Angststörungen

allgemeine Informationen – Formen – Diagnosekriterien – Statistiken

Allgemeine Informationen

Zunächst gilt es festzuhalten, dass es nicht einfach die Angststörung gibt. Angststörungen können sich enorm vielfältig äussern. Ihr gemeinsamer Nenner ist die unnatürlich und klinisch relevante Angst, welche völlig ausser Kontrolle gerät.

An der Entstehung von Angststörungen sind bestimmte Gehirnregionen beteiligt. Dazu gehören zum Beispiel die Amygdala, der Hippocampus und der präfrontale Cortex. Die Amygdala (Mandelkern) ist direkt an der Entstehung von Angst beteiligt, während der Hippocampus mit Lern- und Gedächtnisprozessen zu tun hat – zum Beispiel, dass eine  bestimmte Situation gefährlich ist. Der präfrontale Cortex (Stirnhirn) ist dagegen für die Bewertung von Angstreizen und die Planung entsprechender Reaktionen zuständig.

Auf der Ebene der Nervenzellen (Neurone) spielen verschiedene Neurotransmitter – also Botenstoffe, die die Signale von einer Gehirnzelle zur anderen weitergeben – bei der Entstehung von Angst eine Rolle. Man nimmt an, dass bei Angststörungen bestimmte Botenstoffe in verminderter Menge vorhanden sind. Dazu gehören die Neurotransmitter Serotonin und der hemmende Neurotransmitter GABA (γ-Aminobuttersäure). Serotonin ist ein Glückshormon, welches für die Ausgeglichenheit des Menschen zuständig ist. Der Botenstoff GABA hingegen ist für die Beruhigung verantwortlich.

Wie es psychologisch zu Angststörungen kommt ist nicht abschliessend definiert, jedoch konnten schon mehrere Indikatoren festgestellt werden. Wie bei Depressionen und bipolaren Störungen kann die Genetik einen grossen Einfluss haben. Menschen mit Angststörungen haben/hatten oft in der Verwandtschaft mind. eine weitere Person die unter diesen Zuständen leidet/litt. Weitere Indikationen sind Stress, ein überbehütetes Elternhaus, Traumata (inkl. Mobbing oder Schicksalsschläge) und Rauschmittelkonsum (inkl. Cannabis und Alkohol) .

Angststörungen können im Vergleich zu anderen psychischen Erkrankungen in der Regel gut behandelt werden, dies sagt jedoch nichts über den Einzelfall aus. Sie treten zudem häufig im Zusammenhang mit Depressionen auf (Komorbidität).

Generalisierte Angststörung

Eine generalisierte Angststörung (GAS) zeichnet sich dadurch aus, dass die Ängste dauerhaft vorhanden sind und nicht durch eine spezifische Umgebung (z.B. öffentliche Verkehrsmittel) ausgelöst werden. Sorgenbereiche sind vor allem die familiären/sozialen Beziehungen, Arbeit und Leistung, Gesundheitssorgen, Finanzen, Alltägliches.

Inhalt der Angst ist in den meisten Fällen eine unbegründete Sorge und Befürchtungen vor zukünftigen Unglücken oder Erkrankungen, die einen selbst oder Angehörige betreffen, sowie eine grosse Anzahl weiterer Sorgen und Vorahnungen. Der Betroffene hat meist somatische (körperliche) sowie psychische Symptome. Diese reichen von Zittern über Herzrasen, Schwindel, innere Unruhe Nervosität, Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, Benommenheit bis hin zu Schlafstörungen etc.

Gemäss dem internationalen Diagnoseverzeichnis (ICD-10) müssen über mindestens 6 Monate lang folgende Symptome an den meisten Tagen vorhanden sein:

  • Befürchtungen (Sorge über zukünftiges Unglück, Nervosität, Konzentrationsprobleme etc.)
  • Motorische Spannung (körperliche Unruhe, Spannungskopfschmerz, Zittern, Unfähigkeit sich zu entspannen)
  • Vegetative Symptome (Benommenheit, Schwitzen, Frieren, hoher Puls oder erhöhte Atemfrequenz, Oberbauchbeschwerden, Schwindelgefühle, Mundtrockenheit etc.)
  • Psychische Symptome (Gefühl von Schwindel, Unsicherheit und Benommenheit, Derealisation/Depersonalisation, Angst vor Kontrollverlust, Angst zu sterben)
  • Symptome in Thorax oder Abdomen (Atembeschwerden, Beklemmung, Schmerzen, Übelkeit)

Bei einer GAS ist es häufig der Fall, dass der Betroffene erst wegen körperlichen Beschwerden einen Arzt aufsucht und die Krankheit je nachdem lange verkannt wird.

