Allgemeine Informationen
  • Handelsnamen: Arminol, Dogmatil, Meresa, Meresasul, Neogama, Sulpivert, Vertigo-Meresa, Vertige-Neogama, div. Generika
  • Kategorie: Atypisches Neuroleptikum
  • Indikation: Depressionen, bipolare Störungen, Psychosen
  • Sedierend: Möglich
  • Libidoverlust: Ja (häufig)
  • Gewichtsveränderung: Zunahme (häufig)
  • Hinweis: Die Zulassung zur Behandlung Depressionen und bipolaren Störungen ist nur in Deutschland gegeben
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 2-3x täglich unabhängig der Mahlzeiten. Späteste Dosis um 16 Uhr.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Bipolare Störungen und Depressionen: 400-1600mg

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Neuroleptika werden meist langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden. Selten (z.B. bei akuter Manie) wird von Anfang an die Zieldosis verabreicht.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

maximaler Plasmaspiegel: nach 2-8 Stunden

Halbwertszeit: 6-8 Stunden

Bioverfügbarkeit: 20-30%

Wirkungseintritt: nach 1-2 Tagen bei bipolaren Störungen und Depressionen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) varieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Schläfrigkeit

Häufig (1-10%): Zu hoher Prolaktinspiegel im Blut, Ausbleiben der Menstruation, Austritt von Muttermilch ohne Schwangerschaft/Stillzeit, Vergrösserung der Brustdrüse beim Mann, Zunahme des Brustvolumens, Brustschmerzen, Orgasmusprobleme, erektile Dysfunktion, Depressionen, Unruhe, Schlaflosigkeit, morotische Unruhe, Parkinsonismus, Zittern, Erhöhung der Leberenzyme, allergische Reaktionen der Haut, Juckreiz, vermehrtes Schwitzen, Hautausschläge, Gewichtszunahme.

Gelegentlich (0.1-1%): Blutwert-Probleme (Leukopenie), Bluthochdruck, unwillkürliche Bewegungen, Bewegungsstörungen, Probleme mit dem Herz-Kreislauf-Sytem (orthostatische Hypotonie), vermehrte Speichelbildung.

Selten (0.01-0.1%): Okulogyrale Krise, Verlängerung des QT-Intervalls, Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, ventrikuläre Zuckungen der Skelettmuskulatur, malignes neuroleptisches Syndrom.

 

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen.

Eine solche Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Menschen entwickeln gar keine bis nur wenige Nebenwirkungen.

Die meisten Nebenwirkungen verschwinden zudem nach 3-4 Wochen. Längerfristige Nebenwirkungen sind vor allem der Libidoverlust und die Gewichtsveränderung (falls betroffen).

Die Nebenwirkungen wurden von den medizinischen Fachbegriffen in eine für Laien möglichst verständliche Sprache übersetzt. Trotz grösster Mühe kann die medizinische Exaktheit teilweise nicht 1:1 wiedergegeben werden. Für Ärzte empfehlen wir das Arzneimittelverzeichnis bzw. Arzneimittelkompendium zu verwenden.

Altersfreigabe

Sulpirid ist ab 18 Jahren zugelassen.

Ein Arzt darf dieses Medikament auch an jüngere Patienten verschreiben.
Die Altersfreigabe sagt nichts über die Wirksamkeit bei Minderjährigen aus.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
  • prolaktinabhängige Tumore
  • Phäochromozytom
  • akute Porphyrie
  • gleichzeitig mit L-Dopa oder Anti-Parkinsonmitteln (inkl. Ropinirol)
  • Schwangerschaft & Stillzeit

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Schwangerschaft & Stillzeit

Bei schwangeren Frauen, die im dritten Schwangerschaftstrimenon Antipsychotika (Neuroleptika) einnehmen (einschliesslich Sulpirid), besteht nach der Geburt das Risiko von extrapyramidalmotorischen Symptomen und/oder Entzugserscheinungen beim Neugeborenen.

Zu diesen Symptomen können Unruhe, ein erhöhter oder herabgesetzter Muskeltonus, Zittern, Schläfrigkeit, Atembeschwerden oder Schwierigkeiten beim Stillen zählen.

Sulpirid sollte währed der Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden.

Weitere Informationen

Sulpirid hat im Gehirn eine starke Affinität zu den D2– und D3-Rezeptoren. Andere Neurotransmittersysteme werden kaum beeinflusst. Die höhere Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke im Bereich des tubero-infundibulären Systems führt dazu, dass schon relativ geringe Dosen Sulpirid eine erhöhte Prolaktin-Ausschüttung bewirken können. Bei niedrigeren Dosen wirkt Sulpirid stimmungsaufhellend und aktivierend.

Eine mehrstufige Synthese für Sulpirid ist in der Literatur beschrieben. Zur Herstellung von Sulpirid werden viele Verfahren zur Aktivierung der 2-Methoxy-5-sulfamoylbenzoesäure herangezogen. Die deutlich differenzierte Reaktivität der Säurechloride im 2-Methoxy-5-fluorsulfonylbenzoylchlorid gegenüber Aminen und Ammoniak nützt ein weiteres Verfahren. Ein alternativer Weg dazu besteht in der Chlorsulfonierung eines Benzamids.

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C15H23N3O4S

(RS)-N-[(1-Ethyl pyrrolidin-2-yl)-methyl]-2- methoxy-5- sulfamoylbenzamid

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