Allgemeine Symptome

Man kann allgemein zwischen Positiv- und Negativsymptomen unterscheiden (wobei die Wörter „positiv“ und „negativ“ nicht im alltäglichen Sprachgebrauch zu verstehen sind). Die Negativsymptome sind meist schon vor den Positivsymptomen bemerkbar. Zu den Negativsymptomen gehören Konzentrationsschwäche, Nervosität, Schlafstörungen, Antriebsverlust und Willensschwäche. Oft ziehen sich die Erkrankten von ihren Freunden und ihrer Familie zurück. Sie leiden unter Gewichtsverlust, Spracharmut und mangelnder Körperhygiene. Menschen, die an Schizophrenie erkrankt sind, sind allgemein empfindsamer und verletzlicher. Die Negativsymptome lassen sich nur schwer medikamentös behandeln, wodurch die Patienten vor allem unter diesen schwer zu leiden haben.

Die Positivsymptome treten meist nur in akuten Phasen auf. Als Positivsymptome gelten Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Bewegungsstörungen. Halluzinationen sind meist akustisch. Darunter wird das Stimmenhören verstanden. Es können aber auch optische Halluzinationen auftreten, diese sind jedoch weitaus seltener. Betroffene, die an Wahnvorstellungen leiden, fühlen sich oft von jemandem verfolgt oder denken, dass etwas Schlimmes mit ihnen passieren wird. Die Patienten haben oft Schwierigkeiten damit, Reales von Irrealem zu unterscheiden.

Die Beschwerden bei der Schizophrenie sind sehr vielfältig und können im zeitlichen Auftreten stark variieren. Prinzipiell unterscheidet man zwischen einer akuten und einer chronischen Phase.

Akute Krankheitsphase

In dieser Phase findet man bei Betroffenen oft keine Einsicht für eine Erkrankung. Hier stehen sogenannte „Positiv-Symptome“ im Vordergrund. Die Bezeichnung „positiv“ bedeutet, dass der Betroffene Symptome zeigt, die bei einem gesunden Mensch nicht vorhanden sind.  Zu den Positiv-Symptomen zählen:

  • Wahnvorstellungen (häufig sind Vergiftungswahn oder Verfolgungswahn)
  • Halluzinationen (häufig Stimmenhören, seltener optische Halluzinationen)
  • Bewegungsstörungen: Wiederholen von gleichförmigen Bewegungen (z.B. Händeklatschen, hin und her laufen) oder stark verlangsamte Bewegungen; der Patient spricht nicht mehr (sogenannter Stupor).
  • Im Extremfall nimmt der Patient eine eigenartige körperliche Stellung ein und verharrt in dieser für lange Zeit (sogenannte Katalepsie). Tritt bei einer Katalepsie zusätzlich Fieber auf ist dieser Zustand lebensbedrohlich (Notfall!).

 

Chronische Krankheitsphase

Hier treten „Negativ- oder auch Minus-Symptome“ auf. „minus“ bedeutet, dass etwas fehlt im Vergleich zum gesunden Menschen. Es kommt zu Einschränkungen bei bestimmten psychischen Funktionen und bei der Emotionalität. Zu den Negativ-Symptomen zählen:

  • Sozialer Rückzug
  • Abnahme oder Verlust von Interessen z.B. an Freizeitaktivitäten, Hobbys etc.
  • Sprachmangel
  • Emotionslosigkeit
  • Vernachlässigung des Äusseren etc.

 

Grundsymptome

Grundsymptome können in beiden Krankheitsphasen auftreten, also der aktuten und chronischen Phase, auf. Zu den Grundsymptomen gehören:

