Atomoxetin (Strattera)

Atomoxetin ist unter dem Markennamen Strattera bekannt. Strattera ist ein „selektiver Noradreanalin Wiederhaufnahme-Hemmer (NARI)“ und wurde ursprünglich als Antidepressivum entwickelt. Bei klinischen Versuchen wurde das Medikament betreffend Depressionen als ungeeignet deklariert. Als Nebeneffekt entdeckte man jedoch die positive Wirkung auf die ADHS-Erkrankung. Neben dem Einsatz bei ADHS-Patienten wird in der Praxis Atomoxetin vorgängig bei Depressionen mit gleichzeitigem ADHS verwendet. Atomoxetin wird bei Depressionen als off-lable use eingesetzt. (Packungsbeilage)

Buprenorphin (Subutex)

Buprenorphin ist vorwiegend unter dem Markennamen Subutex bekannt. Es ist ein Opiat welches normalerweise bei Drogenabhängigen eingesetzt wird, um deren Entzugssymptome zu lindern. Es wirkt jedoch auch sehr effektiv gegen Depressionen, besitzt allerdings keine offizielle Indikation (off-lable use). Das Medikament kann abhängig machen, jedoch ergibt sich selten eine Toleranzentwicklung. Buprenorphin wird erst bei unzähligen erfolglosen Therapieversuchen (nicht nur Medikamente und Psychotherapie) eingesetzt. (Packungsbeilage)

Johanneskraut-Extrakt

Johanneskraut-Extrakt ist ein natürliches Antidepressivum. Es wird vor allem bei leichteren Depressionen eingesetzt. Die Einnahme für Menschen mit sehr heller Haut (Hauttyp 1) kann kritisch sein, da bei diesem Medikament eine Überempfindlichkeit auf Sonnenlicht entstehen kann. Ein weiterer Nachteil von Johanneskraut ist, dass es die Wirkung von anderen Medikamenten beeinflussen oder gar neutralisieren kann. (Packungsbeilage)

Ketamin

Ketamin ist ein Narkosemittel, bei welchem das vegetative Nervensystem intakt bleibt (z.B. Atem). Gemäss neusten Studien ist Ketamin innert kürzester Zeit sehr wirksam bei schweren Depressionen, jedoch nicht für eine Dauerbehandlung geeignet. Dem Patienten wird eine Infusion verabreicht, bei welcher eine geringe und ärztlich individuell bestimmte Dosis des Medikamentes langsam injiziert wird. Die Dosis ist so gering und wird so langsam verabreicht, dass der Patient während der fast zweistündigen Infusion bei Bewusstsein bleibt. Die Wirkung hält nur einige Tage an. Die Infusion findet meist in einer Klinik oder in einem Spital statt, da Ketamin als Betäubungsmittel missbraucht werden kann. Ketamin ist schwierig mit Antiepileptika wie z.B. Lamotrigin kombinierbar, da beide den Botenstoff Glutamat beeinflussen und sich so neutralisieren. (keine Packungsbeilage vorhanden)

Amphetamine

Amphetamine wirken stark aufputschend, konzentrationsfördernd und (bei Personen ohne ADHS) antriebssteigernd. Sie sind offiziell meist zur Behandlung von ADHS und Narkolepise zugelassen. Gegen Depressionen werden sie nur im off-lable use verwendet, z.B. wenn ein Patient starke Antriebsstörungen hat. Die Kehrseite von Amphetaminen ist, dass es bei nachlassender Wirkung zu einer Verstärkung der Depression kommen kann.

Folgende Amphetamine sind zugelassen:

  • Methylphenidat (MPH) wird u.a. unter den Handelsnamen Ritalin, Medikinet und Concerta vertrieben. Methylphenidat ist ein Dopamin und Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer. Das Medikament ist in einfacher und retardierter Version verfügbar. Die nicht retardierte Version wirkt ca. 3-4 Stunden lang, die retardierte ca. 6-8 Stunden. Der Wirkungseintritt ergibt sich nach ca. 40-60 Minuten.
  • Lisdexamphetamin wird unter dem Handelsnamen Elvanse vertrieben. Es ist eine non-aktive Pro-Drug was soviel heisst, dass das Medikament erst im Körper zu Amphetamin umgewandelt wird. So erklärt sich auch der verzögerte Wirkungseintritt von ca. 2 Stunden. Die Wirkungsdauer wird mit bis zu 13 Stunden angegeben. Im Gegensatz zu Methyphenidat ist Lisdexamphetamin kein Wiederaufnahme-Hemmer sondern setzt direkt die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin frei.
  • Dexamphetamin wird unter dem Markennamen Attentin vertrieben. Es ist weder eine non-aktive Pro-Drug noch ein Wiederaufnahme-Hemmer und somit ein reines Amphetamin. Die Wirkung tritt relativ rasch ein (ca. 20 Minuten). Die Wirkungsdauert wird mit 4-6 Stunden angegeben.
Pregabalin (Lyrica)

Pregabalin ist ein Antiepileptikum, welches zusätzlich für generalisierte Angststörungen (GAS) zugelassen ist. Durch die Markteinführung des Medikaments „Lyrica“ eröffnete sich eine neue Option für die Behandlung von Angststörungen. Es besitzt keinerlei Verwandtschaft zu Antidepressiva und ist demnach vor allem für Personen geeignet, welche auf letztere unzureichend reagiert haben. Der Wirkmechanismus von Lyrica besitzt gewisse Ähnlichkeiten mit jenem der Benzodiazepine (Botenstoff GABA), macht jedoch nicht abhängig. Trotz eines anderen Wirkmechanismus besitzt Lyrica kein günstigeres Nebenwirkungsprofil als Antidepressiva.

Detailinformationen
Packungsbeilage

Erfahrungen

Menschen, welche nicht auf die üblichen Medikamente ansprechen, werden häufig im sogenannten off-lable use behandelt.

Off-labe use heisst, dass das entsprechende Medikament keine offizielle Indikation (Zulassung) bezüglich dieses Krankheitsbildes hat. Dies ist gesetzlich erlaubt, einige Krankenkassen wehren sich jedoch dagegen, die Kosten zu übernehmen.

Beispielsweise wurde Pregabalin (Lyrica) bereits vor seiner offiziellen Zulassung gegen Angststörungen als ein angstlösendes Mittel eingesetzt.

Aktuell werden vor allem Ketamin-Infusionen erforscht, da man bei richtiger Anwendung einen starken antidepressiven Effekt festgestellt hat.