Das in der EU sowie in der Schweiz gültige internationale Diagnoseverzeichnis ICD-10 umschreibt die generalisierte Angststörung unter dem Punkt F41.1 wie folgt, Zitat: „Die Angst ist generalisiert und anhaltend. Sie ist nicht auf bestimmte Umgebungsbedingungen beschränkt, oder auch nur besonders betont in solchen Situationen, sie ist vielmehr „frei flottierend“. Die wesentlichen Symptome sind variabel, Beschwerden wie ständige Nervosität, Zittern, Muskelspannung, Schwitzen, Benommenheit, Herzklopfen, Schwindelgefühle oder Oberbauchbeschwerden gehören zu diesem Bild. Häufig wird die Befürchtung geäußert, der Patient selbst oder ein Angehöriger könnten demnächst erkranken oder einen Unfall haben.“

Eine Selbstdiagnose zu erstellen ist nicht möglich. Dazu bedarf es der Begutachtung einer Fachperson (Psychiater oder Psychologe). Bei Verdacht auf eine Angststörung sollte eine solche aufgesucht werden.

Panikstörung (Panikattacken)

Panikattacken sind die häufigste Erkrankung aus der Gruppe der Angststörungen. Die betroffene Person erlebt eine solche Attacke als lebensbedrohlich. Die Ängste sind -anders als bei Phobien- nicht an bestimmte Umstände gebunden. Eine Panikattacke wird oft als Welle der Angst beschrieben, welche ohne ersichtlichen Grund aus dem Nichts auftaucht.

Von einer behandlungswürdigen Panikstörung spricht man jedoch erst, wenn Panikattacken regelmässig auftreten sowie körperliche Ursachen (z.B. eine Dysfunktion der Schilddrüse) ausgeschossen wurden.

Folgende Symptome sind für eine Panikattacke typisch (es müssen nicht bei jeder Attacke alle Symptome auftreten):

  • Atemnot/Hyperventilation (als Folge können Kribbelgefühle in Gesicht und Händen sowie Muskelkrämpfe auftreten)
  • Schmerzen/Engegefühl im Brustbereich
  • Engegefühl im Bereich der Kehle (inkl. Klossgefühl im Hals)
  • Herzrasen/hoher Puls/Herzstolpern/Herzstechen
  • Schweissausbrüche/kalter Schweiss
  • Zittern
  • Schwindel und/oder Erbrechen
  • Angstgedanken (“das ist ein Herzinfarkt”, “jetzt sterbe ich gleich”, “ich werde verrückt”, “ich ersticke”)
  • Reizüberflutung
  • Unwirklichkeits- und Entfremdungsgefühle (Depersonalisation/Derealisation)
  • Innere Spannungszustände/Innere Unruhe

Das eine Problem ist die Panikattacke selbst, dass andere die tiefgreifende Verunsicherung die zurück bleibt. Oft entwickelt sich eine Angst vor der Angst. Jede Gefühlsregung wird fortlaufend interpretiert und bei jeder Unregelmässigkeit „schrillen die Alarmglocken,“ dass eine erneute Attacke bevorstehen könnte.

Des Weitern entwickeln Menschen mit einer Panikstörung häufig (nicht immer) zusätzlich Symptome einer Agoraphobie. Eine Agroaphobie zeichnet sich vor allem durch die Angst vor Menschenmassen, öffentlichen Plätzen und dem Reisen aus. Sie kann sich soweit steigern, dass die betroffene Person Angst vor dem Verlassen der eigenen Wohnung hat.

Das in der EU sowie in der Schweiz gültige internationale Diagnoseverzeichnis ICD-10 umschreibt eine Panikstörung unter dem Punkt F41.0 wie folgt, Zitat: „Als wesentliche Kennzeichen sind wiederkehrende schwere Angstattacken (Panik), die sich nicht auf eine spezifische Situation oder besondere Umstände beschränken und deshalb auch nicht vorhersehbar sind. Wie bei anderen Angsterkrankungen zählen zu den wesentlichen Symptomen plötzlich auftretendes Herzklopfen, Brustschmerz, Erstickungsgefühle, Schwindel und Entfremdungsgefühle (Depersonalisation oder Derealisation). Oft entsteht sekundär auch die Furcht zu sterben, vor Kontrollverlust oder die Angst, wahnsinnig zu werden.“

Auch wenn sich Panikattacken lebensbedrohlich anfühlen, gelten sie im Vergleich zu anderen psychischen Erkrankungen als vergleichsweise gut behandelbar (Ausnahmen vorbehalten).

