Amphetamin

Stimulanzien (Phenylethylamine) | Handelsnamen: Attentin und Elvanse

Allgemeine Informationen

Amphetamin wurde im Jahre 1887 von einem rumänischen Chemiker entdeckt, welcher an der Universität Berlin arbeitete. Entwickelt wurde der Wirkstoff ursprünglich als Arzneimittel gegen Asthma, bald stellte man zusätzlich eine appetithemmende, konzentrationsfördernde und antriebssteigernde Wirkung fest. Aufgrund seines Missbrauchspotenzials wurde Amphetamin 1941 in Deutschland dem damaligen Betäubungsmittelgesetz (Reichsopiumgesetz) unterstellt. Bis heute ist es -allerdings mit zahlreichen Streckmitteln versetzt- auf der Strasse illegal unter den Szenennamen Speed und Pep erhältlich. 

Amphetamin besteht chemisch gesehen aus zwei Molekülen (Enantiomere): Dexamphetamin und Levamphetamin. Beide Moleküle haben in etwa die selbe Wirkung, allerdings ist das Dexamphetamin-Molekül fast doppelt so stark wie das Levamphetamin-Molekül. 1948 gelangt es einer US-amerikanischen Firma die beiden Moleküle voneinander zu trennen und reines Dexamphetamin herzustellen. Aufgrund der in der Zwischenzeit festgestellten hochpotenten Wirkung auf die ADHS-Erkrankung wurde Dexamphetamin als Medikament zugelassen. In den USA wird heute noch vorwiegend unter dem Markennamen Adderall vertrieben. In Deutschland (jedoch nicht in Österreich und der Schweiz) ist seit 2011 ein Dexamphetamin-Präparat unter dem Markennamen Attentin erhältlich. Es ist ausschliesslich für Kinder und Jugendliche zugelassen. Die Anwendung bei Erwachsenen erfolgt im off-label use.

Häufig wird heute jedoch Lisdexamphetamin verwendet, welches 2013 in allen deutschsprachigen Staaten unter dem Markennamen Elvanse zugelassen wurde. Bei Lisdexamphetamin handelt es sich um reines Dexamphetamin, welches an ein Lysinsäuremolekül gekoppelt wurde. Die Lsyinsäure macht das Medikament so einer sogenannten Pro-Drug und vermindert somit deren Missbrauchspotenzial. Konkret verhindert das Lysinsäure-Molekül, dass das Amphetamin direkt in die Blutbahn gelangen kann. Erst muss das Lsyin durch ein Leberenzym vom Dexamphetamin getrennt werden damit dieses seine Wirkung entfaltet. Dies verunmöglicht missbräuchliche Applikationsformen (nasal wie intravenös) und sorgt dafür, dass die Wirkung nur sehr langsam anflutet (Wirkungseintritt nach ca. 1,5-2 Stunden). Auch erklärt es die langanhaltende Wirkung von bis zu 13 Stunden. Das Lysin selbst hat keine psychoaktive Wirkung.

(Lis-)Dexamphetamin ist primär zur Behandlung von ADS/AHDS bei Kindern ab 6 Jahren und Erwachsenen zugelassen. Ferner wird es auch bei Narkolepsie verwendet. Die Anwendung bei Depressionen erfolgt im off-label use. Amphetamin hat meist keine antidepressive Wirkung, jedoch positiven Einfluss auf den Antrieb und die Konzentration.

Die Wirkung der Substanz lässt sich primär auf die Freisetzung der körpereigenen Reserven der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin zurückführen.

Die Teilnahme am Strassenverkehr muss je nach Staat durch einen Arzt oder gar die entsprechende Behörde genehmigt werden. Bei Drogentests durch die Polizei wird Amphetamin angezeigt. Auf den Konsum von Alkohol ist während der Therapie zu verzichten (Aggressivität, Steigerung der Nebenwirkungen etc.).

Auch wenn der Einnahmeverordnung des Arztes folgegeleistet wird, kann (nicht muss) Dexamphetamin bzw. Lisdexamphetamin abhängig machen. Auch Fälle von Toleranzentwicklung (Gewöhnungseffekt) bzw. Wirkungsverlust sind bekannt.

