Duloxetin

Antidepressivum (SNRI) | Handelsnamen: Cymbalta, Ariclaim, Yentreve sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Duloxetin wurde von der Firma Eli Lilly entwickelt und 2004 auf dem europäischen Markt zugelassen. Es wird vorwiegend unter dem Handelsnamen Cymbalta vertrieben. Weitere Namen sind Ariclaim, Yentreve, Xeristar und Duloxalta. Zudem gibt es diverse Generika.

Duloxetin ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der „selektiven Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer“ (SNRI) und zur Behandlung von Depressionen, generalisierten Angststörungen und Schmerzen bei diabetischer Neuropathie zugelassen. Das Medikament ist ab 18 Jahren freigegeben. Auf die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen hat es keinen Einfluss. Dennoch sollte immer zunächst abgewartet werden, bis man weiss, wie man auf ein Medikament reagiert. Bezüglich Alkohol sind keine Wechselwirkungen bekannt, dennoch ist Vorsicht geboten.

Speziell an Duloxetin ist, dass der Raucherstatus die Bioverfügbarkeit des Medikamentes beeinflusst. Eine bis zu 50% niedrigere Bioverfügbarkeit lässt sich bei Rauchern feststellen. Diese brauchen somit häufig eine signifikant höhere Dosis um die gleiche Wirksamkeit wie bei Nichtrauchern zu erzielen.

Im Vergleich mit anderen Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer hat Duloxetin eine 10-fach höhere Affinität zu Serotonin als zu Noradrenalin (hemmt also die Wiederaufnahme von Serotonin 10x stärker als jene von Noradrenalin). Während Milnacipran die Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme ungefähr gleich stark blockiert, hat Venlafaxin eine 30-fach höhere Affinität zu Serotonin.

Im Vergleich zu Venlafaxin (jedoch nicht zu Milnacipran) hemmt Duloxetin die Noradrenalin-Wiederaufnahme bereits von Beginn weg und nicht erst bei der Einnahme einer höheren Dosis.

Indikation
  • Depression (inkl. Rezidivprophylaxe)
  • Generalisierte Angststörung
  • Schmerzen bei diabetischer Neuropathie
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Morgens unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Zieldosis: 60-120mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 6-10 Stunden

Halbwertszeit: 8-17 Stunden

Bioverfügbarkeit: 32-80%

Wirkungseintritt: nach 2-5 Wochen täglicher Einnahme

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren. Die Bioverfügbarkeit bei Duloxetin hängt auch stark vom Raucherstatus ab (bei Rauchern um bis zu 50% verringert).

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%): Übelkeit, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit.

Häufig (1-10%): Müdigkeit, Stürze, sexuelle Funktionsstörungen (inkl. Libidoverlust), schmerzhaftes Wasserlassen, häufiges Wasserlassen, Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe, Schwitzen, Hautausschlag, Juckreiz, Verstopfung, Durchfall, Bauchschmerzen, Erbrechen, Verdauungsstörungen, Blähungen, Rachenschmerzen, Gähnen, Blutdruckanstieg, Erröten, Herzklopfen, Tinnitus, verschwommenes Sehen, Schwindel, Lethargie, Zittern (Tremor), Missempfindungen der Haut (z.B. Kribbeln, Taubheitsgefühl etc.), Schlafstörungen, Angst, Unruhe, abnormale Träume, Gewichtsabnahme, verminderter Appetit.

Gelegentlich (0.1-1%): Veränderung der Blutwerte (Blutkreatinphosphokinase-Anstieg, Anstieg des Kaliumplasmaspiegels, Hyperglykämie), Brustschmerzen, Hitzegefühl, Kältegefühl, Unwohlsein, Durst, Schüttelfrost, Unbehagen, Hodenschmerzen, gynäkologische Blutungen, Menstruationsstörungen, nächtliches Wasserlassen (Bettnässen), Verzögerung beim Wasserlassen, Harnverhalt, verminderter Harnfluss, Muskelsteifigkeit, Muskelzuckungen, Nachtschweiss, Nesselfieber, Hautausschläge, Lichtüberempfindlichkeit der Haut, kalter Schweiss, erhöhte Neigung zu Blutergüssen, erhöhte Leberenzymwerte, Hepatitis, Leberschädigung, Blutungen im Verdauungstrakt, Aufstossen, Magen-Darm-Entzündung, Schluckstörungen, Engegefühl im Rachen, kalte Extremitäten, niedriger Blutdruck, Ohnmachtsanfälle (Synkope), Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Ohrenschmerzen, grosse Pupillen, Sehbehinderungen, trockene Augen, motorische Unruhe, Nervosität, Aufmerksamkeitsstörung, verändertes Geschmacksempfinden, Bewegungsstörungen, Restless-Legs-Syndrom, Gangstörungen, Suizidgedanken, Zähneknirschen, Verwirrtheit, Teilnahmslosigkeit (Apathie), Gewichtszunahme, Entzündung des Kehlkopfes.