Eine Selbstdiagnose zu erstellen ist nicht möglich. Dazu bedarf es der Begutachtung einer Fachperson (Psychiater oder Psychologe). Bei Verdacht auf eine Angststörung sollte eine solche aufgesucht werden. Panikstörungen -so schlimm sie sich anfühlen- lassen sich in der Regel gut behandeln, medikamentös wie psychotherapeutisch.

Agoraphobie

Eine Agoraphobie tritt seltener isoliert bzw. häufiger im Zusammenhang mit Panikattacken (einer Panikstörung) auf. Gemäss ICD-10 (F40.0) ist eine Agroaphobie die Furcht vor:

  • Menschenmengen
  • öffentlichen Plätzen
  • dem Betreten von Geschäften
  • dem Reisen mit weiter Entfernung von Zuhause
  • dem Reisen ohne vertrauenswürdige Begleitung (auch kurze Strecken, insbesondere Bus/Tram/Bahn)
  • dem Verlassen der eigenen Wohnung

Diese Furcht kann sich bis hin zu Panikattacken steigern. Von einer „reinen“ Agoraphobie spricht man jedoch nur dann, wenn sich die Ängste/Panikattacken „lediglich“ auf oben genannte Umstände beschränken. Treten auch unabhängig dieser Umstände weitere Panikattacken auf, geht man diagnostisch von einer Panikstörung aus.

Das ICD-10 beschreibt die Agoraphobie wie folgt. Zitat: „Die Agoraphobie relativ gut definierte Gruppe von Phobien, mit Befürchtungen, das Haus zu verlassen, Geschäfte zu betreten, in Menschenmengen und auf öffentlichen Plätzen zu sein, alleine mit Bahn, Bus oder Flugzeug zu reisen. Eine Panikstörung kommt als häufiges Merkmal bei gegenwärtigen oder zurückliegenden Episoden vor. Depressive und zwanghafte Symptome sowie soziale Phobien sind als zusätzliche Merkmale gleichfalls häufig vorhanden. Die Vermeidung der phobischen Situation steht oft im Vordergrund, und einige Agoraphobiker erleben nur wenig Angst, da sie die phobischen Situationen meiden können.“

Hinweis: Eine Selbstdiagnose zu erstellen ist nicht möglich. Dazu bedarf es der Begutachtung einer Fachperson (Psychiater oder Psychologe). Bei Verdacht auf eine Angststörung sollte eine solche aufgesucht werden.

Soziale Phobie

Menschen mit einer sozialen Phobie vermeiden krankhaft Situationen, in welcher sie im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen könnten. Sie haben Angst davor, dass ihnen ihre Angst und Nervosität anzusehen ist oder ihnen etwas peinliches passiert.

Folgende Kriterien definiert das ICD-10:

  • Zentral ist die Furcht vor prüfender Betrachtung in überschaubaren Gruppen.
  • Die Angst kann sich auf bestimmte Situationen wie Essen oder Sprechen in der Öffentlichkeit oder Treffen mit Menschen eines begehrten Geschlechts beschränken; sie kann aber auch unbestimmt sein und in fast allen sozialen Situationen außerhalb der Familie auftreten.
  • Häufig bestehen niedriges Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik.
  • Als Begleitphänomene können Erröten, Vermeiden von Blickkontakt, Schwitzen, Zittern, Herzrasen, Durchfall, Übelkeit oder Harndrang auftreten.
  • Die Symptomatik kann sich bis zu Panikattacken verstärken.
  • Ausgeprägtes Vermeidungsverhalten kann zu vollständiger sozialer Isolation führen.

