Ziprasidon

Atypisches Neuroleptikum | Handelsnamen: Zeldox sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Ziprasidon wurde gegen Ende der 1990er Jahre von der Firma Pfizer entwickelt und Mitte der Nullerjahre in Europa zugelassen. Das Medikament ist in der Schweiz nicht erhältlich.

Ziprasidon ist ein atypisches Neuroleptikum und wird unter dem Handelsnamen Zeldox vertrieben, Generika sind ebenfalls erhältlich. Das Medikament ist zur Akutbehandlung von Manien und gemischten Episoden bei bipolaren Störungen sowie als Medikation gegen Schizophrenie zugelassen. Da Benommenheit eine sehr häufige Nebenwirkung von Ziprasidon darstellt, sind Einschränkungen betreffend der Fahrtüchtigkeit und dem bedienen von Maschinen zu verzeichnen. Es sind diverse Wechselwirkungen mit Alkohol bekannt (u.a. Verstärkung der Nebenwirkungen). Das Medikament ist ab 18 Jahren erhältlich.

Neben seiner hoher Affinität zu den D2 und D3 Rezeptoren (Verringerung der Verfügbarkeit des Botenstoffs Dopamin), hemmt Ziprasidon zusätzlich die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin aus dem synaptischen Spalt. Deshalb wird dem Medikament auch eine antidepressive Wirkung nachgesagt, welche bis Dato allerdings nicht belegt werden konnte.

Es besteht eine entfernte Strukturverwandtschaft zu Risperidon.

Indikation
  • Akuttherapie bipolarer manischer Episoden
  • Akuttherapie gemischter Episoden bei bipolaren Störungen
  • Schizophrenie

Dieses Medikament wird in der Schweiz nicht vertrieben und ist somit nicht in den Fachinformationen für Ärzte des Schweizer Arzneimittelkompendiums aufgeführt. Die Indikationsangaben richten sich nach der Deutschen Packungsbeilage.

Dosierung & Anwendung

Einnahme: 2x täglich Morgens und Abends unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich (also nicht nur bei Bedarf) erfolgen.

Dosierung: 40-160mg (pro Tag)

Die Dosierung muss von einem Arzt individuell festgelegt werden. Die Dosis kann somit von der Standartdosierung abweichen. Je nachdem ist eine höhere oder tiefere Dosis erforderlich.

Neuroleptika werden meist langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass im Normalfall mit der niedrigsten Dosis angefangen und diese (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis erhöht wird. So sollen die Nebenwirkungen minimiert werden. Selten (z.B. bei akuter Manie) wird von Anfang an die Zieldosis verabreicht.

Gleich verhält es sich beim Absetzen des Medikamentes. Die Dosis wird über Tage bis Wochen hinweg langsam reduziert (auch bekannt als das „Ausschleichen“). So sollen Absetzerscheinungen verhindert werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 3-6 Stunden

Halbwertszeit: 5-7 Stunden

Bioverfügbarkeit: 60%

Wirkungseintritt: nach 1-4 Tagen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%): Benommenheit

Häufig (1-10%): Unvermögen ruhig zu sitzen (Akathisie), Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, Übelkeit und Erbrechen, vermehrter Speichelfluss, gesteigerte Erregung und Reizbarkeit, Schwindelgefühl, unwillkürliche Bewegungen wie Zuckungen oder Tics (Dyskinesien), Zittern (Tremor), Muskelkrämpfe (besonders im Gesichts- und Halsbereich), Verstopfung, Mundtrockenheit, Sehstörungen.

Gelegentlich (0.1-1%): Gelenkschmerzen, Beinkrämpfe, Sprachstörungen, Taubheitsgefühl beziehungsweise Kribbeln in Händen und Füßen, Blutdruckabfall beim Aufstehen aus der liegenden Position, erniedrigter Blutdruck, Krampfanfälle, beschleunigter Herzschlag (Tachykardie), Blähungen, verstärkter Durst, Schnupfen, Erhöhung des Prolaktin-Spiegels (Hormon, das die Milchproduktion in den Brustdrüsen anregt), Überempfindlichkeitsreaktionen in Form von Hautausschlägen und Juckreiz, Schwellungen durch Flüssigkeitsaustritt aus Blutgefäßen (Angioödeme).

