Allgemeine Informationen
  • Handelsnamen: Trevilor, Efexor, Efectin, div. Generika
  • Kategorie: Selektiver Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer (SSNRI)
  • Indikation: Depressionen, Panikstörung, generalisierte Angststörung (GAS) und Soziophobie
  • Libidoverlust: Ja (häufig)
  • Gewichtsveränderung: Zunahme (gelegentlich), Abnahme (häufig)
  • Hinweis: Venlafaxin wirkt erst ab einer Dosis von ca. 150-225mg noradregen wiederaufnahme-hemmend
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich mit dem Frühstück.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Depressionen: 75-375mg
Generalisierte Angststörung (GAS) & Soziophobie: 75-225mg
Panikstörung: 37,5-225mg

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Wirkungseintritt & Halbwertszeit

Wirkungseintritt

Nach ca. 2-4 Wochen bei Depressionen
Nach ca. 4-6 Wochen bei Panikstörungen, generalisierter Angststörung (GAS) und Soziophobie

 

Halbwertszeit

Die Halbwertszeit von Venlafaxin beträgt ca. 5-11 Stunden. Die kombinierte Einnahme gewisser Medikamente kann die Halbwertszeit verändern.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Schwitzen, Übelkeit, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit.

Häufig (1-10%): Libidoverlust, Menstruationsstörungen, Probleme beim Wasserlösen, vermehrtes Harnlassen, verminderter Appetit, Verstopfungen, Erbrechen, Gähnen, Hypertonie, Hitzewallungen, Herzklopfen, Sehstörungen, Akkommodationsstörungen, Erweiterung der Pupillen, Schwindelgefühl, erhöhte Muskelspannung, Kribbeln auf der Haut, Sedierung, Tremor, Konfusion, Depersonalisation, Nervosität, ungewöhnliche Träume, Angstgefühle, erhöhte Cholesterinwerte, Gewichtsabnahme, Erschöpfung, Schüttelfrost.

Gelegentlich (0.1-1%): Lichtüberempfindlichkeitsreaktionen, Harnretention, Ausschlag, Haarausfall, Leberwertveränderungen, Geschmacksveränderungen, nächtliches Zähneknirschen, Durchfall, gastrointestinale Blutung, Kurzatmingkeit, tiefer Blutdruck, kurze spontane Bewusstlosigkeit, Herzrasen, Tinnitus, Muskelzuckungen, beeinträchtigte Koordination und Balance, Apathie, Halluzination, Agitiertheit, Gewichtszunahme, Angioödem, kleinflächige Hautblutungen.

Selten (0.01-0.1%): Harninkontinenz, Hepatitis, Gelbsucht, Leberversagen, QT-Verlängerung, Kammerflimmern, lebensbedrohliche Herzrythmusstörungen (einschliesslich Torsade de Pointes), Krampfanfälle, psychomotorische Unruhe, Manie.

 

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen.

Eine solche Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Menschen entwickeln gar keine bis nur wenige Nebenwirkungen.

Die meisten Nebenwirkungen verschwinden zudem 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

Die Nebenwirkungen wurden von den medizinischen Fachbegriffen in eine für Laien möglichst verständliche Sprache übersetzt. Trotz grösster Mühe kann die medizinische Exaktheit teilweise nicht 1:1 wiedergegeben werden. Für Ärzte empfehlen wir das Arzneimittelverzeichnis bzw. Arzneimittelkompendium zu verwenden.

Altersfreigabe

Venlafaxin ist für alle Indikationen ab 18 Jahren zugelassen.

Ein Arzt darf dieses Medikament auch an jüngere Patienten verschreiben.
Die Altersfreigabe sagt nichts über die Wirksamkeit bei Minderjährigen aus.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
  • MAO-Hemmer-Therapie
  • Schwangerschaft & Stillzeit

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

Venlafaxin sollte während der Schwangerschaft nur verabreicht werden, wenn es zwingend erforderlich ist.

Nach Einnahme von Venlafaxin bzw. anderen SSNRI’s am Ende der Schwangerschaft, traten bei einigen Neugeborenen folgende Absetzsymptome auf: Ess- und Schlafstörungen, Atmungsschwierigkeiten, bläuliche Verfärbung der Haut, Atemunterbrüche, Krampfanfälle, Temperaturschwankungen, zu niederiger Blutzuckerspiegel, Tremor, abnormale Muskelspannungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Erbrechen, abnormale Irritabilität, Überspanntheit, Lethargie, Schläfrigkeit und anhaltendes Weinen.

Eine SSNRI-Exposition in der späten Schwangerschaft kann das Risiko für eine persistierende pulmonale Hypertonie beim Neugeborenen (PPHN) erhöhen.

Venlafaxin geht in die Muttermilch über. Ein Risiko für das gestillte Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Daher darf während der Behandlung mit Venlafaxin nicht gestillt werden.

Studien

Venlafaxin ist in mehreren Studien mit Placebo und mit anderen Antidepressiva verglichen worden. Venlafaxin wurde in fast allen Studien in drei über den Tag verteilten Dosen verabreicht. Aufgrund seiner kinetischen Eigenschaften lässt sich aber annehmen, dass es ebenso gut nur zweimal pro Tag gegeben werden kann.

