Depressionen

Allgemeine Informationen

Als Depression bezeichnet man eine affektive Störung, welche durch eine krankhafte Stimmungs- und Antriebsschwäche gekennzeichnet ist. Die Betroffenen klagen über extreme Zustände der Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und die Unfähigkeit Freude zu empfinden.

Je nach Schweregrad der Erkrankung ist eine Teilnahme am alltäglichen Leben unmöglich bzw. können auch einfachste Aufgaben (z.B. Einkaufen, Kochen, Duschen etc.) nicht mehr bewältigt werden.

Neben diesen Hauptsymptomen kommen mehrere Begleitbeschwerden (Nebensymptome) hinzu, die sich beispielsweise durch Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Hoffnungslosigkeit usw. äussern (siehe Diagnosekriterien).

Eine klinisch (medizinisch) relevante Depression hat folglich mit dem, was man im Alltag unter „depri sein“ versteht nicht viel gemein. Sie ist eine absolut ernstzunehmende psychische Erkrankung, die mit enormen Qualen verbunden ist und im Extremfall sogar tödlich verlaufen kann (Suizid). Professionelle Hilfe ist bei einer Depression unabdingbar.

Es gibt zwei Erklärungsansätze wie Depressionen entstehen, welche sich jedoch nicht widersprechen.

Das neurobiologische Erklärungsmodell geht davon aus, dass Depressionen auf ein Ungleichgewicht der Botenstoffe (Neurotransmitter) im Gehirn zurückgehen. Allen voran soll ein Mangel des Botenstoffs Serotonin im synaptischen Spalt die Ursache sein. Ebenfalls häufig betroffen sei der Neurotransmitter Noradrenalin. Ferner gibt es Hinweise, dass auch die Botenstoffe Dopamin, Glutamat und Melatonin einen Einfluss haben.

Die sogenannte „Serotonin-Hypothese“ wurde in Tierversuchen und in-vitro-Studien belegt, ist jedoch nach wie vor umstritten. Wäre es nur das Serotonin (so die Aussage der Kritiker), so müssten Antidepressiva allen Menschen helfen, was nachweislich nicht der Fall ist. Nur rund 30% der Betroffenen sprechen ausreichend auf ihre Erstmedikation an. Weitere 40% erst nach mehreren Medikamentenumstellungen und teilweise der Einnahme ganzer Kombinationen. Die restlichen 30% sprechen gar nicht oder nur stark unzureichend auf Antidepressiva an.

Sicher ist jedoch, dass bei Depressionen die Chemie im Gehirn der Betroffenen nicht mehr richtig funktioniert. Ob dabei auch Botenstoffe betroffen sind, welche dem Menschen noch unbekannt sind, ist wahrscheinlich.

Wie es zu diesem Ungleichgewicht kommt, versucht das psychologische Erklärungsmodell zu ergründen. Es wurden diverse Studien mit dem Ziel die auslösenden Faktoren für eine Depression zu finden durchgeführt. Die Forscher haben festgestellt, dass Menschen mit familiären Vorbelastungen häufiger von Depressionen betroffen sind als jene, welche keine Verwandten mit Depressionen haben (Stichwort: genetische Veranlagung).

Des Weitern ist Stress ein stark depressionsfördender Faktor. Heute nennt man eine Erschöpfungsdepression „burn-out“. Insbesondere Menschen die längere Zeit über ihrer Belastungsgrenze Tätigkeiten ausüben, sind vermehrt von Depressionen betroffen. Auch Traumata (inkl. Mobbing und Schicksalsschläge) sind nicht von unerheblicher Bedeutung. Diese Traumata können bis in die frühe Kindheit zurückreichen oder aktuell auftreten. Es wird vermutet, dass ein Trauma hirnorganische Veränderungen auslöst, welche das Risiko von Depressionen betroffen zu sein steigert. Nicht zuletzt kann auch der Missbrauch von Betäubungsmitteln ausschlaggebend sein. Gemeint sind dabei nicht nur serotonerg wirkende Substanzen (wie z.B. MDMA), sondern auch sogenannt „leichte“ Drogen wie übermassigen Alkohol-Konsum und/oder Cannabis-Konsum im Allgemeinen.

Depressionen treten sehr häufig gemeinsam mit Angststörungen auf (Komorbidität).