  • Ich-Störung: die eigene Persönlichkeit erscheint gespalten und unwirklich; der Betroffene fühlt sich als nicht sich selbst. Sie erleben sich selbst und ihre Umwelt als unwirklich und fremd (jedoch nicht mit Depersonalisation/Derealisation zu verwechseln).
  • Störungen im Denken und Sprechen: Gedanken sind zerfahren, zusammenhanglos, unlogisch, Gedanken brechen ab, Begriffe verlieren ihre Bedeutung. Häufig haben Betroffene das Gefühl, dass andere Menschen ihre Gedanken lesen oder beeinflussen können. Die Sprache kann skurril sein, z.B. werden neue Wörter erfunden, Wörter werden durcheinandergewürfelt oder der Satzbau ist zerstört.
  • Störungen des Gefühlslebens: starke Stimmungsschwankungen, wobei die Stimmungslage nicht immer der Situation entspricht (z.B. Patient erfährt etwas Trauriges und lacht dabei). Depressive Stimmungen oder Angst kommen häufig vor.
  • Verlust des Bezugs zur Wirklichkeit (Autismus): Patient zieht sich in seine eigene Welt zurück. Der Patient wird gleichgültig, wirkt wenig interessiert, freudlos und ist unfähig Nähe zu empfinden.
  • Fehlende Fähigkeit zur Abschirmung äusserer Reize was zu rascher Überforderung im Alltag führen kann

Neurobiologisch gesehen geht eine Schizophrenie auf ein Überangebot des Botenstoffs Dopamin im synapsischen Spalt zurück. Medikamente wie Neuroleptika versuchen den Dopaminspiegel zu senken. Die Positivsymptomatik kann dabei oft besser behandelt werden als die Negativsymptomatik. Häufig sind genetische Faktoren der Auslöser der Krankheit. Nicht selten jedoch auch psychodelische Drogen wie Cannabis, LSD, Psilocybin etc.)

Bei Schizophrenien dürfen auf keinen Fall Medikamente oder Drogen eingenommen werden, welche die Ausschüttung von Dopamin fördern (z.B. Amphetamine inkl. Methylphenidat bzw. Ritalin).

Paranoide Schizophrenie

Die paranoide Schizophrenie ist die häufigste Schizophrenieform. Kennzeichnend für diesen Subtyp sind vor allem Wahnvorstellungen wie Verfolgungswahn und Halluzinationen wie das Hören von Stimmen. Sie wird daher auch als paranoid-halluzinatorische Schizophrenie bezeichnet.

Ungefähr die Hälfte aller Schizophrenie-Patienten zeigen im Verlauf der Erkrankung Symptome einer paranoiden Schizophrenie. Eine paranoide Schizophrenie entwickelt sich meistens später als die anderen Typen von Schizophrenie. Sie taucht häufig erst bei Menschen im mittleren Lebensalter auf.

Nach der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD-10) müssen folgende Kriterien für die Diagnose „Paranoide Schizophrenie“ zutreffen:

  • Die allgemeinen Kriterien einer Schizophrenie liegen vor.
  • Die Betroffenen haben Wahnvorstellungen oder Halluzinationen.
  • Unpassende Emotionen oder Ausdruckslosigkeit (flacher Affekt) treten nicht oder nur schwach auf.

Die Wahnvorstellungen bei paranoider Schizophrenie können ganz unterschiedlich ausfallen. Häufig leiden paranoide Schizophrenie-Patienten unter Verfolgungswahn. Sie sind fest davon überzeugt, dass sie von anderen Menschen überwacht werden und diese ihnen Schaden zufügen wollen. Demzufolge entwickeln die Patienten anderen gegenüber großes Misstrauen. Viele Patienten mit paranoider Schizophrenie glauben, dass sie in ihrer Wohnung beobachtet und abgehört werden.

Eine andere Form der Warnvorstellungen ist der Beziehungswahn. Betroffene glauben, dass normale Gegebenheiten wie etwa das Wetter eine Botschaft oder Warnung für sie enthalten. Sie denken zum Beispiel, dass der Nachrichtensprecher im Radio ihnen geheime Botschaften übermittelt und gehen grundsätzlich davon aus, dass Menschen die sich unterhalten, über sie reden. Das Misstrauen kann sich auch gegen die eigene Familie oder den Partner richten. Es ist für die Angehörigen wichtig zu wissen, dass dieses Verhalten der Krankheit entspringt. Suchen Sie sich daher auch als Angehöriger professionellen Rat in einer Klinik oder bei einem Arzt. Versuchen Sie nicht, mit dem Erkrankten zu streiten. Das könnte die Situation noch verschlimmern.