(Lis-)Dexamphetamin ist in der EU sowie in der Schweiz offiziell als Betäubungsmittel klassifiziert. Der Besitz ohne ärztliches Rezept ist strafbar. Ebenfalls strafbar ist der Verkauf oder die kostenlose Weitergabe ohne entsprechende Lizenz.

Hinweis: Mehr zum Umgang mit Amphetamin als Partydroge finden Sie hier.

Indikationen
  • ADHS/ADS
  • Narkolepsie
  • Zusatztherapie bei Depressionen (off-label use)
Dosierung & Anwendung

Dexamphetamin: 1-2x täglich Morgens und ggf. Mittags (Standartdosis 10mg/Gabe).
Lisdexamphetamin: 1x täglich Morgens (Standartdosis 50mg).

Zieldosis Dexamphetamin: 5-40mg (pro Tag)
Zieldosis Lisdexamphetamin: 20-70mg (pro Tag)

Die hier erwähnten Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene (nicht Kinder oder Jugendliche!) ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Bei (Lis-)Dexamphetamin ist kein langsames „Einschleichen“ notwendig, dennoch sollte zu Beginn immer mit der niedrigsten Dosis angefangen werden. So lassen sich Wirkung und Nebenwirkungen abschätzen. Eine abrupter Unterbruch der Therapie oder ein abruptes Absetzen ist möglich, doch muss in gewissen Fällen mit einem vorübergehenden Rebound-Effekt (der verstärkten Rückkehr der ursprünglichen Symptome) oder gar Entzugserscheinungen gerechnet werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach ca. 1.5 Stunden (Dexamphetamin) bzw. 3-4 Stunden (Lisdexamphetamin)

Halbwertszeit: ca. 10-11 Stunden

Bioverfügbarkeit: 75-96%

Wirkungseintritt: nach ca. 30-45 Minuten (Dexamphetamin) bzw. ca. 1.5-2 Stunden (Lisdexamphetamin)

Wirkdauer: 4-6 Stunden (Dexamphetamin) bzw. 8-13 Stunden (Lisdexamphetamin)

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%): Verminderter Appetit, Schlaflosigkeit, Nervosität, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit.

Häufig (1-10%): Herzrhythmusstörungen, Herzklopfen, Herzrasen, Bauchschmerzen, Brustschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Veränderung des Blutdrucks und der Herzschlagrate (gewöhnlich Erhöhung), Gelenkschmerzen, Schwindel, Bewegungsstörungen, Kopfschmerzen, Hyperaktivität, abnormes Verhalten, Aggressivität, Erregtheit, Ängstlichkeit, depressive Verstimmung, Reizbarkeit, sexuelle Funktionsstörungen (inkl. Libidoverlust), Schwitzen, Verstopfungen, Durchfall, Kurzatmigkeit, Zittern (Tremor), Zähneknirschen, Gewichtsverlust.

Gelegentlich (0.1-1%): Überempfindlichkeitsreaktionen, Rededrang, Tics, Euphorie, Kratzen (Haut), Manie, Bewusstseinsstörungen, verändertes Geschmacksempfinden, verschwommenes Sehen, Hautausschläge, Nesselfieber, Fieber. 

Selten (0.01-0.1%): Erweiterung der Pupillen, Mdigkeit.

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen/Einzelfälle/Häufigkeit unbekannt): Herzstillstand, Tourette Syndrom, Muskelkrämpfe, epileptische Anfälle, unkontrollierbare Bewegungen, abnormale Leberfunktion einschliesslich Leberversagen und Koma, Hirnblutungen, Halluzinationen, psychotische Reaktionen, Suizidgedanken, akute entzndliche Erkrankung der Haut oder Schleimhaut, schuppende Hauterkrankung, Entzndung oder Verschluss von Arterien im Gehirn, psychische Abhängigkeit, Toleranzentwicklung, Herzmuskelerkrankung, plötzliche Todesfälle, Muskelerkrankungen, Konzentrationsstörungen, gesteigerte Muskelreflexe, Schlaganfall, Haarausfall, Taubheitsgefhl der Finger/Zehen, Kribbeln und Farbveränderung der Finger/Zehen.

