Atypisches Antidepressivum | Indikation: Depression
Handelsnamen: Stablon und Tianeurax

Allgemeine Informationen

Tianeptin wurde in Frankreich bereits 1988 zugelassen, in Deutschland erfolgte die Zulassung jedoch erst im November 2012. Das Medikament wird heute von der Firma Neuraxfarm vertrieben. Es ist ebenfalls in Österreich, jedoch nicht in der Schweiz erhältlich.

Tianeptin ist ein atypisches Antidepressivum bzw. ein glutamerger Modulator. Es wird unter den Handelsnamen Stablon und Tianeurax vertrieben. Zugelassen ist es zur Behandlung von Depressionen bei Personen ab dem 18. Altersjahr. Obwohl es nicht sedierend wirkt, kann Tianeptin die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen einschränken. Von Alkoholkonsum ist während der Einnahme des Medikamentes abzusehen (Abhängigkeitsgefahr).

Das Medikament scheint stressbedingte Veränderungen in gewissen Hirnarealen zu verhindern bzw. rückgängig machen zu können. Tianeptin verstärkt ausserdem -zumindest in der Anfangsphase einer Behandlung- die Wiederaufnahme von Serotonin und ferner auch Dopamin. Daher wurde es in der Vergangenheit als Gegensatz zu den Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) auch als Serotonin-Wiederaufnahmeverstärker (SRE) bezeichnet.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 3x täglich unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 12,5-37,5mg

Die Dosierung muss von einem Arzt individuell festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niedrigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 1 Stunde

Halbwertszeit: 2-4  Stunden

Bioverfügbarkeit: 99%

Wirkungseintritt: nach 1-3 Wochen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): keine

Häufig (1-10%): Appetitverlust, Albträume, Schlafstörungen, Schläfrigkeit, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Ohnmacht, Zittern Herzklopfen, abnormale Wahrnehmung des Herzschlages, Brustschmerzen, Hitzewallungen, erschwertes Atmen Magenschmerzen, Unterbauchschmerzen, trockener Mund, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Blähungen Muskelschmerzen, Kreuzschmerzen, Schwächegefühl, Klossgefühl im Hals.

Gelegentlich (0.1-1%): Juckreiz, Nesselausschlag, Abhängigkeit.

Selten (0.01-0.1%): keine Daten vorhanden

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

 

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert ist:

  • vor während und nach der Therapie mit nichtselektiven MAO-Hemmern

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Tianeptin sollte nicht zusammen mit Antidepressiva aus der Gruppe der MAO-Hemmer angewandt werden, da die Gefahr für Kreislaufzusammenbruch, anfallsweisen Bluthochdruck, Fieber, Krämpfe und Tod besteht.

Weil sich die Wirkungen gegenseitig aufheben, sollte Tianeptin nicht zusammen mit dem Antidepressivum Mianserin angewendet werden.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine ausreichenden Daten vor. Die Behandlung mit Tianeptin sollte während der Schwangerschaft und Stillzeit vermieden werden.

Studien

Vergleich mit Placebo: Die Wirksamkeit wurde in zwei placebokontrollierten Studien anhand der Werte in der Montgomery-Åsberg Depressionsskala (MADRS) überprüft. In beiden Studien war Tianeptin signifikant wirksamer als Placebo.

Weiteres: Die Wirksamkeit im Vergleich zu Amitriptylin (50 bis 100 mg/Tag), Clomipramin (100 bis 200 mg/Tag), Imipramin (100 bis 200 mg/Tag), Maprotilin (75 mg/Tag) und Mianserin (30 bis 80 mg/Tag) wurde ebenfalls in Studien überprüft. Tianeptin erwies sich dabei in einer Dosierung von 25 bis 50 mg/Tag hinsichtlich der antidepressiven und anxiolytischen Wirkung gegenüber den tri- und tetrazyklischen Antidepressiva als ebenbürtig.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden!

share it!Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+
Zur Werkzeugleiste springen