Reboxetin

Antidepressivum (NARI) | Handelsnamen: Edronax und Solvex

Allgemeine Informationen

Reboxetin wurde vom Pharmaunternehmen Farmitalia (heute Pfizer) entwickelt und 1997 auf dem europäischen Markt zugelassen. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hingegen versagte dem Hersteller Pfizer im Mai 2001 die Markteinführung mangels überzeugender Wirkungsbelege.

Reboxetin ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der „selektiven Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer“ (NARI) und wird unter den Handelsnamen Edronax und Solvex vertrieben. Das Medikament ist zur Behandlung von Depressionen zugelassen. Es ist ab 18 Jahren erhältlich. Einschränkungen bezüglich der Fahrtüchtigkeit und dem Bedienen von Maschinen sind nicht bekannt. Dennoch sollten Sie abwarten, bis Sie wissen, wie Sie auf dieses Medikament reagieren. Wechselwirkungen mit Alkohol sind nicht bekannt, dennoch ist Vorsicht geboten.

Heute wird Reboxetin in allen deutschsprachigen Ländern nur noch sehr selten verwendet. In Deutschland ist das Arzneimittel nach wie vor erhältlich, jedoch nur noch in Ausnahmefällen kassenpflichtig. Die Kosten der Medikation müssen also vom Patienten getragen werden. In der Schweiz wurde die Zulassung eingeschränkt, so dass Reboxetin nur noch bei schweren Depressionen und Unverträglichkeit gegenüber anderen Arzneimitteln eingesetzt werden darf. Österreich hat bis anhin keine Einschränkungen erhoben.

Indikation
  • Depression bei unzureichendem Ansprechen auf andere Medikamente
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 2x täglich unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Zieldosis: 8-10mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 2 Stunden

Halbwertszeit: 12-13 Stunden

Bioverfügbarkeit: mind. 90%

Wirkungseintritt: nach 2-4 Wochen täglicher Einnahme

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%): Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Mundtrockenheit, Verstopfungen, Übelkeit, Schwitzen.

Häufig (1-10%): Infektionen, Entzündung der Rachenschleimhaut, Harnwegsinfektion, verminderter Appetit, Ängstlichkeit, Nervosität, Unruhe, sexuelle Funktionsstörungen (inkl. Libidoverlust), Depressionen bzw. deren Verschlechterung, abnormale Träume, Denkstörungen, Missempfinden der Haut (Kribbeln, Taubheitsgefühl etc.), Zittern (Tremor), verändertes Geschmacksempfinden, erhöhter Spannungszustand der Muskulatur, motorische Unruhe, verringertes Scharfsehen, Herzrasen, Herzklopfen, Erweiterung der Blutgefässe, hoher Blutdruck, periphere vaskuläre Störungen, Husten, Verdauungsstörungen, Erbrechen, Hautausschlag, Juckreiz, Störungen der Blasenentleerung (schmerzhaften und/oder verzögertes Wasserlassen, häufiges Wasserlassen, Harnverhalt), Kraftlosigkeit, Schüttelfrost, Schmerzen allgemein, Brustschmerzen, Gewichtsverlust.

Gelegentlich (0.1-1%): Magen-Darm-Entzündung, Blutarmut, allergische Reaktionen (z.B. Entzündung der Bindehaut, Heuschnupfen etc.), Verwirrtheit, unwillkürliche Bewegungen, Störungen der Bewegungskoordination, trockene Augen, grosse Pupillen, Sehstörungen, Tinnitus, Herzrhythmusstörungen, kalte Extremitäten, erhöhter Speichelfluss, Schluckstörungen, Nesselfieber, Harndrang, Veränderungen am Penis (z.B. Verkleinerung, Schwellung, Schmerzen), Veränderungen an den Hoden (z.B. Verkleinerung, Schmerzen), Fieber, Unwohlsein, niedriger Blutdruck.