 

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Üblicherweise lassen die meisten (nicht alle) unerwünschten Wirkungen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz. Bei schwerwiegenden Komplikationen muss jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie (Lis-)Dexamphetamin:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Dexamphatamin-Präparates sind.
  • Wenn Sie an ausgeprägten Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen leiden.
  • Wenn bei Ihnen eine schwere Depression, bipolare Störung oder Suizidneigung festgestellt wurden.
  • Wenn Sie unter Anorexia nervosa (Magersucht) leiden.
  • Wenn bei Ihnen eine Borderline-Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wurde.
  • Wenn Sie unter einer Psychose (inkl. Schizophrenie) leiden oder bei Ihnen früher einmal eine Psychose festgestellt wurde.
  • Wenn Sie zu Suchterkrankungen neigen, aktuell suchtkrank sind oder es früher einmal waren (inkl. Alkoholismus).
  • Wenn Sie unter Herz-Kreislauf-Beschwerden leiden.
  • Wenn bei ihnen oder einem Familienmitglied das Tourette-Syndrom (Tics) diagnostiziert wurde.
  • Wenn Sie gegenwärtig sogenannte MAO-Hemmer (Arzneimittel gegen Depressionen, Parkinson etc.) einnehmen oder innerhalb der letzten 14 Tage eingenommen haben.
  • Wenn Sie ein Glaukom (grüner Star) haben (erhöhter Augeninnendruck).
  • Wenn Sie unter einem Phäochromozytom (seltene Tumorerkrankung der Nebenniere) leiden.
  • Wenn Sie an einer Erkrankung der Schilddrüse (Hyperthyreose) leiden.
  • Wenn Sie unter schwerem Bluthochdruck leiden.
  • Wenn Sie an einer arteriellen Durchblutungsstörungen leiden.
  • Wenn Sie an Veränderungen der Blutgefässe des Kopfes leiden oder einen Schlaganfall erlitten haben.
  • Wenn Sie unter Porphyrie (Stoffwechselerkrankung) leiden.

 

Bei der Einnahme von (Lis-)Dexamphetamin ist umgehend ein Arzt zu kontaktieren….

  • Wenn Aggressionen neu auftreten oder verstärkt werden.
  • Wenn Sie Bewegungstics (schwer zu kontrollierende, wiederholte Muskelzuckungen beliebiger Körperteile) oder verbale Tics (schwer zu kontrollierende, wiederholte Äusserungen von Lauten oder Wörtern) aufweisen.
  • Wenn Sie abnorme Gedanken oder Visionen haben sowie abnorme Laute hören.
  • Wenn Sie Krampfanfälle bekommen.
  • Wenn Sie plötzlich sehr hohen Blutdruck haben.
  • Wenn plötzlich Sehtrübungen bzw. Sehstörungen auftreten.
  • Wenn Sie Herzbeschwerden bekommen.

 

(Lis-)Dexamphetamin soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Antidepressiva aller Art (inkl. Johanniskraut)
  • Lithium
  • Tryptophan
  • Antiepileptika
  • Neuroleptika
  • Blutverdünner
  • Gewisse Arzneimittel gegen Migräne (Triptane)
  • Gewisse Schmerzmittel (z.B. Tramadol, Fentanyl und Tapentadol)
  • Methadon (zur Heroinsubstitution)
  • Dextromethorphan (vielfach in frei verkäuflichen Hustenstiller enthalten)
  • Arzneimittel, die den Blutdruck erhöhen
  • Arzneimittel mit dem Wirkstoff Clonidin (zur Blutdrucksenkung)
  • Antihypertensiva (Blutdrucksenker)
  • Arzneimittel zur Ansäuerung des Urins
  • Arzneimittel zur Entwöhnung bei Alkoholabhängigkeit

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

Dexamphetamin kann möglicherweise Missbildungen beim ungeborenen Kind hervorrufen. Aus diesem Grund darf der Wirkstoff in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. 

Dexamphetamin tritt in die Muttermilch. Ist die Einnahme zwingend notwendig, soll abgestillt werden.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
(Lis-)Dexamphetamin ist in allen deutschsprachigen Staaten gesetzlich als Betäubungsmittel klassifiziert. Der Besitz
ohne ärztliches Rezept sowie der Handel und die kostenlose Weitergabe ohne Lizenz sind strafbar.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.