Das ICD-10 beschreibt die soziale Phobie unter dem Punkt F40.1 wie folgt. Zitat: „Furcht vor prüfender Betrachtung durch andere Menschen, die zu Vermeidung sozialer Situationen führt. Umfassendere soziale Phobien sind in der Regel mit niedrigem Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik verbunden. Sie können sich in Beschwerden wie Erröten, Händezittern, Übelkeit oder Drang zum Wasserlassen äußern. Dabei meint die betreffende Person manchmal, dass eine dieser sekundären Manifestationen der Angst das primäre Problem darstellt. Die Symptome können sich bis zu Panikattacken steigern.“

Hinweis: Eine Selbstdiagnose zu erstellen ist nicht möglich. Dazu bedarf es der Begutachtung einer Fachperson (Psychiater oder Psychologe). Bei Verdacht auf eine Angststörung sollte eine solche aufgesucht werden.

Isolierte Phobien

Isolierte Phobien sind auf ganz spezifische Dinge eingegrenzte Ängste (z.B. Spinnen, Höhen, geschlossene Räume etc.). Die üblichen Abneigung vor bestimmen Situationen oder der Ekel vor bestimmten Dingen machen noch eine medizinisch relevante Phobie aus. Phobien ergeben extreme Angstreaktionen bis hin zu Panikattacken. Ob eine Phobie fachlich behandelt werden muss hängt davon ab, wie einschränkend sie im Alltag ist.

Definition des ICD-10 (F40.2), Zitat: „Phobien, die auf eng umschriebene Situationen wie Nähe von bestimmten Tieren, Höhen, Donner, Dunkelheit, Fliegen, geschlossene Räume, Urinieren oder Defäkieren auf öffentlichen Toiletten, Genuss bestimmter Speisen, Zahnarztbesuch oder auf den Anblick von Blut oder Verletzungen beschränkt sind. Obwohl die auslösende Situation streng begrenzt ist, kann sie Panikzustände wie bei Agoraphobie oder sozialer Phobie hervorrufen.“

Eine Liste (fast) aller bekannter isolierter Phobien finden Sie hier

Depression & Angststörung gemischt

Die Diagnose Depression & Angststörung gemischt (ICD-F41.2) wird bei gleichzeitigem Bestehen von Angst und Depression gestellt, allerdings mit Einschränkungen. Sie findet nur dann Anwendung, wenn keine der beiden Störungen eindeutig vorherrscht und keine für sich genommen eine eigenständige Diagnose rechtfertigt. Treten ängstliche und depressive Symptome in so starker Ausprägung auf, dass sie einzelne Diagnosen rechtfertigen, werden beide Diagnosen separat gestellt und auf diese Kategorie verzichtet. 

Angststörungen

Allgemeine Informationen

Zunächst gilt es festzuhalten, dass es nicht einfach die Angststörung gibt. Angststörungen können sich enorm vielfältig äussern. Ihr gemeinsamer Nenner ist die unnatürlich und klinisch relevante Angst, welche völlig ausser Kontrolle gerät.

An der Entstehung von Angststörungen sind bestimmte Gehirnregionen beteiligt. Dazu gehören zum Beispiel die Amygdala, der Hippocampus und der präfrontale Cortex. Die Amygdala (Mandelkern) ist direkt an der Entstehung von Angst beteiligt, während der Hippocampus mit Lern- und Gedächtnisprozessen zu tun hat – zum Beispiel, dass eine  bestimmte Situation gefährlich ist. Der präfrontale Cortex (Stirnhirn) ist dagegen für die Bewertung von Angstreizen und die Planung entsprechender Reaktionen zuständig.

Auf der Ebene der Nervenzellen (Neurone) spielen verschiedene Neurotransmitter – also Botenstoffe, die die Signale von einer Gehirnzelle zur anderen weitergeben – bei der Entstehung von Angst eine Rolle. Man nimmt an, dass bei Angststörungen bestimmte Botenstoffe in verminderter Menge vorhanden sind. Dazu gehören die Neurotransmitter Serotonin und der hemmende Neurotransmitter GABA (γ-Aminobuttersäure). Serotonin ist ein Glückshormon, welches für die Ausgeglichenheit des Menschen zuständig ist. Der Botenstoff GABA hingegen ist für die Beruhigung verantwortlich.

Wie es psychologisch zu Angststörungen kommt ist nicht abschliessend definiert, jedoch konnten schon mehrere Indikatoren festgestellt werden. Wie bei Depressionen und bipolaren Störungen kann die Genetik einen grossen Einfluss haben. Menschen mit Angststörungen haben/hatten oft in der Verwandtschaft mind. eine weitere Person die unter diesen Zuständen leidet/litt. Weitere Indikationen sind Stress, ein überbehütetes Elternhaus, Traumata (inkl. Mobbing oder Schicksalsschläge) und Rauschmittelkonsum (inkl. Cannabis und Alkohol) .

