Clomipramin

trizyklisches Antidepressivum | Handelsnamen: Anafranil sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Clomipramin wurde in den 1960er-Jahren vom Schweizer Pharmaunternehmen Geigy (heute Novartis) entwickelt. Es war längere Zeit das einzige Medikament, welches gegen Zwangsstörungen zugelassen war. Deshalb wurde es in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsbehörde (WHO) aufgenommen.

Clomipramin ist ein trizyklisches Antidepressium (Trizyklika) bzw. ein nicht-selektiver Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahmehemmer. Es wird unter dem Handelsnamen Anafranil vertrieben, zusätzlich ist es auch als Generikum erhältlich. Clomipramin besitzt ein enorm breites Wirkspektrum und ist zur Behandlung von Depressionen, Panikstörungen, Phobien, Zwangsstörungen, Narkolepsie, Enuresis nocturna (Bettnässen) und chronischen Schmerzen zugelassen. Obwohl es nicht schlaffördernd wirkt, kann die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen verunmöglicht werden. Die Wirkung von Alkohol kann durch Clomipramin verstärkt werden, weshalb die Einnahme von Alkohol während der Behandlung zu vermeiden ist. ​

Clompiramin ist ab dem 18. Altersjahr zugelassen. Eine Ausnahme bilden die Zwangsstörungen. Diesbezüglich ist das Medikament bereits ab dem 10. Altersjahr verfügbar. Clomipramin wird auch als Präparat mit kontrollierter Wirkstofffreisetzung angeboten (Clomipramin ER/XR/retard/prolong etc.).

Indikationen
  • Depression
  • Panikstörung
  • Zwangsstörungen
  • Phobien
  • Chronische Schmerzen
  • Narkolepsie mit Kataplexie (Muskelerschlaffung), Schlaflähmung (Bewegungsunfähigkeit nach dem Erwachen) und/oder hypnagogen Halluzinationen (albtraumartige Sinneswahrnehmungen während dem Einschlafen)
  • Bettnässen (keine Zulassung in Deutschland)
Dosierung & Anwendung

Einnahme von Tabletten mit sofortiger Wirkstofffreigabe: 2-6x täglich 25mg unabhängig der Mahlzeiten.
Einnahme von Tabletten mit verzögerter Wirkstofffreigabe: 1-2x täglich 75mg unabhängig der Mahlzeiten.
Falls erforderlich kann die Dosis bis auf max. 250mg gesteigert werden (verteilt auf mehrere Gaben).
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Zieldosis: 50-250mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 2-6 Stunden

Halbwertszeit: 12-36 Stunden

Bioverfügbarkeit: ca. 50%

Wirkungseintritt: nach 2-5 Wochen täglicher Einnahme

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%): Verstopfungen, verringertes Scharfsehen, verschwommenes Sehen, Schwindel, Zittern (Tremor), Kopfschmerzen, Muskelzuckungen, Bewusstseinsstörungen, Müdigkeit, innere Unruhe, gesteigerter Appetit, Gewichtszunahme, Mundtrockenheit, Schwitzen, Probleme beim Wasserlassen.

Häufig (1-10%): Sexuelle Funktionsstörungen (inkl. Libidoverlust), allergische Hautreaktionen (inkl. Ausschläge, Nesselsucht), Lichtempfindlichkeit der Haut, Juckreiz, Übelkeit, niedriger Blutdruck, beschleunigte Herzfrequenz, Herzklopfen, EKG-Veränderungen, Tinnitus, Delirium, Sprachstörungen, Missempfindungen der Haut (Kribbeln, Taubheitsgefühl etc.), Muskelschwäche, Muskelverspannungen, Verwirrtheit, Desorientiertheit, Halluzinationen, Angstzustände, Erregung, Schlafstörungen, Manie, Hypomanie, Aggressivität, Gedächtnisstörungen, Gähnen, Verhaltensveränderungen, Schlaflosigkeit, Albträume, Depressionen bzw. deren Verschlechterung, Konzentrationsstörungen, Hitzewallungen, grosse Pupillen, erhöhte Leberwerte.

