Risperidon

atypisches Neuroleptikum | Handelsnamen: Risperdal sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Risperidon wird u.a. von der Firma Janssen-Cilag vertrieben und ist in Europa seit Mitte der 1990er Jahre zugelassen.

Risperidon ist ein atypisches Neuroleptikum und wird unter dem Handelsnamen Risperdal vertrieben. Ebenfalls ist es als Generikum erhältlich. Es besitzt ein breites Wirkspektrum und ist als Akutmedikation gegen Manien bei bipolaren Störungen sowie zur Behandlung von Psychosen (inkl. Schizophrenie), Aggressivität bei Demenzerkrankungen des Alzheimer-Typs, Störungen des Sozialverhaltens und autistischen Störungen zugelassen. Es gilt als sehr effektives aber sehr starkes Medikament. Ausser bei Schizophrenie sollte die Therapiedauer mit Risperidon nicht länger als 6-12 Wochen andauern.

Risperidon beeinflusst diverse Botenstoffe wie z.B. Dopamin, Serotonin, Histamin und Noradrenalin. Genauers dazu finden Sie hier.

Risperidon beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen. Das Medikament ist bereits ab dem 15. Altersjahr zugelassen. Da Risperidon dämpfend auf das zentrale Nervensystem (ZNS) wirkt, ist beim Konsum von Alkohol Vorsicht geboten.

Seit der Markteinführung von Quetiapin wird Risperidon zu Behandlung von manischen oder depressiven Zuständen nur noch selten verwendet.

Indikation
  • Akuttherapie bipolarer manischer Episoden
  • Schizophrenie und andere psychotische Störungen (inkl. Rezidivprophylaxe)
  • Alzheimer-Demenz mit schwerer Aggressivität oder schweren psychotischen Symptomen
  • Störungen des Sozialverhaltens (Aggressivität, Impulsivität, Autoaggression) bei Personen mit mentaler Retardierung oder Autismus

Der Einsatz von Risperidon ist bei allen Indikationen auf 6-12 Wochen beschränkt. Eine Ausnahme bildet lediglich die Schizophrenie, sofern die erkrankte Person nicht auf andere Medikamente anspricht.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Abends unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 2-6mg (pro Tag)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuell festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Neuroleptika werden meist langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niedrigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden. Selten (z.B. bei akuter Manie) wird von Anfang an die Zieldosis verabreicht.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 1-2 Stunden

Halbwertszeit: ca3 Stunden

Bioverfügbarkeit: 66-82%

Wirkungseintritt: nach 1-4 Tagen (Sedierung bereits nach 1-2 Stunden)

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%): Schlaflosigkeit, Parkinson ähnliche Symptome, Bewusstseinsstörungen, Kopfschmerzen.

Häufig (1-10%): Lungenentzündung, Bronchitis, Infektion der oberen Atemwege, Schnupfen, Harnwegsinfektion, Infektion des Ohrs, Grippe, Hyperprolaktinämie (Blutwert), Gewichtszunahme, verstärkter Appetit, verminderter Appetit, Unruhe, Depressionen, Angst, motorische Unruhe, Bewegungsstörungen, Schwindel, Zittern (Tremor), verschwommenes Sehen, Entzündung der Bindehaut, Herzrasen, Hypertension der Gefässe, Kurzatmigkeit, pharyngolaryngealer Schmerz, Husten, Nasenbluten, verstopfte Nase, Bauchschmerzen, Erbrechen, Übelkeit, Verstopfung, Durchfall, Verdauungsstörungen, trockener Mund, Zahnschmerzen, Hautausschlag, Hautrötung, Muskelkrämpfe, Schmerzen in Skelett und Muskulatur, Rücken­schmerzen, Gelenkschmerzen, Gelenksteifigkeit, abnormale Haltung, Muskelschwäche, Nackenschmerzen, spontanes Wasserlassen (Einnässen), Ödeme, Fieber, Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Schmerzen allgemein, Stürze, erhöhter Kreatinphosphokinase-Wert.

Gelegentlich (0.1-1%): Atemwegsinfektion, Entzündung der Harnblase, Infektion des Auges, Mandelentzündung, Nagelpilz, Cellulitis, lokale Infektionen, virale Infektionen, Krätze, veränderte Blutwerte (Neutropenie, Abnahme der Anzahl weisser Blutkörperchen, Thrombozytopenie, Anämie, Abnahme des Hämatokrits, Abnahme der Anzahl eosinophiler Granulozyten, erhöhter Blutzucker, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes), Hypersensitivität des Immunsystems, Durst, Gewichtsabnahme, Anorexie, Manie, Verwirrtheit, sexuelle Funktionsstörungen (inkl. Libidoverlust), Durchblutungsstörungen der Organe, Bewusstseinsverlust, epileptische Anfälle, Ohnmacht (Synkope), fehlende Reaktion auf Reize, Verminderung des Bewusstseinsgrades, psychomotorische Unruhe, Gleichgewichtsstörungen, eingeschränkte Koordination, Haltungsschwindel, Aufmerksamkeitsstörungen, Sprechstörungen, Störung des Geschmacksempfindens, verminderte Berührungs- und Drucksensibilität der Haut, Missempfindungen der Haut (Kribbeln, Taubheitsgefühl etc.), Lichtempfindlichkeit der Augen, trockene Augen, Tränenfluss, verstärkte Durchblutung der Augen, Schwindel, Tinnitus, Ohrenschmerzen, Herz-Kreislauf-Beschwerden (Vorhofflimmern, atrioventrikulärer Block, Erregungsleitungsstörung, verlängertes QT-Intervall im EKG, verlangsamter Herzschlag, abnormales EKG, erhöhte Wahrnehmung des eigenen Herzschlages, Hypotension der Gefässe, niedriger Blutdruck), Erröten, Lungenstauung, Lungenrasseln, Keuchen, Atembeschwerden, Magen-Darm-Entzündung, Schluckstörungen, Blähungen, erhöhte Leberwerte, bleibender Haarausfall, Nesselfieber, Hautausschläge, Juckreiz, Verhornung der Haut, Hautverfärbungen, Akne, trockene Haut, häufiges Wasserlassen, Harnverhalt, schmerzhaftes Wasserlassen, Ausbleiben der Menstruation, Menstruationsstörungen allgemein, Vergrösserung der Brustdrüse beim Mann, Milchfluss ohne Schwangerschaft/Stillzeit, Brustschmerzen, vaginaler Ausfluss, Schüttelfrost, Gangstörungen, Krankheitsgefühl, Unwohlsein, Unbehagen, Schmerz nach chirurgischen Eingriffen.