Selten (0.01-0.1%): Veränderte Blutwerte (Leukopenie, Thrombozytopenie), Suizidgedanken, Muskelzuckungen, Querschnittlähmung, Augenschmerzen, grüner Star, Minderdurchblutung des Herzens, Kammerflimmern, Vergrösserung des Herzens, Herzinfarkt, supraventrikuläre Extrasystolen, blaue Verfärbung der Haut und/oder der Fingernägel, Venenentzündungen, Darmentzündung, erhöhte Leberenzyme, Haut und/oder Schleimhaut-Entzündungen, Muskelschwäche, spontanes Wasserlassen (Einnässen), Nebenhodenentzündung.

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen/Einzelfälle/Häufigkeit unbekannt): Veränderte Blutwerte (Hyponatriämie, Hypokaliämie), Halluzinationen, erhöhter Augeninnendruck, Raynaud’s Phänomen, Reizbarkeit.

Warnung: Eine seltene (0.01-0.1%) aber gravierende Nebenwirkung vor allem zu Beginn der Einnahme oder bei einer Dosiserhöhung kann das Auftreten bzw. die Verstärkung von Suizidgedanken sein. Wenden Sie sich in einem solchen Fall sofort an einen Arzt!

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Reboxetin:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Reboxetin-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen) und Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen).
  • Bei akuter Manie.

 

Bei der Einnahme von Reboxetin ist Vorsicht geboten…

  • Wenn bei Ihnen ein erhöhter Augeninnendruck (Glaukom, grüner Star) festgestellt wurde.
  • Wenn Sie ein Risiko für ein akutes Engwinkelglaukom (plötzlich auftretende Abflussstörung des Kammerwassers im Auge) aufweisen.
  • Wenn Sie an Epilepsie (Anfallserkrankungen) leiden oder früher Krampfanfälle hatten.
  • Wenn Sie an einer Herzkrankheit leiden.
  • Wenn Sie Probleme beim Wasserlassen haben (Harnverzögerung oder -verhalt)
  • Wenn bei Ihnen eine Vergrösserung der Prostata festgestellt wurde.
  • Wenn Sie einen niedrigen Blutdruck haben.
  • Wenn Sie unter einer Leber- oder Nierenfunktionsstörung leiden.
  • Wenn Sie früher manische Zustände hatten.

 

Reboxetin soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Arzneimittel, welche den Blutdruck senken wie z.B. Diltiazem
  • Bestimmte Arzneimittel gegen Pilzerkrankungen (wie z.B. Ketoconazol, Voriconazol oder Itraconazol)
  • Bestimmte Antibiotika (wie z.B. Erythromycin oder Clarithromycin)
  • Arzneimittel zur Behandlung von Tuberkulose (wie z.B. Rifampicin oder Rifabutin)
  • Arzneimittel gegen HIV-Infektionen (sogenannte Proteasehemmer wie z.B. Atazanavir, Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir oder Saquinavir)
  • Sogenannte Ergotalkaloid-Derivate zur Behandlung von Migräne oder Parkinson-Krankheit
  • Andere Antidepressiva (inkl. Johanniskraut)
  • Lithium
  • Kalium-ausschwemmende Diuretika („Entwässerungsmittel“) wie z.B. Thiazide
  • Arzneimittel zur Behandlung einer Epilepsie (wie z.B. Phenobarbital, Carbamazepin und Phenytoin)
  • Dexamethason (ein Kortikosteroid)
  • Grapefruitsaft

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

Es sind keine Daten aus klinischen Studien über eine Reboxetin-Exposition während der Schwangerschaft verfügbar. Das Medikament sollte sicherheitshalber nicht während einer Schwangerschaft eingenommen werden.

Reboxetin geht in die Muttermilch über. Lässt sich die Behandlung mit Reboxetin nicht vermeiden, soll abgestillt werden.

Studien

Reboxetin ist in den klinischen Studien mit Placebo und mit anderen Antidepressiva verglichen worden. Die Wirkung wurde mit der „Hamilton Rating Scale for Depression“ (HAM-D) sowie zum Teil mit weiteren Skalen wie der „Clinical Global Impression Scale“ (CGI) oder „Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale“ (MADRS) gemessen.