Gelegentlich (0.1-1%): Milchfluss ohne Schwangerschaft/Stillzeit, Vergrösserung der Brustdrüsen beim Mann, Erbrechen, Verdauungsbeschwerden, Durchfall, Appetitlosigkeit, verändertes Geschmacksempfinden, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, epileptische Anfälle, Störung der Bewegungskoordination, Psychosen.

Selten (0.01-0.1%): keine

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen/Einzelfälle/Häufigkeit unbekannt): Veränderung von Blutwerten (Leukopenie, Agranulozytose, Thrombozytopenie, Eosinophilie, erhöhter Prolaktinspiegel), Hautblutungen, allergische Reaktionen (inkl. Lungenentzündung, anaphylaktischer Schock), SIADH, EEG-Veränderungen, Fieber, Bewegungsstörungen, malignes neuroleptisches Syndrom (MNS), grüner Star, Reizleitungsstörungen (Herz), Hepatitis, Ödeme, Haarausfall, Harnverhalt, Serotonin-Syndrom, Suizidgedanken, erhöhtes Risiko für Knochenbrüche.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Üblicherweise lassen die meisten (nicht alle) unerwünschten Wirkungen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz. Bei schwerwiegenden Komplikationen muss jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Clomipramin:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Clomipramin-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen), Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen).
  • Wenn Sie kürzlich einen Herzinfarkt hatten oder an einer schweren Herzkrankheit leiden.

 

Bei der Einnahme von Clomipramin ist Vorsicht geboten…

  • Wenn Sie an einer Leber- oder Nierenfunktionsstörung leiden.
  • Wenn Sie an Epilepsie (Anfallserkrankungen) leiden oder früher Krampfanfälle hatten.
  • Wenn Sie unter Herzbeschwerden leiden.
  • Wenn bei Ihnen ein erhöhter Augeninnendruck festgestellt wurde.
  • Wenn Sie in ihrer Vorgeschichte eine Manie/Hypomanie hatten.
  • Wenn Sie unter psychischen Erkrankungen leiden, für die Clomipramin keine Behandlungszulassung besitzt.
  • Wenn Sie ein verändertes Blutbild aufweisen.
  • Wenn Sie zum Missbauch von Betäubungsmitteln (inkl. Alkohol) neigen.
  • Wenn Sie unter einer Magenentleerungsstörung leiden.
  • Wenn Sie unter Verstopfungen und Darmverschluss leiden.
  • Wenn Sie Schwierigkeiten beim Wasserlassen haben.
  • Wenn bei Ihnen eine vergrösserte Prostata festgestellt wurde.
  • Wenn Sie unter einer Überfunktion der Schilddrüse leiden.
  • Wenn Sie bereits von Ohnmachtsanfällen betroffen waren.

 

Clomipramin soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Andere Antidepressiva (inkl. Johannniskraut)
  • Blutdruck- oder Herzmittel
  • Benzodiazepine und Z-Drugs
  • Mittel gegen Epilepsie
  • Babituriate
  • Starke Schmerzmittel
  • Arzneimittel zur Verhinderung der Blutgerinnung (Antikoagulantien)
  • Arzneimittel gegen Asthma oder Allergien
  • Arzneimittel gegen Parkinson-Krankheit
  • Schild­drüsen­präparate
  • Arzneimittel gegen überschüssige Magensäure-Sekretion oder Magengeschwüre mit dem Wirkstoff Cimetidin
  • Hormonale Empfängnisverhütungsmittel (orale Kontrazeptiva)
  • Estrogene
  • Methylphenidat (z.B. Ritalin)
  • Bestimmte Arzneimittel zur Fettbeseitigung im Blut (sogenannte Ionenaustauschharze)
  • Grapefruit/Grapefruitsaft
  • Preiselbeersaft

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

Es gibt klare Hinweise für Risiken des menschlichen Fötus. Da in Einzelfällen über einen möglichen Zusammenhang zwischen trizyklischen Antidepressiva und nachteiligen Effekten (Entwicklungsstörungen) auf den Fötus berichtet wurde, ist die Anwendung von Clomipramin während der Schwangerschaft zu vermeiden und nur bei zwingender Indikation in Betracht zu ziehen, wenn keine Alternative mit geringem Risiko existiert.