Selten (0.01-0.1%): Menopausale Symptome, Milchfluss ohne Schwangerschaft/Stillzeit, Veränderung von Blutwerten (Hyperprolaktinämie, erhöhter Blutcholesterinspiegel, Hyponatriämie), abnormaler Uringeruch, Krampf der Kaumuskulatur, Entzündung der Mundschleimhaut, Mundgeruch, Rektalblutungen, grüner Star, Dehydration, mangelnde Schilddrüsenhormone (Hypothyreose), allergische Reaktionen des Immunsystems, Überempfindlichkeitsreaktion, Manie, Halluzinationen, Aggression, Wut, Krampfanfälle, SIADH, Serotonin-Syndrom, psychomotorische Unruhe, Gelbsucht, Leberversagen, Angioödem, Stevens-Johnson Syndrom.

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen/Einzelfälle/Häufigkeit unbekannt): Darm-Entzündung, Absetzsymptome, erhöhtes Risiko von Knochenbrüchen.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Üblicherweise lassen die meisten (nicht alle) unerwünschten Wirkungen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz. Bei schwerwiegenden Komplikationen muss jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Duloxetin:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Duloxetin-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen) und Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen).
  • Wenn Sie an einer Lebererkrankung leiden.
  • Wenn Sie an einer schweren Nierenerkrankung leiden.
  • Wenn Sie einen nicht eingestellten Bluthochdruck haben.
  • Wenn Sie Fluvoxamin (Antidepressivum/SSRI) einnehmen.
  • Wenn Sie Antibiotika Ciprofloxacin oder Enoxacin) einnehmen.

 

Bei der Einnahme von Duloxetin ist Vorsicht geboten…

  • Wenn Sie an Krampfanfällen (Epilepsie) leiden oder einmal gelitten haben.
  • Wenn Sie an einer Manie bzw. bipolaren Störung leiden oder gelitten haben (eine psychische Erkrankung die sich einerseits als Hochgefühl oder andererseits als Wechsel zwischen Hochgefühl und Niedergeschlagenheit zeigen kann).
  • Wenn Sie Augenprobleme wie bestimmte Arten von Glaukom (erhöhter Augeninnendruck) haben.
  • Wenn Sie eine Tendenz zu Blutergüssen und/oder vermehrten Blutungen haben.
  • Wenn Sie unter 18 Jahre alt sind.
  • Wenn Sie Herzprobleme oder einen hohen Blutdruck haben.
  • Wenn Sie ein erhöhtes Risiko für niedrige Natriumblutwerte haben (z.B. wenn Sie Diuretika bzw. Entwässerungstabletten einnehmen, besonders in höherem Alter).

 

Duloxetin soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Blutverdünnenden Arzneimitteln (Antikoagulantien) und/oder Arzneimitteln, von denen bekannt ist, dass sie die Blutungszeit verlängern bzw. die Plättchenfunktion beeinflussen (z.B. Acteylsalicylsäure, nichtsteroidale Entzündungshemmer).
  • Benzodiazepine
  • Morphinomimetika
  • Antipsychotika/Neuroleptika
  • Phenobarbital
  • Sedative Antihistaminika
  • Wirkstoffe die den Neurotransmitter Serotonin beeinflussen wie z.B. Triptane (gegen Migräne), Tramadol (Schmerzmittel), Tryptophan, Lithium, Lienzolid (Antibiotikum), andere Antidepressiva usw.

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine ausreichenden Daten über die Anwendung von Duloxetin bei schwangeren Frauen vor. Das potenzielle Risiko für den Menschen ist unbekannt.

Nach Einnahme von Duloxetin bzw. anderen SNRI’s am Ende der Schwangerschaft, traten bei einigen Neugeborenen folgende Absetzsymptome auf: Ess- und Schlafstörungen, Atmungsschwierigkeiten, bläuliche Verfärbung der Haut, Atemunterbrüche, Krampfanfälle, Temperaturschwankungen, zu niedriger Blutzuckerspiegel, Tremor, abnormale Muskelspannungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Erbrechen, abnormale Irritabilität, Überspanntheit, Lethargie, Schläfrigkeit und anhaltendes Weinen.