Angststörungen können im Vergleich zu anderen psychischen Erkrankungen in der Regel gut behandelt werden, dies sagt jedoch nichts über den Einzelfall aus. Sie treten zudem häufig im Zusammenhang mit Depressionen auf (Komorbidität).

Generalisierte Angststörung

Eine generalisierte Angststörung (GAS) zeichnet sich dadurch aus, dass die Ängste dauerhaft vorhanden sind und nicht durch eine spezifische Umgebung (z.B. öffentliche Verkehrsmittel) ausgelöst werden. Sorgenbereiche sind vor allem die familiären/sozialen Beziehungen, Arbeit und Leistung, Gesundheitssorgen, Finanzen, Alltägliches.

Inhalt der Angst ist in den meisten Fällen eine unbegründete Sorge und Befürchtungen vor zukünftigen Unglücken oder Erkrankungen, die einen selbst oder Angehörige betreffen, sowie eine grosse Anzahl weiterer Sorgen und Vorahnungen. Der Betroffene hat meist somatische (körperliche) sowie psychische Symptome. Diese reichen von Zittern über Herzrasen, Schwindel, innere Unruhe Nervosität, Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, Benommenheit bis hin zu Schlafstörungen etc.

Gemäss dem internationalen Diagnoseverzeichnis (ICD-10) müssen über mindestens 6 Monate lang folgende Symptome an den meisten Tagen vorhanden sein:

  • Befürchtungen (Sorge über zukünftiges Unglück, Nervosität, Konzentrationsprobleme etc.)
  • Motorische Spannung (körperliche Unruhe, Spannungskopfschmerz, Zittern, Unfähigkeit sich zu entspannen)
  • Vegetative Symptome (Benommenheit, Schwitzen, Frieren, hoher Puls oder erhöhte Atemfrequenz, Oberbauchbeschwerden, Schwindelgefühle, Mundtrockenheit etc.)
  • Psychische Symptome (Gefühl von Schwindel, Unsicherheit und Benommenheit, Derealisation/Depersonalisation, Angst vor Kontrollverlust, Angst zu sterben)
  • Symptome in Thorax oder Abdomen (Atembeschwerden, Beklemmung, Schmerzen, Übelkeit)

Bei einer GAS ist es häufig der Fall, dass der Betroffene erst wegen körperlichen Beschwerden einen Arzt aufsucht und die Krankheit je nachdem lange verkannt wird.

Das in der EU sowie in der Schweiz gültige internationale Diagnoseverzeichnis ICD-10 umschreibt die generalisierte Angststörung wie folgt, Zitat: „Die Angst ist generalisiert und anhaltend. Sie ist nicht auf bestimmte Umgebungsbedingungen beschränkt, oder auch nur besonders betont in solchen Situationen, sie ist vielmehr „frei flottierend“. Die wesentlichen Symptome sind variabel, Beschwerden wie ständige Nervosität, Zittern, Muskelspannung, Schwitzen, Benommenheit, Herzklopfen, Schwindelgefühle oder Oberbauchbeschwerden gehören zu diesem Bild. Häufig wird die Befürchtung geäußert, der Patient selbst oder ein Angehöriger könnten demnächst erkranken oder einen Unfall haben.“

Eine Selbstdiagnose zu erstellen ist nicht möglich. Dazu bedarf es der Begutachtung einer Fachperson (Psychiater oder Psychologe). Bei Verdacht auf eine Angststörung sollte eine solche aufgesucht werden.

Panikstörung (Panikattacken)

Panikattacken sind die häufigste Erkrankung aus der Gruppe der Angststörungen. Die betroffene Person erlebt eine solche Attacke als lebensbedrohlich. Die Ängste sind -anders als bei Phobien- nicht an bestimmte Umstände gebunden. Eine Panikattacke wird oft als Welle der Angst beschrieben, welche ohne ersichtlichen Grund aus dem Nichts auftaucht.

Von einer behandlungswürdigen Panikstörung spricht man jedoch erst, wenn Panikattacken regelmässig auftreten sowie körperliche Ursachen (z.B. eine Dysfunktion der Schilddrüse) ausgeschossen wurden.