Neugeborene, deren Mütter bis zur Geburt trizyklische Antidepressiva eingenommen hatten, zeigten in den ersten Stunden oder Tagen Symptome wie Atemstörungen, Lethargie, Koliken, erhöhte Reizbarkeit, Bluthoch- oder Tiefdruck, Zittern, Krämpfe und epileptische Anfälle.

Da der Wirkstoff in die Muttermilch übertritt, sollte entweder abgestillt oder das Medikament schrittweise abgesetzt werden.

Studien

Vergleich mit Citalopram: In einer doppelblinden Multizenterstudie verglich man bei 102 Patienten, von denen die Mehrzahl an einer endogenen Depression litt, während 5 Wochen die Wirkung von Citalopram (40 mg/Tag) mit Clomipramin (150 mg/Tag). Clomipramin ergab allgemein und besonders bei endogener Depression eine deutlich bessere Wirkung als Citalopram. Im gesamten wurde die Wirkung von Clomipramin bei 60% der Patienten als sehr gut beurteilt, währenddem dies mit Citalopram nur bei 30% der Behandelten der Fall war. Auffällig war die signifikant bessere Beeinflussung von Schlafstörungen bei endogen Depressiven durch Clomipramin.

Vergleich mit Paroxetin: In einem anderen Vergleich mit Paroxetin erhielten nach einer kurzen Placeboperiode 120 hospitalisierte Patienten fixe Dosen Paroxetin (30 mg pro Tag) oder Clomipramin (150 mg pro Tag). Schon nach zwei Wochen aktiver Behandlung war Clomipramin Paroxetin in seiner antidepressiven Wirksamkeit signifikant überlegen. Dieser Unterschied blieb während des weiteren Studienverlaufs bestehen. Nach vier Wochen wurde die Paroxetin-Behandlung bei 45% dieser Gruppe wegen ungenügender Wirkung abgebrochen; die Clomipramin-Behandlung war dagegen nur bei 13% erfolglos. Gesamthaft ergab sich ein hochsignifikanter Unterschied im Sinne einer höheren antidepressiven Wirksamkeit von Clomipramin.

Vergleich mit Mirtazapin und Doxepin: Clomipramin wurde in einer weiteren Studien über 6 Wochen lang mit Mirtazapin und Doxepin verglichen. Die Medikamente waren bezüglich ihrer Wirksamkeit ebenbürdig.

Vergleich mit Moclobemid: In drei Doppelblindstudien — alle stützten sich auf dasselbe Protokoll — erhielten insgesamt 103 Patienten 6 Wochen lang Moclobemid (3mal 100 mg/Tag) oder Clomipramin (3mal 50 mg/Tag). Eine Untersuchung umfasste Patienten mit verschiedenen Depressionsformen; bei den beiden anderen hatte man sich im einen Fall auf Patienten mit endogener, im anderen auf solche mit reaktiver Depression beschränkt. Mit beiden Substanzen war der antidepressive Effekt etwa gleich gut. Je nach Studie trat die Wirkung im Verlauf von 2-4 Wochen ein; Moclobemid und Clomipramin unterschieden sich in den einzelnen Untersuchungen auch in dieser Hinsicht nicht. Bei reaktiver Depression wirkten die beiden Mittel nicht signifikant besser als Placebo (das in jener Studie bei einer Kontrollgruppe von 13 zusätzlichen Patienten eingesetzt worden war).