Offizielle Diagnosekriterien (ICD-10)

Die offiziellen Diagnosekriterien einer Depression sind im internationalen Diagnoseverzeichnis ICD-10 festgehalten, welches in allen deutschsprachigen Ländern Gültigkeit besitzt.

Bei Depressionen wird gemäss ICD-10 zwischen 3 Haupt- und 7 Nebensymptomen unterschieden. Diese Symptome müssen in klinischer Relevanz (ausreichender Stärke) für mindestens 2 Wochen dauerhaft vorhanden sein, bevor man von einer Depression spricht. Je nach Anzahl und Ausgeprägtheit werden Depressionen in „leicht“, „mittelschwer“ oder „schwer“ eingeteilt.

  • Leichte Depression: mind. 2 Haupt- und 2 Nebensymptome. Der betroffene Patient ist im Allgemeinen davon beeinträchtigt, aber oft in der Lage, die meisten Aktivitäten fortzusetzen.
  • Mittelschwere Depression: mind. 2 Haupt- und 3-4 Nebensymptome. Der betroffene Patient hat meist grosse Schwierigkeiten, alltägliche Aktivitäten fortzusetzen.
  • Schwere Depression: 3 Haupt- und 5 oder mehr Nebensymptome. Der betroffene Patient ist nicht im Stande, alltäglichen Aktivitäten nachzugehen.

Hauptsymptome gemäss ICD-10 sind:

  • Depressive Stimmung, in einem für die Betroffenen deutlich ungewöhnlichen Ausmass, die meiste Zeit des Tages, fast jeden Tag, im Wesentlichen unbeeinflusst von den Umständen
  • Interessens- und Freudeverlust an Aktivitäten, die normalerweise angenehm waren
  • Verminderter Antrieb und/oder erhöhte Ermüdbarkeit

Nebensymptome gemäss ICD-10:

  • Verlust des Selbstvertrauens oder Selbstwertgefühls
  • Unbegründete Selbstvorwürfe oder ausgeprägte, unangemessene Schuldgefühle
  • Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Suizid sowie suizidales Verhalten
  • Klagen über oder Nachweis eines verminderten Denk- oder Konzentrationsvermögens, Unschlüssigkeit oder Unentschlossenheit
  • Psychomotorische Agitiertheit oder Hemmung (subjektiv oder objektiv)
  • Schlafstörungen jeder Art
  • Appetitverlust oder gesteigerter Appetit mit entsprechender Gewichtsveränderung

Patienten erwähnen ebenfalls eine Vielzahl anderer Symptome, welche hier nicht aufgeführt sind. Dazu gehören vor allem Hoffnungslosigkeit, negatives Denken/Gedankenkreisen, Depersonalisation/Derealisation, sexuelles Desinteresse, selbstverletzendes Verhalten (SVV) und körperliche Beschwerden (z.B. Schmerzen).

Des Weitern beschreibt das ICD-10 eine Depression wie folgt, Zitat: „Bei den typischen leichten, mittelgradigen oder schweren Episoden leidet der betroffene Patient unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Die Fähigkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert. Ausgeprägte Müdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gestört, der Appetit vermindert. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind fast immer beeinträchtigt. Sogar bei der leichten Form kommen Schuldgefühle oder Gedanken über eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stimmung verändert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumstände und kann von so genannten „somatischen“ Symptomen begleitet werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, Früherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust. Abhängig von Anzahl und Schwere der Symptome ist eine depressive Episode als leicht, mittelgradig oder schwer zu bezeichnen.“

Eine Selbstdiagnose zu erstellen ist jedoch nicht möglich. Dazu bedarf es der Begutachtung einer Fachperson (Psychiater oder Psychologe). Bei Verdacht auf eine Depression sollte eine solche aufgesucht werden. Erkrankungen, welche behandelt werden, verlaufen in der Regel weniger stark und in kürzerer Zeitdauer.

Formen

Depressive Episode

Als eine depressive Episode bezeichnet man auch die „klassische“ Depression. Meistens haben die Betroffenen selbst bis zu diesem Zeitpunkt keine Erfahrungen mit Depressionen oder diese liegen bereits länger zurück. Die Dauer einer depressiven Episode beträgt im Durchschnitt 6 Monate ohne Behandlung. Mit einer Behandlung ev. kürzer (z.B. bei Ansprechen auf ein Medikament). Dies sagt jedoch nichts über den Einzelfall aus. Es gibt Menschen, die leiden markant länger oder kürzer an dieser Form der Depression.