Folgende Symptome sind für eine Panikattacke typisch (es müssen nicht bei jeder Attacke alle Symptome auftreten):

  • Atemnot/Hyperventilation (als Folge können Kribbelgefühle in Gesicht und Händen sowie Muskelkrämpfe auftreten)
  • Schmerzen/Engegefühl im Brustbereich
  • Engegefühl im Bereich der Kehle (inkl. Klossgefühl im Hals)
  • Herzrasen/hoher Puls/Herzstolpern/Herzstechen
  • Schweissausbrüche/kalter Schweiss
  • Zittern
  • Schwindel und/oder Erbrechen
  • Angstgedanken („das ist ein Herzinfarkt“, „jetzt sterbe ich gleich“, „ich werde verrückt“, „ich ersticke“)
  • Reizüberflutung
  • Unwirklichkeits- und Entfremdungsgefühle (Depersonalisation/Derealisation)
  • Innere Spannungszustände/Innere Unruhe

Das eine Problem ist die Panikattacke selbst, dass andere die tiefgreifende Verunsicherung die zurück bleibt. Oft entwickelt sich eine Angst vor der Angst. Jede Gefühlsregung wird fortlaufend interpretiert und bei jeder Unregelmässigkeit „schrillen die Alarmglocken,“ dass eine erneute Attacke bevorstehen könnte.

Des Weitern entwickeln Menschen mit einer Panikstörung häufig (nicht immer) zusätzlich Symptome einer Agoraphobie. Eine Agroaphobie zeichnet sich vor allem durch die Angst vor Menschenmassen, öffentlichen Plätzen und dem Reisen aus. Sie kann sich soweit steigern, dass die betroffene Person Angst vor dem Verlassen der eigenen Wohnung hat.

Das in der EU sowie in der Schweiz gültige internationale Diagnoseverzeichnis ICD-10 umschreibt eine Panikstörung wie folgt, Zitat: „Als wesentliche Kennzeichen sind wiederkehrende schwere Angstattacken (Panik), die sich nicht auf eine spezifische Situation oder besondere Umstände beschränken und deshalb auch nicht vorhersehbar sind. Wie bei anderen Angsterkrankungen zählen zu den wesentlichen Symptomen plötzlich auftretendes Herzklopfen, Brustschmerz, Erstickungsgefühle, Schwindel und Entfremdungsgefühle (Depersonalisation oder Derealisation). Oft entsteht sekundär auch die Furcht zu sterben, vor Kontrollverlust oder die Angst, wahnsinnig zu werden.“

Auch wenn sich Panikattacken lebensbedrohlich anfühlen, gelten sie im Vergleich zu anderen psychischen Erkrankungen als vergleichsweise gut behandelbar (Ausnahmen vorbehalten).

Eine Selbstdiagnose zu erstellen ist nicht möglich. Dazu bedarf es der Begutachtung einer Fachperson (Psychiater oder Psychologe). Bei Verdacht auf eine Angststörung sollte eine solche aufgesucht werden. Panikstörungen -so schlimm sie sich anfühlen- lassen sich in der Regel gut behandeln, medikamentös wie psychotherapeutisch.

Agoraphobie

Eine Agoraphobie tritt seltener isoliert bzw. häufiger im Zusammenhang mit Panikattacken (einer Panikstörung) auf. Gemäss ICD-10 (F40.0) ist eine Agroaphobie die Furcht vor:

  • Menschenmengen
  • öffentlichen Plätzen
  • dem Betreten von Geschäften
  • dem Reisen mit weiter Entfernung von Zuhause
  • dem Reisen ohne vertrauenswürdige Begleitung (auch kurze Strecken, insbesondere Bus/Tram/Bahn)
  • dem Verlassen der eigenen Wohnung

Diese Furcht kann sich bis hin zu Panikattacken steigern. Von einer „reinen“ Agoraphobie spricht man jedoch nur dann, wenn sich die Ängste/Panikattacken „lediglich“ auf oben genannte Umstände beschränken. Treten auch unabhängig dieser Umstände weitere Panikattacken auf, geht man diagnostisch von einer Panikstörung aus.