Vergleich mit Milnacipran: In einer weiteren Studie über 4-12 Wochen fand sich unter Milnacipran (100mg/Tag) eine vergleichbare Wirkung wie unter Clomipramin (150mg/Tag).

Vergleich mit Tianeptin: In zwei Studien zeigte sich eine vergleichbare Wirksamkeit zwischen Clomipramin und Tianeptin

Vergleich mit Fluvoxamin: Gemäss einer 10 Wöchengen Studie von 1996 wirkt Fluvoxamin (255mg/Tag) bei Zwangsstörungen gleich gut wie Clomipramin (201mg/Tag).

Studie des Nordic Cochrane Centre: Das Nordic Cochrane Centre wird vom dänischen Staat finanziert und darf per Gesetz keine Gelder der Pharmaindustrie annehmen. So soll die grösstmögliche Unabhängigkeit garantiert werden. Das Zentrum hat bis im Juni 2019 522 bereits publizierte placebokontrollierte Studien zu Antidepressiva im Allgemeinen ausgewertet. Es handelt sich dabei um klinische Studien, an denen insgesamt 116’477 depressive Probandinnen und Probanden teilgenommen haben. Zusätzlich hat das Zentrum auch 19 unveröffentlichte klinische Studien der Pharmaindustrie beigezogen. Also Studien, welche die Pharmakonzerne nicht veröffentlicht haben wollten, aber beim Zulassungsgesuch des Medikaments den Behörden vorlegen mussten. Die Forscher konnten nur eine leichte Überlegenheit von Antidepressiva gegenüber Placebo feststellten. Es handelt sich dabei um einen Unterschied von lediglich 1,97 Punkten auf einer Skala von 52 Punkten.

Bedenken Sie, dass diese Studien keinen Aufschluss über die Wirksamkeit im Einzelfall ergeben.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.

Stand der Information: September 2015

Clomipramin

trizyklisches Antidepressivum | Handelsnamen: Anafranil sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Clomipramin wurde in den 1960er-Jahren vom Schweizer Pharmaunternehmen Geigy (heute Novartis) entwickelt. Es war längere Zeit das einzige Medikament, welches gegen Zwangsstörungen zugelassen war. Deshalb wurde es in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsbehörde (WHO) aufgenommen.

Clomipramin ist ein trizyklisches Antidepressium (Trizyklika) bzw. ein nicht-selektiver Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahmehemmer. Es wird unter dem Handelsnamen Anafranil vertrieben, zusätzlich ist es auch als Generikum erhältlich. Clomipramin besitzt ein enorm breites Wirkspektrum und ist zur Behandlung von Depressionen, Panikstörungen, Phobien, Zwangsstörungen, Narkolepsie, Enuresis nocturna (Bettnässen) und chronischen Schmerzen zugelassen. Obwohl es nicht schlaffördernd wirkt, kann die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen verunmöglicht werden. Die Wirkung von Alkohol kann durch Clomipramin verstärkt werden, weshalb die Einnahme von Alkohol während der Behandlung zu vermeiden ist. ​

Clompiramin ist ab dem 18. Altersjahr zugelassen. Eine Ausnahme bilden die Zwangsstörungen. Diesbezüglich ist das Medikament bereits ab dem 10. Altersjahr verfügbar. Clomipramin wird auch als Präparat mit kontrollierter Wirkstofffreisetzung angeboten (Clomipramin ER/XR/retard/prolong etc.).

Indikationen
  • Depression
  • Panikstörung
  • Zwangsstörungen
  • Phobien
  • Chronische Schmerzen
  • Narkolepsie mit Kataplexie (Muskelerschlaffung), Schlaflähmung (Bewegungsunfähigkeit nach dem Erwachen) und/oder hypnagogen Halluzinationen (albtraumartige Sinneswahrnehmungen während dem Einschlafen)
  • Bettnässen (keine Zulassung in DE)
Dosierung & Anwendung

Einnahme von Tabletten mit sofortiger Wirkstofffreigabe: 2-6x täglich 25mg.

