Bupropion

Antidepressivum (NDRI) | Handelsnamen: Elontril, Wellbutrin sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Bupropion wird von der Firma GalaxoSmithKline hergestellt und wurde bereits 1984 in den USA zugelassen. 1986 wurde die Zulassung jedoch wieder entzogen, da unter der Behandlung mit Bupropion mehrfach epileptische Anfälle auftraten. GalaxoSmithKline brachte Jahre später ein retardiertes Präparat auf den Markt, welches das Risiko von Krampfanfällen stark verringerte. Die kontrollierte Wirkstofffreisetzung ist somit zwingend bzw. dürfen die Tabletten auf keinen Fall zerteilt, zerdrückt oder zerkaut werden!

In Europa wurde Bupropion im Jahre 2007 zugelassen (in der Schweiz bereits 1999). Das Medikament wird unter den Handelsnamen Elontril, Wellbutrin und Carmubine sowie Zyban (zur Rauchentwöhnung) vertrieben. Generika sind ebenfalls erhältlich.

Bupropion ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der „selektiven Noradrenalin und Dopamin Wiederaufnahme-Hemmer“ (NDRI), welches zur Behandlung von Depressionen und Nikotinabhängigkeit (Rauchentwöhnung) zugelassen ist. Pharmakologisch gehört es zur Gruppe der Phenylethylamine und besitzt somit eine entfernte Verwandtschaft zu Amphetamin sowie zu Methylphenidat.

Das Medikament ist ab 18 Jahren erhältlich, es sollte aufgrund unkontrollierbarer Risiken nicht an Minderjährige abgegeben werden. Einen Einfluss auf das Lenken von Fahrzeugen sowie das Bedienen von Maschinen hat es nicht, dennoch sollte immer zunächst abgewartet werden, wie man auf ein Medikament reagiert. Im Bezug auf Alkohol wurden keine Wechselwirkungen festgestellt, dennoch gibt es selten Berichte über über neuropsychiatrische Nebenwirkungen oder eine verminderte Alkoholtoleranz bei Patienten.

Indikationen
  • Depression
  • Nikotinentzug (Rauchentwöhnung)
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Morgens unabhängig der Mahlzeiten.
Die Tabletten dürfen aufgrund der Gefahr eines Krampfanfalls nicht zerteilt oder zerkaut werden!
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Zieldosis: 150-300mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 5 Stunden

Halbwertszeit: ca. 20 Stunden

Bioverfügbarkeit: mind. 87%

Wirkungseintritt: nach 2-4 Wochen täglicher Einnahme

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%): Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Übelkeit, Erbrechen.

Häufig (1-10%): Nesselsucht, Appetitlosigkeit, Unruhe, Angstzustände, Tremor (Zittern), Schwindel, verändertes Geschmacksempfinden, Sehstörungen, Tinnitus, Blutdruckerhöhung, Bauchschmerzen, Verstopfungen, Hautausschläge, Juckreiz, Schwitzen, Kraftlosigkeit, Fieber, Brustschmerzen.

Gelegentlich (0.1-1%): Verwirrtheit, Depressionen bzw. deren Verschlechterung, Konzentrationsstörungen, Herzrasen, Gewichtsabnahme.