Nach erfolgreicher Therapie verschwinden die Symptome meist gänzlich und der Patient kann sein Leben ohne grössere Einschränkungen weiterführen. Zu einem Rückfall kommt es nicht oder nur in sehr grossen Zeitabständen.

 

Rezidivierende Depression

Rezidivierende Depressionen sind zyklisch immer wiederkehrende depressive Episoden. Die symptomfreie Zeit zwischen diesen Schüben ist unterschiedlich lang. Im Durchschnitt beträgt sie 4-6 Jahre. Rezidivierende Depressionen sind die häufigste Form der Erkrankung. Meist wird versucht durch die kontinuierliche Einnahme von Medikamenten (vor allem Antidepressiva und Phasenprophylaktika bzw. Mood-Stabilizer) einen Rückfall zu verhindern. Dies bedeutet folglich, dass viele Menschen mit einer rezidivierenden Depression ihr Leben lang Medikamente einnehmen müssen, also auch dann, wenn sie symptomfrei sind. Zudem soll eine intensive Psychotherapie helfen den Patienten zu stabilisieren.

 

Dysthymie (chronische Depression)

Bei einer Dysthymie ist der Patient nie symptomfrei, anders als z.B. bei der rezidivierenden Depression. Diese Form der Erkrankung verläuft oft auf dem Niveau einer leichten Depression. Sehr selten sind chronische Depressionen, welche über Jahre hinweg als „schwer“ eingestuft werden. Die Behandlung einer Dysthymie bzw. einer chronischen Depression gilt als schwierig (aber nicht unmöglich), nicht zuletzt, da die Patienten meist pharmakotherapierresistent sind (also nicht auf Medikamente ansprechen). Von einer Dysthymie spricht man in der Regel erst, wenn die Depression mindestens zwei Jahre oder länger andauert.

Wenn zusätzlich zur Dysthymie noch Episoden hinzukommen, bei denen der Patient zeitweise schwer depressive Symptome aufweist, spricht man von einer sogenannten „double depression“ (dt. „Doppeldepression“ bzw. einer Dysthymie plus einer rezidivierenden Depression).

 

Psychotische Depression

Von einer psychotischen Depression spricht man, wenn neben der depressiven Episode zusätzlich psychotische Anzeichen wie Wahnideen auftreten. Diese können sich u.a. in einem Verarmungswahn, Verschuldungswahn, Versündigungs- oder Verkleinerungswahn äussern. Beispielsweise kann jemand mit einer psychotischen Depression felsenfest von Dingen überzeugt sein (z.B. das Verschulden der Krankheit AIDS), die er unmöglich begangen haben kann (Verschuldungswahn). Durch realitätsbezogene Gespräche ist der Betroffene nicht von seinen Wahnideen abzubringen.

Die Symptomatik ist oft schwerer und die Dauer der depressiven Episoden länger als bei einer Depression ohne zusätzliche wahnhafte Anzeichen. Diese schwere Form der Depression kommt äusserst selten vor. Eine psychotische Depression kann einmalig auftreten oder rezidivierend verlaufen.

Statistik
  • Die Wahrscheinlichkeit einmal im Leben an einer Depression zu erkranken liegt bei 15-25%
  • Der Geschlechtsunterschied zwischen Frauen und Männern beträgt 2:1 „zugunsten“ der Frauen
  • Das durchschnittliche Erkrankungsalter (Peak) liegt bei 35 Jahren
  • 50% der Betroffenen erkranken vor ihrem 40. Lebensjahr an einer Depression
  • Das durchschnittliche Erkrankungsalter bei jenen über 40 liegt zwischen 50 und 60 Jahren
  • Im Verlaufe der Zeit wurde (und wird immer noch) das Alter der Ersterkrankungen immer tiefer bzw. jünger
  • Mindestens 50% aller Depressionen sind rezidivierend (also wiederkehrend)
  • Eine depressive Episode dauert im Durchschnitt 6 Monate ohne Therapie
  • Die Suizidrate beträgt zwischen 10 und 15 Prozent (1% pro Jahr)
  • Bis zu 81% der depressionsbetroffenen Patienten leiden unter einer weiteren psychischen Erkrankung (z.B. Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen, Suchterkrankungen, ADHS etc.).