Eine SNRI-Exposition in der späten Schwangerschaft kann das Risiko für eine persistierende pulmonale Hypertonie beim Neugeborenen (PPHN) erhöhen.

Duloxetin geht in die Muttermilch über. Die von einem Säugling pro kg Körpergewicht aufgenommene Menge liegt bei etwa 0,14% der von der Mutter eingenommenen Dosis. Da keine Information über die Verträglichkeit von Duloxetin bei Säuglingen und Kindern vorliegt, wird die Anwendung von Duloxetin während der Stillzeit nicht empfohlen.

Studien

Vergleich mit Placebo: Über 3000 Personen mit einer leichten bis mittelschweren Depression haben an den bisher veröffentlichten Doppelblindstudien teilgenommen, in denen Duloxetin gegen Placebo geprüft wurde. In mehreren Studien wurde eine Duloxetin-Tagesdosis von 60 mg während 9 Wochen mit Placebo verglichen. In der Mehrzahl dieser Studien fand sich gemäss verschiedenen Skalen eine gegenüber Placebo signifikante antidepressive Wirkung. Als Beispiel kann eine Studie bei 267 Personen genannt werden, in der 65% der Behandelten auf Duloxetin ansprachen, jedoch nur 42% auf Placebo. Am Ende der Studie hatte die Punktezahl in der Hamilton-Depressionsskala unter Duloxetin um 10,5 Punkte, unter Placebo jedoch nur um 8,3 Punkte abgenommen.

In mehreren Studien wurden besonders auch die begleitenden Schmerzsymptome (z.B. Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Schulterschmerzen) erfasst; dabei fand sich unter Duloxetin teilweise eine deutliche schmerzlindernde Wirkung, jedoch nicht immer eine signifikante antidepressive Aktivität.

In einer längeren Studie wurde bei 278 Personen, die auf die Tagesdosis von 60 mg angesprochen hatten, das Medikament oder ein Placebo doppelblind während 6 Monaten weiter verabreicht. Unter der aktiven Behandlung traten Rückfälle signifikant später auf und es liessen sich noch weitere Vorteile (z.B. bezüglich Lebensqualität) feststellen.

Vergleich mit Paroxetin: Andere Studien dienten dem Nachweis, dass Duloxetin anderen Antidepressiva –insbesondere Paroxetin– leicht überlegen ist. In diesen wurde Duloxetin allerdings höher dosiert.

Zwei Doppelblindstudien mit identischem Protokoll umfassten zusammen 759 Personen mit einer Depression; die Behandlung erfolgte in ungefähr gleich grossen Gruppen mit Duloxetin (eine Gruppe mit 80 mg/Tag, die andere mit 120 mg/Tag), Paroxetin (20 mg/Tag) oder Placebo. Nach 8 Wochen wurden nur diejenigen für weitere 6 Monate weiterbehandelt, die bis dahin deutlich auf die Behandlung angesprochen hatten. Die Resultate einer dieser Studien (mit 392 Teilnehmenden) zeigen auf, wie prekär der Nachweis einer antidepressiven Wirksamkeit ist: Nach der Anfangsphase von 8 Wochen war der Hamilton- Punktewert in keiner «aktiv» behandelten Gruppe signifikant mehr gesunken als in der Placebogruppe. Nur wenn die Zahlen über die ganzen 8 Wochen interpoliert wurden («mixed-effects repeated measures»), ergab sich für die beiden Duloxetingruppen ein signifikant besseres Resultat. Aus allen Gruppen wurden rund drei Viertel der Teilnehmenden in die Fortsetzungsphase aufgenommen. In den folgenden 6 Monaten zeigten sich in Bezug auf Rückfälle keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen; auch in der Placebogruppe konnte der Therapieerfolg der akuten Phase bei 84% aufrechterhalten werden.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.

Stand der Information: Juni 2015

Duloxetin

Antidepressivum (SNRI) | Handelsnamen: Cymbalta, Ariclaim sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Duloxetin wurde von der Firma Eli Lilly entwickelt und 2004 auf dem europäischen Markt zugelassen. Es wird vorwiegend unter dem Handelsnamen Cymbalta vertrieben. Weitere Namen sind Ariclaim, Yentreve, Xeristar und Duloxalta. Zudem gibt es diverse Generika.