Selten (0.01-0.1%): Epileptische Anfälle

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen/Einzelfälle/Häufigkeit unbekannt): Veränderung von Blutwerten (Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie, Blutzuckerstörungen, Hyponatriämie), Angioödem, Bronchospasmen,  anaphylaktischer Schock, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Aggressivität, Feindseligkeit, Reizbarkeit, Ruhelosigkeit, Halluzinationen, Suizidgedanken, abnormale Träume, Albträume, Unwirklichkeits-  und Entfremdungsgefühle (Depersonalisation/Derealisation), Wahnvorstellungen, paranoide Ideen, Bewegungsstörungen, Koordinationsstörungen (inkl. Störungen der Bewegungskoordination), Parkinson ähnliche Symptome, Gedächtnisstörungen, Missempfindungen der Haut (Kribbeln, Taubheitsgefühl etc.), Ohnmachtsanfälle, Herzklopfen, Erweiterung der Blutgefässe, niedriger Blutdruck, erhöhte Leberenzyme, Gelbsucht, Hepatitis, gefährliche Hautreaktionen (Erythema multiforme, Stevens-Johnson-Syndrome, Exazerbation von Psoriasis), Muskelzuckungen, Harnverhalt, spontanes Wasserlassen (Einnässen), häufiges Wasserlassen.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Üblicherweise lassen die meisten (nicht alle) unerwünschten Wirkungen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz. Bei schwerwiegenden Komplikationen muss jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Bupropion:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Bupropion-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen) und Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen).
  • Wenn Sie Epileptiker/in sind oder früher einmal Krampfanfälle hatten.
  • Wenn sie aktuell unter einer Anorexie (Magersucht) oder Bulimie (Ess-Brech-Sucht) leiden oder früher einmal unter diesen Erkrankungen gelitten haben.
  • Wenn Sie einen Hirntumor haben.
  • Wenn Sie unter einer schweren Leberzirrhose leiden.
  • Wenn Sie unter Alkoholismus leiden.
  • Wenn Sie erst vor kurzem die Einnahme von Beruhigungsmitteln oder Sedativa abgesetzt haben oder ein solches Arzneimittel absetzen.

 

Bei der Einnahme von Bupropion ist Vorsicht geboten…

  • Wenn Sie von schweren Kopfverletzungen betroffen sind bzw. waren.
  • Wenn Sie unter psychischen Erkrankungen ausser Depressionen leiden oder früher einmal gelitten haben.
  • Wenn Sie Diabetiker/in (Zuckerkrankheit) sind.  
  • Wenn Sie unter Leber- oder Nierenfunktionsstörungen leiden.

 

Bupropion soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Theophyllin-haltige Arzneimitteln (Asthmamittel)
  • Tramadol (starkes Schmerzmittel)
  • Benzodiazepine und Z-Drugs (Angstlöser, Beruhigungsmittel, Schlafmittel)
  • Barbituriate
  • Aufputschmittel inkl. Amphetamine und Methylphenidat (z.B. Ritalin)
  • Appetitzügler
  • Andere Antidepressiva
  • Neuroleptika
  • Arzneimittel gegen Parkinson (z.B. Levodopa, Amantadin oder Orphenadrin)
  • Antiepileptika (z.B. Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital, Valproat)
  • Gewisse Krebsmittel (wie z.B. Cyclophosphamid, Ifosfamid oder Tamoxifen)
  • Arzneimittel zur Vorbeugung von Schlaganfall (Ticlopidin und Clopidogrel)
  • Betablocker
  • Arzneimittel zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen
  • Nikotinpflaster zur Raucherentwöhnung
  • Arzneimittel zur Behandlung von HIV-Infektion (z.B. Ritonavir oder Efavirenz)

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

Schwangerschaft & Stillzeit

Aus einigen epidemiologischen Studien zu den Schwangerschaftsergebnissen nach maternaler Bupropion-Exposition im ersten Trimenon wurde über einen Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko einiger kongenitaler kardiovaskulärer Fehlbildungen berichtet.

Der prospektiv beobachtete Anteil angeborener Herzfehler bei Schwangerschaften mit pränataler Bupropion-Exposition im ersten Trimenon lag im internationalen Schwangerschaftsregister bei 1,3%

Da Bupropion und seine Metaboliten in die Muttermilch übergehen, sollte Müttern geraten werden, während der Einnahme von Bupropion nicht zu stillen.

Studien

In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass die Wirksamkeit von Bupropion mit der Wirksamkeit der Antidepressiva aus der Klasse der sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) vergleichbar ist. Während Bupropion bei ängstlicher Depression schlechter wirksam ist als SSRI, gibt es Hinweise darauf, dass es bei gesteigerter körperlicher und psychischer Ermüdbarkeit (Fatigue), die mit einem depressiven Syndrom einhergehen kann, besser wirksam ist. Dennoch ist Bupropion nur ein Medikament 2. Wahl oder wird bei einem ungenügenden Ansprechen auf ein herkömmliches Antidepressivum hinzugegeben.