Depressionen

Allgemeine Informationen

Als Depression bezeichnet man eine affektive Störung, welche durch krankhafte Stimmungs- und Antriebsschwäche gekennzeichnet ist. Die Betroffenen klagen über extreme Zustände der Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und die Unfähigkeit Freude zu empfinden.

Je nach Schweregrad der Erkrankung ist eine Teilnahme am alltäglichen Leben unmöglich bzw. können auch einfachste Aufgaben (z.B. Einkaufen, Kochen, Duschen etc.) nicht mehr bewältigt werden.

Neben diesen Hauptsymptomen kommen mehrere Begleitbeschwerden (Nebensymptome) hinzu, die sich beispielsweise durch Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Hoffnungslosigkeit usw. äussern (siehe Diagnosekriterien).

Eine klinisch (medizinisch) relevante Depression hat folglich mit dem, was man im Alltag unter „depri sein“ versteht nicht viel gemein. Sie ist eine absolut ernstzunehmende psychische Erkrankung, die mit enormen Qualen verbunden ist und im Extremfall sogar tödlich verlaufen kann (Suizid). Professionelle Hilfe ist bei einer Depression unabdingbar.

Es gibt zwei Erklärungsansätze wie Depressionen entstehen, welche sich jedoch nicht widersprechen.

Das neurobiologische Erklärungsmodell geht davon aus, dass Depressionen auf ein Ungleichgewicht der Botenstoffe (Neurotransmitter) im Gehirn zurückgehen. Allen voran soll ein Mangel des Botenstoffs Serotonin im synaptischen Spalt die Ursache sein. Ebenfalls häufig betroffen sei der Neurotransmitter Noradrenalin. Ferner gibt es Hinweise, dass auch die Botenstoffe Dopamin, Glutamat und Melatonin einen Einfluss haben.

Die sogenannte „Serotonin-Hypothese“ wurde in Tierversuchen und in-vitro-Studien belegt, ist jedoch nach wie vor umstritten. Wäre es nur das Serotonin (so die Aussage der Kritiker), so müssten Antidepressiva allen Menschen helfen, was nachweislich nicht der Fall ist. Nur rund 30% der Betroffenen sprechen ausreichend auf ihre Erstmedikation an. 40 weitere Prozent erst nach mehreren Medikamentenumstellungen und teilweise der Einnahme ganzer Kombinationen. Die restlichen 30% sprechen gar nicht oder nur stark unzureichend auf Antidepressiva an.

Sicher ist jedoch, dass bei Depressionen die Chemie im Gehirn der Betroffenen nicht mehr richtig funktioniert. Ob dabei auch Botenstoffe betroffen sind, welche dem Menschen noch unbekannt sind, ist wahrscheinlich.

Wie es zu diesem Ungleichgewicht kommt, versucht das psychologische Erklärungsmodell zu ergründen. Es wurden diverse Studien mit dem Ziel die auslösenden Faktoren für eine Depression zu finden durchgeführt. Die Forscher haben festgestellt, dass Menschen mit familiären Vorbelastungen häufiger von Depressionen betroffen sind als jene, welche keine Verwandten mit Depressionen haben (Stichwort: genetische Veranlagung).

Des Weitern ist Stress ein stark depressionsfördender Faktor. Heute nennt man eine Erschöpfungsdepression „burn-out“. Insbesondere Menschen die längere Zeit über ihrer Belastungsgrenze Tätigkeiten ausüben, sind vermehrt von Depressionen betroffen. Auch Traumata (inkl. Mobbing und Schicksalsschläge) sind nicht von unerheblicher Bedeutung. Diese Traumata können bis in die frühe Kindheit zurückreichen oder aktuell auftreten. Es wird vermutet, dass ein Trauma hirnorganische Veränderungen auslöst, welche das Risiko von Depressionen betroffen zu sein steigert. Nicht zuletzt kann auch der Missbrauch von Betäubungsmitteln ausschlaggebend sein. Gemeint sind dabei nicht nur serotonerge Substanzen (wie z.B. MDMA), sondern auch sogenannt „leichte“ Drogen wie übermassigen Alkohol-Konsum und Cannabis-Konsum im generellen.

Depressionen treten sehr häufig gemeinsam mit Angststörungen auf (Komorbidität).

