Für den Betroffenen besteht ein innerer Drang, bestimmte Dinge zu denken und/oder zu tun. Der Betroffene wehrt sich gegen das Auftreten der Zwänge; er erlebt sie als übertrieben und sinnlos, kann ihnen willentlich jedoch meist nichts entgegensetzen. Zwangsstörungen gelten im Vergleich zu anderen Angsterkrankungen als schwierig behandelbar. Die Einstufung der Zwangsstörung als Teil der Angststörungen ist umstritten.

Das in der EU sowie in der Schweiz gültige internationale Diagnoseverzeichnis ICD-10 definiert folgende Kriterien:

  • Die Zwangsgedanken oder zwanghaften Handlungsimpulse müssen vom Patienten als seine eigenen erkannt werden.
  • Mindestens gegen einen Zwangsgedanken oder gegen eine Zwangshandlung muss der Patient noch Widerstand leisten.
  • Der Zwangsgedanke oder die Zwangshandlung dürfen nicht an sich angenehm sein.
  • Die Zwangssymptome müssen sich in zutiefst unangenehmer Weise wiederholen.
  • Die Symptomatik muss über mindestens 14 Tage an den meisten Tagen bestehen.

Konkret umschreibt das ICD-10 eine Zwangsstörung wie folgt, Zitat: „Wesentliche Kennzeichen sind wiederkehrende Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Zwangsgedanken sind Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die den Patienten immer wieder stereotyp beschäftigen. Sie sind fast immer quälend, der Patient versucht häufig erfolglos, Widerstand zu leisten. Die Gedanken werden als zur eigenen Person gehörig erlebt, selbst wenn sie als unwillkürlich und häufig abstossend empfunden werden. Zwangshandlungen oder -rituale sind Stereotypien, die ständig wiederholt werden. Sie werden weder als angenehm empfunden, noch dienen sie dazu, an sich nützliche Aufgaben zu erfüllen. Der Patient erlebt sie oft als Vorbeugung gegen ein objektiv unwahrscheinliches Ereignis, das ihm Schaden bringen oder bei dem er selbst Unheil anrichten könnte. Im Allgemeinen wird dieses Verhalten als sinnlos und ineffektiv erlebt, es wird immer wieder versucht, dagegen anzugehen. Angst ist meist ständig vorhanden. Werden Zwangshandlungen unterdrückt, verstärkt sich die Angst deutlich.“

Des Weitern lassen sich Zwangsstörungen in Zwangsgedanken und Zwangshandlungen aufteilen, wobei 90% der Betoffenen beide Beschwerden aufweisen.

Zwangsgedanken kann man einteilen in:

  • Zwangsideen und -befürchtungen (z. B. die Befürchtung, eine Arbeit nicht richtig gemacht zu haben, oder Ängste, dass dem Ehepartner etwas Schlimmes zustoßen könnte)
  • Aggressive Zwangsgedanken (Befürchtungen, jemandem Schaden zuzufügen, sexuell verwerfliche Dinge zu tun, jemanden zu beleidigen etc.)
  • Grübelzwang (bestimmte Themen müssen wieder und wieder durchdacht werden. Es ist nicht möglich, dabei zu einer Entscheidung oder zu einer Lösung zu kommen)
  • Zweifel (Unsicherheit, Handlungen nicht zufriedenstellend abgeschlossen, etwas falsch verstanden, getan oder unterlassen zu haben)
  • Zählzwang (bestimmte Dinge, die im Alltag auftauchen, werden gezählt)
  • Wiederholungen (bestimmte Gedanken müssen ritualisiert wiederholt werden)

Wichtig zu erwähnen ist, dass diese Symptome einen klinischen Schweregrad aufweisen müssen. Sie müssen wahrhaftig zum Zwang werden, dem man willentlich nichts entgegensetzen kann. Wer beispielsweise bei Gelegenheit ohne Grund bestimmte Dinge zählt die im Alltag auftauchen, hat noch lange keine Zwangsstörung (siehe auch die oben erwähnten Diagnosekriterien nach ICD-10).

Zwangshandlungen hingegen können verschiedene Formen annehmen. Hier die häufigsten:

 

  • Reinlichkeitszwang: der Zwang, sich z. B. dauernd die Hände zu waschen.
  • Kontrollzwang: ständige Überprüfung von Herdplatten, Türschlössern, Gashähnen, Aschenbechern, wichtigen Papieren etc.
  • Ordnungszwang: der Zwang, immer Symmetrie, perfekte Ordnung oder ein Gleichgewicht herzustellen, indem Dinge wie Bücher, Kleidung oder Nahrungsmittel nach genauen Regeln präzise angeordnet werden.
  • Berührzwang: der Zwang, bestimmte Dinge anzufassen oder gerade nicht anzufassen, etwa jede Straßenlaterne zu berühren.
  • Verbale Zwänge: Ausdrücke, Sätze oder Melodien werden ständig wiederholt.

Eine Selbstdiagnose zu erstellen ist nicht möglich. Dazu bedarf es der Begutachtung einer Fachperson (Psychiater oder Psychologe). Bei Verdacht auf eine Angststörung sollte eine solche aufgesucht werden.