Stand der Information: März 2017

Amphetamin

Stimulanzien (Phenylethylamine) | Handelsnamen: Attentin und Elvanse

Allgemeine Informationen

Amphetamin wurde im Jahre 1887 von einem rumänischen Chemiker entdeckt, welcher an der Universität Berlin arbeitete. Entwickelt wurde der Wirkstoff ursprünglich als Arzneimittel gegen Asthma, bald stellte man zusätzlich eine appetithemmende, konzentrationsfördernde und antriebssteigernde Wirkung fest. Aufgrund seines Missbrauchspotenzials wurde Amphetamin 1941 in Deutschland dem damaligen Betäubungsmittelgesetz (Reichsopiumgesetz) unterstellt. Bis heute ist es -allerdings mit zahlreichen Streckmitteln versetzt- auf der Strasse illegal unter den Szenennamen Speed und Pep erhältlich. 

Amphetamin besteht chemisch gesehen aus zwei Molekülen (Enantiomere): Dexamphetamin und Levamphetamin. Beide Moleküle haben in etwa die selbe Wirkung, allerdings ist das Dexamphetamin-Molekül fast doppelt so stark wie das Levamphetamin-Molekül. 1948 gelangt es einer US-amerikanischen Firma die beiden Moleküle voneinander zu trennen und reines Dexamphetamin herzustellen. Aufgrund der in der Zwischenzeit festgestellten hochpotenten Wirkung auf die ADHS-Erkrankung wurde Dexamphetamin als Medikament zugelassen. In den USA wir es heute noch vorwiegend unter dem Markennamen Adderall vertrieben. In Deutschland (jedoch nicht in Österreich und der Schweiz) ist seit 2011 ein Dexamphetamin-Präparat unter dem Markennamen Attentin erhältlich. Es ist ausschliesslich für Kinder und Jugendliche zugelassen. Die Anwendung bei Erwachsenen erfolgt im off-label use.

Häufig wird heute jedoch Lisdexamphetamin verwendet, welches 2013 in allen deutschsprachigen Staaten unter dem Markennamen Elvanse zugelassen wurde. Bei Lisdexamphetamin handelt es sich um reines Dexamphetamin, welches an ein Lysinsäuremolekül gekoppelt wurde. Die Lsyinsäure macht das Medikament so einer sogenannten Pro-Drug und vermindert somit deren Missbrauchspotenzial. Konkret verhindert das Lysinsäure-Molekül, dass das Amphetamin direkt in die Blutbahn gelangen kann. Erst muss das Lsyin durch ein Leberenzym vom Dexamphetamin getrennt werden damit dieses seine Wirkung entfaltet. Dies verunmöglicht missbräuchliche Applikationsformen (nasal wie intravenös) und sorgt dafür, dass die Wirkung nur sehr langsam anflutet (Wirkungseintritt nach ca. 1,5-2 Stunden). Auch erklärt es die langanhaltende Wirkung von bis zu 13 Stunden. Das Lysin selbst hat keine psychoaktive Wirkung.

(Lis-)Dexamphetamin ist primär zur Behandlung von ADS/AHDS bei Kindern ab 6 Jahren und Erwachsenen zugelassen. Ferner wird es auch bei Narkolepsie eingesetzt. Die Anwendung bei Depressionen erfolgt im off-label use. Amphetamin hat meist keine antidepressive Wirkung, jedoch positiven Einfluss auf den Antrieb und die Konzentration.

Die Wirkung der Substanz lässt sich primär auf die Freisetzung der körpereigenen Reserven der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin zurückführen. 

Die Teilnahme am Strassenverkehr muss je nach Staat durch einen Arzt oder gar die entsprechende Behörde genehmigt werden. Bei Drogentests durch die Polizei wird Amphetamin angezeigt. Auf den Konsum von Alkohol ist während der Therapie zu verzichten (Aggressivität, Steigerung der Nebenwirkungen etc.). 

Auch wenn der Einnahmeverordnung des Arztes folgegeleistet wird, kann (nicht muss) Dexamphetamin bzw. Lisdexamphetamin abhängig machen. Auch Fälle von Toleranzentwicklung (Gewöhnungseffekt) bzw. Wirkungsverlust sind bekannt.

(Lis-)Dexamphetamin ist in der EU sowie in der Schweiz offiziell als Betäubungsmittel klassifiziert. Der Besitz ohne ärztliches Rezept ist strafbar. Ebenfalls strafbar ist der Verkauf oder die kostenlose Weitergabe ohne entsprechende Lizenz.