Einnahme von Tabletten mit verzögerter Wirkstofffreigabe: 1-2x täglich 75mg.

Falls erforderlich kann die Dosis bis auf max. 250mg gesteigert werden (verteilt auf mehrere Gaben).

Die Einnahme muss täglich erfolgen.

Zieldosis: 50-250mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: 2-6 Stunden

Halbwertszeit: 12-36 Stunden

Bioverfügbarkeit: 50%

Wirkungseintritt: 2-5 Wochen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%):

  • Verstopfungen
  • Verringertes Scharfsehen
  • Verschwommenes Sehen
  • Schwindel
  • Zittern (Tremor)
  • Kopfschmerzen
  • Muskelzuckungen
  • Bewusstseinsstörungen
  • Müdigkeit
  • Innere Unruhe
  • Gesteigerter Appetit
  • Gewichtszunahme
  • Mundtrockenheit
  • Schwitzen
  • Probleme beim Wasserlassen

Häufig (1-10%):

  • Sexuelle Funktionsstörungen (inkl. Libidoverlust)
  • Allergische Hautreaktionen (inkl. Ausschläge, Nesselsucht)
  • Lichtempfindlichkeit der Haut
  • Juckreiz
  • Übelkeit
  • Niedriger Blutdruck
  • Beschleunigte Herzfrequenz
  • Herzklopfen
  • EKG-Veränderungen
  • Tinnitus
  • Delirium
  • Sprachstörungen
  • Missempfindungen der Haut (Kribbeln, Taubheitsgefühl etc.)
  • Muskelschwäche
  • Muskelverspannungen
  • Verwirrtheit
  • Desorientiertheit
  • Halluzinationen
  • Angstzustände
  • Erregung
  • Schlafstörungen
  • Manie/Hypomanie
  • Aggressivität
  • Gedächtnisstörungen
  • Gähnen
  • Verhaltensveränderungen
  • Schlaflosigkeit
  • Albträume
  • Depressionen bzw. deren Verschlechterung
  • Konzentrationsstörungen
  • Hitzewallungen
  • Grosse Pupillen
  • Erhöhte Leberwerte

Gelegentlich (0.1-1%):

  • Milchfluss ohne Schwangerschaft/Stillzeit
  • Vergrösserung der Brustdrüsen beim Mann
  • Erbrechen
  • Verdauungsbeschwerden
  • Durchfall
  • Appetitlosigkeit
  • Verändertes Geschmacksempfinden
  • Herzrhythmusstörungen
  • Bluthochdruck
  • Epileptische Anfälle
  • Störung der Bewegungskoordination
  • Psychosen

Selten (0.01-0.1%): keine

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen / Einzelfälle / Häufigkeit unbekannt):

  • Veränderung von Blutwerten (Leukopenie, Agranulozytose, Thrombozytopenie, Eosinophilie, erhöhter Prolaktinspiegel)
  • Hautblutungen
  • Allergische Reaktionen (inkl. Lungenentzündung, anaphylaktischer Schock)
  • SIADH
  • EEG-Veränderungen
  • Fieber
  • Bewegungsstörungen
  • Malignes Neuroleptisches Syndrom (MNS)
  • Grüner Star
  • Reizleitungsstörungen (Herz)
  • Hepatitis
  • Ödeme
  • Haarausfall
  • Harnverhalt
  • Serotonin-Syndrom
  • Suizidgedanken
  • Erhöhtes Risiko für Knochenbrüche

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Üblicherweise lassen die meisten (nicht alle) unerwünschten Wirkungen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz. Bei schwerwiegenden Komplikationen muss jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Clomipramin:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Clomipramin-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen), Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen).
  • Wenn Sie kürzlich einen Herzinfarkt hatten oder an einer schweren Herzkrankheit leiden.

