Trizyklisches Antidepressivum | Indikation: Depression
Handelsnamen: Herphonal, Stangyl & Surmontil

Allgemeine Informationen

Trimipramin wurde zu Beginn der 1960er Jahre in Europa zugelassen und wird heute von diversen Pharmaunternehmen angeboten.

Trimipramin ist ein trizyklisches Antidepressivum (Trizyklika) und wird unter den Handelsnamen Herphonal, Stangyl und Surmontil vertrieben, auch als Generikum ist es erhältlich. Zugelassen ist es zur Behandlung von Depressionen und chronischen Schmerzen. Im off-lable use wird es zudem sehr häufig gegen Schlafstörungen eingesetzt. Folglich wirkt das Medikament stark sedierend und beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit sowie das Bedienen von Maschinen. Zugelassen ist Trimipramin ab 18 Jahren. Bezüglich Alkohol wurde bei geringen Mengen keine Wechselwirkungen festsgestellt, dennoch wird bei grösseren Mengen die Wirkung von Alkohol duch das Medikament verstärkt. Von einem Konsum ist desshalb abzuraten.

Trimipramin blockiert im Zentralnervensystem verschiedene Serotonin-, Dopamin- und α-Adrenozeptoren. Die Monoamin-Rückaufnahme aus dem synaptischen Spalt in die präsynaptischen Vesikel wird nur gering verzögert. Somit ist der antidepressive Wirkmechanismus anders als der anderer trizyklischer Antidepressiva. Ausserdem wirkt Trimipramin anticholinerg und antihistaminerg; es hat daher aber folglich auch die charakteristischen Begleit- und Nebenwirkungen der übrigen trizyklischen Antidepressiva.

Aufgrund der vergleichsweise geringeren Beeinflussung von Serotonin und Noradrenalin sind die antidepressiven Effekte weniger ausgeprägt.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich ca. 1-2 Stunden vor dem Schlafengehen während oder nach dem Essen.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 50-150mg (1 Tropfen entspricht 1mg / stationär bis 400mg)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 2 Stunden

Halbwertszeit: 23 Stunden

Bioverfügbarkeit: 40%

Wirkungseintritt: nach 2-4 Wochen bei Depressionen / 1-2 Stunden Sedation

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) varieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Müdigkeit

Häufig (1-10%): Mundtrockenheit, Schwindel.

Gelegentlich (0.1-1%): Schweissausbrüche, Wallungen, Beschwerden bei der Entleerung der Harnblase, Harnverhaltung, Oberbauchbeschwerden, Entzündung der Mundschleimhaut, Verstopfungen, Darmverschluss, Akkommodationsstörungen, Erweiterung der Pupillen, Benommenheit, Zittern, Unruhe, Schlafstörungen, Kopfschmerz, Gewichtszunahme.

Selten (0.01-0.1%): Allergische Reaktionen, Hautausschlag, Nesselfieber, Jucken, Lichtempfindlichkeit, Gesichtsödem, Gelbsucht, Hepatitis, Leberfunktionswerte, Blutdruck-Probleme, Herzrasen, Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen, Reizleitungsstörungen, Erhöhung der Krampfbereitschaft, Störungen der Bewegungskoordination, periphere Neuropathie, Libidoverlust, Verwirrtheitszustände.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Einige Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

 

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • 7 Tage vor, während und bis 14 Tage nach MAO-Hemmer-Therapie
  • BPH mit Restharn
  • Harnverhaltung
  • Engwinkelglaukom
  • AV-Block III
  • frischer Herzinfarkt
  • Schwangerschaft & Stillzeit

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Trimapramin sollte nicht zusammen mit Antidepressiva aus der Gruppe der MAO-Hemmer angewendet werden, da sich die Wirkungen gegenseitig verstärken. Beim Wechsel der Wirkstoffe muss eine Pause von mindestens zwei Wochen eingehalten werden. Auch die stimmungssenkende Wirkung von Beruhigungsmitteln wie Benzodiazepinen sowie die dämpfende Wirkung von Alkohol kann durch Kombination mit Trimipramin verstärkt werden (Alkoholverzicht während der Behandlung).

Die folgenden Wirkstoffe werden bei gemeinsamer Anwendung mit Trimipramin in ihren Wirkungen und Nebenwirkungen verstärkt. Dazu gehören:

  • Neuroleptika (Mittel gegen Psychosen und Manien)
  • Mittel gegen die parkinsonsche Krankheit
  • H1-Antihistaminika (Mittel gegen Allergien)
  • Atropin
  • Sympathomimetika (Mittel, die das unbewusste Nervensystem beeinflussen).

Andererseits werden Clonidin und Guanethidin (Mittel gegen Bluthochdruck) und bestimmte Wirkstoffe gegen Herzrhythmusstörungen (Chinidin und Amiodaron) bei Kombination mit Trimipramin in ihrer Wirkung abgeschwächt.

Trimipramin wird in seiner Wirkung verstärkt, wenn es zusammen mit folgenden Wirkstoffen eingenommen wird:

  • Antidepressiva wie selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (Fluoxetin)
  • Methylphenidat (u.a. Ritalin)
  • Neuroleptika
  • Disulfiram (Wirkstoff gegen Alkoholabhängigkeit)
  • Cimetidin (Magenmittel aus der Gruppe der H2-Rezeptorenblocker)
  • Alprazolam (Mittel aus der Gruppe der Benzodiazepine).

Dagegen können Barbiturate und das Antiepileptika Phenytoin den Abbau von Trimipramin beschleunigen und damit dessen Wirkung abschwächen.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine Daten der Anwendung bei Schwangeren vor. Trimipramin soll nicht während einer Schwangerschaft verabreicht werden, ausser wenn es eindeutig erforderlich ist.

Bei Neugeborenen, deren Mütter über längere Zeit mit hohen Dosen anderer Antidepressiva behandelt worden sind, wurde über die folgenden Symptome berichtet: Erhöhte Reizbarkeit, Bauchdehnungen, verzögerter Stuhlgang, Ernährungsschwierigkeiten, Herzrasen, neurologische Störungen und Atemstörungen. Deshalb sollte die Dosierung dieser Antidepressiva gegen Ende der Schwangerschaft wenn möglich reduziert werden und eine Überwachung der neurologischen und gastrointestinalen Funktionen des Neugeborenen kann während einer gewissen Periode erforderlich sein.

Trimipramin tritt in die Muttermilch über, deshalb sollte abgestillt oder das Medikament während der Stillzeit abgesetzt werden.

Studien
Kontrollierte klinische Studien konnten zeigen, dass die Effektivität von Trimipramin vergleichbar mit der folgender anderer Antidepressiva ist: Imipramin, Amitriptylin, Doxepin und Maprotilin. Die Studien sind jedoch umstritten, da sie nicht umfassend publiziert wurden.

Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden!

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