Duloxetin ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der „selektiven Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer“ (SNRI) und zur Behandlung von Depressionen, generalisierten Angststörungen und Schmerzen bei diabetischer Neuropathie zugelassen. Das Medikament ist ab 18 Jahren freigegeben. Auf die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen hat es keinen Einfluss. Dennoch sollte immer zunächst abgewartet werden, bis man weiss, wie man auf ein Medikament reagiert. Bezüglich Alkohol sind keine Wechselwirkungen bekannt, dennoch ist Vorsicht geboten.

Speziell an Duloxetin ist, dass der Raucherstatus die Bioverfügbarkeit des Medikamentes beeinflusst. Eine bis zu 50% niedrigere Bioverfügbarkeit lässt sich bei Rauchern feststellen. Diese brauchen somit häufig eine signifikant höhere Dosis um die gleiche Wirksamkeit wie bei Nichtrauchern zu erzielen.

Im Vergleich mit anderen Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer hat Duloxetin eine 10-fach höhere Affinität zu Serotonin als zu Noradrenalin (hemmt also die Wiederaufnahme von Serotonin 10x stärker als jene von Noradrenalin). Während Milnacipran die Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme ungefähr gleich stark blockiert, hat Venlafaxin eine 30-fach höhere Affinität zu Serotonin.

Im Vergleich zu Venlafaxin (jedoch nicht zu Milnacipran) hemmt Duloxetin die Noradrenalin-Wiederaufnahme bereits von Beginn weg und nicht erst bei der Einnahme einer höheren Dosis.

Indikation
  • Depression (inkl. Rezidivprophylaxe)
  • Generalisierte Angststörung
  • Schmerzen bei diabetischer Neuropathie
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Morgens.
Die Einnahme muss täglich erfolgen.

Zieldosis: 60-120mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: 6-10 Stunden

Halbwertszeit: 8-17 Stunden

Bioverfügbarkeit: 32-80%

Wirkungseintritt: 2-5 Wochen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren. Die Bioverfügbarkeit bei Duloxetin hängt auch stark vom Raucherstatus ab (bei Rauchern um bis zu 50% verringert).

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%):

  • Übelkeit
  • Mundtrockenheit
  • Kopfschmerzen
  • Schläfrigkeit

Häufig (1-10%):

  • Müdigkeit
  • Stürze
  • Sexuelle Funktionsstörungen (inkl. Libidoverlust)
  • Schmerzhaftes Wasserlassen
  • Häufiges Wasserlassen
  • Muskelschmerzen
  • Muskelkrämpfe
  • Schwitzen
  • Hautausschlag
  • Juckreiz
  • Verstopfung
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Erbrechen
  • Verdauungsstörungen
  • Blähungen
  • Rachenschmerzen
  • Gähnen
  • Blutdruckanstieg
  • Erröten
  • Herzklopfen
  • Tinnitus
  • Verschwommenes Sehen
  • Schwindel
  • Lethargie
  • Zittern (Tremor)
  • Missempfindungen der Haut (z.B. Kribbeln, Taubheitsgefühl etc.)
  • Schlafstörungen
  • Angst
  • Unruhe
  • Abnormale Träume
  • Gewichtsabnahme
  • Verminderter Appetit

Gelegentlich (0.1-1%):

  • Veränderung der Blutwerte (Blutkreatinphosphokinase-Anstieg, Anstieg des Kaliumplasmaspiegels, Hyperglykämie)
  • Brustschmerzen
  • Hitzegefühl
  • Kältegefühl
  • Unwohlsein
  • Durst
  • Schüttelfrost
  • Unbehagen
  • Hodenschmerzen
  • Gynäkologische Blutungen
  • Menstruationsstörungen
  • Nächtliches Wasserlassen (Bettnässen)
  • Verzögertes Wasserlassen
  • Harnverhalt
  • Verminderter Harnfluss
  • Muskelsteifigkeit
  • Muskelzuckungen
  • Nachtschweiss
  • Nesselfieber
  • Hautausschläge
  • Lichtüberempfindlichkeit der Haut
  • Kalter Schweiss
  • Erhöhte Neigung zu Blutergüssen
  • Erhöhte Leberenzymwerte
  • Hepatitis
  • Leberschädigung
  • Blutungen im Verdauungstrakt
  • Aufstossen
  • Magen-Darm-Entzündung
  • Schluckstörungen
  • Engegefühl im Rachen
  • Kalte Extremitäten
  • Niedriger Blutdruck
  • Ohnmachtsanfälle
  • Herzrasen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Ohrenschmerzen
  • Grosse Pupillen
  • Sehbehinderungen
  • Trockene Augen
  • Motorische Unruhe
  • Nervosität
  • Aufmerksamkeitsstörung
  • Verändertes Geschmacksempfinden
  • Bewegungsstörungen
  • Restless-Legs-Syndrom
  • Gangstörungen
  • Suizidgedanken
  • Zähneknirschen
  • Verwirrtheit
  • Teilnahmslosigkeit (Apathie)
  • Gewichtszunahme
  • Entzündung des Kehlkopfes