 

Bei der Einnahme von Clomipramin ist Vorsicht geboten…

  • Wenn Sie an einer Leber- oder Nierenfunktionsstörung leiden.
  • Wenn Sie an Epilepsie (Anfallserkrankungen) leiden oder früher Krampfanfälle hatten.
  • Wenn Sie unter Herzbeschwerden leiden.
  • Wenn bei Ihnen ein erhöhter Augeninnendruck festgestellt wurde.
  • Wenn Sie in ihrer Vorgeschichte eine Manie/Hypomanie hatten.
  • Wenn Sie unter psychischen Erkrankungen leiden, für die Clomipramin keine Behandlungszulassung besitzt.
  • Wenn Sie ein verändertes Blutbild aufweisen.
  • Wenn Sie zum Missbauch von Betäubungsmitteln (inkl. Alkohol) neigen.
  • Wenn Sie unter einer Magenentleerungsstörung leiden.
  • Wenn Sie unter Verstopfungen und Darmverschluss leiden.
  • Wenn Sie Schwierigkeiten beim Wasserlassen haben.
  • Wenn bei Ihnen eine vergrösserte Prostata festgestellt wurde.
  • Wenn Sie unter einer Überfunktion der Schilddrüse leiden.
  • Wenn Sie bereits von Ohnmachtsanfällen betroffen waren.

 

Clomipramin soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Andere Antidepressiva (inkl. Johannniskraut)
  • Blutdruck- oder Herzmittel
  • Benzodiazepine und Z-Drugs
  • Mittel gegen Epilepsie
  • Babituriate
  • Starke Schmerzmittel
  • Arzneimittel zur Verhinderung der Blutgerinnung (Antikoagulantien)
  • Arzneimittel gegen Asthma oder Allergien
  • Arzneimittel gegen Parkinson-Krankheit
  • Schild­drüsen­präparate
  • Arzneimittel gegen überschüssige Magensäure-Sekretion oder Magengeschwüre mit dem Wirkstoff Cimetidin
  • Hormonale Empfängnisverhütungsmittel (orale Kontrazeptiva)
  • Estrogene
  • Methylphenidat (z.B. Ritalin)
  • Bestimmte Arzneimittel zur Fettbeseitigung im Blut (sogenannte Ionenaustauschharze)
  • Grapefruit/Grapefruitsaft
  • Preiselbeersaft

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

Es gibt klare Hinweise für Risiken des menschlichen Fötus. Da in Einzelfällen über einen möglichen Zusammenhang zwischen trizyklischen Antidepressiva und nachteiligen Effekten (Entwicklungsstörungen) auf den Fötus berichtet wurde, ist die Anwendung von Clomipramin während der Schwangerschaft zu vermeiden und nur bei zwingender Indikation in Betracht zu ziehen, wenn keine Alternative mit geringem Risiko existiert.

Neugeborene, deren Mütter bis zur Geburt trizyklische Antidepressiva eingenommen hatten, zeigten in den ersten Stunden oder Tagen Symptome wie Atemstörungen, Lethargie, Koliken, erhöhte Reizbarkeit, Bluthoch- oder Tiefdruck, Zittern, Krämpfe und epileptische Anfälle.

Da der Wirkstoff in die Muttermilch übertritt, sollte entweder abgestillt oder das Medikament schrittweise abgesetzt werden.

Studien

Vergleich mit Citalopram: In einer doppelblinden Multizenterstudie verglich man bei 102 Patienten, von denen die Mehrzahl an einer endogenen Depression litt, während 5 Wochen die Wirkung von Citalopram (40 mg/Tag) mit Clomipramin (150 mg/Tag). Clomipramin ergab allgemein und besonders bei endogener Depression eine deutlich bessere Wirkung als Citalopram. Im gesamten wurde die Wirkung von Clomipramin bei 60% der Patienten als sehr gut beurteilt, währenddem dies mit Citalopram nur bei 30% der Behandelten der Fall war. Auffällig war die signifikant bessere Beeinflussung von Schlafstörungen bei endogen Depressiven durch Clomipramin.

