Antidepressivum (SSRI) | Indikation: Depression, Panikstörung, soziale Phobie, PTBS und Zwangsstörung
Handelsnamen: Zoloft, Adjuvin etc.

Allgemeine Informationen

Sertralin wurde vom Pharmaunternehmen Pfizer entwickelt und 1997 in Europa zugelassen.

Sertralin ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der „selektiven Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer“ (SSRI) und wird vorwiegend unter dem Handelsnamen Zoloft vertrieben. Weitere Namen sind Adjuvin, Gladem und Tresleen. Ebenfalls sind zahlreiche Generika auf dem Markt. Das Medikament hat ein sehr breites Wirkspektrum und ist zur Behandlung von Depressionen, Panikstörungen, sozialer Phobie, Posttraumatischer-Belastungsstörungen (PTBS) und Zwangsstörungen zugelassen.

Sertralin ist bei allen Indikationen ab dem 18. Altersjahr zugelassen. Eine Ausnahme bilden jedoch die Zwangsstörungen, da ist das Medikament bereits ab dem 6. Altersjahr verfügbar. Bezüglich der Fahrtüchtigkeit und dem Bedienen von Maschinen sind keine Einschränkungen bekannt. Dennoch sollten Sie zunächst abwarten um zu wissen, wie Sie auf dieses Medikament reagieren.

Sertralin ähnelt als SSRI dem Citalopram (ebenfalls ein SSRI) pharmakologisch, hat aber zusätzlich eine schwach dopaminerge Wirkung, was im Positiven eine Antriebssteigerung und im negativen eine gewisse Unruhe verursachen kann.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1-2x täglich unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 50-200mg

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 6-8 Stunden

Halbwertszeit: 24-26 Stunden

Bioverfügbarkeit: 32-40%

Wirkungseintritt: nach 2-4 Wochen bei Depressionen / 3-5 Wochen bei Angststörungen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise Stark) varieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Libidoverlust, Übelkeit, Durchfall, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit

Häufig (1-10%): Unwohlsein, Menstruationsstörungen, häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen, Probleme beim Entleeren der Harnblase (Urin), Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, vermehrtes Schwitzen, Hautausschlag, Verdauungsstörungen, Verstopfungen, Bauchschmerzen, Erbrechen, Entwicklung von Gasen im Magen und/oder Darm, Gähnen, Hitzewallungen, Herzklopfen, Tinnitus, Sehstörungen, Zittern, Kribbeln auf der Haut, angespannte Muskulatur, unwillkürliche Muskelbewegungen, Geschmacksveränderungen, Angst, Nervosität, Agitation, verminderte Libido, depressive Symptome, verminderter Appetit, gesteigerter Appetit.

Gelegentlich (0.1-1%): Kraftlosigkeit, Fieber, Gangstörungen, Ödeme an Armen und/oder Beinen, Ödeme im Gesicht, erhöhte Urinausscheidung, Probleme Urin zurückzuhalten, nächtliches Wasserlassen, Muskelkrämpfe, Knochenfrakturen, Hauttrockenheit, Juckreiz, kleinflächige Blutungen auf der Haut und/oder Schleimhaut, Nesselfieber, Haarausfall, Blutungen aus dem Verdauungstrakt, Kurzatmigkeit, Nasenbluten, Verkrampfung der Muskeln rund um die Atemwege, Hochdruck in den Schlagadern, Blutungen allgemein, Herzrasen, Ödeme rund um die Augenregion, Erweiterung der Pupillen, Sehen von Doppelbildern, Verminderung der Druck- und Berührungssensibilität der Haut, Bewegungsstörungen, Migräne, kurze spontane Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle, Koma, Zähneknirschen, Verwirrtheit, Aggression, Halluzinationen, euphorische Stimmung, Mangel an Schilddrüsenhormonen, Überempfindlichkeitsreaktionen, asymptomatischer Anstieg der Serumtransaminasen.

Selten (0.01-0.1%): Entzündung der Bauchspeicheldrüse, Probleme beim Sprechen, Schmerzen im Brustkorb, Lichtempfindlichkeit, grüner Star, niederiger Blutzucker-Spiegel, Diabetes mellitus, hoher Cholesterinwert im Blut, vermehrtes Vorkommen von roten Blutkörperchen im Urin, Austritt von Muttermilch aus der Brust ohne Schwangerschaft/Stillzeit, Absetzsymptome,  schmerzhafte Errektion des Penis.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
  • 14 Tage vor, während und 14 Tage nach MAO-Hemmer-Therapie
  • gleichzeitig mit Pimozid
  • instabile Epilepsie
  • schwere Leberinsuffizienz
  • Fortpflanzung bei der Frau
  • Schwangerschaft & Stillzeit

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine kontrollierten klinischen Studien bei schwangeren Frauen vor.