Eine paranoide Schizophrenie erzeugt oft Halluzinationen. Es handelt sich um Sinnestäuschungen, bei denen Dinge gehört, gesehen oder auch gerochen werden, die nicht existieren. Dennoch denken paranoide Schizophrenie-Patienten, dass diese Wahrnehmungen real sind. Am häufigsten ist das Hören von Stimmen. Paranoide Schizophrenie-Patienten hören manchmal ganze Dialoge zwischen verschiedenen Stimmen oder bekommen Befehle von einer Stimme.

Neben den Wahnvorstellungen und Halluzinationen entwickeln paranoide Schizophrenie-Patienten häufig Zorn und Angst. Sie sind oft unruhig und streitsüchtig. In sehr seltenen Fällen werden die Betroffenen auch gewalttätig. Das kann passieren, wenn sie sich stark bedroht fühlen. In diesem Fall sollten Angehörige sofort Hilfe holen. Am besten ist es, in solchen Situationen umgehend einen Notarzt zu informieren. Den Betroffenen mit Worten zur Vernunft zu bewegen, ist zwecklos. Besteht aufgrund der Schizophrenie eine akute Gefahr für den Betroffenen oder für andere Menschen, kann auch eine Zwangseinweisung gegen den Willen des Patienten notwendig werden.

Während einer Phase paranoider Schizophrenie treten in der Regel keine oder nur sehr schwache Sprachstörungen, motorische Störungen oder Antriebslosigkeit auf, die für andere Schizophrenieformen typisch sind. Paranoide Schizophrenie-Patienten haben auch keine unpassenden oder verflachten Emotionen. Von einem flachen Affekt spricht man, wenn die Mimik und die Körperhaltung keine Rückschlüsse auf den inneren emotionalen Zustand zulassen.

 

Hebephrene Schizophrenie

Die hebephrene Schizophrenie bezeichnet eine Unterform der Schizophrenie. Bei diesem Subtyp stehen Veränderungen des Gefühls- und Gemütslebens im Vordergrund. Wahnvorstellungen und Halluzinationen kommen nur flüchtig und bruchstückhaft vor. Denken und Verhalten können desorganisiert und die Sprache zerfahren sein.

Die hebephrene Schizophrenie führt zu einer Verarmung der Gemütserregungen (Affekte) und einer verminderten Fähigkeit, „emotional mitzumachen“. Die Betroffenen reagieren gemütsmässig nur eingeschränkt auf normalerweise bewegende Ereignisse und erscheinen durch Erfreuliches wie Unerfreuliches wenig berührt. Die normale Schwingungsfähigkeit zwischen verschiedenen affektiven (emotionalen) Zuständen (Freude, Neugier, Trauer, Wut, Stolz etc.) geht verloren. Es herrscht eine flache, teilweise resonanzlose Stimmungslage ohne emotionale Wärme vor. Die Neativsmptomatik ist hierbei besonders ausgeprägt.

Die Sprache der Erkrankten ist oft gekennzeichnet durch Assoziationslockerungen, durch Danebenreden (Antworten sind nur indirekt oder gar nicht mit der Frage verbunden) oder sogar auch bis zur Unverständlichkeit desorganisiert (Wortsalat). Die Betroffenen scheinen wirres Zeug oder in einer selbsterfundenen oder fehlerbehafteten Sprache und Grammatik zu reden oder schreiben in teilweise unverständlichen Sätzen.

Das psychomotorische Verhalten und die Mentalität sind realitätsabgewandt, wirken autistisch und versponnen und erinnern häufig an eine verzerrende Karikatur des Verhaltens Pubertierender. Gerade dieses schein-pubertäre Verhalten wirkt aufgrund seiner Unverschämtheit oft so, als wolle der Kranke sein Gegenüber absichtlich provozieren oder verhöhnen. Die tatsächliche Ursache besteht dagegen darin, dass sich der Betroffene der Verzerrtheit seines Verhaltens gar nicht bewusst ist und deshalb auch keine Hemmung oder Scham deswegen zeigt