Vergleich mit Paroxetin: In einem anderen Vergleich mit Paroxetin erhielten nach einer kurzen Placeboperiode 120 hospitalisierte Patienten fixe Dosen Paroxetin (30 mg pro Tag) oder Clomipramin (150 mg pro Tag). Schon nach zwei Wochen aktiver Behandlung war Clomipramin Paroxetin in seiner antidepressiven Wirksamkeit signifikant überlegen. Dieser Unterschied blieb während des weiteren Studienverlaufs bestehen. Nach vier Wochen wurde die Paroxetin-Behandlung bei 45% dieser Gruppe wegen ungenügender Wirkung abgebrochen; die Clomipramin-Behandlung war dagegen nur bei 13% erfolglos. Gesamthaft ergab sich ein hochsignifikanter Unterschied im Sinne einer höheren antidepressiven Wirksamkeit von Clomipramin.

Vergleich mit Mirtazapin und Doxepin: Clomipramin wurde in einer weiteren Studien über 6 Wochen lang mit Mirtazapin und Doxepin verglichen. Die Medikamente waren bezüglich ihrer Wirksamkeit ebenbürdig.

Vergleich mit Moclobemid: In drei Doppelblindstudien — alle stützten sich auf dasselbe Protokoll — erhielten insgesamt 103 Patienten 6 Wochen lang Moclobemid (3mal 100 mg/Tag) oder Clomipramin (3mal 50 mg/Tag). Eine Untersuchung umfasste Patienten mit verschiedenen Depressionsformen; bei den beiden anderen hatte man sich im einen Fall auf Patienten mit endogener, im anderen auf solche mit reaktiver Depression beschränkt. Mit beiden Substanzen war der antidepressive Effekt etwa gleich gut. Je nach Studie trat die Wirkung im Verlauf von 2-4 Wochen ein; Moclobemid und Clomipramin unterschieden sich in den einzelnen Untersuchungen auch in dieser Hinsicht nicht. Bei reaktiver Depression wirkten die beiden Mittel nicht signifikant besser als Placebo (das in jener Studie bei einer Kontrollgruppe von 13 zusätzlichen Patienten eingesetzt worden war).

Vergleich mit Milnacipran: In einer weiteren Studie über 4-12 Wochen fand sich unter Milnacipran (100mg/Tag) eine vergleichbare Wirkung wie unter Clomipramin (150mg/Tag).

Vergleich mit Tianeptin: In zwei Studien zeigte sich eine vergleichbare Wirksamkeit zwischen Clomipramin und Tianeptin

Vergleich mit Fluvoxamin: Gemäss einer 10 Wöchengen Studie von 1996 wirkt Fluvoxamin (255mg/Tag) bei Zwangsstörungen gleich gut wie Clomipramin (201mg/Tag).

Studie des Nordic Cochrane Centre: Das Nordic Cochrane Centre wird vom dänischen Staat finanziert und darf per Gesetz keine Gelder der Pharmaindustrie annehmen. So soll die grösstmögliche Unabhängigkeit garantiert werden. Das Zentrum hat bis im Juni 2019 522 bereits publizierte placebokontrollierte Studien zu Antidepressiva im Allgemeinen ausgewertet. Es handelt sich dabei um klinische Studien, an denen insgesamt 116’477 depressive Probandinnen und Probanden teilgenommen haben. Zusätzlich hat das Zentrum auch 19 unveröffentlichte klinische Studien der Pharmaindustrie beigezogen. Also Studien, welche die Pharmakonzerne nicht veröffentlicht haben wollten, aber beim Zulassungsgesuch des Medikaments den Behörden vorlegen mussten. Die Forscher konnten nur eine leichte Überlegenheit von Antidepressiva gegenüber Placebo feststellten. Es handelt sich dabei um einen Unterschied von lediglich 1,97 Punkten auf einer Skala von 52 Punkten.

Bedenken Sie, dass diese Studien keinen Aufschluss über die Wirksamkeit im Einzelfall ergeben.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.

Stand der Information: September 2015