Stimmungsstabilisator | Indikation: Manie bei bipolarer Störung (inkl. Phasenprophylaxe)
Handelsnamen: Convulex, Valproat, Depakine etc.

Allgemeine Informationen

Beverly Burton synthetisierte 1881 erstmals die Valproinsäure, diese wurde zunächst jedoch als Lösungsstoff verwendet. Bis zur Enteckung, dass die Substanz auch einen direkten Einfluss auf die Psyche hat verging jedoch fast ein Jahrhundert. Das Medikament wurde anfangs der 1970er Jahre in Europa zugelassen.

Valproinsäure ist ein Stimmungsstabilisator (mood-stabilizer) bzw. ein Antiepileptikum mit antimanischer Wirkung. Vertrieben wird es unter diversen Handelsnamen, dazu gehören Convulex, Convulsofin, Depakine, Ergenyl, Leptilan, Orfiril und Valproat, auch als Generikum ist es erhältlich. Zugelassen ist das Medikament als Phasenprophylaktika und Akuttherapie von Manie bei bipolaren Störungen und Epislepsie. Freigegeben ist Valproinsäure ab dem 18. Alterjahr. Die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen kann durch Valproinsäure beeinträchtigt werdern.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1-3x täglich unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 20mg pro Kilogramm Körpergewicht (max. 3000mg / für Tropfen und Sirup gelten andere Werte)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Mood-Stabilizers werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

maximale Plasmakonzentration: nicht bekannt

Halbwertszeit: 10-16 Stunden

Bioverfügbarkeit: 80-100%

Wirkungseintritt: nach 1-3 Wochen bei Manie bzw. Hyptomanie und als Phasenprophylaktika

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) varieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Tremor, Übelkeit.

Häufig (1-10%): Blutarmut, Thrombozytopenie, Gewichtszunahme, niederiger Natriumspiegel im Blut, Verwirrung, Aggressivität, Unruhe, Aufmerksamkeitsstörungen, Taubheit, Blutungen, Erbrechen, Zahnfleischerkrankungen, Entzündung der Mundschleimhaut, Hypersensibilität, Haarausfall, Veränderungen der Nägel und des Nagelbetts, Menstruationsbeschwerden.

Gelegentlich (0.1-1%): Panzytopenie, Leukopenie, Halluzinationen, Koma, krankhafte Zustände des Gehrins, Lethargie, Parkinson-Syndrom, Störungen der Bewegungskoordination, Kribbeln auf der Haut, Vaskulitis, Pleuraerguss, Pankreatitiden (zum Teil mit tödlichem Verlauf), Angioödem, Rash, Niereninsuffizienz, Amenorrhöe, Ödeme, Unterkühlung (zu tiefe Körpertemperatur).

Selten (0.01-0.1%): Myelodysplastisches Syndrom, Vitamin-Mangel, Hypothyreose, Hyperammonämie, abnormales Verhalten, psychomotorische Hyperaktivität, Lernstörungen, Demenz, kognitive Störungen, Lyell-Syndrom, Stevens-Johnson-Syndrom, gestörte Hautdurchblutung, Syndrome der Arzneimittelüberempfindlichkeit, tubulointerstitielle Nierenentzündung, unwillkürliches Urinlassen/Einnässen, Fanconi-Syndrom, Unfruchtbarkeit beim Mann, polyzystische Ovarien.

Manische Personen haben oft keine Krankheitseinsicht und verweigern die Einnahme von Medikamenten. Nehmen sie schlussendlich doch welche und ihre Stimmung stabilisiert sich (oder kippt gar ins Depressive) gehen sie davon aus, dass sie die schlimmsten und stärksten Nebenwirkungen haben. Dies ist objektiv nicht begründet. Viele Nebenwirkungen verschwinden nach einigen Wochen der Therapie.

 

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
  • akute Hepatitis, chronische Hepatitis oder schwere Hepatitis in der persönlichen oder Familienanamnese (besonders medikamentöser Art)
  • hepatische Porphyrie
  • Erkrankungen durch Mutationen im mitochondrialen Polymerase-Gamma (POLG)-Gen
  • Verdacht auf POLG-verwandte Erkrankung bei Kindern <2 J.
  • Störung des Harnstoffzyklus
  • Schwangerschaft & Stillzeit

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Schwangerschaft & Stillzeit

Die Einnahme von Valproinsäure während der Schwangerschaft ist mit einem erheblichen Risiko für Mutter und Kind verbunden. Dieses reicht von Mortalität (Tod) über schwere Missbildungen beim Neugeborenen. Valproinsäure darf keinenfalls während der Schwangerschaft eingenommen werden.

Valproinsäure tritt in die Muttermilch über. Falls Valproinsäure während der Stillzeit eingenommen werden muss, soll abgestillt werden.

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