Selten (0.01-0.1%): Inadäquate Sekretion des antidiuretischen Hormons, veränderte Blutwerte (diabetisches Koma, zu niedriger Blutzuckerspiegel, Triglyceride erhöht, Glukosurie), abgestumpfte Affekte, malignes neuroleptisches Syndrom (MNS), Kopfzittern, grüner Star, Störung der Augenbewegung, Augenrollen, Verkrustung des Augenlidrandes, Schwankungen der Herzfrequenz, Lungenembolie, tiefe Venenthrombose, Schlaf-Apnoe-Syndrom, Hyperventilation, Bauchspeicheldrüse-Entzündung, intestinale Obstruktion, Schwellung der Zunge, Entzündung der Lippen, Darmverschluss, Gelbsucht, Rhabdomyolyse, verspätete Menstruation, Brustdrüsenschwellung, Absonderung aus der Brustdrüse, Unterkühlung, verminderte Körpertemperatur, Kältegefühl, Absetzsymptome.

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen/Einzelfälle/Häufigkeit unbekannt): Veränderte Blutwerte (Agranulozytose, diabetische Ketoazidose, Hyperinsulinämie), anaphylaktische Reaktion, Überwässerung, unkontrollierte Essenseinnahme beim Schlafwandeln, Floppy-Iris Syndrom, posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom, Anigoödem, Dauererektion, Gewebeverhärtung.

Warnung: Für andere atypische Neuroleptika wurde der Hinweis auf eine mögliche erhöhte Suizidgefahr vor allem zu Beginn der Einnahme oder im Zuge einer Dosiserhöhung veröffentlicht. Bei Risperidon wurde dieser Effekt bis Dato nicht festgestellt, kann jedoch auch nicht vollständig ausgeschlossen werden. Kontaktieren Sie bei akuten Suizidgedanken immer einen Arzt!

Manische Personen haben oft keine Krankheitseinsicht und verweigern die Einnahme von Medikamenten. Nehmen sie schlussendlich doch welche und ihre Stimmung stabilisiert sich (oder kippt gar ins Depressive) gehen sie davon aus, dass sie die schlimmsten und stärksten Nebenwirkungen haben. Dies ist objektiv nicht begründet. Viele Nebenwirkungen verschwinden nach einigen Wochen der Therapie.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • Demenz mit Parkinsonsymptomen
  • Lewykörper-Demenz
  • Schwangerschaft & Stillzeit

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Die zeitgleiche Therapie mit tri- und tetrazyklischen Antidepressiva oder mit Betablockern kann zu gegenseitiger Wirkungsverstärkung führen. Zudem ist das Risiko für eine Herzschlagbeschleunigung (Tachykardie) erhöht.

Die selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) Fluoxetin und Paroxetin können die Wirkung von Risperidon verstärken.

Enzyminduktoren wie beispielsweise Barbiturate oder wie Carbamazepin können den Abbau des Neuroleptikums beschleunigen.

Risperidon verstärkt die Wirkung von Alkohol, Benzodiazepinen, Beruhigungsmitteln, Anticholinergika, blutdrucksenkenden Mitteln (wie Prazosin) sowie von Narkosemitteln. Vor einer Operation muss der Narkosearzt über die Risperidon-Therapie informiert werden.

Bei gleichzeitiger Gabe von Dopaminrezeptor-Agonisten zur Behandlung der Parkinson-Krankheit ist deren Wirkung abgeschwächt.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es gibt keine kontrollierten Studien bei Schwangeren.

Bei Neugeborenen, die während des dritten Trimenons der Schwangerschaft Antipsychotika (einschliesslich Risperidon) exponiert sind, besteht nach der Geburt die Gefahr von Entzugssymptomen. Diese Symptome beim Neugeborenen können Agitation, ungewöhnlich erhöhten oder verminderten Muskeltonus, Tremor, Schläfrigkeit, Atemnot und Störungen bei der Nahrungsaufnahme/Probleme beim Füttern einschliessen.

Risperidon geht in die menschliche Muttermilch über. Während der Therapie mit Risperidon soll nicht gestillt werden.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.