betroffenen selbst einschätzen, wie es sich zum Beispiel mit ihren Beziehungen und Interessen innerhalb der Familie oder bei der Arbeit verhält oder wie stark das Selbstbild beeinträchtigt ist. Während in der ersten Studie auch auf der SASS-Skala kein signifikanter Unterschied zu beobachten war, senkte Reboxetin in der zweiten die SASS-Punktezahl deutlich mehr als Fluoxetin. Allerdings ist dieses Ergebnis zurückhaltend zu bewerten, da die SASS-Skala noch wenig validiert ist.

In einer Langzeitstudie wurde Reboxetin ein Jahr lang eingesetzt. Nach einer sechswöchigen Behandlung mit Reboxetin (8 mg/Tag) erhielten 283 Personen über 46 Wochen doppelblind Reboxetin in derselben Dosierung oder Placebo. 139 Personen beendeten die Studie vorzeitig. Unter Reboxetin erlebten 22% einen Rückfall, unter Placebo 56%.

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C19H23NO3

(R*,R*)-2-[(2-Ethoxy- phenoxy)-phenyl-methyl]morpholin