Offizielle Diagnosekriterien (ICD-10)

Die offiziellen Diagnosekriterien einer Depression sind im internationalen Diagnoseverzeichnis ICD-10 festgehalten, welches in allen deutschsprachigen Ländern Gültigkeit besitzt.

Bei Depressionen wird gemäss ICD-10 zwischen 3 Haupt- und 7 Nebensymptomen unterschieden. Diese Symptome müssen in klinischer Relevanz (ausreichender Stärke) für mindestens 2 Wochen dauerhaft vorhanden sein, bevor man von einer Depression spricht. Je nach Anzahl und Ausgeprägtheit werden Depressionen in „leicht“, „mittelschwer“ oder „schwer“ eingeteilt.

  • Leichte Depression: mind. 2 Haupt- und 2 Nebensymptome. Der betroffene Patient ist im Allgemeinen davon beeinträchtigt, aber oft in der Lage, die meisten Aktivitäten fortzusetzen.
  • Mittelschwere Depression: mind. 2 Haupt- und 3-4 Nebensymptome. Der betroffene Patient hat meist grosse Schwierigkeiten, alltägliche Aktivitäten fortzusetzen.
  • Schwere Depression: 3 Haupt- und 5 oder mehr Nebensymptome. Der betroffene Patient ist nicht im Stande, alltäglichen Aktivitäten nachzugehen.

Hauptsymptome gemäss ICD-10 sind:

  • Depressive Stimmung, in einem für die Betroffenen deutlich ungewöhnlichen Ausmass, die meiste Zeit des Tages, fast jeden Tag, im Wesentlichen unbeeinflusst von den Umständen
  • Interessens- und Freudeverlust an Aktivitäten, die normalerweise angenehm waren
  • Verminderter Antrieb und/oder erhöhte Ermüdbarkeit

Nebensymptome gemäss ICD-10:

  • Verlust des Selbstvertrauens oder Selbstwertgefühls
  • Unbegründete Selbstvorwürfe oder ausgeprägte, unangemessene Schuldgefühle
  • Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Suizid sowie suizidales Verhalten
  • Klagen über oder Nachweis eines verminderten Denk- oder Konzentrationsvermögens, Unschlüssigkeit oder Unentschlossenheit
  • Psychomotorische Agitiertheit oder Hemmung (subjektiv oder objektiv)
  • Schlafstörungen jeder Art
  • Appetitverlust oder gesteigerter Appetit mit entsprechender Gewichtsveränderung

Patienten erwähnen ebenfalls eine Vielzahl anderer Symptome, welche hier nicht aufgeführt sind. Dazu gehören vor allem Hoffnungslosigkeit, negatives Denken/Gedankenkreisen, Depersonalisation/Derealisation, sexuelles Desinteresse, selbstverletzendes Verhalten (SVV) und körperliche Beschwerden (z.B. Schmerzen).

Des Weitern beschreibt das ICD-10 eine Depression wie folgt, Zitat: „Bei den typischen leichten, mittelgradigen oder schweren Episoden leidet der betroffene Patient unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Die Fähigkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert. Ausgeprägte Müdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gestört, der Appetit vermindert. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind fast immer beeinträchtigt. Sogar bei der leichten Form kommen Schuldgefühle oder Gedanken über eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stimmung verändert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumstände und kann von so genannten „somatischen“ Symptomen begleitet werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, Früherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust. Abhängig von Anzahl und Schwere der Symptome ist eine depressive Episode als leicht, mittelgradig oder schwer zu bezeichnen.“

Eine Selbstdiagnose zu erstellen ist jedoch nicht möglich. Dazu bedarf es der Begutachtung einer Fachperson (Psychiater oder Psychologe). Bei Verdacht auf eine Depression sollte eine solche aufgesucht werden. Erkrankungen, welche behandelt werden, verlaufen in der Regel weniger stark und in kürzerer Zeitdauer.

Formen

Depressive Episode

Als eine depressive Episode bezeichnet man auch die „klassische“ Depression. Meistens haben die Betroffenen selbst bis zu diesem Zeitpunkt keine Erfahrungen mit Depressionen oder diese liegen bereits länger zurück. Die Dauer einer depressiven Episode beträgt im Durchschnitt 6 Monate ohne Behandlung. Mit einer Behandlung ev. kürzer (z.B. bei Ansprechen auf ein Medikament). Dies sagt jedoch nichts über den Einzelfall aus. Es gibt Menschen, die leiden markant länger oder kürzer an dieser Form der Depression.