Hinweis: Mehr zum Umgang mit Amphetamin als Partydroge finden Sie hier.

Indikationen
  • ADHS/ADS
  • Narkolepsie
  • Zusatztherapie bei Depressionen (off-label use)
Dosierung & Anwendung

Dexamphetamin: 1-2x täglich Morgens und ggf. Mittags (Standartdosis 10mg/Gabe).
Lisdexamphetamin: 1x täglich Morgens (Standartdosis 50mg).

Zieldosis Dexamphetamin: 5-40mg (pro Tag)
Zieldosis Lisdexamphetamin: 20-70mg (pro Tag)

Die hier erwähnten Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene (nicht Kinder oder Jugendliche!) ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Bei (Lis-)Dexamphetamin ist kein langsames „Einschleichen“ notwendig, dennoch sollte zu Beginn immer mit der niedrigsten Dosis angefangen werden. So lassen sich Wirkung und Nebenwirkungen abschätzen. Eine abrupter Unterbruch der Therapie oder ein abruptes Absetzen ist möglich, doch muss in gewissen Fällen mit einem vorübergehenden Rebound-Effekt (der verstärkten Rückkehr der ursprünglichen Symptome) oder gar Entzugserscheinungen gerechnet werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach ca. 1.5 Stunden (Dexamphetamin) bzw. 3-4 Stunden (Lisdexamphetamin)

Halbwertszeit: ca. 10-11 Stunden

Bioverfügbarkeit: 75-96%

Wirkungseintritt: nach ca. 30-45 Minuten (Dexamphetamin) bzw. ca. 1.5-2 Stunden (Lisdexamphetamin)

Wirkdauer: 4-6 Stunden (Dexamphetamin) bzw. 8-13 Stunden (Lisdexamphetamin)

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%): 

  • Verminderter Appetit
  • Schlaflosigkeit
  • Nervosität
  • Kopfschmerzen
  • Mundtrockenheit

Häufig (1-10%): 

  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzklopfen
  • Herzrasen
  • Bauchschmerzen
  • Brustschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Veränderung des Blutdrucks und der Herzschlagrate (gewöhnlich Erhöhung)
  • Gelenkschmerzen
  • Schwindel
  • Bewegungsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Hyperaktivität
  • Abnormes Verhalten
  • Aggressivität
  • Erregtheit
  • Ängstlichkeit
  • depressive Verstimmung
  • Reizbarkeit
  • Sexuelle Funktionsstörungen (inkl. Libidoverlust)
  • Schwitzen
  • Verstopfungen
  • Durchfall
  • Kurzatmigkeit
  • Zittern (Tremor)
  • Gewichtsverlust
  • Zähneknirschen

Gelegentlich (0.1-1%):

  • Überempfindlichkeitsreaktionen
  • Rededran
  • Tics
  • Euphorie
  • Kratzen (Haut)
  • Manie
  • Bewusstseinsstörungen
  • Verändertes Geschmacksempfinden
  • Verschwommenes Sehen
  • Hautausschläge
  • Nesselfieber
  • Fieber

Selten (0.01-0.1%): 

  • Erweiterung der Pupillen
  • Mdigkeit

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen/Einzelfälle/Häufigkeit unbekannt): 

  • Herzstillstand
  • Tourette Syndrom
  • Muskelkrämpfe
  • Epileptische Anfälle
  • Unkontrollierbare Bewegungen
  • Abnormale Leberfunktion einschliesslich Leberversagen und Koma
  • Hirnblutungen
  • Psychotische Reaktionen (inkl. Wahngedanken und Halluzinationen)
  • Suizidgedanken
  • Akute entzndliche Erkrankung der Haut oder Schleimhaut
  • Schuppende Hauterkrankung
  • Entzndung oder Verschluss von Arterien im Gehirn
  • Psychische Abhängigkeit
  • Toleranzentwicklung
  • Herzmuskelerkrankung
  • Plötzliche Todesfälle
  • Konzentrationsstörungen
  • Gesteigerte Muskelreflexe
  • Schlaganfall
  •  Haarausfall
  • Taubheitsgefhl der Finger/Zehen
  • Kribbeln und Farbveränderung der Finger/Zehen

 