Als ein Ansprechen auf die Therapie war definiert, wenn die HAM-D-Punktezahl mindestens um 50% abnahm, als eine Remission, wenn auf der HAM-D-Skala weniger als 11 Punkte erreicht wurden.

Die meisten Studien befassten sich mit Personen, die zwischen 18 und 65 Jahre alt waren, an einer schwerwiegenden depressiven Erkrankung („major depressive disorder“) litten und mindestens 22 Punkte auf der HAM-D-Skala aufwiesen. Bei allen Untersuchungen, die im Folgenden angeführt sind, handelte es sich um Doppelblindstudien.

Vergleich mit Placebo: Die antidepressive Wirksamkeit von Reboxetin (10 mg/Tag) wurde in einer kleinen sechswöchigen Studie im Vergleich mit Placebo dokumentiert. Signifikante Unterschiede zwischen Reboxetin und Placebo waren ab dem 10. bis 14. Behandlungstag zu verzeichnen.

In einer Langzeitstudie wurde Reboxetin ein Jahr lang eingesetzt. Nach einer sechswöchigen Behandlung mit Reboxetin (8 mg/Tag) erhielten 283 Personen über 46 Wochen doppelblind Reboxetin in derselben Dosierung oder Placebo. 139 Personen beendeten die Studie vorzeitig. Unter Reboxetin erlebten 22% einen Rückfall, unter Placebo 56%.

Vergleich mit Imipramin: In einer sechswöchigen Studie wurde Reboxetin (8 bis 10 mg/Tag) oder Imipramin (150 bis 200 mg/Tag) verabreicht. Von 256 Behandelten brachen in beiden Gruppen rund ein Viertel die Studie vorzeitig ab. Unter Reboxetin fiel die durchschnittliche Punktezahl auf der HAM-D-Skala von 29 auf 10, unter Imipramin von 28 auf 10. Mit Reboxetin erzielte man eine Ansprechrate von 69% und eine Remissionsrate von 52%; mit Imipramin waren es 56% und 46%. Diese Unterschiede sind nicht signifikant, und auch in Bezug auf andere Parameter wirkten beide Mittel gleich gut.

Vergleich mit Fluoxetin: In zwei Studien ist Reboxetin mit dem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Fluoxetin verglichen worden: 128 Personen verordnete man während acht Wochen Reboxetin (8 bis 10 mg/Tag) oder Fluoxetin (20 bis 40 mg/Tag). Unter Reboxetin besserten sich die depressiven Symptome auf der HAM-D-Skala um 19,2, unter Fluoxetin um 16,8 Punkte; dieser Unterschied ist nicht signifikant. Auch Ansprech- und Remissionsraten waren in beiden Gruppen gleich. In einer anderen, placebokontrollierten Studie mit 381 Personen waren Reboxetin (8 bis 10 mg/Tag) und Fluoxetin (20 bis 40 mg/Tag) ebenfalls praktisch gleichwertig.

In den beiden Vergleichen mit Fluoxetin wurde auch eine Messskala eingesetzt, die in Zusammenarbeit mit der Reboxetin-Herstellerfirma entwickelt worden ist: mit der „Social Adaptation Self-evaluation Scale“ (SASS) sollen die Betroffenen selbst einschätzen, wie es sich zum Beispiel mit ihren Beziehungen und Interessen innerhalb der Familie oder bei der Arbeit verhält oder wie stark das Selbstbild beeinträchtigt ist. Während in der ersten Studie auch auf der SASS-Skala kein signifikanter Unterschied zu beobachten war, senkte Reboxetin in der zweiten die SASS-Punktezahl deutlich mehr als Fluoxetin. Allerdings ist dieses Ergebnis zurückhaltend zu bewerten, da die SASS-Skala noch wenig validiert ist.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.

Reboxetin

Antidepressivum (NARI) | Handelsnamen: Edronax und Solvex

Allgemeine Informationen

Reboxetin wurde vom Pharmaunternehmen Farmitalia (heute Pfizer) entwickelt und 1997 auf dem europäischen Markt zugelassen. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hingegen versagte dem Hersteller Pfizer im Mai 2001 die Markteinführung mangels überzeugender Wirkungsbelege.