Selten (0.01-0.1%): Fieber, Migräne, Schwellungen der Zunge und Schluckbeschwerden, Veränderungen des Blutbilds, Muskelschmerzen, Muskelschwäche, Veränderungen im Muskelstoffwechsel, Hautausschläge (die nicht auf Überempfindlichkeit zurückzuführen sind), Alpträume, Störungen des Gangbildes und der Bewegungskoordination, Halluzinationen, Nervenerkrankungen, Lähmungen, Schuppenflechte, Bindehautentzündung, verminderte Sehschärfe, trockene Augen, Erektionsstörungen, Probleme beim Wasserlassen, Harninkontinenz.

Manische Personen haben oft keine Krankheitseinsicht und verweigern die Einnahme von Medikamenten. Nehmen sie schlussendlich doch welche und ihre Stimmung stabilisiert sich (oder kippt gar ins Depressive) gehen sie davon aus, dass sie die schlimmsten und stärksten Nebenwirkungen haben. Dies ist objektiv nicht begründet. Viele Nebenwirkungen verschwinden nach einigen Wochen der Therapie.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Kontraindiziert sind:

  • QT-Intervall-Verlängerung
  • Herzrhythmusstörungen
  • Zusammen mit Arzneimitteln, welche die Erregungsleitung im Herzen verlangsamen können (beispielsweise bestimmte Antiarrhythmika, Neuroleptika wie Thioridazin, Prokinetika wie Cisaprid, Antibiotika wie Moxifloxacin oder Antimalariamittel wie Mefloquin oder Halofantrin)
  • frischer Herzinfarkt
  • Herzmuskelschwäche
  • Krampfanfälle wie Epilepsie
  • verlangsamter Herzschlag (Bradykardie)
  • Störungen des Mineralhaushalts

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Die gleichzeitige Gabe von Ketoconazol (Mittel gegen Pilzerkrankungen) verstärkt die Wirkung von Ziprasidon.

Carbamazepin (Wirkstoff aus der Gruppe der Antiepileptika) schwächt die Ziprasidon-Wirkung ab.

Ziprasidon verstärkt die Wirkung vieler Substanzen, die dämpfend auf das zentrale Nervensystem einwirken, so beispielsweise die von weiteren Neuroleptika, von Barbituraten oder von Alkohol.

Bei einer Therapie mit Wirkstoffen, die wie Ziprasidon die Erregungsleitung im Herzen verlangsamen (zum Beispiel bestimmte Antiarrhythmika oder Gyrasehemmer), kann diese Nebenwirkung gehäuft auftreten.

Die zeitgleiche Gabe weiterer Neuroleptika oder von Anticholinergika kann Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Verstopfung, Herzrasen und Sehstörungen verstärken.

Werden gleichzeitig mit Ziprasidon Antibiotika, tri- und tetrazyklische Antidepressiva, Betablocker, opioide Schmerzmittel oder Antiarrhythmika verabreicht, ist das Risiko für eine Herzschlagbeschleunigung (Tachykardie) erhöht.

Schwangerschaft & Stillzeit

Ziprasidon sollte während der Schwangerschaft nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt eingesetzt werden, weil die Unbedenklichkeit der Anwendung für Mutter und Kind nicht nachgewiesen ist. Frauen im gebärfähigen Alter wird empfohlen, während der Therapie empfängnisverhütende Maßnahmen zu treffen.

Mütter, die im letzten Schwangerschaftsdrittel den Wirkstoff einnehmen, gefährden ihre Neugeborenen durch Nebenwirkungen wie Bewegungsstörungen und Entzugserscheinungen. Diese können sich in Aufregung, Muskelverspannungen oder -schlaffheit, Zittern, Schläfrigkeit, Atemnot oder Störungen bei der Nahrungsaufnahme äußern. Solche Neugeborene müssen sorgfältig ärztlich überwacht werden.

Vor Beginn der Behandlung sollte abgestillt werden.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.