Nach Einnahme von Sertralin bzw. anderen SSRI’s am Ende der Schwangerschaft, traten bei einigen Neugeborenen folgende Absetzsymptome auf: Ess- und Schlafstörungen, Atmungsschwierigkeiten, bläuliche Verfärbung der Haut, Atemunterbrüche, Krampfanfälle, Temperaturschwankungen, zu niederiger Blutzuckerspiegel, Tremor, abnormale Muskelspannungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Erbrechen, abnormale Irritabilität, Überspanntheit, Lethargie, Schläfrigkeit und anhaltendes Weinen.

Eine SSRI-Exposition in der späten Schwangerschaft kann das Risiko für eine persistierende pulmonale Hypertonie beim Neugeborenen (PPHN) erhöhen.

Sertralin wird in die Muttermilch ausgeschieden. Falls eine Behandlung mit Sertralin notwendig ist, soll abgestillt werden.

Studien

Die antidepressive Wirksamkeit von Sertralin wurde in mehreren kontrollierten Studien nachgewiesen. Dabei wurden die üblichen diagnostischen Kriterien und Bewertungsskalen (z.B. «Hamilton Depression Rating Scale » und «Clinical Global Impression Scale») angewandt.

Vergleich mit Placebo: In einer nordamerikanischen Dosisfindungsstudie wurden während sechs Wochen verschiedene Sertralin-Dosen (50,100, 200 mg) mit Placebo verglichen. Bei insgesamt 289 Personen mit einer mittelschweren bis schweren Depression war Sertralin in allen Dosen signifikant wirksamer als Placebo; die höchste Dosis (200 mg/Tag) war etwas wirksamer als die kleineren Dosen.

Interessant ist ferner eine Langzeit-Doppelblindstudie, in der 295 Personen im Anschluss an eine offene Sertralin-Behandlung während 44 Wochen entweder unverändert ihre Sertralin-Dosis oder Placebo erhielten. Während der ganzen Doppelblindphase hatten die mit Sertralin Behandelten signifikant weniger Rückfälle in eine Depression.

Vergleich mit Amitriptylin: Im Vergleich mit trizyklischen Antidepressiva zeigte sich Sertralin in verschiedenen Studien ähnlich wirksam. Grosse Vergleiche wurden mit Amitriptylin durchgeführt. In einer Doppelblindstudie bei 448 Patienten mit schwerer Depression wurde die Dosis initial titriert und so relativ hohe durchschnittliche Tagesdosen (Sertralin:159 mg, Amitriptylin: 111 mg) erreicht. Zwischen den beiden Medikamenten ergab sich kein signifikanter Unterschied in der antidepressiven Wirkung; gegenüber Placebo waren beide deutlich wirksamer.

In einer anderen Doppelblindstudie wurde Sertralin (50 bis 200 mg/Tag) bei älteren Leuten mit Amitriptylin (50 bis 150 mg/Tag) verglichen. Auch in dieser Studie waren die beiden Antidepressiva ungefähr gleich gut wirksam. Eine relevante Besserung ergab sich bei 69% der mit Sertralin und bei 63% der mit Amitriptylin behandelten Patienten. In kleineren Vergleichsstudien konnte auch eine ähnliche antidepressive Wirksamkeit von Sertralin und Imipramin (Tofranil) nachgewiesen werden.

Vergleich mit Fluoxetin: Bisher wurde nur eine Studie publiziert, in der Sertralin mit einem anderen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer verglichen wurde: In dieser achtwöchigen Doppelblindstudie erhielten 48 Personen Sertralin (mittlere Dosis: 72mg/Tag) und 40 Fluoxetin (mittlere Dosis: 28 mg/Tag). In beiden Gruppen konnte schon nach einer Woche eine deutliche Besserung der Depression festgestellt werden. Ein signifikanter Unterschied zwischen Fluoxetin und Sertralin fand sich während der ganzen Studie nicht.

Weiteres: Wie andere Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) ist Sertralin auch bei Zwangsneurosen wirksamer als Placebo. Gemäss einer kontrollierten Studie ergab Sertralin (50 bis 200 mg/Tag) bei Personen mit obsessiv-kompulsiven Störungen eine signifikante Wirkung. Nach 8 Wochen war bei 56% der mit Sertralin behandelten, aber nur bei 32% der Placebo-behandelten Patienten eine Besserung erreicht.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

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