Antidepressivum (MAO-Hemmer) | Indikation: Depression und Angststörungen
Handelsname: Jatrosom

Allgemeine Hinweise

Bereits 1952 fiel die antidepressive Wirkung von Tranylcypromin auf. Heute wird das Medikament von diversen Pharmaunternehmen angeboten.

Tranylcypromin ist ein Antidepressivum bzw. ein nichtselektiver und irreversibler Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer). Es wird unter dem Handelsnamen Jatrosom vertrieben. Durch die Nichtselektivität und die Irreversiblität ist eine strenge Dität von körperfremden Aminen erfoderlich wie sie z.B.  bei Rotwein, Hartkäse und vielen anderen Produkten vorkommen. Bei Genuss solcher Nahrungsmittel kann es unter Therapie mit Tranylcypromin zu hypertensiven Krisen mit lebensbedrohlichen Folgen (Hirnblutungen) kommen. Das Medikament ist ab 18 Jahren zugelassen. Es ist keine Einschränkung der Fahrtüchtigkeit oder dem Bedienen von Maschinen bekannt. Dennoch sollten Sie zunächst abwarten um zu sehen, wie Sie auf das Medikament reagieren.

Da bei der Einnahme zusätzlich eine streng tyraminarme Ernährung eingehalten werden muss, ist Tranylcypromin nicht Mittel der Wahl bei Depressionen. Zum Einsatz kommt es lediglich bei therapieresistenten Depressionen, wenn sich andere Antidepressiva als unwirksam erwiesen haben. Tranylcypromin kann nur mit wenigen anderen Antidepressiva oder Sympathomimetika kombiniert werden, da dies meistens gravierende Nebenwirkungen zur Folge hat (Blutdruckkrise, Serotonin-Syndrom, Krampfanfälle, Tod). Die gleichzeitige Behandlung mit Lithiumsalzen und einigen bestimmten Neuroleptika sowie Benzodiazepinen ist jedoch möglich. Diese Behandlungsstrategien kommen dann zum Einsatz, wenn die Monotherapie mit Tranylcypromin noch kein zufriedenstellendes Behandlungsergebnis zeigt.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1-2x täglich (nicht nach 15h) unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 20-60mg (bei hoher Dosis in 2 Gaben vor 15 Uhr)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: 1-4 Stunden

Halbwertszeit: 1-2 Stunden

Bioverfügbarkeit: 50-80%

Wirkungseintritt: nach 1-3 Wochen bei Depressionen / 3-5 Wochen bei Angststörungen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) varieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Schlaflosigkeit und andere Schlafstörungen, Blutdruckabfall beim Aufstehen, niedriger Blutdruck.

Häufig (1-10%): Angstzustände, motorische Unruhe, Unruhe, Schwindelgefühl, Mundtrockenheit, Müdigkeit, Herzklopfen, hoher Blutdruck, Gewichtszunahme, Gewichtsabnahme, Schwäche.

Gelegentlich (0.1-1%): Starke Blutdrucksteigerung, schneller Pulsschlag, Herzjagen, Gesichtsrötung, Kopfschmerzen (insbesondere Hinterhauptkopfschmerzen), Nackensteifigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheue.

Selten (0.01-0.1%): Psychische Abhängigkeit, Krampfanfälle, Ödeme, verschwommenes Sehen, Verstopfung, Durchfall, Leberfunktionsstörungen, Schwitzen, allergische Hautausschläge, Muskelkrämpfe, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Orgasmusstörungen, Potenzstörungen, Störungen der Fähigkeit zum Samenerguss, Erhöhung der Körpertemperatur.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Einige Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie. Die Diät muss während der ganzen Einnahmedauer zwingend aufrecht erhalten werden!

 

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
  • Verwirrtheitszuständen
  • akuter Vergiftung oder Überdosierungen von Alkohol, Schlafmitteln, Schmerzmitteln oder Psychopharmaka
  • schwere Nieren- oder Leberschäden
  • Schädigungen der Gehirn- oder Herzgefässe
  • Blutdruckprobleme
  • maligne Hyperthermie
  • Störungen der Harnausscheidung
  • Störung der Blutbildung
  • zusammen mit anderen Serotonin wiederaufnahme-hemmenden Arzneimitteln

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine ausreichenden Erfahrungen für die Anwendung von Tranylcypromin an Schwangeren vor. Tranylcypromin kann negative Auswirkungen auf das ungeborene Kind haben. Ein bestehender Bluthochdruck der Mutter kann verstärkt werden, außerdem ist eine verminderte Durchblutung des Mutterkuchens (Plazenta) möglich.

Tranylcypromin sollte nicht während der Stillzeit eingenommen werden. Wenn eine Medikation mit Tranylcypromin während der Stillzeit unausweichlich ist, sollte abgestillt werden.

Studien

Vergleich mit Moclobemid:  Die Patienten wurden randomisiert; 81 erhielten Moclobemid bzw. 79 erhielten Tranylcypromin in individuell titrierten Dosierungen (100-300 mg/Moclobemid bzw. 10-30 mg/Tranylcypromin) unter Doppelblindbedingungen für einen Mindestzeitraum von 4 Wochen im Rahmen einer Multizenterstudie. Die antidepressive Wirkung wurde bewertet nach den Kriterien 1-17 der Hamilton Depression Rating Scale (HAMD-17), der Befindlichkeitsskala nach von Zerssen, einer visuellen Analogskala und dem globalen Eindruck des Klinikarztes. Beide Behandlungen ergaben eine signifikante Besserung der Depression nach allen Bewertungssystemen. Die HAMD-17-Einstufungen gingen um 63 bzw. 58% bei Moclobemid bzw. Tranylcypromin zurück, obwohl der Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen nicht signifikant war. Die anderen Bewertungssysteme ergaben ähnliche Ergebnisse, mit Ausnahme der Bewertung durch den Kliniker am Tag 28. Bei dieser Beurteilung wurde die Wirksamkeit als sehr gut/gut eingestuft bei 78% der mit Moclobemid behandelten und bei 88 % der mit Tranylcypromin behandelten Patienten. Es wurden jedoch nur solche Patienten bei dieser Bewertung berücksichtigt, die nicht aus der Studie ausgeschieden waren. Die Verträglichkeit beider Produkte war gut, obwohl Moclobemid in dieser Hinsicht einen kleinen Vorteil aufzuweisen schien, da in dieser Gruppe nur ein Patient wegen ungenügender Verträglichkeit/ungünstiger Nebenwirkungen ausschied, verglichen mit neun Abbruchen aus der Tranylcypromingruppe. Fast 19% der mit Moclobemid behandelten Patienten hatten keinerlei ungünstige Nebenwirkungen, gegenüber nur 9 % der Tranylcypromingruppe. Die häufigsten unangenehmen Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen Übelkeit/Erbrechen, Mundtrockenheit, Obstipation, Kopfweh und Schlafstörungen. Die vorliegende Studie deutet darauf hin, daß sowohl Moclobemid als auch Tranylcypromin wirksame Antidepressiva sind. Moclobemid hat jedoch ein etwas besseres Verträglichkeitsprofil aufzuweisen.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

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