atypisches Neuroleptikum | Handelsnamen: Dogmatil sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Sulpirid ist ein atypisches Neuroleptikum (in gewissen Texten allerdings als typisches Neuroleptikum bezeichnet), welches 1972 unter dem Handelsnamen Dogmatil auf den Markt kam. Weitere Namen sind Arminol, Meresa, Meresasul, Neogama, Sulpivert, Vertigo-Meresa und Vertige-Neogama, ebenfalls ist es als Generikum erhältlich. Ursprünglich zur Schizophrenie-Behandlung entwickelt wurde bald auch eine antidepressive Wirkung festgestellt. Bis heute ist Sulpirid jedoch nur in Deutschland bei Depression indiziert, und dies auch nur, falls der Patient auf andere Medikamente nicht angesprochen hat oder diese unverträglich sind. Grundsätzlich ist der Einsatz bei Depressionen umstritten, da das Medikament sowohl antidepressiv als auch depressions-verstärkend wirken kann.

Sulpirid ist ab 18 Jahren zugelassen. Während einer Sulpirid-Therapie ist der Konsum von Alkohol zu vermeiden, da es sonst zur Verstärkung der Nebenwirkungen (inkl. dem sedierenden Effekt) kommen kann. Das Medikament kann eine Sedierung, weitere zentrale Symptome und Übelkeit verursachen. Folglich kann die die Fähigkeit, Fahrzeuge zu führen oder Maschinen zu bedienen, beeinträchtigt sein.

Sulpirid hat im Gehirn eine starke Affinität zu den D2– und D3-Rezeptoren (Dopamin). Andere Neurotransmittersysteme werden kaum beeinflusst.

Indikation
  • Depression bei unzureichendem Ansprechen auf andere Medikamente oder deren Unverträglichkeit (Zulassung nur in Deutschland)
  • Neurotische Zustände
  • Akute und chronische Schizophrenie
  • Schwere Verhaltensstörungen bei Alkoholkonsum oder Geistesschwäche

 

Die Indikation richtet sich nach den Fachinformationen für Ärzte des Schweizer Arzneimittelkompendiums (ausg. Depression). Fachinformationen des Deutschen bzw. Österreichischen Kompendiums sind für uns und auch die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 3x täglich unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 400-1600mg (pro Tag)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuell festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Neuroleptika werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niedrigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 2-6 Stunden

Halbwertszeit: 7 Stunden

Bioverfügbarkeit: 25-35%

Wirkungseintritt: nach 1-7 Tagen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

 

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Schläfrigkeit, Sedation.

Häufig (1-10%): Erhöhung des Prolaktinspiegels im Blut (als Folge können Ausbleiben der Menstruation, krankhafter Milchfluss, erektile Dysfunktion, Orgasmusprobleme und Vergrösserung der Brustdrüse beim Mann auftreten), Depressionen bzw. Verschlimmerung der Depression, Unruhe, Schlafstörungen, Störungen im Bewegungsablauf, Parkinsonismus, Sitzunruhe, Zittern (Tremor), Verstopfungen, Erhöhung der Leberenzyme, allergische Reaktionen der Haut (Juckreiz, Ausschlag), vermehrtes Schwitzen, Gewichtszunahme.

Gelegentlich (0.1-1%): Leukopenie, Bluthochdruck, unwillkürliche Bewegungen, Erkankung des Kreislaufsystems, vermehrte Speichelbildung.

Selten (0.01-0.1%): Blickkrampf, Verlängerung des QT-Intervalls, Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, malignes neuroleptisches Syndrom.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • Prolaktinabhängige Tumore
  • Phäochromozytom
  • akute Porphyrie (Stoffwechselerkrankung)
  • gleichzeitig mit L-Dopa oder Anti-Parkinsonmittel (inkl. Ropinirol)
  • Schwangerschaft & Stillzeit

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Kontraindizierte Assoziationen:

Levodopa, Antiparkinsonmittel (einschliesslich Ropinirol): Reziproker Antagonismus von diesen Medikamenten und von Neuroleptika.

Im Falle Neuroleptika-induzierter extrapyramidaler Störungen sind diese nicht mit Levodopa zu behandeln (Dopamin-Antagonist, Hemmung und Verlust der Neuroleptikawirkung), sondern es ist ein Anticholinergikum zu verwenden.

Erforderlichenfalls ist bei Parkinsonpatienten, die mit Levodopa behandelt werden, denjenigen Neuroleptika der Vorzug zu geben, die zu wenig extrapyramidalen Wirkungen führen, wie z.B. Chlorpromazin oder Levomepromazin.