Tatsächlich konnte in einer sechs Wochen dauernden Doppelblindstudie bei 312 ambulanten Patienten mit Depression gezeigt werden, dass Venlafaxin auch bei Verabreichung in zwei täglichen Dosen zu einer gegenüber Placebo signifikanten Abnahme der depressiven Symptome führen kann. Dabei ist allerdings anzumerken, dass diese mit Venlafaxin-Dosen bis zu 200 mg/Tag erreichten Resultate zwar statistisch signifikant, in ihrer klinischen Bedeutung aber minimal waren.

Wichtig sind die Vergleiche mit anderen Antidepressiva: In einer ebenfalls sechs Wochen dauernden Doppelblindstudie erhielten 224 ambulante Patienten mit «Major Depression» Venlafaxin, Imipramin oder Placebo. Als Beurteilungsgrundlage dienten die vier Beurteilungsskalen HAM-D, MADRS, CGI und HSCL. Die Medikamente wurden dreimal täglich eingenommen und im Verlauf der ersten zwei Wochen (soweit verträglich) allmählich gesteigert. Von der dritten Woche an betrug die Venlafaxin-Tagesdosis durchschnittlich etwa 175 mg, die Imipramin-Tagesdosis etwa 170 mg. Sowohl Venlafaxin als auch Imipramin führten zu einer gegenüber Placebo signifikanten Abnahme der Punktezahl in den verschiedenen Skalen. Dagegen ergab sich kein eindeutiger Unterschied zwischen Venlafaxin und Imipramin. Über ein Drittel der aktiv Behandelten brach die Studie vorzeitig ab; dies erfolgte in der Imipramin-Gruppe deutlich häufiger wegen unerwünschten Wirkungen.

Venlafaxin ist auch in einer Langzeit-Doppelblindstudie mit Imipramin verglichen worden. Auch hier handelte es sich um Personen mit «Major Depression». 290 Patienten erhielten Venlafaxin, 91 Imipramin. Die Tagesdosen der verwendeten Medikamente konnten zwischen 75 und 225 mg betragen. In dieser Studie galt das Hauptinteresse den unerwünschten Wirkungen. Nur 30% der mit Venlafaxin und 20% der mit Imipramin Behandelten beendeten die Studie planmässig erst nach einem vollen Jahr; schon nach einem Vierteljahr hatte rund die Hälfte der Patienten die Studie verlassen. Unerwünschte Wirkungen waren jedoch in beiden Gruppen nur bei etwa einem Drittel der Patienten für den Abbruch verantwortlich. Die antidepressive Wirksamkeit wurde mit der CGI-Skala beurteilt; es ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Medikamenten.

In einer sechswöchigen placebokontrollierten Doppelblindstudie wurde Venlafaxin auch mit Trazodon verglichen. Von 225 depressiven Patienten beendeten 149 die Studie, die durchschnittlichen Tagesdosen betrugen 160 mg Venlafaxin und 300 mg Trazodon. Obwohl sich am Ende der Studie kein signifikanter Unterschied zwischen Venlafaxin-, Trazodon- und Placebo-Gruppe zeigen liess, ergab sich gesamthaft ein eindeutiger Vorteil der beiden (etwa gleichwertigen) aktiven Medikamente.

Mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) ist Venlafaxin bisher nur sehr wenig verglichen worden. In einer multizentrischen Doppelblindstudie wurde Venlafaxin mit Fluoxetin verglichen. Für diese Studie wurden 68 hospitalisierte Patienten mit «melancholischer» Depression ausgewählt. Diese Patienten erhielten täglich entweder 200 mg Venlafaxin oder 40 mg Fluoxetin. Die Beurteilung erfolgte nach den drei Skalen MADRS, HAM-D und CGI; die Patienten wurden insgesamt sechs Wochen behandelt und während dieser Zeit siebenmal untersucht. Gegenüber den Ausgangswerten konnte schon nach wenigen Tagen unter beiden Medikamenten eine deutliche Besserung gezeigt werden. Venlafaxin war bei allen Untersuchungsdaten der Vergleichssubstanz überlegen; dieser Unterschied erreichte jedoch erst nach vier und sechs Wochen statistische Signifikanz. Es scheint also, dass Venlafaxin – ähnlich wie die trizyklischen Antidepressiva – bei dieser besonders schweren Form der Depression wirksamer ist als die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI).

In einer offenen Studie erhielten 84 Patienten mit «therapieresistenter» Depression Venlafaxin. Es handelte sich um Kranke, die trotz intensiver Behandlung mit verschiedenen anderen Antidepressiva eine «Major Depression» aufwiesen. Die Venlafaxin-Dosis wurde innerhalb der ersten Woche rasch auf 150 mg/Tag eingestellt und in der Folge nach Bedarf bis auf ein Maximum von 450 mg/Tag gesteigert. Gemäss den Resultaten, die bei 70 Patienten während einer Behandlung von 12 Wochen gewonnen wurden, konnte bei 15 bis 20% der Behandelten ein wesentliche und bei weiteren 10 bis 15% eine teilweise Besserung der depressiven Symptome erreicht werden.

Eine Studien mit Bupropion hat gezeigt, dass bezogen auf Response und Remission Venlafaxin im Vergleich besser wirkt.

In einer achtwöchigen Doppelblindstudie, die lediglich in Kurzform publiziert ist, erwies sich Escitalopram (10 bis 20 mg/Tag) im Vergleich mit Venlafaxin (75 bis 150 mg/Tag) als leicht überlegen.

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C17H27NO2

(RS)-1-[2-Dimethylamino -1-(4-methoxyphenyl)ethyl] cyclohexan-1-ol