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Üblicherweise lassen die meisten (nicht alle) unerwünschten Wirkungen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz. Bei schwerwiegenden Komplikationen muss jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie (Lis-)Dexamphetamin:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Dexamphatamin-Präparates sind.
  • Wenn Sie an ausgeprägten Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen leiden.
  • Wenn bei Ihnen eine schwere Depression, bipolare Störung oder Suizidneigung festgestellt wurden.
  • Wenn Sie unter Anorexia nervosa (Magersucht) leiden.
  • Wenn bei Ihnen eine Borderline-Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wurde.
  • Wenn Sie unter einer Psychose (inkl. Schizophrenie) leiden oder bei Ihnen früher einmal eine Psychose festgestellt wurde.
  • Wenn Sie zu Suchterkrankungen neigen, aktuell suchtkrank sind oder es früher einmal waren (inkl. Alkoholismus).
  • Wenn Sie unter Herz-Kreislauf-Beschwerden leiden.
  • Wenn bei ihnen oder einem Familienmitglied das Tourette-Syndrom (Tics) diagnostiziert wurde.
  • Wenn Sie gegenwärtig sogenannte MAO-Hemmer (Arzneimittel gegen Depressionen, Parkinson etc.) einnehmen oder innerhalb der letzten 14 Tage eingenommen haben.
  • Wenn Sie ein Glaukom (grüner Star) haben (erhöhter Augeninnendruck).
  • Wenn Sie unter einem Phäochromozytom (seltene Tumorerkrankung der Nebenniere) leiden.
  • Wenn Sie an einer Erkrankung der Schilddrüse (Hyperthyreose) leiden.
  • Wenn Sie unter schwerem Bluthochdruck leiden.
  • Wenn Sie an einer arteriellen Durchblutungsstörungen leiden.
  • Wenn Sie an Veränderungen der Blutgefässe des Kopfes leiden oder einen Schlaganfall erlitten haben.
  • Wenn Sie unter Porphyrie (Stoffwechselerkrankung) leiden.

 

Bei der Einnahme von (Lis-)Dexamphetamin ist umgehend ein Arzt zu kontaktieren….

  • Wenn Aggressionen neu auftreten oder verstärkt werden.
  • Wenn Sie Bewegungstics (schwer zu kontrollierende, wiederholte Muskelzuckungen beliebiger Körperteile) oder verbale Tics (schwer zu kontrollierende, wiederholte Äusserungen von Lauten oder Wörtern) aufweisen.
  • Wenn Sie abnorme Gedanken oder Visionen haben sowie abnorme Laute hören.
  • Wenn Sie Krampfanfälle bekommen.
  • Wenn Sie plötzlich sehr hohen Blutdruck haben.
  • Wenn plötzlich Sehtrübungen bzw. Sehstörungen auftreten.
  • Wenn Sie Herzbeschwerden bekommen.

 

(Lis-)Dexamphetamin soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Antidepressiva aller Art (inkl. Johanniskraut)
  • Lithium
  • Tryptophan
  • Antiepileptika
  • Neuroleptika
  • Blutverdünner
  • Gewisse Arzneimittel gegen Migräne (Triptane)
  • Gewisse Schmerzmittel (z.B. Tramadol, Fentanyl und Tapentadol)
  • Methadon (zur Heroinsubstitution)
  • Dextromethorphan (vielfach in frei verkäuflichen Hustenstiller enthalten)
  • Arzneimittel, die den Blutdruck erhöhen
  • Arzneimittel mit dem Wirkstoff Clonidin (zur Blutdrucksenkung)
  • Antihypertensiva (Blutdrucksenker)
  • Arzneimittel zur Ansäuerung des Urins
  • Arzneimittel zur Entwöhnung bei Alkoholabhängigkeit

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

Schwangerschaft & Stillzeit

Dexamphetamin kann möglicherweise Missbildungen beim ungeborenen Kind hervorrufen. Aus diesem Grund darf der Wirkstoff in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. 

Dexamphetamin tritt in die Muttermilch. Ist die Einnahme zwingend notwendig, soll abgestillt werden.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. (Lis-)Dexamphetamin ist in allen deutschsprachigen Staaten gesetzlich als Betäubungsmittel klassifiziert. Der Besitz ohne ärztliches Rezept sowie der Handel und die kostenlose Weitergabe ohne Lizenz sind strafbar. Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.

Stand der Information: März 2017