Zu vermeidende Kombinationen (Liste nicht vollständig):

Alkohol: Risiko einer Verstärkung des sedativen Effekts der Neuroleptika durch Alkohol. Die Einnahme von alkoholischen Getränken und von Medikamenten, die Alkohol enthalten, ist zu vermeiden.

Kombination mit Arzneimitteln, die das QT-Intervall verlängern oder zu Torsades de pointes führen können wie z.B.:

Arzneimittel, die eine Hypokaliämie verursachen können: hypokaliämisierende Diuretika, stimulierende Laxantien, Amphotericin B, Glukokortikoide, Tetracosactid.

Bradykardisierend wirkende Arzneimittel: Beta-Blocker, Diltiazem, Verapamil, Clonidin, Digitalispräparate.

Antiarrhythmika: Klasse IA: Chinidin, Procainamid, Disopyramid; Klasse IC: Flecainid; Klasse III: Sotalol, Ibutilid, Amiodaron.

Psychotrope Arzneimittel: Neuroleptika (z.B.: Haloperidol, Quetiapin, Risperidon).

Antidepressiva: Imipramin, Venlafaxin.

Antihistaminika: Cimetidin.

Antibiotika: Azithromycin, Clarithromycin, Erythromycin, Spiramycin, Pentamidin, Levofloxacin, Moxifloxacin.

Vasopressoren: Dobutamin, Epinephrin, Norepinephrin.

Antiemetika: Domperidon, Ondansetron, Droperidol.

Abschwellende Mittel: Ephedrin, Pseudoephedrin, Phenylephrin, Phenylpropanolamin.

Sympathikomimetika/Bronchodilatatoren: Salmeterol, Terbutalin.

Verschiedene: Amantadin, Chloralhydrat, Felbamat, Foscarnet, Indapamid, Isradipin, Lithium, Methadon, Midodrin, Octreotid, Vincamin, Sibutramin, Tacrolimus, Tamoxifen, Tizanidin.

Kombinationen, die Vorsichtsmassnahmen bei der Anwendung erfordern (Liste nicht vollständig):

Antihypertensiva: Verstärkung der antihypertensiven Wirkung und Risiko einer sich verstärkenden orthostatischen Hypotonie (additive Wirkung).

Depressoren des ZNS: Morphin-Derivate, Analgetika, sedative H1-Antihistamine, Barbiturate, Benzodiazepine und Z-Drugs, Clonidin und verwandte Substanzen. Dies führt zu einer Verstärkung der Sedation, die negative Folgen haben kann, insbesondere beim Führen von Fahrzeugen oder beim Handhaben von Maschinen.

Antazida und Sukralfat: die Absorption von Sulpirid wird durch die Kombination verringert. Sulpirid ist folglich mindestens 2 Stunden vor diesen Arzneimitteln zu verabreichen.

Lithium: Lithium erhöht das Risiko von extrapyramidalen Nebenwirkungen. Bei den ersten Anzeichen von Neurotoxizität wird empfohlen, die Einnahme beider Medikamente abzubrechen.

Schwangerschaft & Stillzeit

Zur Anwendung beim Menschen gibt es nur sehr wenige klinische Daten zur Verabreichung von Sulpirid während der Schwangerschaft. Alternative Erklärungen können in fast allen Fällen von Störungen beim Fötus und beim Neugeborenen bei der Verabreichung von Sulpirid in der Schwangerschaft angenommen werden und erscheinen wahrscheinlicher. Die Anwendung von Sulpirid in der Schwangerschaft wird aufgrund begrenzter Erfahrungen nicht empfohlen.

In zwingenden Fällen sind mässige Dosen während einer möglichst kurzen Zeitspanne anzuwenden.

Bei schwangeren Frauen, die im dritten Schwangerschaftstrimenon Antipsychotika einnehmen (einschliesslich Sulpirid), besteht nach der Geburt das Risiko von extrapyramidalmotorischen Symptomen und/oder Entzugserscheinungen beim Neugeborenen. Zu diesen Symptomen können Unruhe, ein erhöhter oder herabgesetzter Muskeltonus, Zittern, Schläfrigkeit, Atembeschwerden oder Schwierigkeiten beim Stillen zählen.

Diese Komplikationen können in unterschiedlichen Schweregraden auftreten. In einigen Fällen waren die Symptome nur gering ausgeprägt, in anderen Fällen war eine Überwachung der Neugeborenen auf der Intensivstation oder ein längerer Krankenhausaufenthalt erforderlich.

Da Sulpirid in die Muttermilch übergeht, ist während der Behandlung auf das Stillen zu verzichten.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.