atypisches Neuroleptikum | Handelsnamen: Risperdal und div. Generika

Allgemeine Informationen

Risperidon wird u.a. von der Firma Janssen-Cilag vertrieben und ist in Europa seit Mitte der 1990er Jahre zugelassen.

Risperidon ist ein atypisches Neuroleptikum und wird unter dem Handelsnamen Risperdal vertrieben. Ebenfalls ist es als Generikum erhältlich. Es besitzt ein breites Wirkspektrum und ist als Phasenprophyklaktikum gegen Manien bei bipolaren Störungen sowie zur Behandlung von Psychosen (inkl. Schizophrenie), Aggressivität bei Demenzerkrankungen des Alzheimer-Typs, Störungen des Sozialverhaltens und autistischen Störungen zugelassen.

Risperidon beeinflusst diverse Botenstoffe wie z.B. Dopamin, Serotonin, Histamin und Noradrenalin. Genauers dazu finden Sie hier.

Eine Sedierung ist möglich, u.a. deshalb kann Risperidon die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen einschränken. Das Medikament ist bereits ab dem 15. Altersjahr zugelassen. Da Risperidon dämpfend auf das zentrale Nervensystem (ZNS) wirkt, ist beim Konsum von Alkohol Vorsicht geboten.

Seit der Markteinführung von Quetiapin wird Risperidon zu Behandlung von manischen oder depressiven Zuständen nur noch selten verwendet.

Indikation
  • Akuttherapie bipolarer manischer Episoden
  • Schizophrenie und andere psychotische Störungen (inkl. Rezidivprophylaxe)
  • Demenz den Alzheimer-Typs mit schwerer Aggressivität oder schweren psychotischen Symptomen
  • Störungen des Sozialverhaltens
  • Autistische Störungen

 

Die Indikation richtet sich nach den Fachinformationen für Ärzte des Schweizer Arzneimittelkompendiums. Fachinformationen des Deutschen bzw. Österreichischen Kompendiums sind für uns und auch die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Gemäss unserer Recherchen decken sich die Angaben der deutschsprachigen Arzneimittelkompendien weitgehend.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Abends unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 2-6mg (pro Tag)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuell festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Neuroleptika werden meist langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niedrigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden. Selten (z.B. bei akuter Manie) wird von Anfang an die Zieldosis verabreicht.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 2 Stunden

Halbwertszeit: 3 Stunden

Bioverfügbarkeit: 65-70%

Wirkungseintritt: nach 1-4 Tagen (Sedation bereits nach 1-2 Stunden)

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Schlaflosigkeit, Parkinsonismus, Bewusstseinsstörungen, Kopfschmerzen

Häufig (1-10%): Entzündung des Lungengewebes, Bronchitis, Infektion der oberen Atemwege, Nasennebenhöhlenentzündung, Harnwegsinfektion, Infektion des Ohrs, Grippe, Blutwert-Probleme (Hyperprolaktinämie), Gewichtszunahme, verstärkter Appetit, verminderter Appetit, motorische Unruhe, Bewegungsstörungen, Schwindel, Störungen des Bewegungsablaufes, Zittern, Verschwommensehen, Entzündung der Bindehaut, Herzrasen, hoher Blutdruck, Kurzatmigkeit, pharyngolaryngealer Schmerz, Husten, Nasenbluten, verstopfte Nase, Bauch-Beschwerden, Erbrechen, Übelkeit, Verstopfung, Durchfall, Verdauungsstörungen, trockener Mund, Zahnschmerzen, Hautausschlag, Hautrötung, Muskelkrämpfe, Schmerz in Skelett und Muskulatur, Rücken­schmerzen, Gelenkschmerzen, spontanes Wasserlassen, Ödeme, Fieber, Brustkorbbeschwerden, Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Schmerzen, Stürze.