Nach erfolgreicher Therapie verschwinden die Symptome meist gänzlich und der Patient kann sein Leben ohne grössere Einschränkungen weiterführen. Zu einem Rückfall kommt es nicht oder nur in sehr grossen Zeitabständen.

 

Rezidivierende Depression

Rezidivierende Depressionen sind zyklisch immer wiederkehrende depressive Episoden. Die symptomfreie Zeit zwischen diesen Schüben ist unterschiedlich lang. Im Durchschnitt beträgt sie 4-6 Jahre. Rezidivierende Depressionen sind die häufigste Form der Erkrankung. Meist wird versucht durch die kontinuierliche Einnahme von Medikamenten (vor allem Antidepressiva und Phasenprophylaktika bzw. mood-stabilizers) einen Rückfall zu verhindern. Dies bedeutet folglich, dass viele Menschen mit einer rezidivierenden Depression ihr Leben lang Medikamente einnehmen müssen, also auch dann, wenn sie symptomfrei sind. Zudem soll eine intensive Psychotherapie helfen den Patienten zu stabilisieren.

 

Dysthymie (chronische Depression)

Bei einer Dysthymie ist der Patient nie symptomfrei, anders als z.B. bei der rezidivierenden Depression. Diese Form der Erkrankung verläuft oft auf dem Niveau einer leichten Depression. Sehr selten sind chronische Depressionen, welche über Jahre hinweg als „schwer“ eingestuft werden. Die Behandlung einer Dysthymie bzw. einer chronischen Depression gilt als schwierig (aber nicht unmöglich), nicht zuletzt, da die Patienten meist pharmakotherapie-resistent sind (also nicht auf Medikamente ansprechen). Von einer Dysthymie spricht man in der Regel erst, wenn die Depression mindestens zwei Jahre oder länger andauert.

Wenn zusätzlich zur Dysthymie noch Episoden hinzukommen, bei denen der Patient zeitweise schwer depressive Symptome aufweist, spricht man von einer sogenannten „double depression“ (dt. „Doppeldepression“ bzw. einer Dysthymie plus einer rezidivierenden Depression).

 

Psychotische Depression

Von einer psychotischen Depression spricht man, wenn neben der depressiven Episode zusätzlich psychotische Anzeichen wie Wahnideen auftreten. Diese können sich u.a. in einem Verarmungswahn, Verschuldungswahn, Versündigungs- oder Verkleinerungswahn äussern. Beispielsweise kann jemand mit einer psychotischen Depression felsenfest von Dingen überzeugt sein (z.B. das Verschulden der Krankheit AIDS), die er unmöglich begangen haben kann (Verschuldungswahn). Durch realitätsbezogene Gespräche ist der Betroffene nicht von seinen Wahnideen abzubringen.

Die Symptomatik ist oft schwerer und die Dauer der depressiven Episoden länger als bei einer Depression ohne zusätzliche wahnhafte Anzeichen. Diese schwere Form der Depression kommt äusserst selten vor. Eine psychotische Depression kann einmalig auftreten oder rezidivierend verlaufen.

Statistik
  • Die Wahrscheinlichkeit einmal im Leben an einer Depression zu erkranken liegt bei 15-25%
  • Der Geschlechtsunterschied zwischen Frauen und Männern beträgt 2:1 „zugunsten“ der Frauen
  • Das durchschnittliche Erkrankungsalter (Peak) liegt bei 35 Jahren
  • 50% der Betroffenen erkranken vor ihrem 40. Lebensjahr an einer Depression
  • Das durchschnittliche Erkrankungsalter bei jenen über 40 liegt zwischen 50 und 60 Jahren
  • Im Verlaufe der Zeit wurde (und wird immer noch) das Alter der Ersterkrankungen immer tiefer bzw. jünger
  • Mindestens 50% aller Depressionen sind rezidivierend (also wiederkehrend)
  • Eine depressive Episode dauert im Durchschnitt 6 Monate ohne Therapie
  • Die Suizidrate beträgt zwischen 10 und 15 Prozent (1% pro Jahr)
  • Bis zu 81% der Patienten, die eine affektive Störung (Depression und bipolare Störung) haben, leiden unter einer weiteren psychischen Erkrankung (z.B. Angststörung, Persönlichkeitsstörung, Suchterkrankung, ADHS etc.).