Reboxetin ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der „selektiven Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer“ (NARI) und wird unter den Handelsnamen Edronax und Solvex vertrieben. Das Medikament ist zur Behandlung von Depressionen zugelassen. Es ist ab 18 Jahren erhältlich. Einschränkungen bezüglich der Fahrtüchtigkeit und dem Bedienen von Maschinen sind nicht bekannt. Dennoch sollten Sie abwarten, bis Sie wissen, wie Sie auf dieses Medikament reagieren. Wechselwirkungen mit Alkohol sind nicht bekannt, dennoch ist Vorsicht geboten.

Heute wird Reboxetin in allen deutschsprachigen Ländern nur noch sehr selten verwendet. In Deutschland ist das Arzneimittel nach wie vor erhältlich, jedoch nur noch in Ausnahmefällen kassenpflichtig. Die Kosten der Medikation müssen also vom Patienten getragen werden. In der Schweiz wurde die Zulassung eingeschränkt, so dass Reboxetin nur noch bei schweren Depressionen und Unverträglichkeit gegenüber anderen Arzneimitteln eingesetzt werden darf. Österreich hat bis anhin keine Einschränkungen erhoben.

Indikation
  • Depression bei unzureichendem Ansprechen auf andere Medikamente
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 2x täglich.
Die Einnahme muss täglich erfolgen.

Zieldosis: 8-10mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: 2 Stunden

Halbwertszeit: 12-13 Stunden

Bioverfügbarkeit: 90%

Wirkungseintritt: 2-4 Wochen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%):

  • Schlaflosigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Mundtrockenheit
  • Verstopfungen
  • Übelkeit
  • Schwitzen

Häufig (1-10%):

  • Infektionen
  • Entzündung der Rachenschleimhaut
  • Harnwegsinfektion
  • Verminderter Appetit
  • Ängstlichkeit
  • Nervosität
  • Unruhe
  • Sexuelle Funktionsstörungen (inkl. Libidoverlust)
  • Depressionen bzw. deren Verschlechterung
  • Abnormale Träume
  • Denkstörungen
  • Missempfinden der Haut (Kribbeln, Taubheitsgefühl etc.)
  • Zittern (Tremor)
  • Verändertes Geschmacksempfinden
  • Erhöhter Spannungszustand der Muskulatur
  • Motorische Unruhe
  • Verringertes Scharfsehen
  • Herzrasen
  • Herzklopfen
  • Erweiterung der Blutgefässe
  • Hoher Blutdruck
  • Periphere vaskuläre Störungen
  • Husten
  • Verdauungsstörungen
  • Erbrechen
  • Hautausschlag
  • Juckreiz
  • Störungen der Blasenentleerung (schmerzhaften und/oder verzögertes Wasserlassen, häufiges Wasserlassen, Harnverhalt)
  • Kraftlosigkeit
  • Schüttelfrost
  • Schmerzen allgemein
  • Brustschmerzen
  • Gewichtsverlust

Gelegentlich (0.1-1%):

  • Magen-Darm-Entzündung
  • Blutarmut
  • Allergische Reaktionen (z.B. Entzündung der Bindehaut, Heuschnupfen etc.)
  • Verwirrtheit
  • Unwillkürliche Bewegungen
  • Störungen der Bewegungskoordination
  • Trockene Augen
  • Grosse Pupillen
  • Sehstörungen
  • Tinnitus
  • Herzrhythmusstörungen
  • Kalte Extremitäten
  • Erhöhter Speichelfluss
  • Schluckstörungen
  • Nesselfieber
  • Harndrang
  • Veränderungen am Penis (z.B. Verkleinerung, Schwellung, Schmerzen)
  • Veränderungen an den Hoden (z.B. Verkleinerung, Schmerzen)
  • Fieber
  • Unwohlsein
  • Niedriger Blutdruck

Selten (0.01-0.1%):