Selten (0.01-0.1%):

  • Menopausale Symptome
  • Milchfluss ohne Schwangerschaft/Stillzeit
  • Veränderung von Blutwerten (Hyperprolaktinämie, erhöhter Blutcholesterinspiegel, Hyponatriämie)
  • Abnormaler Uringeruch
  • Krampf der Kaumuskulatur
  • Entzündung der Mundschleimhaut
  • Mundgeruch
  • Rektalblutungen
  • Grüner Star
  • Dehydration
  • Mangelnde Schilddrüsenhormone (Hypothyreose)
  • Allergische Reaktionen des Immunsystems
  • Überempfindlichkeitsreaktion
  • Manie
  • Halluzinationen
  • Aggression
  • Wut
  • Krampfanfälle
  • SIADH
  • Serotonin-Syndrom
  • Psychomotorische Unruhe
  • Gelbsucht
  • Leberversagen
  • Angioödem
  • Stevens-Johnson Syndrom

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen / Einzelfälle / Häufigkeit unbekannt):

  • Darm-Entzündung
  • Absetzsymptome
  • Erhöhtes Risiko von Knochenbrüchen

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Üblicherweise lassen die meisten (nicht alle) unerwünschten Wirkungen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz. Bei schwerwiegenden Komplikationen muss jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Duloxetin:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Duloxetin-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen) und Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen).
  • Wenn Sie an einer Lebererkrankung leiden.
  • Wenn Sie an einer schweren Nierenerkrankung leiden.
  • Wenn Sie einen nicht eingestellten Bluthochdruck haben.
  • Wenn Sie Fluvoxamin (Antidepressivum/SSRI) einnehmen.
  • Wenn Sie Antibiotika Ciprofloxacin oder Enoxacin) einnehmen.

 

Bei der Einnahme von Duloxetin ist Vorsicht geboten…

  • Wenn Sie an Krampfanfällen (Epilepsie) leiden oder einmal gelitten haben.
  • Wenn Sie an einer Manie bzw. bipolaren Störung leiden oder gelitten haben (eine psychische Erkrankung die sich einerseits als Hochgefühl oder andererseits als Wechsel zwischen Hochgefühl und Niedergeschlagenheit zeigen kann).
  • Wenn Sie Augenprobleme wie bestimmte Arten von Glaukom (erhöhter Augeninnendruck) haben.
  • Wenn Sie eine Tendenz zu Blutergüssen und/oder vermehrten Blutungen haben.
  • Wenn Sie unter 18 Jahre alt sind.
  • Wenn Sie Herzprobleme oder einen hohen Blutdruck haben.
  • Wenn Sie ein erhöhtes Risiko für niedrige Natriumblutwerte haben (z.B. wenn Sie Diuretika bzw. Entwässerungstabletten einnehmen, besonders in höherem Alter).

 

Duloxetin soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Blutverdünnenden Arzneimitteln (Antikoagulantien) und/oder Arzneimitteln, von denen bekannt ist, dass sie die Blutungszeit verlängern bzw. die Plättchenfunktion beeinflussen (z.B. Acteylsalicylsäure, nichtsteroidale Entzündungshemmer).
  • Benzodiazepine
  • Morphinomimetika
  • Antipsychotika/Neuroleptika
  • Phenobarbital
  • Sedative Antihistaminika
  • Wirkstoffe die den Neurotransmitter Serotonin beeinflussen wie z.B. Triptane (gegen Migräne), Tramadol (Schmerzmittel), Tryptophan, Lithium, Lienzolid (Antibiotikum), andere Antidepressiva usw.

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine ausreichenden Daten über die Anwendung von Duloxetin bei schwangeren Frauen vor. Das potenzielle Risiko für den Menschen ist unbekannt.