Gelegentlich (0.1-1%): Atemwegsinfektion, Entzündung der Harnblase, Infektion des Auges, Mandelentzündung, Nagelpilz, Cellulitis, Infektionen, Krätze, Hypersensitivität, Diabetes mellitus, erhöhter Blutzuckerspiegel, Drust, Gewichtsabnahme, Magersucht, Manie, Verwirrtheitszustand, verminderte Libido, Albträume, Durchblutungsstörungen, Bewusstseinsverlust, Krampfanfälle, kurze spontane Bewusstlosigkeit, fehlende Reaktion auf Reize, verminderung des Bewusstseinsgrades, psychomotorische Hyperaktivität, Gleichgewichtsstörungen, abnormale Koordination, Haltungsschwindel, Störung der Aufmerksamkeit, Sprechstörungen, Störung der Geschmacksempfindung, verminderte Berührungs- und Drucksensibilität der Haut, Kribbeln auf der Haut, Lichtempfindlichkeit, trockenes Auge, verstärkte Tränensekretion, okuläre übermässiges Blutangebot im Gewebe oder Organen, Schwindel, Tinnitus, Ohrenschmerzen, Vorhofflimmern, Herzrhythmusstörungen, Erregungsleitungsstörung, verlängertes QT-Intervall im Elektrokardiogramm, tiefe Herzschlagfrequenz, abnormales Elektrokardiogramm, Herzklopfen, tiefer Blutdruck, Erröten, Lungenentzündung, Lungenstauung, Verengung des Bronchialsystems, Lungenrasseln, Keuchen, Beeinträchtigung der Arktikulation, Atemprobleme, spontaner Stuhlgang, Magen-Darm Entzündung, Schluckstörungen, Blähungen, Blutwert-Probleme (Transaminasen erhöht), erhöhte Gamma-Glutamyl-Transferase-Werte, Leberenzymwerte erhöht, Nesselfieber, Juckreiz, Haarausfall, Verhornung der Haut, Ekzem, trockene Haut, Hautverfärbung, Akne, Hautauschläge, Hauterkrankungen, Hautläsion, erhöhter Kreatinphosphokinase-Wert, abnomale Haltung, Gelenksteifigkeit, Anschwellen der Gelenke, Muskelschwäche, Nackenschmerzen, häufiges Wasserlassen, Probleme beim Entleeren der Harnblase, schmerzhafte Blasenentleerung, erektile Dysfunktion, Ejakulationsstörung, Ausbleiben der Menstruation, Menstruationsstörung, Vergrösserung der Brustdrüse beim Mann, Austritt von Muttermilch ohne Schwangerschaft/Stillzeit, sexuelle Dysfunktion, Brustbeschwerden, vaginaler Ausfluss, Ödeme, Schüttelfrost, erhöhte Körpertemperatur, Gangstörung, Durst, Krankheitsgefühl, abnomale Gefühle, Unbehagen, Schmerz nach chirurgischen Eingriffen.

Selten (0.01-0.1%): Infektion, inadäquate Sekretion des antidiuretischen Hormons, diabetisches Koma, zu niederiger Blutzuckerspiegel, Triglyceride erhöht, Glukosurie, abgestumpfter Affekt, Anorgasmie, malignes neuroleptisches Syndrom, Kopfzittern, grüner Star, Störung der Augenbewegung, Augenrollen, Verkrustung des Augenlidrandes, Schwankungen der Herzfrequenz, Lungenembolie, tiefe Venenthrombose, Schlaf-Apnoe-Syndrom, Hyperventilation, Bauchspeicheldrüse-Entzündung, intestinale Obstruktion, Schwellung der Zunge, Entzündung der Lippen, Darmverschluss, Gelbsucht, Arzneimittelexanthem, Auflösung quergestreifter Muskelfasern, verspätete Menstruation, Brustdrüsenschwellung, Absonderung aus der Brustdrüse, Unterkühlung, verminderte Körpertemperatur, peripheres Kältegefühl, Arzneimittelentzugssyndrom.

Manische Personen haben oft keine Krankheitseinsicht und verweigern die Einnahme von Medikamenten. Nehmen sie schlussendlich doch welche und ihre Stimmung stabilisiert sich (oder kippt gar ins Depressive) gehen sie davon aus, dass sie die schlimmsten und stärksten Nebenwirkungen haben. Dies ist objektiv nicht begründet. Viele Nebenwirkungen verschwinden nach einigen Wochen der Therapie.

 

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • Demenz mit Parkinsonsymptomen
  • Lewykörper-Demenz
  • Schwangerschaft & Stillzeit

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Die zeitgleiche Therapie mit tri- und tetrazyklischen Antidepressiva oder mit Betablockern kann zu gegenseitiger Wirkungsverstärkung führen. Zudem ist das Risiko für eine Herzschlagbeschleunigung (Tachykardie) erhöht.

Die selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) Fluoxetin und Paroxetin können die Wirkung von Risperidon verstärken.

Enzyminduktoren wie beispielsweise Barbiturate oder wie Carbamazepin können den Abbau des Neuroleptikums beschleunigen.

Risperidon verstärkt die Wirkung von Alkohol, Benzodiazepinen, Beruhigungsmitteln, Anticholinergika, blutdrucksenkenden Mitteln (wie Prazosin) sowie von Narkosemitteln. Vor einer Operation muss der Narkosearzt über die Risperidon-Therapie informiert werden.

Bei gleichzeitiger Gabe von Dopaminrezeptor-Agonisten zur Behandlung der Parkinson-Krankheit ist deren Wirkung abgeschwächt.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es gibt keine kontrollierten Studien bei Schwangeren.

Bei Neugeborenen, die während des dritten Trimenons der Schwangerschaft Antipsychotika (einschliesslich Risperidon) exponiert sind, besteht nach der Geburt die Gefahr von Entzugssymptomen. Diese Symptome beim Neugeborenen können Agitation, ungewöhnlich erhöhten oder verminderten Muskeltonus, Tremor, Schläfrigkeit, Atemnot und Störungen bei der Nahrungsaufnahme/Probleme beim Füttern einschliessen.

Risperidon geht in die menschliche Muttermilch über. Während der Therapie mit Risperidon soll nicht gestillt werden.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.