Die Idee, eine sexuelle Dysfunktion durch Behandlung mit anderen Antidepressiva durch zusätzliche Gabe von Bupropion zu bessern, wurde nach mehreren negativ verlaufenden klinischen Studien verworfen.

Vergleich mit Venlafaxin: Bezogen auf Response und Remission wirkt Bupropion im Vergleich schlechter als Venlafaxin. Die unter der Behandlung mit vielen SSRI häufig auftretende sexuelle Dysfunktion kommt unter Bupropion seltener vor.

Studie des Nordic Cochrane Centre: Das Nordic Cochrane Centre wird vom dänischen Staat finanziert und darf per Gesetz keine Gelder der Pharmaindustrie annehmen. So soll die grösstmögliche Unabhängigkeit garantiert werden. Das Zentrum hat bis im Juni 2019 522 bereits publizierte placebokontrollierte Studien zu Antidepressiva im Allgemeinen ausgewertet. Es handelt sich dabei um klinische Studien, an denen insgesamt 116’477 depressive Probandinnen und Probanden teilgenommen haben. Zusätzlich hat das Zentrum auch 19 unveröffentlichte klinische Studien der Pharmaindustrie beigezogen. Also Studien, welche die Pharmakonzerne nicht veröffentlicht haben wollten, aber beim Zulassungsgesuch des Medikaments den Behörden vorlegen mussten. Die Forscher konnten nur eine leichte Überlegenheit von Antidepressiva gegenüber Placebo feststellten. Es handelt sich dabei um einen Unterschied von lediglich 1,97 Punkten auf einer Skala von 52 Punkten.

Bedenken Sie, dass diese Studien keinen Aufschluss über die Wirksamkeit im Einzelfall ergeben.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.

Stand der Information: September 2017

Bupropion

Antidepressivum (NDRI) | Handelsnamen: Elontril, Wellbutrin sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Bupropion wird von der Firma GalaxoSmithKline hergestellt und wurde bereits 1984 in den USA zugelassen. 1986 wurde die Zulassung jedoch wieder entzogen, da unter der Behandlung mit Bupropion mehrfach epileptische Anfälle auftraten. GalaxoSmithKline brachte Jahre später ein retardiertes Präparat auf den Markt, welches das Risiko von Krampfanfällen stark verringerte. Die kontrollierte Wirkstofffreisetzung ist somit zwingend bzw. dürfen die Tabletten auf keinen Fall zerteilt, zerdrückt oder zerkaut werden!

In Europa wurde Bupropion im Jahre 2007 zugelassen (in der Schweiz bereits 1999). Das Medikament wird unter den Handelsnamen Elontril, Wellbutrin und Zyban vertrieben. Generika sind ebenfalls erhältlich.

Bupropion ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der „selektiven Noradrenalin und Dopamin Wiederaufnahme-Hemmer“ (NDRI), welches zur Behandlung von Depressionen und Nikotinabhängigkeit (Rauchentwöhnung) zugelassen ist. Pharmakologisch gehört es zur Gruppe der Phenylethylamine und besitzt somit eine entfernte Verwandtschaft zu Amphetamin sowie zu Methylphenidat.

Das Medikament ist ab 18 Jahren erhältlich, es sollte aufgrund unkontrollierbarer Risiken nicht an Minderjährige abgegeben werden. Einen Einfluss auf das Lenken von Fahrzeugen sowie das Bedienen von Maschinen hat es nicht, dennoch sollte immer zunächst abgewartet werden, wie man auf ein Medikament reagiert. Im Bezug auf Alkohol wurden keine Wechselwirkungen festgestellt, dennoch gibt es selten Berichte über über neuropsychiatrische Nebenwirkungen oder eine verminderte Alkoholtoleranz bei Patienten.

Indikationen
  • Depression
  • Nikotinentzug (Rauchentwöhnung)
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Morgens.

Die Tabletten dürfen aufgrund der Gefahr eines Krampfanfalls nicht zerteilt oder zerkaut werden!

