Atypisches Antidepressivum | Indikation: Depression
Handelsnamen: Thombran und Trittico

Allgemeine Informationen

Trazodon wurde bereits 1966 von der Firma Angelini entwickelt, jedoch erst Mitte der 1980er Jahre im deutschsprachigen Raum zugelassen.

Das Medikament ist ein atypisches Antidepressivum. Es gleicht stark einem Trizyklika (SRI), ist jedoch zusätzlich ein Antagonist der 5-HT2-Rezeptoren. Vertrieben wird es unter den Handelsnamen Thombran und Trittico. Zugelassen ist das Medikament zur Behandlung von Depressionen, im off-lable use wird es häufig auch gegen Schlafstörungen eingesetzt. Folglich wirkt Trazodon sedierend und kann die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen einschränken. Das Medikament ist ab dem 18. Altersjahr zugelassen. Die Wirkung von Alkohol kann durch Trazodon verstärkt werden, weshalb die Einnahme von Alkohol während der Behandlung zu vermeiden ist.

Vorteile von Trazodon sind seine gute Wirkung bei Schlafstörungen bereits in niedriger Dosierung. Anders als bei vielen Antidepressiva kommt es in der Regel nicht zu einer Gewichtszunahme oder sexuellen Funktionsstörungen.

Dosierung & Anwendung

Die Einnahme: 1x täglich Abends nach den Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 75-300mg (stationär bis 600mg)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuell festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niedrigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 1 Stunde

Halbwertszeit: 4-12 Stunden

Bioverfügbarkeit: 60-80%

Wirkungseintritt: nach 2-4 Wochen bei Depressionen / 1-2 Stunden Sedation

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Mundtrockenheit

Häufig (1-10%): Gliederschmerzen, Rückenschmerzen, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Schläfrigkeit.

Gelegentlich (0.1-1%): Schwächegefühl, Ödem, grippale Symptome, Müdigkeit, Schmerzen im Brustraum, Fieber, Miktionsstörungen, Hautausschläge (Rash), Hitzewallungen, Juckreiz, vermehrtes Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Magenschmerzen, Verdauungsstörungen, Magen-Darm-Entzündung, Nasenkongestion, Kurzatmigkeit, orthostatische Hypotonie, Hypertonie, kurze spontane Bewusstlosigkeit, Sehstörungen, Serotonin-Syndrom, Konvulsionen, Benommenheit, Schwindel, Kopfschmerzen, beeinträchtigte Konzentrationsfähigkeit, Unruhe, Zittern, Gedächtnisstörungen, Muskelzuckungen, Sprachstörungen, Bewegungsstörungen, Geschmacksstörungen, Suizidgedanken und Suizidverhalten, Verwirrung, Schlaflosigkeit, Desorientierung, Manie, Ängstlichkeit, Nervosität, Unruhe, Illusionen, aggressives Verhalten, Halluzinationen, Alpträume, Libidoverminderung, Entzugserscheinungen, Gewichtsverlust, Hyponatriämie, Appetitlosigkeit, verstärkter Appetit.

Selten (0.01-0.1%): Verstopfung, vermehrter Speichelfluss, Darmverschluss, Herzarrhythmusstörungen, tiefe Herzschlagfrequenz, Herzrasen, Anomalien im EKG, Kribbeln auf der Haut, Blutbildveränderungen, Leberfunktionsstörungen, intrahepatische Cholestase, Erhöhung der Leberenzymwerte.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

 

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • akuter Herzinfarkt
  • Alkoholintoxikation
  • Hypnotika-Intoxikation
  • Galaktosämie
  • Laktasemangel
  • Glucose-Galaktose-Malabsorption
  • Schwangerschaft & Stillzeit

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Die gleichzeitige Einnahme von Trazodon verstärkt die Wirkung von Medikamenten mit dämpfender Wirkung auf die Gehirnfunktion sowie Alkohol. Eine Verstärkung der Beruhigung kommt so bei gleichzeitiger Anwendung von Benzodiazepinen vor.