Das Bewusstsein und die Orientierung bleiben meist erhalten. Oft jedoch setzt ein schleichender Verlust der Persönlichkeitsstruktur ein und die Persönlichkeit verliert ihr eigentliches, vor der Erkrankung vorhandenes Wesen. Das zeigt sich unter anderem durch zunehmende Willens- und Entscheidungsschwäche: Diese beruht häufig auf einer als quälend empfundenen Unfähigkeit, die richtigere Entscheidung zu treffen. Oft geht das Denken an die eigene Zukunft verloren, die Erkrankten können nicht mehr arbeiten gehen oder sehen auch keine Notwendigkeit dazu. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion und Selbstkritik ist meist ebenso verlorengegangen wie die soziale Kompetenz. Krankheitseinsicht ist meist nicht vorhanden. Andererseits gibt es auch Patienten, denen die Ursache ihres andersartigen Verhaltens sehr wohl bewusst ist bzw. erfolgreich bewusst gemacht werden konnte. In diesen Fällen können die Kranken dann häufig zusätzlich Depressionen erleiden. Aus Verzweiflung neigen einige zur Einnahme von Alkohol und Drogen oder zum Suizid.

Katatone Schizophrenie

Die katatone Schizophrenie ist eine Unterform der Schizophrenie, bei der psychomotorische Störungen das klinische Bild beherrschen. Dennoch sind auch andere Symptome der Schizophrenie wie Stimmenhören, Angst, Denkstörungen und Wahn häufig zu beobachten.

Im Krankheitsverlauf kann es zu den folgenden Symptomen kommen:

  • Stummheit
  • Starrsucht (verharren in komischern Körperstellungen)
  • Flexibilitas cerea (erhöhte Muskelanspannung in komischen Körperstellungen)
  • Krankhaftes Misstrauen und/oder Paranoia
  • Befehlsautomatie (robotermässiges Befolgen von Anweisungen Dritter)
  • Eingeschränke Sprache
  • Agressivität
  • Starrezustand des Körpers bei vollem Bewusstsein (Stupor)
  • Komische Bewegungsabkläufe
  • Proskinese

Geht der Stupor mit Fieber einher, kann dies lebensbedrohlich werden.

Schizoaffektive Störung

Die schizoaffektive Störung ist eine psychische Störung, die Symptome der Schizophrenie und der manisch-depressiven Störung (bipolaren affektiven Störung) in sich vereint. Zusätzlich zu Symptomen einer affektiven Störung wie Depression oder Manie treten hier Symptome aus dem schizophrenen Formenkreis wie Wahn oder Halluzinationen auf. Dabei kann man schizomanische, schizodepressive und gemischte Formen unterscheiden. Der Verlauf kann phasisch (das heisst, in wechselnden Episoden) oder aber chronifizierend mit Residualsymptomen (das heisst, mit einer anhaltenden Beeinträchtigung) verlaufen.

Eine schwere affektive Störung kann ebenfalls psychotische Symptome haben, dabei ist jedoch der auftretende Wahninhalt meist passend zur Stimmung der Depression bzw. Manie. Bei Depression kann der Betroffene zum Beispiel an Schuldwahn leiden (ich habe irgendeine Schuld auf mich geladen, die ich niemals in Ordnung bringen kann), an Verarmungswahn (ich werde kein Geld mehr haben und verhungern) oder nihilistischem Wahn (es gibt mich gar nicht). Auch Beziehungs- bzw. Eifersuchtswahn und Verfolgungswahn gehören noch zu den affektiven Störungen mit psychotischen Symptomen. Bei Manie tritt oft Grössenwahn auf. Die folgende Tabelle klassifiziert die psychotischen Symptome einer affektiven Störung:

  • Ich-Störungen, wie z. B. Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung, Gedankenentzug, Gedankenausbreitung
  • Kontrollwahn, Beeinflussungswahn, Gefühl des Gemachten
  • kommentierende oder dialogisierende Stimmen
  • anhaltender, kulturell unangemessener, bizarrer und völlig unrealistischer Wahn (nicht nur Grössen- oder Verfolgungswahn)
  • Danebenreden, zerfahrene Sprache, Neologismen
  • katatone Symptome (Haltungsstereotypien, wächserne Biegsamkeit oder Negativismus)

Die Abgrenzung einer bespielweise psychotischen Depression zur Schizophrenie fällt oftmals schwer, da eine Schizophrenie fast immer auch mit affektiven Symptomen einhergeht. Für die Diagnosestellung ist hier sowohl der Krankheitsverlauf, als auch die Art und Schwere der Negativsymptomatik entscheidend.

 

 

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