Die Einnahme muss täglich erfolgen.

Zieldosis: 150-300mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: 5 Stunden

Halbwertszeit: 20 Stunden

Bioverfügbarkeit: 87%

Wirkungseintritt: 2-4 Wochen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%):

  • Schlafstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Mundtrockenheit
  • Übelkeit
  • Erbrechen

Häufig (1-10%):

  • Nesselsucht
  • Appetitlosigkeit
  • Unruhe
  • Angstzustände
  • Tremor (Zittern)
  • Schwindel
  • Verändertes Geschmacksempfinden
  • Sehstörungen
  • Tinnitus
  • Blutdruckerhöhung
  • Bauchschmerzen
  • Verstopfungen
  • Hautausschläge
  • Juckreiz
  • Schwitzen
  • Kraftlosigkeit
  • Fieber
  • Brustschmerzen

Gelegentlich (0.1-1%):

  • Verwirrtheit
  • Depressionen bzw. deren Verschlechterung
  • Konzentrationsstörungen
  • Herzrasen
  • Gewichtsabnahme

Selten (0.01-0.1%):

  • Epileptische Anfälle

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen / Einzelfälle / Häufigkeit unbekannt):

  • Veränderung von Blutwerten (Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie, Blutzuckerstörungen, Hyponatriämie)
  • Angioödem
  • Bronchospasmen
  • Anaphylaktischer Schock
  • Gelenkschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Aggressivität
  • Feindseligkeit
  • Reizbarkeit
  • Ruhelosigkeit
  • Halluzinationen
  • Suizidgedanken
  • Abnormale Träume
  • Albträume
  • Unwirklichkeits- und Entfremdungsgefühle (Depersonalisation/Derealisation)
  • Wahnvorstellungen
  • Paranoide Ideen
  • Bewegungsstörungen
  • Koordinationsstörungen (inkl. Störungen der Bewegungskoordination)
  • Parkinson ähnliche Symptome
  • Gedächtnisstörungen
  • Missempfindungen der Haut (Kribbeln, Taubheitsgefühl etc.)
  • Ohnmachtsanfälle
  • Herzklopfen
  • Erweiterung der Blutgefässe
  • Niedriger Blutdruck
  • Erhöhte Leberenzyme
  • Gelbsucht
  • Hepatitis
  • Gefährliche Hautreaktionen (Erythema multiforme, Stevens-Johnson-Syndrome, Exazerbation von Psoriasis)
  • Muskelzuckungen
  • Harnverhalt
  • Spontanes Wasserlassen (Einnässen)
  • Häufiges Wasserlassen

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Üblicherweise lassen die meisten (nicht alle) unerwünschten Wirkungen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz. Bei schwerwiegenden Komplikationen muss jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Bupropion:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Bupropion-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen) und Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen).
  • Wenn Sie Epileptiker/in sind oder früher einmal Krampfanfälle hatten.
  • Wenn sie aktuell unter einer Anorexie (Magersucht) oder Bulimie (Ess-Brech-Sucht) leiden oder früher einmal unter diesen Erkrankungen gelitten haben.
  • Wenn Sie einen Hirntumor haben.
  • Wenn Sie unter einer schweren Leberzirrhose leiden.
  • Wenn Sie unter Alkoholismus leiden.
  • Wenn Sie erst vor kurzem die Einnahme von Beruhigungsmitteln oder Sedativa abgesetzt haben oder ein solches Arzneimittel absetzen.

 

Bei der Einnahme von Bupropion ist Vorsicht geboten…

  • Wenn Sie von schweren Kopfverletzungen betroffen sind bzw. waren.
  • Wenn Sie unter psychischen Erkrankungen ausser Depressionen leiden oder früher einmal gelitten haben.
  • Wenn Sie Diabetiker/in (Zuckerkrankheit) sind.  
  • Wenn Sie unter Leber- oder Nierenfunktionsstörungen leiden.