Trazodon kann die blutdrucksenkende Wirksamkeit von Clonidin und Methyldopa (bei Parkinson-Krankheit) abschwächen. Bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter Psychopharmaka wie Chlorpromazin, Fluphenazin, Levomepromazin und Perphenazin kommt es hingegen zu einer Verstärkung der blutdrucksenkenden Wirkung.

Die Blutkonzentrationen des Epilepsie-Mittels von Phenytoin und von Digoxin (gegen Herzmuskelschwäche) können nach Trazodongabe erhöht sein, was Nebenwirkungen vermehrt.

Trazodon wird im Körper von einem bestimmten Enzym-System abgebaut. Manche Stoffe wie die Psychopharmaka Levopromazin, Thioridazin, Haloperidol und Fluoxetin, das Pilzmittel Ketoconazol und das Virusmittel Ritonavir hemmen diese Enzyme. Dadurch kann es bei gleichzeitiger Gabe zu erhöhten Trazodon-Blutspiegeln mit Verstärkung von Wirkung und Nebenwirkungen kommen. Andere Medikamente wie beispielsweise das Epilepsie-Mittel Carbamazepin fördern die Tätigkeit der Enzyme, was Trazodon bei gleichzeitiger Gabe an Wirkung verlieren lässt.

Bei der Behandlung von Depressionen mit MAO-Hemmern kann es zu schweren Nebenwirkungen kommen. Daher soll auch Trazodon nicht in Kombination mit MAO-Hemmern oder innerhalb von zwei Wochen nach Beendigung einer Behandlung mit MAO-Hemmern eingenommen werden. Umgekehrt sollte eine Behandlung mit MAO-Hemmern frühestens eine Woche nach Absetzen von Trazodon begonnen werden. Auch die Kombination von Trazodon mit trizyklischen Antidepressiva und Neuroleptika ist zu vermeiden, da es sonst zu einem Serotonin-Syndrom kommen kann.

Die gleichzeitige Anwendung von Trazodon und dem Blutverdünner Warfarin sollte mit ärztlicher Vorsicht erfolgen. Die Blutgerinnungswerte sind sorgfältig vom Arzt zu überwachen, da es zur Veränderung der Gerinnungswerte kommen kann.

Besondere Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Anwendung von Wirkstoffen, die wie Trazodon den Herzrhythmus verändern. Dazu gehören vor allem Antiarrhythmika Klasse IA oder III, Antibiotika, Malaria-Mittel, H1-Antihistaminika (gegen Allergie) und Neuroleptika.

Schwangerschaft & Stillzeit

Die Analyse einer begrenzten Anzahl von Schwangerschaften zeigte keine unerwünschten Wirkungen von Trazodon auf die Schwangerschaft.

Während der Schwangerschaft sollte Trazodon nicht angewendet werden, es sei denn, die Behandlung ist absolut notwendig. Wenn Trazodon bis zur Entbindung eingenommen wird, muss das Neugeborene überwacht werden, da das Risiko von Entzugserscheinungen besteht.

Beschränkte Daten zeigen, dass Trazodon nur in geringem Mass in die Muttermilch übergeht. Aufgrund des Mangels an Daten sollte Trazodon während der Stillzeit nicht eingenommen werden bzw. sollte abgestillt werden.

Studien

Vergleich mit Venlafaxin: In einer sechswöchigen placebokontrollierten Doppelblindstudie wurde Venlafaxin mit Trazodon verglichen. Von 225 depressiven Patienten beendeten 149 die Studie, die durchschnittlichen Tagesdosen betrugen 160 mg Venlafaxin und 300 mg Trazodon. Obwohl sich am Ende der Studie kein signifikanter Unterschied zwischen Venlafaxin-, Trazodon- und Placebo-Gruppe zeigen liess, ergab sich gesamthaft ein eindeutiger Vorteil der beiden (etwa gleichwertigen) aktiven Medikamente.

Vergleich mit Mirtazapin: In zwei Studien konnte belegt werden, dass Trazodon gleichwertig oder der Vergleichssubstanz leicht unterlegen war.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

 

Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden!

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