  • Veränderte Blutwerte (Leukopenie, Thrombozytopenie)
  • Suizidgedanken
  • Muskelzuckungen
  • Querschnittlähmung
  • Augenschmerzen
  • grüner Star
  • Minderdurchblutung des Herzens
  • Kammerflimmern
  • Vergrösserung des Herzens
  • Herzinfarkt
  • Supraventrikuläre Extrasystolen
  • Blaue Verfärbung der Haut und/oder der Fingernägel
  • Venenentzündungen
  • Darmentzündung
  • Erhöhte Leberenzyme
  • Haut und/oder Schleimhaut-Entzündungen
  • Muskelschwäche
  • Spontanes Wasserlassen (Einnässen)
  • Nebenhodenentzündung

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen / Einzelfälle / Häufigkeit unbekannt):

  • Veränderte Blutwerte Hyopnatriämie, Hyopkaliämie)
  • Halluzinationen
  • Erhöhter Augeninnendruck
  • Raynaud’s Phänomen
  • Reizbarkeit

Warnung: Eine seltene (0.01-0.1%) aber gravierende Nebenwirkung vor allem zu Beginn der Einnahme oder bei einer Dosiserhöhung kann das Auftreten bzw. die Verstärkung von Suizidgedanken sein. Wenden Sie sich in einem solchen Fall sofort an einen Arzt!

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Reboxetin:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Reboxetin-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen) und Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen).
  • Bei akuter Manie.

 

Bei der Einnahme von Reboxetin ist Vorsicht geboten…

  • Wenn bei Ihnen ein erhöhter Augeninnendruck (Glaukom, grüner Star) festgestellt wurde.
  • Wenn Sie ein Risiko für ein akutes Engwinkelglaukom (plötzlich auftretende Abflussstörung des Kammerwassers im Auge) aufweisen.
  • Wenn Sie an Epilepsie (Anfallserkrankungen) leiden oder früher Krampfanfälle hatten.
  • Wenn Sie an einer Herzkrankheit leiden.
  • Wenn Sie Probleme beim Wasserlassen haben (Harnverzögerung oder -verhalt)
  • Wenn bei Ihnen eine Vergrösserung der Prostata festgestellt wurde.
  • Wenn Sie einen niedrigen Blutdruck haben.
  • Wenn Sie unter einer Leber- oder Nierenfunktionsstörung leiden.
  • Wenn Sie früher manische Zustände hatten.

 

Reboxetin soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Arzneimittel, welche den Blutdruck senken wie z.B. Diltiazem
  • Bestimmte Arzneimittel gegen Pilzerkrankungen (wie z.B. Ketoconazol, Voriconazol oder Itraconazol)
  • Bestimmte Antibiotika (wie z.B. Erythromycin oder Clarithromycin)
  • Arzneimittel zur Behandlung von Tuberkulose (wie z.B. Rifampicin oder Rifabutin)
  • Arzneimittel gegen HIV-Infektionen (sogenannte Proteasehemmer wie z.B. Atazanavir, Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir oder Saquinavir)
  • Sogenannte Ergotalkaloid-Derivate zur Behandlung von Migräne oder Parkinson-Krankheit
  • Andere Antidepressiva (inkl. Johanniskraut)
  • Lithium
  • Kalium-ausschwemmende Diuretika („Entwässerungsmittel“) wie z.B. Thiazide
  • Arzneimittel zur Behandlung einer Epilepsie (wie z.B. Phenobarbital, Carbamazepin und Phenytoin)
  • Dexamethason (ein Kortikosteroid)
  • Grapefruitsaft

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

Es sind keine Daten aus klinischen Studien über eine Reboxetin-Exposition während der Schwangerschaft verfügbar. Das Medikament sollte sicherheitshalber nicht während einer Schwangerschaft eingenommen werden.

Reboxetin geht in die Muttermilch über. Lässt sich die Behandlung mit Reboxetin nicht vermeiden, soll abgestillt werden.