 

Bupropion soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Theophyllin-haltige Arzneimitteln (Asthmamittel)
  • Tramadol (starkes Schmerzmittel)
  • Benzodiazepine und Z-Drugs (Angstlöser, Beruhigungsmittel, Schlafmittel)
  • Barbituriate
  • Aufputschmittel inkl. Amphetamine und Methylphenidat (z.B. Ritalin)
  • Appetitzügler
  • Andere Antidepressiva
  • Neuroleptika
  • Arzneimittel gegen Parkinson (z.B. Levodopa, Amantadin oder Orphenadrin)
  • Antiepileptika (z.B. Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital, Valproat)
  • Gewisse Krebsmittel (wie z.B. Cyclophosphamid, Ifosfamid oder Tamoxifen)
  • Arzneimittel zur Vorbeugung von Schlaganfall (Ticlopidin und Clopidogrel)
  • Betablocker
  • Arzneimittel zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen
  • Nikotinpflaster zur Raucherentwöhnung
  • Arzneimittel zur Behandlung von HIV-Infektion (z.B. Ritonavir oder Efavirenz)

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

Schwangerschaft & Stillzeit

Aus einigen epidemiologischen Studien zu den Schwangerschaftsergebnissen nach maternaler Bupropion-Exposition im ersten Trimenon wurde über einen Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko einiger kongenitaler kardiovaskulärer Fehlbildungen berichtet.

Der prospektiv beobachtete Anteil angeborener Herzfehler bei Schwangerschaften mit pränataler Bupropion-Exposition im ersten Trimenon lag im internationalen Schwangerschaftsregister bei 1,3%

Da Bupropion und seine Metaboliten in die Muttermilch übergehen, sollte Müttern geraten werden, während der Einnahme von Bupropion nicht zu stillen.

Studien

In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass die Wirksamkeit von Bupropion mit der Wirksamkeit der Antidepressiva aus der Klasse der sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) vergleichbar ist. Während Bupropion bei ängstlicher Depression schlechter wirksam ist als SSRI, gibt es Hinweise darauf, dass es bei gesteigerter körperlicher und psychischer Ermüdbarkeit (Fatigue), die mit einem depressiven Syndrom einhergehen kann, besser wirksam ist. Dennoch ist Bupropion nur ein Medikament 2. Wahl oder wird bei einem ungenügenden Ansprechen auf ein herkömmliches Antidepressivum hinzugegeben.

Die Idee, eine sexuelle Dysfunktion durch Behandlung mit anderen Antidepressiva durch zusätzliche Gabe von Bupropion zu bessern, wurde nach mehreren negativ verlaufenden klinischen Studien verworfen.

Vergleich mit Venlafaxin: Bezogen auf Response und Remission wirkt Bupropion im Vergleich schlechter als Venlafaxin. Die unter der Behandlung mit vielen SSRI häufig auftretende sexuelle Dysfunktion kommt unter Bupropion seltener vor.

Studie des Nordic Cochrane Centre: Das Nordic Cochrane Centre wird vom dänischen Staat finanziert und darf per Gesetz keine Gelder der Pharmaindustrie annehmen. So soll die grösstmögliche Unabhängigkeit garantiert werden. Das Zentrum hat bis im Juni 2019 522 bereits publizierte placebokontrollierte Studien zu Antidepressiva im Allgemeinen ausgewertet. Es handelt sich dabei um klinische Studien, an denen insgesamt 116’477 depressive Probandinnen und Probanden teilgenommen haben. Zusätzlich hat das Zentrum auch 19 unveröffentlichte klinische Studien der Pharmaindustrie beigezogen. Also Studien, welche die Pharmakonzerne nicht veröffentlicht haben wollten, aber beim Zulassungsgesuch des Medikaments den Behörden vorlegen mussten. Die Forscher konnten nur eine leichte Überlegenheit von Antidepressiva gegenüber Placebo feststellten. Es handelt sich dabei um einen Unterschied von lediglich 1,97 Punkten auf einer Skala von 52 Punkten.

Bedenken Sie, dass diese Studien keinen Aufschluss über die Wirksamkeit im Einzelfall ergeben.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.

Stand der Information: September 2017