Atypisches Antidepressivum | Indikation: Depression
Handelsname: Brintellix

Allgemeine Informationen

Vortioxetin wurde 2013 von der Firma Lundbeck auf den Markt gebracht. Die Zulassung in Deutschland wurde jedoch 2016 wieder aufgehoben, da es zu keiner Preiseinigung zwischen den Behörden und der Herstellerfirma kam. In der Schweiz ist das Medikament nach wie vor erhältlich.

Vortioxetin ist ein atypisches Antidepressivum bzw. ein Serotoninmodulator mit mulitmodalem Wirkmechanismus. Es wird unter dem Handelsnamen Brintellix vertrieben. Zugelassen ist es zur Behandlung von Depressionen bei Personen ab 18 Jahren. Es wirkt nicht sedierend und es sind keine Einschränkungen der Fahrtüchtigkeit oder dem Bedienen von Maschinen bekannt. Dennoch sollten sie abwarten um zu wissen, wie Sie auf das Medikament reagieren. Bezüglich Alkohol sind keine Wechselwirkungen bekannt, dennoch ist Vorsicht geboten.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Morgens unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Dosierung: 10-20mg (1 Tropfen enstpricht 1mg)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuel festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Antidepressiva werden grundsätzlich langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niederigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

 

Wirkungseintritt & Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 7-11 Stunden

Halbwertszeit: 66 Stunden

Bioverfügbarkeit: 75%

Wirkungseintritt: nach 2-4 Wochen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) varieren.

Nebenwirkungen im Detail

Sehr häufig (mehr als 10%): Übelkeit

Häufig (1-10%): Durchfall, Verstopfung, Erbrechen, Schwindelgefühl, Juckreiz am ganzen Körper, abnorme Träume

Gelegentlich (0.1-1%): Hitzegefühl, nächtliche Schweissausbrüche

Selten (0.01-0.1%): keine

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Die meisten Nebenwirkungen verschwinden 3-4 Wochen nach Beginn der Therapie.

 

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolut kontraindiziert sind:

  • 14 Tage vor, während und 14 Tage nach irreversiblen nicht-selektiven MAO-Hemmern
  • gleichzeitig mit reversiblen MAO-A-Hemmern oder reversiblen nicht-selektiven MAO-Hemmern
  • Schwangerschaft & Stillzeit

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Vortioxetin darf nicht mit MAO-Hemmern und krampfschwellenden-senkenden Medikamenten kombiniert werden. Ansonsten sind noch keine ausreichenden Informationen vorhanden.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

Vortioxetin darf während einer Schwangerschaft nicht eingenommen werden, es sei denn, Ihr Arzt sagt, dass es absolut erforderlich ist.

Wenn Sie während der letzten 3 Monate Ihrer Schwangerschaft Arzneimittel zur Behandlung von Depression, einschließlich Vortioxetin, einnehmen, sollten Sie wissen, dass die folgenden Wirkungen bei Ihrem neugeborenen Kind auftreten können: Probleme bei der Atmung, bläuliche Haut, Krampfanfälle, Schwankungen der Körpertemperatur, Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme, Erbrechen, niedriger Blutzuckerspiegel, steife oder schlaffe Muskulatur, lebhafte Reflexe, Zittern, Überspanntheit, Reizbarkeit, Lethargie, anhaltendes Weinen, Schläfrigkeit und Schlafschwierigkeiten.

Das Risiko für eine ernsthaften Gesundheitsbeeinträchtigung des Neugeborenen besteht, da die Folge eine persistierende pulmonale Hypertonie des Neugeborenen (PPHN) gegeben ist.

Es ist davon auszugehen, dass die Bestandteile von Vortioxetin in die Muttermilch übergehen. Vortioxetin darf in der Stillzeit nicht angewendet werden.

Studien

Placebo: In einer sechwöchigen Studie war Vortioxetin 5mg oder 10mg täglich bereits nach zwei Wochen dem Placebo signifikant überlegen.

In einer weiteren randomisiert- kontrollierten Doppel-Blindstudie mit über 450 älteren Erwachsenen aus 7 Ländern, die die Diagnose Major Depressive Disorder (MDD) erhalten hatten, zeigten sich unter der Therapie mit Vortioxetin gegenüber Placebo signifikante Verbesserungen der depressiven Symptomatik und der Kognition.

In den elf Studien wurden 1824 Patienten mit Placebo und 3304 mit Vortioxetin behandelt. Die Metaanalyse zeigte, dass Vortioxetin in einer Dosis von 5, 10 und 20 mg/Tag (aber nicht 15 mg) zu einer signifikanten Reduktion des MADRS-Punktwertes im Vergleich zu Placebo führte (– 2,27, – 3,57 bzw. – 4,57; p < 0,01). Tagesdosen von 10 und 20 mg waren assoziiert mit signifikanten Verbesserungen in zehn von zehn MADRS Einzel-Items. Vortioxetin führte darüber hinaus zu signifikant höheren Response- und Remissionsraten im Vergleich zu Placebo.

Vergleich mit Agomelatin: In einer 12-wöchigen doppelblinden Vergleichsstudie gegenüber Agomelatin 25-50 mg täglich zeigte sich Vortioxetin Agomelatin überlegen.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden!

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