Studien

Reboxetin ist in den klinischen Studien mit Placebo und mit anderen Antidepressiva verglichen worden. Die Wirkung wurde mit der „Hamilton Rating Scale for Depression“ (HAM-D) sowie zum Teil mit weiteren Skalen wie der „Clinical Global Impression Scale“ (CGI) oder „Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale“ (MADRS) gemessen.

Als ein Ansprechen auf die Therapie war definiert, wenn die HAM-D-Punktezahl mindestens um 50% abnahm, als eine Remission, wenn auf der HAM-D-Skala weniger als 11 Punkte erreicht wurden.

Die meisten Studien befassten sich mit Personen, die zwischen 18 und 65 Jahre alt waren, an einer schwerwiegenden depressiven Erkrankung („major depressive disorder“) litten und mindestens 22 Punkte auf der HAM-D-Skala aufwiesen. Bei allen Untersuchungen, die im Folgenden angeführt sind, handelte es sich um Doppelblindstudien.

Vergleich mit Placebo: Die antidepressive Wirksamkeit von Reboxetin (10 mg/Tag) wurde in einer kleinen sechswöchigen Studie im Vergleich mit Placebo dokumentiert. Signifikante Unterschiede zwischen Reboxetin und Placebo waren ab dem 10. bis 14. Behandlungstag zu verzeichnen.

In einer Langzeitstudie wurde Reboxetin ein Jahr lang eingesetzt. Nach einer sechswöchigen Behandlung mit Reboxetin (8 mg/Tag) erhielten 283 Personen über 46 Wochen doppelblind Reboxetin in derselben Dosierung oder Placebo. 139 Personen beendeten die Studie vorzeitig. Unter Reboxetin erlebten 22% einen Rückfall, unter Placebo 56%.

Vergleich mit Imipramin: In einer sechswöchigen Studie wurde Reboxetin (8 bis 10 mg/Tag) oder Imipramin (150 bis 200 mg/Tag) verabreicht. Von 256 Behandelten brachen in beiden Gruppen rund ein Viertel die Studie vorzeitig ab. Unter Reboxetin fiel die durchschnittliche Punktezahl auf der HAM-D-Skala von 29 auf 10, unter Imipramin von 28 auf 10. Mit Reboxetin erzielte man eine Ansprechrate von 69% und eine Remissionsrate von 52%; mit Imipramin waren es 56% und 46%. Diese Unterschiede sind nicht signifikant, und auch in Bezug auf andere Parameter wirkten beide Mittel gleich gut.

Vergleich mit Fluoxetin: In zwei Studien ist Reboxetin mit dem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Fluoxetin verglichen worden: 128 Personen verordnete man während acht Wochen Reboxetin (8 bis 10 mg/Tag) oder Fluoxetin (20 bis 40 mg/Tag). Unter Reboxetin besserten sich die depressiven Symptome auf der HAM-D-Skala um 19,2, unter Fluoxetin um 16,8 Punkte; dieser Unterschied ist nicht signifikant. Auch Ansprech- und Remissionsraten waren in beiden Gruppen gleich. In einer anderen, placebokontrollierten Studie mit 381 Personen waren Reboxetin (8 bis 10 mg/Tag) und Fluoxetin (20 bis 40 mg/Tag) ebenfalls praktisch gleichwertig.

In den beiden Vergleichen mit Fluoxetin wurde auch eine Messskala eingesetzt, die in Zusammenarbeit mit der Reboxetin-Herstellerfirma entwickelt worden ist: mit der „Social Adaptation Self-evaluation Scale“ (SASS) sollen die Betroffenen selbst einschätzen, wie es sich zum Beispiel mit ihren Beziehungen und Interessen innerhalb der Familie oder bei der Arbeit verhält oder wie stark das Selbstbild beeinträchtigt ist. Während in der ersten Studie auch auf der SASS-Skala kein signifikanter Unterschied zu beobachten war, senkte Reboxetin in der zweiten die SASS-Punktezahl deutlich mehr als Fluoxetin. Allerdings ist dieses Ergebnis zurückhaltend zu bewerten, da die SASS-Skala noch wenig validiert ist.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.