Das ICD-10 beschreibt die Agoraphobie wie folgt. Zitat: „Die Agoraphobie relativ gut definierte Gruppe von Phobien, mit Befürchtungen, das Haus zu verlassen, Geschäfte zu betreten, in Menschenmengen und auf öffentlichen Plätzen zu sein, alleine mit Bahn, Bus oder Flugzeug zu reisen. Eine Panikstörung kommt als häufiges Merkmal bei gegenwärtigen oder zurückliegenden Episoden vor. Depressive und zwanghafte Symptome sowie soziale Phobien sind als zusätzliche Merkmale gleichfalls häufig vorhanden. Die Vermeidung der phobischen Situation steht oft im Vordergrund, und einige Agoraphobiker erleben nur wenig Angst, da sie die phobischen Situationen meiden können.“

Hinweis: Eine Selbstdiagnose zu erstellen ist nicht möglich. Dazu bedarf es der Begutachtung einer Fachperson (Psychiater oder Psychologe). Bei Verdacht auf eine Angststörung sollte eine solche aufgesucht werden.

Soziale Phobie

Menschen mit einer sozialen Phobie vermeiden krankhaft Situationen, in welcher sie im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen könnten. Sie haben Angst davor, dass ihnen ihre Angst und Nervosität anzusehen ist oder ihnen etwas peinliches passiert.

Folgende Kriterien definiert das ICD-10:

  • Zentral ist die Furcht vor prüfender Betrachtung in überschaubaren Gruppen.
  • Die Angst kann sich auf bestimmte Situationen wie Essen oder Sprechen in der Öffentlichkeit oder Treffen mit Menschen eines begehrten Geschlechts beschränken; sie kann aber auch unbestimmt sein und in fast allen sozialen Situationen außerhalb der Familie auftreten.
  • Häufig bestehen niedriges Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik.
  • Als Begleitphänomene können Erröten, Vermeiden von Blickkontakt, Schwitzen, Zittern, Herzrasen, Durchfall, Übelkeit oder Harndrang auftreten.
  • Die Symptomatik kann sich bis zu Panikattacken verstärken.
  • Ausgeprägtes Vermeidungsverhalten kann zu vollständiger sozialer Isolation führen.

Das ICD-10 beschreibt die soziale Phobie unter dem Punkt F40.1 wie folgt. Zitat: „Furcht vor prüfender Betrachtung durch andere Menschen, die zu Vermeidung sozialer Situationen führt. Umfassendere soziale Phobien sind in der Regel mit niedrigem Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik verbunden. Sie können sich in Beschwerden wie Erröten, Händezittern, Übelkeit oder Drang zum Wasserlassen äußern. Dabei meint die betreffende Person manchmal, dass eine dieser sekundären Manifestationen der Angst das primäre Problem darstellt. Die Symptome können sich bis zu Panikattacken steigern.“

Hinweis: Eine Selbstdiagnose zu erstellen ist nicht möglich. Dazu bedarf es der Begutachtung einer Fachperson (Psychiater oder Psychologe). Bei Verdacht auf eine Angststörung sollte eine solche aufgesucht werden.

Isolierte Phobien

Isolierte Phobien sind auf ganz spezifische Dinge eingegrenzte Ängste (z.B. Spinnen, Höhen, geschlossene Räume etc.). Die üblichen Abneigung vor bestimmen Situationen oder der Ekel vor bestimmten Dingen machen noch eine medizinisch relevante Phobie aus. Phobien ergeben extreme Angstreaktionen bis hin zu Panikattacken. Ob eine Phobie fachlich behandelt werden muss hängt davon ab, wie einschränkend sie im Alltag ist.

Definition des ICD-10 (F40.2), Zitat: „Phobien, die auf eng umschriebene Situationen wie Nähe von bestimmten Tieren, Höhen, Donner, Dunkelheit, Fliegen, geschlossene Räume, Urinieren oder Defäkieren auf öffentlichen Toiletten, Genuss bestimmter Speisen, Zahnarztbesuch oder auf den Anblick von Blut oder Verletzungen beschränkt sind. Obwohl die auslösende Situation streng begrenzt ist, kann sie Panikzustände wie bei Agoraphobie oder sozialer Phobie hervorrufen.“

Eine Liste (fast) aller bekannter isolierter Phobien finden Sie hier

Depression & Angststörung gemischt

Die Diagnose Depression & Angststörung gemischt (ICD-F41.2) wird bei gleichzeitigem Bestehen von Angst und Depression gestellt, allerdings mit Einschränkungen. Sie findet nur dann Anwendung, wenn keine der beiden Störungen eindeutig vorherrscht und keine für sich genommen eine eigenständige Diagnose rechtfertigt. Treten ängstliche und depressive Symptome in so starker Ausprägung auf, dass sie einzelne Diagnosen rechtfertigen, werden beide Diagnosen separat gestellt und auf diese Kategorie verzichtet.