Nach Einnahme von Duloxetin bzw. anderen SNRI’s am Ende der Schwangerschaft, traten bei einigen Neugeborenen folgende Absetzsymptome auf: Ess- und Schlafstörungen, Atmungsschwierigkeiten, bläuliche Verfärbung der Haut, Atemunterbrüche, Krampfanfälle, Temperaturschwankungen, zu niedriger Blutzuckerspiegel, Tremor, abnormale Muskelspannungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Erbrechen, abnormale Irritabilität, Überspanntheit, Lethargie, Schläfrigkeit und anhaltendes Weinen.

Eine SNRI-Exposition in der späten Schwangerschaft kann das Risiko für eine persistierende pulmonale Hypertonie beim Neugeborenen (PPHN) erhöhen.

Duloxetin geht in die Muttermilch über. Die von einem Säugling pro kg Körpergewicht aufgenommene Menge liegt bei etwa 0,14% der von der Mutter eingenommenen Dosis. Da keine Information über die Verträglichkeit von Duloxetin bei Säuglingen und Kindern vorliegt, wird die Anwendung von Duloxetin während der Stillzeit nicht empfohlen.

Studien

Vergleich mit Placebo: Über 3000 Personen mit einer leichten bis mittelschweren Depression haben an den bisher veröffentlichten Doppelblindstudien teilgenommen, in denen Duloxetin gegen Placebo geprüft wurde. In mehreren Studien wurde eine Duloxetin-Tagesdosis von 60 mg während 9 Wochen mit Placebo verglichen. In der Mehrzahl dieser Studien fand sich gemäss verschiedenen Skalen eine gegenüber Placebo signifikante antidepressive Wirkung. Als Beispiel kann eine Studie bei 267 Personen genannt werden, in der 65% der Behandelten auf Duloxetin ansprachen, jedoch nur 42% auf Placebo. Am Ende der Studie hatte die Punktezahl in der Hamilton-Depressionsskala unter Duloxetin um 10,5 Punkte, unter Placebo jedoch nur um 8,3 Punkte abgenommen.

In mehreren Studien wurden besonders auch die begleitenden Schmerzsymptome (z.B. Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Schulterschmerzen) erfasst; dabei fand sich unter Duloxetin teilweise eine deutliche schmerzlindernde Wirkung, jedoch nicht immer eine signifikante antidepressive Aktivität.

In einer längeren Studie wurde bei 278 Personen, die auf die Tagesdosis von 60 mg angesprochen hatten, das Medikament oder ein Placebo doppelblind während 6 Monaten weiter verabreicht. Unter der aktiven Behandlung traten Rückfälle signifikant später auf und es liessen sich noch weitere Vorteile (z.B. bezüglich Lebensqualität) feststellen.

Vergleich mit Paroxetin: Andere Studien dienten dem Nachweis, dass Duloxetin anderen Antidepressiva –insbesondere Paroxetin– leicht überlegen ist. In diesen wurde Duloxetin allerdings höher dosiert.

Zwei Doppelblindstudien mit identischem Protokoll umfassten zusammen 759 Personen mit einer Depression; die Behandlung erfolgte in ungefähr gleich grossen Gruppen mit Duloxetin (eine Gruppe mit 80 mg/Tag, die andere mit 120 mg/Tag), Paroxetin (20 mg/Tag) oder Placebo. Nach 8 Wochen wurden nur diejenigen für weitere 6 Monate weiterbehandelt, die bis dahin deutlich auf die Behandlung angesprochen hatten. Die Resultate einer dieser Studien (mit 392 Teilnehmenden) zeigen auf, wie prekär der Nachweis einer antidepressiven Wirksamkeit ist: Nach der Anfangsphase von 8 Wochen war der Hamilton- Punktewert in keiner «aktiv» behandelten Gruppe signifikant mehr gesunken als in der Placebogruppe. Nur wenn die Zahlen über die ganzen 8 Wochen interpoliert wurden («mixed-effects repeated measures»), ergab sich für die beiden Duloxetingruppen ein signifikant besseres Resultat. Aus allen Gruppen wurden rund drei Viertel der Teilnehmenden in die Fortsetzungsphase aufgenommen. In den folgenden 6 Monaten zeigten sich in Bezug auf Rückfälle keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen; auch in der Placebogruppe konnte der Therapieerfolg der akuten Phase bei 84% aufrechterhalten werden.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.

Stand der Information: Juni 2015